Leben und Hilfe aus dem Notizblock

McFit erfindet sich (leider?) neu! (173/366)

Südostasien. Eine Region, die ich in nur zwei Besuchen wirklich lieben gelernt habe, Sehnsuchtsreiseziel der kommenden Monate und Besitzer faszinierend kulturhistorischer Schätze. Wenn ich nur an Laos denke, wo die nettesten und glücklichsten Menschen leben, denen ich je begegnen durfte (und das obwohl deren Land als eines der Ärmsten der Welt klassifiziert wird), dann bin ich geneigt, sofort einen Flug zu buchen und dorthin aufzubrechen. Doch noch nicht, es muss zuvor noch einiges geregelt werden. So bleiben mir bis dahin nur Bücher, Bilder, Fundstücke, denn ich kann mich ja nicht hinein versetzen.

So dachte ich zumindest. Bis heute. Um acht Uhr betrat ich das unter einem völlig neuen Konzept errichtete McFit-Sportstudio in Bad Godesberg (heute ist Tag 1) und war erstmal … verwirrt. Nahezu gar nichts erinnert an die Standardausstattung von Europas größter Fitnesskette, nicht einmal der Name, denn das Konzept nennt sich John Reed und wird konsequent verfolgt. McFit versucht hier scheinbar, eine hippe Premiummarke zu etablieren, die sich an ein trendbewusstes Publikum richtet und nicht mehr auf „pure sports“ fokussiert zu sein scheint. Zu Beginn fallen, das ist menschlich, die negativen Punkte ins Auge. Ist die fehlende Funktionalität der Schließfächer und Spinde zwar ärgerlich (immer die Tasche mit allen Klamotten mitschleppen ist nervig), aber unter Kinderkrankheiten abzuheften, dürfte die erschreckend geringe Zahl an Parkplätzen (ca. 50) zu Stoßzeiten für Frustration sorgen.

Auch Nachtschwärmer bleiben enttäuscht zurück, konzentrieren sich die John Reed-Öffnungszeiten doch auf 6-24 Uhr unter der Woche, 8-22 Uhr am Wochenende. Nichts mehr mit 24/7, was McFit unter anderem groß gemacht hat. Da bleibt als Bonner nur noch das Ausweichen in die City, für mich käme auch noch das Studio in Neuwied als Alternative in Frage. Ebenso scheint es ein neues Preiskonzept zu geben, aber das habe ich noch nicht völlig durchdrungen. Als McFit-Bonn-Altmitglied steht mir die Nutzung des Studios zu Standardkonditionen zu, für neue Kunden gibt es aber wohl ein differenziertes Preismodell, das bei 20 EUR für die Basic Mitgliedschaft startet und sich bis auf 40 EUR steigert (was in- oder exkludiert ist, weiß ich allerdings nicht).

Ok, das war das Studiobashing, nun kommen wir zum Studio an sich. Warum überkam mich nach dem Betreten fernöstliche Wehmut? Nun, das Studio folgt einem höchst interessanten Einrichtungskonzept, welches mit Buddha-Statuen, geschmackvollen Möbeln, asiatischen Kampfkunstgeräten und wirklich schönen Bildern, Karten und Dekoartikeln aufwartet. Dabei ist das nicht irgendwie hingeklatscht worden, sondern ganz offensichtlich mit Liebe designt, fühlt man sich doch in jedem Abschnitt förmlich von Zen umgeben und vergisst beinahe, dass man zum Training gekommen ist. Ein Loungebereich mit schweren Möbeln empfängt einen und lädt zum Verweilen ein; so bequem, dass man es sinnvollerweise erst nach den Übungseinheiten nutzt, da die Trainingsmotivation ansonsten spürbar sinkt. Hier werden sicherlich einige Schwätzchen und Flirts stattfinden, da bin ich sicher.

Die Trainingsbereiche selbst sind in relativ kleine Zonen unterteilt, so dass in der Regel maximal 10 Personen aufeinander trainieren, was ich als sehr angenehm empfinde. Jede Zone hat widerum ihren eigenen Stil, immer noch fernöstlich angehaucht, nun aber stellenweise erweitert um industrielle oder koloniale Elemente. Dazu hämmern trendige Beats aus den zahlreichen Boxen, immerhin handelt es sich ja um einen Fitness Music Club (nur auf den Toiletten geht es mehr in Richtung Chillout, ebenso passend wie angenehm). Wie verhält es sich aber mit dem Wichtigsten, dem Trainingsequipment? Erwartungsgemäß sind die Geräte nagelneu, top modern und lassen keine Wünsche offen. Ich musste teilweise ein wenig suchen (das Studio läuft über drei Etagen), doch alles war gut aufzufinden und hielt sogar einige Überraschungen, will sagen zusätzliche Geräte gegenüber dem Standard-McFit, parat.

Darüber hinaus bietet das Studio einen Bereich mit Slingtrainern, virtuelle Kursräume und, besonders schön für mich, einen Functional Trainingsbereich für Crossfit und Co. Dass die Umkleidekabine und Duschen schick und sauber waren, ist fast überflüssig zu erwähnen; was sollte am ersten Tag auch schon passiert sein? Summasummarum bleibt festzuhalten: Ein tolles Studio, das Konzept ist wirklich stimmig, mich spricht es sehr an und motiviert mich zusätzlich. Dennoch bleibt natürlich die Frage: War das wirklich nötig, braucht man so ein Ambiente für effizientes Training? Ich glaube nicht. Niemand hätte sich beschwert, wäre einfach ein weiteres, moderneres McFit-Studio entstanden. Die Goodies sind top, aber nicht trainingswichtig. Der Parkplatz könnte sich zu einem Problem entwickeln.

ABER: Möchte McFit sich erweitern, weiterentwickeln, teilweise auch Premium-Kundschaft anziehen, die sich aktuell vom Low Budget-Konzept der Muttermarke hat abschrecken lassen, dann hat das Management alles richtig gemacht. Der Wohlfühlfaktor ist hoch, die Trainer nett und die Ausstattung erstklassig. Auch wenn sich über die Lage streiten lässt, könnte sich schon rasch der gewünschte Erfolg einstellen. Ich jedenfalls werde wiederkommen. Regelmäßig.
Keep on rockin´

Ree

Und weil man mich immer häufiger nach passendem Equipment fragt, habe ich nun noch ein paar Produkte für euch verlinkt. Es handelt es sich hierbei ausschließlich um Dinge, die ich ebenfalls nutze. Viel Spaß wünscht euch Ree!

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15 Antworten zu „McFit erfindet sich (leider?) neu! (173/366)“

  1. Anna

    Deine ehrliche Meinung tut gut! Leider funktioniert sich selbst erfinden häufig nicht so gut. 😬 Aber ganz ehrlich? Die Toilettengestaltung ist einfach unglaublich lustig 😂😂😂👌🏻

    Wundertolligst.

    Anna

    Antwort
    • Reeorchs

      Ja, das Klo war in der Tat auch mein Lacher des Tages. War gerade erneut dort, Stil hat das ganze Studio auf jeden Fall. Muss mir im Oktober/ November mal ein paar Sachen aus Asien mitbringen 🙂

      Antwort
  2. Michael Junglas

    Mir fehlt hier die Leichtigkeit, die Höhe und größe der Räume sind mir zuklein , optisch schön, ob man das beim Training braucht , ist jedem selbst überlassen, am ende des Tages bleibt es ein Fitnesscenter.Bin da einfach old school geprägt, für was stärkere Personen, ist das leider nix.Mal schauen ob das auch der richtige Standort ist.

    Antwort
    • Reeorchs

      Verstehe Dich gut. Ich werde gleich nochmal hin, mal sehen, wie es am zweiten Tag wirkt und ob die Schränke funktionieren. Mir machen auch die Parkplätze Sorge, weil ich auf das Auto angewiesen bin – wohne weit weg…

      Antwort
      • Hermann

        Park einfach in der Gotenstrasse, da findest locker was und die 5 min laufen sollten jemanden der sowieso Sport machen will nicht wirklich stören. Mache ich auch immer so. Da muss man auch keine Angst haben das man beim Rausfahren aufsetzt an der blöden schräge 🙂

    • Reeorchs

      Das kommt meines Wissens nach darauf an ob Du vor der Eröffnung schon Mitglied in Bonn warst. Sonst nur gegen einen höheren Beitrag ggü. McFit.

      Antwort
  3. Gina

    Das McFit in Bonn ist schon eine ganze Weile zu, aber ich war jetzt erst 4 x im neuen John Reed-Studio. Klar – Umgewöhnung zum einen ist nicht immer einfach. Dass man nun nicht mehr so anonym wie vorher „sein Ding“ machen kann, sondern in den kleinen „Kabinen“ von den Vorbeigehenden angeguckt wird (sicher nur, um die Räume zu bewundern und seine Geräte zu suchen) und selber auch die Leute angucken muss, finde ich zum einen gewöhnungsbedürftig, aber das krieg ich irgendwann hin. Ich will gar nicht viel erzählen, außer…
    Was für mich ganz ganz schlimm ist, ist das laute Gehämmere der Musik. Die Musik ist ok, aber die Lautstärke ist furchtbar, weil es eben nicht meine Laufgeschwindigkeit ist. Ich MUSS zum Takt laufen und wenn da zwar laute, aber eben nur 120 – 130 Beats pro Minute kommen, komme ich einfach in keinen vernünftigen Rhythmus. Ich brauche 140 – 150 bpm. Also setze ich meine Kopfhörer auf und muss die so laut machen, dass ich Ohrenschmerzen bekomme und trotzdem höre ich die andere Musik noch durch.
    Ich weiß nicht, ob das jemand nachvollziehen kann. Weiß jemand, ob es Zeiten gibt, an denen es nicht so laut ist dort?

    Antwort
    • Reeorchs

      Hi Gina, bezüglich Lautstärke stimme ich Dir zu. Ich habe mir Noise Cancelling-Kopfhörer gekauft (habe die Mute-OverEar von Teufel), hier findest Du aber auch ein paar. Ist aber natürlich auch nicht die ultimative Lösung. Zu „ruhigeren“ Zeiten kann ich aktuell nichts sagen, da ich gerade beruflich in München bin. Ich frage aber mal nach, wenn ich das nächste Mal im JR in Bad Godesberg bin (vermutlich übernächstes Wochenende). LG, Tee

      Antwort
      • Gina

        Hallo Tee, vielen Dank für den Tipp und Deine Mühe! Ich habe mein Anliegen nun auch auf der Facebook-Seite von JR gepostet und als Antwort erhalten, dass sie die Lautstärke in den Bereichen demnächst neu einstellen wollen. Ich hoffe, das bedeutet etwas gutes und dass es auch geschieht. 😉
        LG, Gina

      • Reeorchs

        Klingt super, Gina, das kommt vermutlich allen entgegen. In Kursräumen ist das ok, aber auf der Fläche zu viel des Guten 🙂

  4. Elbenwurst

    Ehrlich gesagt finde ich das Konzept wiederlich. Mein McFit-Studio war praktisch, einfach, sauber. Jetzt trainieren tausende von Menschen pro Woche schwitzend zwischen Billighölzern, milimeterdünnen Kacheln (wenn einer der Muskelschränke mit seiner Metalleckenverstärkten Sporttasche dagegen dengelt, wird alles abplatzen und die hässliche Alu-Aufhängung wird einen dann anstarren) und Plastik-Holzfurnier. Mein Wohnzimmer will ich auch nicht mit so vielen Unbekannten und ihren Körperausdünstungen teilen! Wenn ich Kacheln haben will, gehe ich in die Metzgerei oder in einen Sexclub, wenn ich Hölzer und Regale haben will, in eine öffentliche Bibliothek. Schon mal was von Materialgerechtigkeit gehört? In meinem Studio sind die Betonsäulen mit Tapete überklebt worden. Es sind fotorealistische Tapeten. Was zeigen sie? Beton!!!

    Antwort
    • Reeorchs

      Hi, da kann man natürlich geteilter Meinung sein, denn irgendwie finde ich schon, dass es „irgendwas hat“. Deine Argumente sind aber völlig nachvollziehbar und insbesondere über den Tapetenhinweis musste ich sehr schmunzeln. Keine Ahnung, ob jemand von McFit/ JR diesen Blog liest, aber möglicherweise nehmen sie einige Anregungen auf. Es wird sich auf jeden Fall zeigen müssen, wie nachhaltig die Möbel, Dekoartikel und eben auch Wandverkleidungen einer permanenten Aussetzung von Schweiß und schlechter Luft standhalten. Hier in München trainiere ich im McFit Laim und muss sagen, dass es das bestausgestattete Studio ist, das ich kenne – alles vorhanden, viel Platz, sogar ein Slackline-Bereich, dafür nachmittags aber auch ultravoll. Könnte ich frei wählen, wäre das aber aktuell mein Favorit. Auch wenn ich neben JR auch das in der Bonner City mag – liegt nur blöd für mich, wenn ich im Rheinland bin.

      Antwort
  5. JohnBlöd

    Es sieht aus als hätte sich ein vollbekiffter Sozialwissenschafts-Hipster-Student in dem Laden ausgetobt. McFit war nie für sein tolles Design bekannt, aber für günstiges Training und 24/7. Ich mein, reicht es nicht, dass ich für die ganzen Asis die Dusche im Pauschalbetag mitbezahle? Jetzt kommen auch noch dämliche Trainingszeiten und ein häßliches Interieur dazu. Eine gute Sache hat es, nun hat Mcfit/JohnBlöd kein gutes Alleinstellungsmerkmal mehr und man kann bedenkenlos das Studio wechseln

    Antwort
  6. Xario

    Ich kriege vom neuen Interieur Augenkrebs. Ich habe den Wechsel gerade in Berlin-Kreuzberg erlebt: Laute Musik, dämmrige Beleuchtung, der ganze Laden ist voll mit nicht-funktionalen Möbeln und festgenageltem Nippes. Es gibt keinen Muskelnavigator mehr und auch die hilfreichen Aufkleber an den Geräten, welche Partien damit trainiert werden sind verschwunden. Wie ist das denn eine Verbesserung?

    Antwort

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