Nutze jeden Tag! (021/366)

Bewusstsein. Sich seiner Selbst und insbesondere seiner Sterblichkeit bewusst sein. Visualisieren, dass das Leben, dieses persönliche Dasein, auf jeden Fall irgendwann sein Ende finden wird. Daran denken, dass (in der Regel) über das wie, wo und wann Ungewissheit herrscht. Sich dies dann und wann mal vor Augen führen, auch wenn es unangenehm und beängstigend sein kann. Das, so glaube ich, ist wichtig. Elementar. Sollte es doch zum Nachdenken anregen und dazu führen, seine Tage ein stückweit freier und vollkommener zu verbringen.

Ich hatte gestern eine Begegnung knapp unter dem Gipfel des Teide (Spaniens höchstem Berg), die mich mal wieder daran erinnert hat. Gerade genoss ich die mir dargebotene spektakuläre Aussicht auf das Gebirge, die Nachbarinseln und das Meer, was einen selbst gar winzig erscheinen lässt, da stieß eine rüstige Lady zu mir und erfreute sich spürbar daran, diesen Anblick wahrzunehmen.

Wir kamen ins Gespräch, zunächst allgemein, dann ging es um das Wandern (sie ist 63, in Rente, von England nach Südfrankreich umgesiedelt und wandert mit ihrem Ehemann mehrmals jährlich auf diversen Inseln) und das Leben an sich. Sie und ihr Mann sehen das Wandern als Selbsterfüllung, es bereitet ihnen Freude, mit der Natur in Einklang zu sein.

Was sie dann aber sagte war so profan wie richtig, insbesondere wenn es aus dem Mund eines „älteren“ Menschen kommt. Sie sagte, das Wichtigste im Leben sei, sich körperlich und geistig fit zu halten, zum Beispiel durch sportliche Aktivitäten und das Lernen von Sprachen. Um sie herum würden immer wieder Freunde sterben und man kenne seine eigenen Gene nicht. „Wer weiß, ob der Krebs nicht nur auf den Ausbruch lauert“. Sie sagte mir, sie möchte lieber auf der Strecke glücklich sterben, als im Haus langsam zu verrotten. Und sie empfahl mir zum Abschied: „Nutze jeden Tag“.

Nichts, was man nicht schon hunderte Mal gelesen („Carpe Diem“), gehört oder selbst gesagt hätte. Aber aus dem Mund dieser rüstigen britischen Frau, getroffen auf gut 3500 Metern Höhe, mit einem Ausblick, der einem den Atem raubt und die eigene Unwichtigkeit für das Universum vor Augen führt, bekommt dieser simple Satz ein schwer zu beschreibendes Gewicht. Keine Ahnung, ob ich das wirklich umgesetzt bekomme, die bewusste Nutzung eines jeden Tages. Aber aus dem Kopf geht es mir zumindest aktuell nicht mehr. Und das ist doch ein Anfang.

Keep on rockin´

Ree

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