Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Keine Kraft in der Ruhe! (019/366)

Unruhe. Rastlosigkeit. Der Drang, immer in Bewegung zu bleiben und den Kopf permanent mit neuen Informationen zu füllen, um bloß nicht stillzustehen und in den Zwang zu geraten, Vergangenes zu reflektieren. Quasi mentales Weglaufen vor der Verarbeitung, verstecken hinter der vermeintlichen Sicherheit der pausenlosen Beschäftigung. Der Sieg der Angst vor unguten Gefühlen über der Möglichkeit, etwas, wenn schon nicht abzuschließen, dann wenigstens zu akzeptieren.

Offenbar ist genau das eine im Hintergrund arbeitende körpereigene Funktion. Denn bis gestern war mir nicht klar, dass ich zumindest streckenweise in genau diesem Modus unterwegs war. Dann aber entschlossen wir uns für einen aktivitätsgedrosselten Tag am Strand und der Promenade, also in Ruhe und Gelassenheit. Kaum war allerdings die erste halbe Stunde vergangen, bemerkte ich die oben angesprochene Unruhe. Ich versuchte es mit Musik, deutsch- und spanischsprachigen Zeitungen, Büchern und Meditation, aber der Drang, aufzuspringen und irgendwohin zu laufen, nur um Ablenkung zu finden, wurde beständig stärker.

Ich gab ihm nicht nach, konzentrierte mich eher auf Meeresrauschen und Atmung, aber es bewirkte das Gegenteil von allen Mantra-Versprechungen: Die Kraft verließ mich beständig, negative Gedanken brachen sich Bahn und die innere Zerrissenheit trat zum Vorschein. Das war nicht schön, das tat ordentlich weh und dieses Gefühl hielt sich auch, als wir einen Snack zu uns nahmen und ein paar Kleinigkeiten einkauften, also eigentlich für die ersehnte Abwechslung sorgten. Es setzte sich bis in den frühen Abend hinein fort, wir beobachteten den Tagesausklang vom Top Spot für Sonnenuntergänge, denn der altbekannte Genuss wollte sich nicht einstellen und mein Kumpel verzweifelte schon an meiner grummeligen Laune.

image So sehr mich das innerlich beschäftigte, war es aber vermeintlich wichtig (auch wenn ich das leicht anzweifle und nicht wirklich wahr haben will). Am Abend fühlte es sich zwar langsam wieder besser an, die Ribs und das Footballspiel im Irish Pub halfen beim Umlenken der Gedanken, aber die Unruhe hat sich mit Sicherheit nur versteckt. Dieser Tag war anstrengend und brachte mir zwei Erkenntnisse: Die Erlebnisse der vergangenen Monate sind entgegen meiner Vermutung noch lange nicht richtig verarbeitet und ich brauche mehr Bewegung, Sport, Ablenkung, Wissensvermittlung, was auch immer. Warum? Weil ich das Gefühl habe, noch nicht völlig bereit für meditative Ruhezustände zu sein. Ich werde sie aber dennoch auch hier weiter suchen, diese Ruhe. Vielleicht lauert ja auch sie nur irgendwo. Bestimmt!

Keep on rockin´

Ree 

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