Als wohnte man in Südeuropa! (124/366)

Rheintal. Viele Dichter und Denker, gerade in mittelalterlichen Jahren oder Zeiten der Romantik, wussten die Schönheit und Anmut dieser Umgebung an Deutschlands längstem Fluss zu schätzen und verpackten sie in unzähligen Gedichten und Texten. Beispielhaft sei hier zum Einstieg mal ein Zitat des spanischens Adeligen Pero Tafur aus dem Jahr 1438 zitiert:

„Die Ufer des Rheins gehören sicher zum Schönsten, was man auf der Welt schauen kann; von einem Ende zum anderen sind eine solche Menge von bedeutenden Städten, so viele Sehenswürdigkeiten, so viele dicht gereihte Schlösser, daß es unglaublich ist; sie liegen ganz nahe beieinander und nehmen sich äußerst stattlich aus mit ihren hohen Laufgängen, ihren Wetterfahnen und vergoldeten Knöpfen.“

DSC01852Nun ist dieser Ausspruch zwar schon fast 600 (!) Jahre alt, doch haben der Rhein und seine Anrainer nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Selbst die ihm nun zwangsläufig nah gekommene Industrie und die Verkehrsstrecken vermögen den Glanz alter Zeiten nicht völlig verbergen und lassen ihn, den Fluss der Flüsse Deutschlands, auch heute noch großartig dastehen. Aber fangen wir heute von vorne an. Ich erwachte erfrischt gegen 8:00 Uhr und die Beine taten nicht ansatzweise so weh wie befürchtet, daher war nach dem erfüllenden gestrigen Erlebnis der Entschluss schnell gefasst: Es geht auf eine weitere Tour. Waren es gestern noch 17,5 km, entschied ich mich heute vernünftigerweise für eine etwas kürzere Wanderung, gut 11 km von der Rheinbrohler Ley über die Burg Hammerstein und zurück.

Die Anfahrt allein war schon ein kleines Abenteuer, ist doch die Ley erst mitten in den Höhenlagen von Rheinbrohl ausgeschildert, so dass ich erstmal eine Viertelstunde durch den Ort irrte, bis ich den Anstieg entdeckt hatte. Ok, konnte nur noch besser werden, also Wagen geparkt, Rucksack aufgesetzt und los ging´s. Überraschung, direkt zum Start empfing mich ein spektakulärer Ausblick ins Tal. Gut, das bot auch eine gewisse Ernüchterung, wusste ich doch, dass mich der Weg die 177 Meter nach unten und im Anschluss wieder auf 300 Meter rauf führen würde – war wohl nix mit entspannter Lockerungstour.

Doch schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass die Wahl eine gute war. Ein uriges Waldstück spuckte mich auf dem Kirchplatz in Hammerstein wieder aus, der weitere Weg führte an Weinreben vorbei und bot genügend Möglichkeiten für eine kurze Rast. Der Anstieg zur Burgruine Hammerstein war knackig, die Entdeckung der über 1000 Jahre alten Überreste entschädigten aber für die bei 28 Grad doch beschwerliche Plackerei. Rundblick, soweit das Auge reicht, wirklich nett. Von dort ging es über den Forsthof (coole Hunde, vorlaute Kühe und ein für magenempfindliche Menschen beschwerlicher Anblick einer Pickup-Ladung voller Schlachtüberreste, inklusive heraus ragender Beine) in langer Waldkehre an weiteren Höfen vorbei zurück zur Ley.

Nach knapp über drei Stunden traf ich also wieder am Ausgangspunkt ein, besichtigte noch das Ehrenmal der 29er Garnison und entschloss mich, auch den restlichen Tag im malerischen Rheintal zu verbringen. Relaxtes Sonnenbaden auf einer Wiese direkt am Rheinufer, Mittagessen in einem mehrfach ausgezeichneten Lokal (dies berücksichtigend sehr reichlich, günstig und exquisit) und ein finales Eis in Neuwied, meiner aktuellen Lieblingsstadt in der Umgebung. Hier bummelte ich dann noch etwas durch die Fußgängerzone, bevor es schlussendlich gegen 18 Uhr Richtung Wohnung ging.

Dort durfte ich dann noch den Champions-League-Einzug meines favorisierten Fußballclubs bejubeln und mich zum großartigen Abschluss eines schönen Tages bei meinem besten Kumpel zum Grillen einfinden. Ich glaube, das dürfte einer der angenehmsten Tage des Jahres gewesen sein. Die Rückfahrt mit dem Fahrrad bot eben noch ein bisschen Ausgleichssport und nun werde ich den Abend vor dem Fernseher ausklingen lassen. Das lob ich mir.

Keep on rockin´
Ree

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