Aua, mein Arsch! (170/366)

Radtour. Rentnerparty. Sonntagsausflug. Die nervigen Gruppen von mittelalten Männern, die ihre langsame Verwesung nicht akzeptieren wollen und daher voller Tatendrang in ein Alltagsabenteuer stürzen. Dabei versperren sie dann der dynamischen Jugend den Radweg, verbauen den Familien den Blick auf den Fluss und lassen verschreckte Rentnerpärchen ob ihrer riskanten Überholmanöver schimpfend zurück. Unverantwortlich, selbstüberschätzend und … auch mal ganz lustig. Warum?

Naja, ich war heute Teil einer solchen Unternehmung und sollte mich mit den Schimpftiraden daher wohl lieber zurückhalten. Ganz bestimmt waren wir sowieso ganz anders, völlig manierlich und im Einklang mit der ganzen Umwelt befindlich. Immerhin sind wir stets vorbildlich hintereinander her gefahren, zwei unserer Fünfergruppe hatten sogar einen Helm auf und einer die 40 Jahre noch nicht einmal erreicht (ich gehöre zu beiden Kategorien :-)). Es ging von Bonn, konkreter Beuel-Ramersdorf, am Rheinufer entlang bis nach Köln, und ich sage euch: Mein Hintern wird morgen Feurio schreien und unseren Wahnwitz verfluchen.

An und für sich klangen die geplanten 60 km gar nicht so dramatisch, auch wenn ich aus der Erfahrung weiß, dass ich bereits bei 40 eine halbwegs zerknitterte Rückansicht abgebe und die Schritte am Folgetag nicht so recht passen wollen. Nun wurden daraus allerdings sukzessive mehr, war die Brücke immer ein Stück weiter entfernt, als ursprünglich auf den Karten von Google dargestellt. So überquerten wir erst nach gut 38 (!!!) km die Rheinbrücke und meine Mitstreiter durften sich in der Folge mehr als einmal den oben bereits erwähnten Ausruf anhören: Aua, mein Arsch.

War die erste Pause, idyllisch auf einem großen Platz an einem Nebenarm des Rheins gelegen, noch echt erholsam (auch da waren wir schon fast zwei Stunden unterwegs), zeigte mir mein Gesäß bereits nach Beendigung ebendieser, was er von einer Fortsetzung der Tortur hielt. Er machte Anstalten, sich in der Satteltasche zu verstecken und wurde auf dem restlichen Weg nicht müde, mir seinen Unmut mit kontinuierlichen Schmerzensstichen kundzutun. Das sorgte in der Folge dafür, dass trotz wirklich wunderschöner Panormafahrt jede Ankündigung einer erneuten Rast zu nicht durch die Fahrtanstrengung resultierenden Schweißausbrüchen führte. Der Arsch hatte Angst vor der Fortsetzung nach der Pause 🙂

Dennoch waren es alle Unterbrechungen wert, aus dem Sattel zu steigen, innezuhalten und sowohl Leute, als auch Landschaft zu begutachten. Schiffchen zuckelten vorbei, die Abenteurer erkundeten den Fluss auf Jet-Skis oder Stand-Up-Paddles und Verliebte nutzten den wahrhaft schönen Tag, um die ganze Welt an ihrer trauten Zweisamkeit teilhaben zu lassen (ok, der Part gefiel mir nicht übermäßig gut). Wir vertilgten jede Menge Eis, tranken diverse Etablissements leer und verteilten unsere Körpersäfte (nein, nur Schweiß) gemächlich auf dem Rheinufer. Als wir zu einem finalen Weizen (gut, und einem Kölsch) im „Blauen Affen“ die Runde Revue passieren ließen, stellte sich eine gewisse Ruhe ein. Fast 74 km waren vollendet worden, und auch wenn sowohl Rücken, als auch Arme (Sonnenbrand), Beine (args) und vor allem … Arsch … morgen an das Datum im eigenen Pass erinnern werden, so war es zumindest für mich eine tolle Art, den Sonntag zu verbringen. Danke Jungs!
Keep on rockin´

Ree

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