Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Wenn die Zweifel aufblitzen! (143/366)

Fragen. Nach dem Warum, dem Dasein, den Gründen für die Wendungen des Schicksals. Themen, die einen bis zur Unkenntlichkei zermürben und vollends zerbrechen lassen können. Unvermittelt wiederkehrende Gedanken an vergangene Zeiten, vollzogene Taten und schmerzhafte Erlebnisse, die die Macht haben, in den Wahnsinn zu treiben und keine logische Antwort zu ermöglichen. Weil jeder ein Individuum ist, weil niemand vollends die eigenen Irrungen und Wirrungen des Hirns teilt (teilen kann), gibt es eben nicht DIE Erklärung, DIE Antwort, DIE Hilfestellung bei der Lösung ebensolcher Fragen.

Wird man in Momenten der Einsamkeit (das muss nicht zwangsläufig mit dem Alleinsein einhergehen, obwohl es bevorzugt in solchen Situationen geschieht) von einer Sekunde auf die andere von einem solchen Flash ereilt, dann sackt man innerlich bis an die Schmerzgrenze zusammen und beizeiten auch deutlich darüber hinaus. Ist man zudem noch der Meinung, inzwischen eigentlich ganz gut mit sich selbst klarzukommen, trifft einen der Vorschlaghammer nochmal ein Stückchen härter. Es ist immer unschön, eigene Schwächen aufgezeigt zu bekommen, doch wenn es der eigene Geist ist, der die Seele quält und das Selbstbewusstsein zum Schlagabtausch auffordert, dann erstarrt man angesichts des bevorstehenden Kampfes und neigt dazu, ihn unmittelbar verloren zu geben.

Der Ausweg aus diesem Gedankenlabyrinth ist trickreich, der Weg verschlungen, jede Kreuzung kann zu einem neuerlich unschönen Blitzlicht führen, dass die Denkmaschinerie antreibt, statt sie in sichere Bahnen zu lenken. Einen guten Freund in der Nähe zu wissen (das kann auch am anderen Ende eines Telefonhörers sein), ist eine passable Möglichkeit, irgendwie auszubrechen und wieder runterzukommen. Auch Bewegung oder (bei mir) agressive Musik mit sinnbefreiten Texten bieten einen Ausweg. Manchmal auch Meditation, doch besteht hier die Gefahr, dass vor der Befreiung des Geistes die Schmerzexplosion erfolgt, da man sich nur noch auf das Innere zu konzentrieren hat. So oder so ist der Umgang mit einer solchen Situation Schwerstarbeit, die Außenstehende oftmals kaum bemerken, geschweige denn ungefragt unterstützen können.

Mir ging es heute gut, sehr gut sogar. Der letzte vollständige Tag auf dieser noch immer eher ungeliebten Kanareninsel war ganz hervorragend, mit einem Besuch in Telde (tolle Altstadt und Plazas), danach am Windsurfhotspot des gesamten Archipels (mangels Wind war nix los, chillig war es dennoch), einer Auszeit im Sahara Beach Club (Smirnoff Ice schmeckt auch um 16 Uhr), einem ausgedehnten Spaziergang an der Meerespromenade (Yeah, Schrittziel wieder erreicht) und einer ordentlichen Pizza mit Blick auf den Atlantik (mieser Service, gutes Essen). Abgerundet wurde das ganze mit einem Eis bei Live-Musik und Sonnenuntergang, was eigentlich darauf schließen ließ, dass der Urlaub mit einem vollen Erfolg abschließt.

Tja, und dann hat es mich aber leider erwischt. Am Bungalow hieß es noch, die letzten Reste Rum und eine Zigarre zu vernichten und mittendrin flashte mich der Gedanke „Warum kommst Du zu keinem Ergebnis? Wo gehörst Du eigentlich hin? Was muss denn noch passieren, damit Du endlich ankommst?“. Sinnsuche pur, die sich mein Hirn für den verletzlichsten Moment ausgedacht hat. Völlig gechillt, mental entspannt nach diesem extrem coolen Tag, war ich auf diese Attacke des inneren Selbst überhaupt nicht vorbereitet. Wie das dann so ist, wenn man unvermittelt überrascht wird, steigt man voll darauf ein. Bämm, eine Rochade wie in der schnellsten Achterbahn, Speedy Gonzalez ist ein Scheiß dagegen. „Was habe ich falsch gemacht? Wo ist die Ausfahrt? In welche Richtung soll es weitergehen?“. Genau das, was man braucht.

In Summe war ich vielleicht 15 Minuten gefangen, bis mein bester Kumpel mich glücklicherweise behutsam daraus befreite. Wie er das gemacht hat, ist mir ein Rätsel, da wir sogar die vergangenen Monate kurz Revue passieren ließen und mir das normalerweise alles andere als gut tut. In diesem Fall war es aber genau richtig, möglicherweise eine Art „Fight Fire With Fire“-Effekt. Ich konnte ein paar Worte darüber verlieren, ein paar stille Trockentränchen verdrücken und dann war es auch schon wieder gut. Möglicherweise ein weiterer Part der Verarbeitungstaktik. Ich bin ihm auf jeden Fall sehr dankbar, keine Ahnung wie der Abend ansonsten ausgegangen wäre. So wurde es danach nochmal richtig lustig und die Nacht kann kommen. Der Pfad der Besserung ist glaube ich durchaus erreicht, doch bietet er eben immer mal wieder ein kleines Schlagloch, das es zu umfahren oder überspringen gilt. Ich werde versuchen, zukünftig besser darauf vorbereitet zu sein. Wenn das denn geht.

Keep on rockin´

Ree

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