Wenn sich der Kreis schließt

Lebensende. Es ist ein für uns Jüngere unangenehmer, vermeintlich weit entfernter Gedanke. Wie wird es sein, wenn ich sterbe? Theoretisch denkt man schon mal daran, doch richtig darüber nachdenken will (und muss) man nicht. Was aber, wenn man hautnah mit dem Sterben konfrontiert wird? Was, wenn man ihm nicht mehr ausweichen kann, im Gegenteil, sogar aktiv eingreifen muss.

Ich habe mir niemals vorgestellt, mit einer derartigen Situation konfrontiert werden zu können (was für das eigene Seelenheil vermeintlich besser ist), aber gestern blieb leider keine Wahl. Mein unmittelbarer Nachbar verstarb dramatisch mittels eines Blutsturzes binnen kürzester Zeit, so dass alle Rettungsversuche von seiner Frau, mir und dem rasend schnell erschienenen Notarzt erfolglos blieben. Es bot sich ein Bild des Schreckens, was neben dem ungewohnten Anblick eines Verstorbenen natürlich an dem vielen Blut an und um meinen Nachbarn lag.

Der weitere Verlauf des Abends, abgelaufen wie ein TV-Drama, zog völlig an mir vorbei. Das Trösten der Witwe, Telefonate mit den Kindern, Gespräche mit Ärzten, dem Bestatter und letztendlich der Abtransport wirken bis heute völlig surreal auf mich. Auch als ich nach Stunden zurück in den eigenen vier Wänden war, ließ mich das Erlebte nicht mehr schlafen, was nicht alleine an den Bildern im Kopf, sondern auch der Endgültigkeit dieser Situation lag.

Wir werden sterben, klar, alle. Meine Nachbarin sagte gestern, sie sei von ihrer Tochter mal gefragt worden, warum man geboren wird, wenn man doch sowieso sterben muss. Die kindliche Suche nach dem Sinn des Lebens äußert sich in dieser einen Frage, die wir uns auf unterschiedlichste Weise vermutlich alle schon mal gestellt haben. Ich frage mich seit dieser Nacht noch intensiver, was ich mit meinem Leben anfangen will. Denn eins ist mir so bewusst geworden, wie noch nie zuvor: Ich werde sterben! Wann, kann ich heute glücklicherweise noch nicht sagen. Wie es passieren wird, weiß ich dankenswerterweise auch nicht. Aber es ist ein Fakt, dass es irgendwann soweit sein wird. „Ich will im Stehen sterben“, hat Reinhard Mey mehrfach gesungen. Das klingt verlockend. Doch bis es soweit ist, heißt es zu leben, nicht auf das Leben zu warten. Für mich heißt das: Noch mehr nachdenken, sortieren und einige Wünsche in die Tat umsetzen. Nicht alles unmittelbar. Aber vieles eben doch schneller, als irgendwann. Denn irgendwann kann es längst zu spät sein.

Ich werde weiter grübeln. „Komik ist Tragik in Spiegelschrift“ (Zitat: Max Herre, abgewandelt von James Thurber). In diesem Sinne…

…keep on rockin´
Ree

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