Zum Umgang mit Mördern

Todesstrafe. Gleiches mit Gleichem vergelten? Warum eigentlich nicht? Weil es menschenunwürdig ist? Aber rechtfertigen menschenunwürdige Taten nicht eine gleichgestellte Bestrafung, verdient sich der Täter diese durch seine Taten nicht sogar? Weil es Fehler gibt, weil man niemals einen Irrtum ausschließen kann? Klar, wäre fatal, allerdings könnte hier das von manchen proklamierte „Ein Fehler rechtfertigt Tausend richtige Entscheidungen“ herangezogen werden. Zudem könnte höchst sensibel mit einem entsprechenden Urteil umgegangen werden – das Todesurteil nur bei unumstößlichen, nicht widerlegbaren Beweisen – der Rest kommt lebenslang (wirklich lebenslang, nicht bloß 15 Jahre) in eine Gummizelle. Gerne auch mit gewissem Equipment, Strick, Stuhl, Haken … dann erledigt sich so manches Problem ganz schnell von selbst. Unsicherheitsfaktor: Auch ein verzweifelter, weil unschuldig Verurteilter könnte sich das Leben nehmen oder geistig zerrüttet werden – doch zieht dann eventuell die oben bereits erwähnte Proklamation.

Was aber ist mit Menschen, die für ihre Taten nicht vollumfänglich verantwortlich gemacht werden können, weil zwar feststeht, dass sie es gewesen sind, aber zum Zeitpunkt der Tat geistige Einschränkungen vorgelegen haben? Ein Fehler als Zerstörung des eigenen Lebens, für immer? Möglich wäre es, immerhin wurde auf der anderen Seite auch ein Leben zerstört und der Zustand des Täters interessiert das Opfer längst nicht mehr. Ist Resozialisierung, Sicherungsverwahrung, Reue tatsächlich Grund genug, für ein genommenes Leben ein anderes zu verschonen (und gegebenenfalls weitere zu gefährden, Rückfallgefahr)? Ich bin selbst hin- und hergerissen, denn in der Regel kann nichts einen kaltblütigen Mord entschuldigen und insbesondere, wenn Kinder zum Opfer fallen, komme ich rasch an meine Widerstandsgrenze, was die Ablehnung der Todesstrafe angeht.

Die derzeitige Berichterstattung über die ermordeten Kinder von Bodenfelde geht in diese Richtung, was mich dabei jedoch stört, ist die derzeitige Aufarbeitung des Täters. Immer schon gewaltbereit, Drogen genommen, unter Beobachtung stehend, die Taten im Internet ankündigend (und nach erfolgter Tat bestätigend, wo sich schon die Frage stellt, was „unter Beobachtung“ wirklich bedeutet) – alles Erklärungsansätze, warum er es getan haben könnte (schwere Kindheit, psychische Labilität, instabile Lebensumstände), die genau eines bewirken könnten: Das letztendliche Urteil verwässern. Denn würde man gemäß unserer Rechtsprechung sagen, dass er voll zurechnungsfähig und dazu noch vorher auffällig war, wäre die Frage nach der Aufenthaltsdauer in der staatlichen Betreuungsanstalt schnell klar: Für immer, inklusive Sicherungsverwahrung (wobei da ja gerade Paralleldiskussionen bezüglich der Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme laufen und zudem Platzprobleme existieren – ein weiterer Irrsinn). Durch die Verwässerung könnte es nun weniger oder eine andere Form der Strafe werden – zum Beispiel in einer geschlossenen psychischen Verwahranstalt. Und da bin ich tatsächlich gegen. Die Strafe muss sich an der Tat orientieren, nicht am Zustand des Täters zum Zeitpunkt seiner Taten – und schon gar nicht an seinem schweren Leben in den Jahren zuvor.

Ich bin gespannt, wie das Thema weitergeht und versuche auch, mich von allen Vorverurteilungen zu distanzieren. Sollte der Verdächtige unschuldig sein, muss er freigelassen werden. Trotzdem bleibt mein oben genannter Appell an das Strafmaß bestehen: Der tatsächliche Täter sollte kein Sonnenlicht mehr in Freiheit erleben dürfen. Das ist unser Rechtssystem den unschuldigen Kindern, Eltern und Freunden schuldig. Keep on rockin´ !!

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