Es ist (k)eine Freude, traurig zu sein! (052/366)

Lebensphilosophie. Planung. So eine Art Konzept, Zukunftsentwurf, sowas taucht ab einem gewissen Alter, zu einem gewissen Beziehungsstatus doch nahezu bei jedem auf. Nicht per se bis ans Lebensende durchgeplant, manchmal in unregelmäßigen Abständen, aber in der Regel doch immer wiederkehrend. Natürlich sieht so ein Entwurf mit 17 anders aus als mit 25 und mit 32 könnte es schon wieder völlig neu zu justieren sein. Darüber hinaus planen wir alle auch noch völlig differenziert; ich zum Beispiel hatte mit 17 keinen Plan, was ich machen soll und habe einfach die Ausbildung gewählt, die sich meine beste Freundin ausgesucht hat. Aktuell spreche ich dagegen häufig mit einer 17jährigen, die schon ziemlich konkrete Überlegungen zur Selbständigkeit hat und bereits am Business Plan arbeitet.

Nun gut, man wird reifer und die Pläne werden erwachsener – auch wenn man am liebsten immer jung bleiben will. Die erste richtig lange Beziehung sorgte dafür, dass ich mir Kinder, Bodenständigkeit, Eigentum gut vorstellen konnte, aber weder sie, noch die Finanzen waren schon soweit. Wir hatten neun zumeist coole Jahre, aber dann trennten wir uns im Streit. Sehr schade, ich fiel in ein Loch und die Pläne zerbarsten fürs Erste.

Ich ritt ein wenig im Selbstmitleid herum, bevor ich mich wieder fing und dem Sport Vorrang in meinem Leben einräumte. Ich war 33, fit, aber unglücklich wie sonst nichts. Nun wird es kitschig, denn dann traf ich sie, meine vermeintlich Seelenverwandte, mit der von Anfang an alles passte. So dachte ich. Wir zogen zusammen, adoptierten den coolsten Hund auf Erden und als die Familienplanung immer konkreter wurde, machte ich ihr einen Antrag. Sie sagte ja und zusammen mit unserem Hochzeitstag war es der schönste Moment meines Lebens.

Doch warum dann traurig? Die Vision zerbarst, die Träume platzten kurz nach diesem schönsten Erlebnis. Scheinbar war sie nicht bereit, wurde geflasht, von Emotionen überwältigt die alles, wirklich alles in Frage stellen. Sie zog aus, mit meinem geliebten Hund, unser gerade erst bezogenes Haus steht zum Verkauf und ich hocke in der tiefsten Grube, die man auf diesem Planeten nur finden kann. Ich verstehe es bis heute nicht, denn ich war bereit, alles zu tun, um meine Familie zur glücklichsten der Welt zu machen. Stattdessen sitze ich in einer riesigen, einsamen Wohnung und finde keinen Ausweg. Pläne schmieden gelingt mir nicht, denn in allen tauchen die beiden als wesentlicher Bestandteil auf. Ich bin leer, ich bin verloren, ich bin unbeschreiblich traurig.

Inspiration darüber nachzudenken kam von Mr ol‘ blue eyes, Frank Sinatra, der mich den Nachmittag über begleitete, während ich die Couch nicht verließ, und dessen Phrase “I can’t win, but here I am, more than glad to be unhappy“ in meinem Kopf hängen blieb. Warum war Frank froh unglücklich zu sein? Kann man diese Freude irgendwie abrufen? Klar, schlechte Zeiten fördern die Kreativität, sagt man, aber wenn man gar nicht kreativ, sondern mit dem geliebten Menschen zusammen sein will? Wenn man keinen Song über das Leben, sondern sein Leben selbst schreiben will? Ich werde bald 38, ich wollte jung Vater werden und fühle mich alt. Mir geht der Sinn verloren, ich mag nicht mehr suchen, finden, vertrauen und erneut so dermaßen enttäuscht werden. Es klingt vermutlich hart, weinerlich und unreif, doch so fühle ich mich nicht. Wenn ich liebe, dann richtig; mit mir gibt’s keine halben Sachen. Und das, genau das verhindert, dass ich in der Traurigkeit Freude finde und aus Vergangenem Kraft schöpfe. Denn es sind die zerschmetterten Zukunftsbilder, die ich nicht abgeschlossen, verarbeitet, kriege. Ob das jemand versteht?

Keep on rockin‘

Ree

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