Der Weg der kleinen Schritte! (139/366)

Schrittlänge. Je nach Körpergröße und Beinlänge höchst unterschiedlich. Als eher kleiner Kerl (1,72) habe ich mir schon früh einen raschen Schritt angewöhnt, um mit meinen mich überragenden Freunden Schritt halten zu können. Das hat sich bis heute gehalten, so dass mich meine inzwischen älter gewordenen Zeitgenossen immer mal wieder bremsen müssen. So auch gestern, als es nach einem leckeren Mittagssnack von Aguineguin aus bis rüber nach Puerto Rico ging. Ein ganz schöner Marsch, zumal in der größten Mittagshitze.

Solange eine frische Brise vom Atlantik zur Promenade wehte, war es gut auszuhalten, doch in windstillen Passagen merkte man meinem besten Kumpel die Anstrengung förmlich an, so dass ich mich mehr als einmal bremsen musste, da er hinter mir zurück- und umzufallen drohte. Ich hielt mich also an, meine Schrittgeschwindigkeit zu verringern und den Gegebenheiten um mich herum anzupassen. Interessanterweise führte das zu einer verstärkten Wahrnehmung der Umgebung; vermutlich nicht überraschend, empfand ich es allerdings dennoch als eher neu und gar nicht so übel. Wirklich schön sind die kleinen Buchten auf dieser Strecke, so dass ich mein Bild der Insel ein weiteres Stück positiver gestalten kann. Schließlich in Puerto Rico angekommen rasteten wir eine ganze Weile, tankten die Akkus wieder auf und gönnten uns einen kleinen Snack. Kurz vor dem Rückweg erspähten wir noch einen sehr coolen Club del Mar, der an einem der nächsten Tage unsere Frühstückslocation werden wird. Der Rückweg fühlte sich dann, wie meist, deutlich kürzer an, vielleicht, weil man das Ziel bereits kennt und darauf zuschreitet.
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Aber Schritte assoziieren wir inzwischen auch mit vielen anderen Aspekten im Leben, dem beruflichen Fortschritt, der privaten Projekte (Hausbau beispielsweise) und im besonderen der Verarbeitung von Rückschlägen. Nun bin ich, gemäß meiner physischen Schrittgeschwindigkeit, auch psychisch eher auf “fast forward“ getrimmt. Ungeduldig, wenn es um mich selbst geht, nichts kann schnell genug geschehen, alles muss sofort funktionieren. Ich bin schnell frustriert wenn etwas nicht direkt klappt oder gelangweilt, wenn nicht Action auf Action folgt. Erstaunlicherweise wirke ich beim Umgang mit anderen hingegen komplett umgekehrt, die Assoziationen lauten häufig auf “Engelsgeduld“, “rücksichtsvoll bis zur Selbstaufgabe“ oder auch “Gemüt wie ein Pferd“. In diesem Urlaub, auch durch die notwendige Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsplanung, reflektiere ich das erstmals wirklich, mit dem für mich unangenehmen Ergebnis, dass wohl ein Mittelweg zu finden ist. Es scheint weder übermäßig gesund zu sein, sich selbst permanent zu hoher Leistung antreiben zu wollen und die Erwartung zu haben, alles sofort schaffen, verarbeiten und bewältigen zu können, noch, anderen gegenüber ausnahmslos rücksichts- und verständnisvoll zu agieren. Hier kommt wieder die gestrige Egoismus-/ Bedeutsamkeitsbetrachtung zum tragen, was mir bekanntermaßen schwer fällt, da ich bislang ja eher die Maxime bevorzuge, primär für andere da zu sein und das bis zu einem gewissen Grade eben auch gern beibehalten möchte.
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Aber hier kommen wieder die kleinen Schritte ins Spiel. Ich werde es nicht von heute auf morgen drehen können, aber jeden Tag ein paar Minuten Reflexion der eigenen Wünsche wären doch ein guter Start. Die kann man dann bestimmt zu einem großen Teil auch mit seiner Umwelt in Einklang bringen – das wäre großartig. Hoffentlich behält sich das nach der Reise bei.

Keep on rockin‘
Ree

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