Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Vom Leben in der Vergangenheit! (060/366)

Rückblicke. Gibt es in jedem Jahr, zu jeder Zeit, in vielerlei Situationen. Wer den Job wechselt, blickt auf die Ereignisse des bisherigen zurück, regelmäßig zu Silvester wird das vergangene Jahr retrospektiv betrachtet und nach einem Urlaub wird in Erinnerungen geschwelgt und mit Bildern das Gefühl der Erholung zu kompensieren versucht. Meistens sind solche Rückblicke positiv (mancher sagt verblendet, weil man oftmals die negativen Erlebnisse ausklammert), oft geben sie Kraft für die Zukunft und bilden die Basis für den Elan, der für neue Taten erforderlich ist.

Daneben gibt es aber natürlich auch die Schatten der Vergangenheit, die durch gegenwärtige Ereignisse ausgelöst werden und schnurstraks in die Traurigkeit, Frustration oder, im schlimmsten Fall, Depression führen können. Ich spreche natürlich von Erinnerungen im Verlustfall, die ausgelöst werden können durch Trennungen, Todesfälle, Kündigungen oder ähnliches. Also in erster Linie aufgezwungene Veränderungen, die per se eine negative Gefühlseruption freisetzen und den Geist anfälliger für Emotionen machen. Dabei spielt die Bewertung vergangener Situationen eher eine untergeordnete Rolle, neutrale und negative Ereignisse sind ebenso nachhaltig, wie positive (nur das letztere noch stärker glorifiziert werden und dadurch länger im Gedächtnis haften bleiben).

Nun lauten die lapidaren Ratschläge zumeist „nach vorne blicken“, „Neues wagen“, „Vergangenes hinter sich lassen“, aber wenn das so einfach wäre, hätten unsere Psychotherapeuten, Psychologen und Psychiater deutlich weniger zu tun. Denn ganz ehrlich, wer fühlt sich schon gerne schlecht und verstärkt diese Spirale durch den beständigen Abruf verlorenen Glücks? Der einzige Glückskeksspruch, an den zu klammern sich lohnt, weil er sich auf jeden Fall bewahrheitet, ist „Zeit heilt alle Wunden“. Leider gibt es dafür keinen allgemeingültigen Ansatz, die Verarbeitungszeit ist stark individualisiert und selbstverständlich helfen neue Erlebnisse bei der schrittweisen Bewältigung weiter. Nur bewusst beschleunigen lässt sich das in der Regel nicht.

Ist es nun aber immer schlecht, in der Vergangenheit zu schwelgen? Nun, in den erstgenannten Positivfällen eher nicht, da können Erfahrungen, spannende Erlebnisse und gute Taten auf dem Weg zu neuen Ufern ein idealer Begleiter sein. Auch hier lauert dennoch die Glorifizierung als Feind, denn wenn plötzlich, nach dem Wechsel, alles im alten Job ideal, perfekt, strahlend gewesen zu sein scheint, wie kann dann die neue Herausforderung noch entspannt angegangen werden. Es gilt also, einen kontrollierten Umgang mit Vergangenem walten zu lassen.

Für die angesprochenen negativen Aspekte gilt dies erst recht. Erinnerungen lassen sich nicht auslöschen, auch nach einem Alkoholexzess kehren sie zurück. Aber sie lassen sich etwas steuern, das Ehrfürchtige lässt sich eindämmen. Der rationale Teil des Hirns ist hier gefragt, auch mal die Momente hervor zu kramen, die nicht perfekt waren. Die Tage in Erinnerung zu rufen, wo man möglicherweise selbst gezweifelt hat. Um einfach mehr Milde mit sich zu ermöglichen und der Historie den Heiligenschein zu entziehen.

Eine Ausnahme gibt es: Der Todesfall eines geliebten Menschen. Hier gilt es, die Trauerarbeit über schöne Erinnerungen, Fotos oder Videos zu bewältigen. Es macht keinen Sinn (und gehört sich auch nicht), schlechte Eigenschaften, miese Erlebnisse oder negative Gedanken zuzulassen. Was hier helfen kann ist, sich nicht gegenüber anderen zu verschließen, denn in der Regel erleidet man einen solchen Verlust nicht allein. Gemeinsam lässt sich sogar über Vergangenes lachen.

Heißt also, ein temporäres gedankliches Verweilen in vergangenen Zeiten muss nicht schlecht sein, ist nicht verboten oder verwerflich. Aber je nach Situation ist ein achtsamer Umgang vonnöten, um Selbstschutz zu betreiben und die eigene begrenzte Lebenszeit nicht durch festhängen in der Geschichte zu füllen. Denn schöne Erinnerungen entstehen ja zwangsläufig dadurch, dass man in der Gegenwart etwas tolles, spannendes, hervorragendes erlebt. Schritt für Schritt und oftmals völlig unverhofft.

Keep on rockin´

Ree

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