Der Verlust der Menschlichkeit! (059/366)

Menschlichkeit. Das sollte ein positiv besetzter Begriff sein. „Für mehr Menschlichkeit“ gilt als packender Slogan. Hintergedanke ist, dass der Mensch ein ethisch handelndes Wesen ist, das den Artgenossen per se wohlgesonnen ist und daher rechtschaffen und zuvorkommend agiert. In der Geschichte gibt es aber immer wieder Handlungsweisen, die als „unmenschlich“ klassifiziert werden, als „tierisch“ oder „nicht von dieser Welt“. Wenn es um Gräueltaten geht, ob in Kriegs- oder Friedenszeiten, um Diffamierungen oder um die rücksichtslose Durchsetzung eigener Interessen.

Die Frage, die sich mir da stellt, da dies ja doch in schöner Regelmäßigkeit auftritt: Ist all das nicht Teil der Menschlichkeit und es an der Zeit, den Begriff aus der positiven hin eine neutrale Ecke zu überführen? Wie sonst wäre zu erklären, dass Gegner einer bestimmten Politik ihre Argumente nicht mit den Entscheidern, sondern den Leidtragenden austragen? Anderen Menschen psychisch und physisch Leid zufügen, die bereits unbeschreiblich viel Negatives erlebt haben? Ist das menschlich? Ich denke schon. Nur positiv ist es nicht.

Wie kann ein Firmenchef, der internationale Geschicke leitet, seiner 17jährigen Auszubildenden nur aus einer Laune heraus mitten im Meeting kündigen und sie heim schicken? Ohne triftigen Grund, einfach, weil ih das Administrative zu lästig geworden zu sein scheint? Gerade erst live erlebt. Und natürlich wird dagegen angegangen. Ändert aber nichts daran, dass auch hier menschliches Verhalten der positiv besetzten Menschlichkeit widerspricht.

Oder was ist mit dem Partner, der die Trennung sucht, damit er wieder glücklich wird? Hat ihn das (Un)Glück der (einst) geliebten Person zu interessieren oder ist es ok, egoistisch Eigeninteressen durchzusetzen? Wenn er dadurch (wieder) glücklich wird, der andere aber kreuzunglücklich, hat sich zu einer vermeintlichen Neutralität innerhalb der Partnerschaft im Durchschnitt nichts verändert. Aber wir haben dann einen unglücklichen Menschen mehr, der an jeglicher Menschlichkeit zu zweifeln beginnt. Denn er würde ja anders handeln, auch mal Eigeninteressen für das große Ganze zurück stellen. Wenn dies einer geliebten Person nicht gelingt, so zieht man direkt die komplette Vergangenheit in Frage. Oder nicht?

Menschlichkeit ist also Definitionssache und obwohl sich vermutlich nahezu alle Menschen für positiv besetzt „menschlich“ halten, gibt es Kriege, Hunger, Aggressionen, Wut, Traurigkeit, Trennungen, Glück und Unglück. Irgendwas stimmt da nicht. Zeit für das Eingeständnis, dass wir die schlimmsten Tiere sind. Denn ein nicht unwesentlicher Kern des menschlichen Handelns scheint die Befriedigung des eigenen Ego zu sein – kein Arterhalt, kein Schützen der Natur, kein „Liebe Deinen Nächsten“. Das alles findet nur dann Platz, wenn die eigenen Bedürfnisse auf dem Weg ebenfalls erfüllt werden. Auch das ist menschlich. Aber nicht glorifizierend.

Keep on rockin´
Ree

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