Leben und Hilfe aus dem Notizblock

In der Not zur Lüge greifen! (088/366)

Notlüge. Also die Verbreitung der Unwahrheit aus einer Notlage heraus. Diesem Stilmittel bedienen sich heutzutage eine Menge Leute, wenn ihnen die Wahrheit zu unbequem erscheint oder die Folgen negativ zu werden drohen.

Thomas Müller hat sich dem verweigert, nach dem Länderspiel gegen England und dafür schön von all denen auf die Mütze gekriegt, die sonst mal wieder Authentizität im Profisport fordern. Er wurde kritisiert, obwohl auch für viele Zuschauer Testspiele eher so einen “es läuft halt nebenbei“ Charakter haben. Konsequenz: Der gute Herr Müller möchte nun demnächst lieber eine kleine Lüge erfinden, statt sich selbst reinzureiten. Verstehe ich.

Die Frage, die sich mir aber eigentlich stellt: Wann ist man wirklich so sehr in Not, dass eine Lüge gerechtfertigt ist? Und wer darf das entscheiden, der Angelogene (im Interviewfall also jeder Zuschauer) oder ausschließlich der Lügner selbst? Ist „Not“ individuell unterschiedlich zu definieren oder unterliegt sie allgemeingültigen Bedingungen? Sie ist sicherlich regional einzusiedeln, denn eine in Deutschland eher harmlose Aussage kann in anderen Ländern unangenehme Konsequenzen haben; siehe das aktuelle Satire-Video über den türkischen Präsidenten, diverse Karikaturen oder auch die 87er Irankritik von Rudi Carell.

Ich vermute, wir alle lügen, immer mal wieder, im kleinen und größeren Stil, Freunde oder auch der Staat sind davor nicht sicher. Aber in der Regel machen wir das, weil uns etwas peinlich ist, wir besser dastehen wollen oder die Wahrheit den Gegenüber verletzen könnte. Sind das Notlagen? Ich denke nicht.

Für mich ist eine Not dann existent, wenn Gefahr droht, für Leib und Leben, mich oder andere. Hier ist die Lüge oft nicht nur legitim, sondern dringend angebracht, da sonst gravierende Konsequenzen drohen. Auf der BVB-Tribüne zugeben Schalker zu sein, dürfte mindestens mit einem Rausschmiss enden. Im Ausland wahrheitsgemäß auf die Meinung zu einem Militärregime zu antworten, wird wohl weitaus schlimmere Folgen haben.

Vielleicht ist das Haarspalterei von mir, aber mir ging das Thema nicht mehr aus dem Kopf. Die Wahrheit darf gerne mal umschifft werden, aber eine Notlüge ist es für mich nur in wirklich gravierenden Situationen. Alles aber fällt eher in das verniedlichende Flunkern oder die wahrhaft böse Lüge, wenn es beispielsweise um Veruntreuung, Betrug oder ähnliches geht. Meint ihr nicht?

Keep on rockin‘
Ree

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