Alt, Wasser, Antik

Altstadt. Da wir inzwischen in einem sehr fortgeschrittenen Zeitalter leben, können wir auf eine für ein Menschenleben kaum greifbare Spanne an geschichtlichen Ereignissen zurückblicken und finden eigentlich überall alte Städte oder zumindest einen historischen Bereich innerhalb einer Stadt, die sogenannte Altstadt. Kein Wunder, möchte man meinen, da es ja immerhin schon 2010 n. C. ist und die Menschheit entsprechend viele Epochen durchlebt hat. Allerdings sind gerade in unseren Breitengraden durch Kriege, Eroberungen und Modernisierungen eine Vielzahl historischer Stätten verschwunden, was dazu geführt hat, dass insbesondere in Deutschland die meisten Städte kaum eigenes Flair ausstrahlen und im großen und ganzen beliebig austauschbar sind.

Umso beeindruckender ist es daher, wenn man dann mal in einer extrem gut erhaltenen Altstadt des alten osmanischen Reichs auf Entdeckungstour geht. Heute war uns das in Kaleici, der Altstadt Antalyas, vergönnt und die Eindrücke haben uns den ganzen Tag begleitet. Die engen Gässchen und das sehr gut erhaltene Stadttor lassen erahnen, wie lebhaft es hier in alter Zeit zuging und zu welch schöner Architektur dieses Volk in der Lage ist (mitten in Antalya vergisst man das schon mal und fühlt sich eher wie in Sozialbausiedlungen). Auf alten Straßen schlenderten wir an Teppichknüpfern, Malern und Händlern vorbei, dabei meist im Schatten der uralten, aber wunderschönen Gebäude, die einem förmlich ihre Geschichten entgegenriefen. Hier eine Herberge, heute ein edles Hotel, das bereits seit Jahrhunderten Gäste aufnimmt und so manche prominenten Besucher unter seinem Dach begrüßen durfte, dort eine alte Moschee, die, inzwischen in Ruinen, vor langer Zeit von den Zyprioten erobert und zur Kirche umfunktioniert wurde, bis sie später zurückgewonnen wurde und wieder den Zweck der Erbauer erfüllte. Dazu ein altertümlicher Hafen, auf den man von der Promenade am Meer einen schönen Blick hat. Zu guter Letzt betraten wir eine für Gäste geöffnete Moschee, was für mich besonders interessant war, da mich die Religionen der verschiedenen Kulturen inklusive ihrer heiligen Stätten sehr interessieren. Obwohl ich mir das Innere einer Moschee irgendwie älter und pompöser vorgestellt habe (christliche Kirchen prägen eben), war ich nicht enttäuscht, sondern meinte im Gegenteil sogar, einen Hauch von Spiritualität zu spüren … aber nur einen Hauch 🙂

Nach gut zwei Stunden verließen wir die Altstadt und diskutierten kurz über ein mögliches nächstes Ziel. Hierbei wurden wir mit einem interessanten, für uns aber etwas befremdlichen Aspekt dieser Kultur konfrontiert. Eine sehr alte Frau kam an das Beifahrerfenster des Autos und bettelte mein Girly fordernd und halbwegs aggressiv an. Erst ein sehr deutliches nein (auf türkisch) von mir veranlasste sie schließlich, ihren Weg zu gehen und uns ebenfalls weiterziehen zu lassen. Diese Bestimmtheit fällt mir sehr schwer, ist hier aber unabdingbar, um nicht ausgenutzt und arm zu werden.

Wir machten uns also auf und fuhren zu den Düden-Wasserfallen, etwas außerhalb von Antalya. Auch diese enttäuschten uns, wie schon die Altstadt, nicht im geringsten. Pro Person waren 2,50 TL Eintritt fällig, die sich vollkommen ausgezahlt haben. Wir hatten tolles Wetter, strahlenden Sonnenschein, und so konnten wir den Park und die Wassermassen in ihrer ganzen Pracht genießen. Verschiedene Flussläufe fließen hier durch, es gibt kleine Brücken und jede Menge Gelegenheiten für stylische Naturfotos. An einer steilen Klippe stürzen schließlich die beiden Wasserfälle hinab und vereinen sich zu einem rauschenden Fluss. Durch ein felsiges Höhlensystem gelangt man zum Fuß der Fälle hinab und erhielt heute so die Chance, einen tollen Regenbogen zu bewundern. Unter dem Einfluss dieser prachtvollen Kulisse entschlossen wir uns zu einer kleinen Rast oberhalb der Wasserfälle und bestellten türkischen Kaffee, Tee und ein Gözleme Suczuk für mich. Der Tee war super, das Gözleme auch (Teigtaschen mit türkischer Wurst), nur der Kaffee war dem Girly etwas zu zuckrig und schmeckte ihrer Aussage nach schwerpunktmäßig nach Kaffeesatz – that’s life 😉 Anschließend drehten wir noch eine Runde, bevor wir den tollen Park wieder verließen.

Da es erst früher Nachmittag war, führte unser Weg noch nach Termessos, eine wahrhaft alte, antike Ruinenstadt, die archäologisch noch kaum erforscht, dabei aber sehr gut erhalten ist. Hier waren 10 TL Eintritt pro Person fällig, aber auch die haben sich absolut gelohnt. Vom Parkplatz aus ging es den Königsweg hinauf, vorbei an der unteren Stadtmauer und dem Stadttor, direkt zum 90 Meter langen Gymnasium und Bad. Mauern, Säulen und Tore sind gut sichtbar und mit der nötigen Fantasie konnte man sich gut die geschätzt 3500 Jahre zurückversetzen. Weiter ging es, am Marktplatz mit unterirdischen Speichern, sowie Tempeln vorbei, bis uns der Weg zum großartig erhaltenen Theater griechischer Bauart führte (der Lageplan versichert übrigens, dass die Stadt auf keinen Fall griechischen Ursprungs ist). Das Theater ist direkt an die Klippen gebaut (ca. 1000 Meter hoch), bietet einen tollen Fernblick und lässt die Stimmung erahnen, die hier einst geherrscht haben muss. Nach dem Theater besichtigten wir auch noch die Nekropole, den Friedhof der Stadt, auf welchem sich das bedeutende Grab von Alkates befindet, der ein hoher Befehlshaber unter Alexander dem Großen war und in der Stadt durch eine Verschwörung der alten gegen die jungen Einwohner zum Selbstmord verleitet wurde. Ihm zu Ehren errichteten die Jungen ein prachtvolles Grabmal. Alexander selbst schaffte es übrigens nicht, Termessos zu erobern, nannte es daraufhin ein unwichtiges Adlernest, ließ frustriert tausende Olivenbäume vernichten und zog unverrichteter Dinge weiter auf seinem Eroberungszug. Wir zogen auch weiter, vorbei an weiteren, in den Fels gehauene Grabstätten, bis wir nach gut drei Stunden wieder den Parkplatz erreichten. Hier bekamen wir noch ein paar Insidergeschichten über Termessos durch den sehr freundlichen Parkplatzaufseher erzählt und fuhren daraufhin bestens gelaunt zurück zum Hotel.

Nun sind wir ja nie völlig ausgelastet, deshalb ging es auch heute noch kurz zum Sport, bevor wir ein weiteres tolles Abendessen einnahmen. Ich gönnte mir sogar ein Gläschen Rotwein zum Hähnchenfilet. Im Zimmer machte ich mich dann an den Blog, das Girly tat währenddessen etwas für die kleinen, grauen Zellen und verschwand gegen 23 Uhr Ortszeit in der Heia. Nun ist es in der Türkei bereits nach Mitternacht, aber zumindest nach deutscher Zeit ist der Artikel noch fertig geworden. In 6,5 Stunden klingelt der Wecker, deshalb heißt es auch für mich gleich „Bettkarte stechen“. Macht es mir nach und ihr seid morgen fit. Keep on rockin‘ !!

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