Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Die unbeschwerte Einfachheit! (026/366)

Urlaubsflair. Sonne, Schiffe unterschiedlichster Art schaukeln im Hafenbecken, der Himmel ist blau und die Menschen flanieren über die Promenade. Mal bleibt einer stehen, ganz in sich verloren, und genießt das Treiben um ihn herum. Gruppen junger Leute lachen und albern herum, wieder andere berichten über soeben erlebtes, mit dem Funkeln des absolvierten Abenteuers in den Augen. Die Sprachen sind vielfältig, auch wenn Spanisch und Englisch natürlich heraus stechen.

Je älter die Menschen sind, desto schlechter wird der Kleidungsstil (oder sitzt die Kleidung der Jugend bei den Älteren einfach nur schlechter? Makellose Haut kommt vermeintlich besser als zur Schau gestellte Krampfadern). Oft passen sich dem leider auch die Manieren an, gerade in diesem Urlaub fällt mir die zurückhaltende Freundlichkeit der unter 65jährigen sehr positiv auf, wohingegen die äteren Semester (insbesondere der Urlaubsmittelschicht) umso häufiger unfreundlich, ausfallend und pampig reagiert. Ist es, weil zu wenig Restlebenszeit verbleibt oder man inzwischen der Meinung ist, man habe bezahlt, nun gehöre einem die Insel?

Einerlei, es sollte um Unbeschwertheit, Einfachheit gehen. Eine laue Brise weht, Kinder lachen und Verliebte schlendern umher. Gleich legen Bootstouren ab und die Teilnehmer sind ganz aufgeregt, besteht doch gerade in dieser Jahreszeit die Chance, nicht nur die heimischen Pilotwale in ihren Gefilden zu treffen, sondern auch die im Winter durch die Kanaren ziehenden großen Vertreter dieser faszinierenden Spezies. Auf Nachhaltigkeit bedacht, haben sich die meisten Besucher für naturzertifizierte Anbieter entschieden. Wir übrigens auch. Sehr gut!

Draußen auf dem Meer ist es dann stets vergleichbar, eine gewisse Ehrfurcht macht sich breit. Vor der Weite des Ozeans, dem gigantisch in den Himmel aufsteigenden Teide, der näher rückenden Nachbarinsel La Gomera. Und natürlich vor der Tatsache, dass man unter sich eine nasse, kalte, tausende Meter hinab reichende Schwärze hat. Dennoch führt es nicht zu Unbehagen, sondern man fühlt sich erstaunlich leicht, positiv schicksalsergeben und lässt den Flow zu. Man kann es ja sowieso nicht ändern, egal was passiert (auch wenn ein Mordsunwetter diese Stimmung sicherlich kippen ließe).

Dann tauchen sie auf, nicht gigantisch, nicht mal mächtig, sondern mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, als nähmen sie unser Schiff überhaupt nicht wahr. Grindwale, nicht viel größer als Delfine und auch optisch ähnlich, ziehen im Familienverbund elegant durch das Wasser, tauchen immer wieder ein und aus und begleiten uns fast eine halbe Stunde lang. Wir treiben bei ausgeschaltetem Motor mit der Strömung und die Wale, obwohl sie überall sonst hin könnten, bleiben beständig in der Nähe. 

Sie leben hier, dies ist ihr Meer und sie zeigen uns, was Gelassenheit und Zusammenhalt bedeutet. In der ganzen Zeit unserer Beobachtungen bleiben sie geschmeidig und stets beieinander, visualisieren ihre Familienzugehörigkeit und lassen sich scheinbar von der Wasserverdrängung des Boots treiben. Auch wenn ich das bereits vor einigen Jahren so erleben durfte, bleibt es ein unfassbares, unvergessliches Erlebnis, das zumindest mir immer wieder vor Augen führt, was im Leben relvant sein sollte: Naturverbundenheit, Familie, Vertrauen (wenn auch auf Instinkte) und Treue.

So ein Tag klingt dann immer etwas seltsam aus, eine wechselseitige Stimmung aus Beklemmung und Befreiung sorgt dafür, dass man seine Gefühle nicht richtig einzuordnen weiß. Führt manchmal zu unkontrollierten Handlungen, aber auch das muss ja nicht immer schlecht sein. Am Abend gab es zu chilliger Clubmusik noch einen Cocktail, bevor es nach einem erfüllten, aber nicht mehr ganz unbeschwerten, Tag zurück in die Wohnung ging. Die Verarbeitung der Eindrücke dauert sicherlich noch einige Zeit an. Von wegen unbeschwerte Einfachheit …

Keep on rockin´

Ree

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