Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Sport hilft grad nicht! (160/366)

Freipusten. Schlechte Laune durch massiven körperlichen Einsatz überkompensieren. Sich total auspowern, um dieses fürchterlich effiziente Gedächtniswerkzeug auszuschalten, damit man nicht als letzte Lösung zur Säge greifen muss, um es aus dem Hohlraum zu entfernen. Das soll helfen, eigentlich immer, wenn Frustration, Verzweiflung und Zerrissenheit mal wieder die Überhand zu gewinnen drohen. Soll dieses hämmernde Gefühl in Herz und Seele zumindest für diesen Tag lindern.
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Doch es hilft nicht mehr, aktuell zumindest. Ich kippe fast um vor Anstrengung, fordere alle Energie des Körpers und dennoch, auf dem Crosstrainer, zwischen den Kraftübungen, während der Meditation, sind sie immer wieder da, verfolgen mich, lassen nicht locker. Nach der Einheit folgt der völlige Fallback, nicht bleibt von einem Endorphinausstoß oder Glückshormonen. Der Schmerz der offenen Entscheidung bleibt, ich muss also bald etwas tun. Ich weiß wohin ich tendiere, aber fürchte mich davor.

Es gibt kein Schwarz und Weiß, beide Wege haben positive und negative Aspekte. Wenn ich bleibe, bewege ich mich in einem routinierten Arbeitsumfeld mit tollen Kollegen, guter Entlohnung und emotionaler Bindung. Ich bleibe in der Nähe meines besten Freundes und der Stadt, die ich liebgewonnen habe. Doch ist sie es auch, die mir in den vergangenen zehn Jahren mehrfach schmerzhafte Momente beschert hat, die bis heute nachwirken. Besitzt Orte, die ich nicht mehr besuchen kann, ohne den Tränen nah zu sein. Und hat den jäh zerplatzten Traum im direkten Umfeld, der mich tagtäglich zusammensinken lässt.

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Gehe ich, wird es finanziell kompensiert und sogar mit einer Beratungsfirma garniert, die je nach Bedarf die Jobsuche koordiniert – mit einer Vermittlungsgarantie binnen 12 Monaten. Allerdings mache ich mir ob meiner Vita darüber noch die geringsten Sorgen. Nur wo soll ich hin? Wo kann ich Dortmunder und Bonner Freunde unter einen Hut bringen und trotzdem neue Erfahrungen sammeln? Werde ich meinen Arbeitgeber vermissen, den ich wirklich schätze (aber wo ich nicht bis zur Rente bleiben will)?

Es heißt immer, am Ende eines Lebens bereut man eher die Dinge, die man nicht gemacht, Gelegenheiten, die man ausgelassen hat. Unter dem Aspekt müsste ich gehen. Nur ist man (zum Glück) nicht an jeder Kreuzung am Ende des Lebens angekommen. Das wird wieder eine schlaflose Nacht, denke ich. Wie ich das hasse. Und gleichzeitig liebe. Denn wie gut muss es mir gehen, dass ich überhaupt so eine Entscheidung treffen darf? Nur wäre es schön, wenn der Sport wieder helfen würde. Wirklich.

Keep on rockin‘
Ree

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