Reise und Du wirst weise! (144/366)

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Reiseerlebnisse. Sie bereichern. Immer. Egal wohin es geht, egal wie lange es dauert, ob Kurztrip, Pauschalurlaub oder Weltreise, jeder Ausstieg aus dem gewohnten Alltag bringt neue Facetten mit sich, füllt den Erfahrungsschatz und führt zu tieferem Verständnis der Welt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man das bewusst sucht oder sich einfach treiben lässt; ja, selbst im Korsett eines Animationsprogramms wird es einen ereilen. Oft merkt man es nicht mal sofort, manchmal wird es einem Selbst gar nie wirklich klar, aber unser Umfeld kann es erkennen und macht dann und wann darauf aufmerksam.

Auch mir ist das in der Regel völlig untergegangen, unabhängig davon welche Länder und Gegenden ich wann, wie lange und aus welchem Grund besucht habe. Spanien zum Beispiel. Da war ich inzwischen bestimmt 15 mal, habe Teneriffa von allen Seiten erkundet (bislang 10 Besuche), Gran Canaria soeben eine zweite Chance gegeben, Alicante, Barcelona, Lloret de Mar (und Umgebung) und auch La Gomera besucht. Mitgenommen habe ich unzählige Dinge, von der Gelassenheit der Leute, die sich hinter der vordergründigen Hektik verbirgt, über die Liebe zu vielfältigen Landschaften bis zur Sprache, die mir als absolut sprachunbegabtem Menschen bis heute Probleme bereitet, aber in jedem Urlaub besser wird – die letzten zehn Tage habe ich erstmals auch die meisten Antworten meiner Gesprächspartner verstehen können.

 Laos, Bali und Bangkok haben mir hingegen gezeigt, wie glücklich man mit wenig materiellem Gut sein kann. Gerade die Laoten sind ein wahrer Schatz, „gefangen“ in einem der ärmsten Länder der Erde habe ich ausnahmslos freundliche Menschen getroffen, die ihr Heim pflegten, ihre Kinder liebten und den Hunden ein Zuhause gegeben haben. Vom Tourismus nur gestreift und durch den Vietnam-Krieg massiv getroffen (Laos ist das meistzerbombte Land der Erde, obwohl es am Krieg überhaupt nicht aktiv beteiligt war), ziehen die Bewohner ihre Kraft aus jedem neuen Tag. Die Sonne geht auf, die Familie ist gesund, es gibt etwas zu essen und man kann sich mit Freunden austauschen. Wahrlich, ich habe noch kein glücklicheres Volk gesehen. Darüberhinaus ist Laos auch noch mit wunderschöner Natur gesegnet. Ihr merkt, ich will auf jeden Fall nochmal dahin.

Aber selbst auf meinen Reisen durch Mitteleuropa, seien es nun die Niederlande (sowas wie meine zweite Heimat), Belgien, Österreich oder auch Bayern, aus jeder Region konnte man Erfahrungen ziehen und für daheim konservieren. Erstaunlicherweise erscheint mir in all diesen Gegenden die Lebensfreude höher als an meinem Wohnort zu sein, doch vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mich auf Reisen eher nicht in muffigen Büroräumen aufhalte, sondern durch die Gassen schlendere, in Cafés Halt mache und die Schönheiten der Natur entdecke. Ein Reisender an Rhein und Ruhr macht sicherlich ähnliche Erfahrungen (zugegeben erging es mir bei den letzten Wanderungen im Westerwald und an der Mosel ja auch sehr gut).

Dennoch möchte ich auch noch eine Lanze brechen, für die eigene Heimat. Damit meine ich im wahrsten Sinne die Herkunft, den Ort der Jugend, bei mir ist das Dortmund. Ich bin, wie gesagt, weit gereist und lebe zudem berufsbedingt seit über 10 Jahren im Rheinland, doch wenn es um nachhaltige Freundschaften geht, um konstante Beziehungen und um ein fast blindes Verständnis, selbst mit völlig Fremden, dann scheint bei meinen Heimatgenossen eine unsichtbare, aber dennoch spürbare Verbindung zu bestehen. So sind meine drei besten Freunde ebenfalls aus Dortmund (wobei nur noch einer dort lebt), viele alte Bekanntschaften sind über die Jahre hinweg, wenn auch lose, bestehen geblieben und wirken bei jedem Aufruf wie niemals unterbrochen, und selbst in ewig nicht mehr gesehenen Schulfreunden lässt sich beizeiten eine Seelenverwandschaft entdecken, die unmittelbar das Herz erwärmt.

Nach Jahren der Erfahrungen auf verschiedensten Ebenen, glücklich und brutal, gelange ich nach und nach zu der Überzeugung, dass wir, Globalisierung hin oder her, lokal am Glücklichsten leben würden. Nicht per se ein Leben lang am selben Fleck, aber durchaus gemeinsam mit Menschen, mit denen man Orte, Ereignisse und Historien teilt. Die lokale Eigenarten einzuschätzen wissen und ähnlich ticken. Ich glaube, wenn man nicht prinzipiell ein Mensch ist, der permanent ausbrechen und allein sein möchte, dann ist ein sicherer Heimathafen eine der wichtigsten Meilensteine des Lebens. In der Tat denke ich daher aktuell häufig daran, in Dortmund zumindest eine Art Homebase zu errichten, weil ich das im Rheinland bislang absolut erfolglos versucht habe. Aber, wie ihr wisst, dafür müssen zuvor noch ein paar andere Puzzlestücke ineinander greifen. Doch das wird, denn was sollte mich daran hindern, jetzt gerade? In diesem Sinne, schätzt eure Heimat und die ihr innewohnenden Glückseligkeiten wert. Immer mal wieder!

Keep on rockin´

Ree

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