Wie auf dem Bazar! (174/366)

Bazare. Ausdruck arabischer Lebensfreude, Kultur und Geschichte. Möchte man die Lebensphilosophie des Morgenlands kennenlernen, so ist es ein guter Rat, tief in das Gewirr von Gassen, Gewürzen und Geräuschen einzutauchen, sich treiben und belagern zu lassen. Wichtig, schier unabdingbar, ist dabei allerdings, sich nicht einzubilden, einem der ausgebufften Händlerprofis in ihrer Paradedisziplin auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Selbst wenn ein Geschäft zu einem Dir genehmen Preis abgeschlossen wurde, sei Dir dessen Gewiss, dass der Händler dennoch seinen Schnitt gemacht hat. Aber beklage Dich nicht darüber, sondern freue Dich, Teil dieses Geschäfts und damit einer tausende Jahre währenden Geschichte geworden zu sein. Zumal, wenn Du mit dem Preis leben konntest und Dich am soeben Erworbenen ergötzen kannst.

Nun treibt man sich aber als Westler in der Regel eher selten auf einem dieser Märkte und Souks herum, kann somit wenig über die Tricks der Händler lernen und eigene, kleine Fähigkeiten entwickeln. Doch wandelt man mit offenen Augen durch unsere Gefilde, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, so wird einem früher oder später eine sonntägliche Markttradition begegnen, die dem Original im Orient kaum nachsteht. Ja, es gibt sie wirklich, Märkte, in denen sich das fernöstliche Gewusel mit der westlichen Strebsamkeit zu einer einzigartigen Symbiose vereinigt und den geneigten Besucher gefangen nimmt.

In dieser Woche hatte ich mal wieder das Vergnügen, dem Trubel des Marktes an der Metro in Siegburg/ Sankt Augustin beizuwohnen, erstmals in Begleitung meines besten Freunds. Obwohl ich ihn vorgewarnt hatte, war er sprach- und fassungslos ob der dargebotenen Vielfalt an Waren und kulturellen Gruppen. Frischware wie Wurst, Käse, Joghurt und Fleisch wurden neben Massen an Gemüse und Obst präsentiert, Pide und Fladenbrote türmten sich zu riesigen Haufen auf, große Pflanzen jeglicher Coleur wurden angepriesen und ebensowenig mangelte es an technischem Schnickschnack, Süßwaren und Kleidung – jeder Menge Kleidung. 

Trotz der Hitze des Tages, was ja den orientalischen Märkten sogar noch näher kommt und weitere Authentizität verleiht, ließen wir uns treiben und wurden Teil der Masse, die um Preisnachlässe feilschte, Garantien aushandelte und die Frische der Waren begutachtete. Die Händler, ganz Profis, priesen ihre Waren in unnachahmlicher Art an, sorgten somit für das Grundrauschen und bewiesen, dass echter Vertrieb mehr ist als der Verkauf in standardisierten Warenhäusern. Selbst wenn man, wie ich, nicht für das Feilschen geboren ist, so macht es doch Spaß, zwischendurch kurz stehen zu bleiben, den Preis eines Handelsguts zu erfahren, darauf weiterzugehen und vom Händler mit dem Hinweis auf ein besseres Angebot zurückgerufen zu werfen.

Wir erstanden etwas Obst, sehr viel Joghurt und ein paar Süßigkeiten, bevor wir uns zurück zum Auto aufmachten. Mein Kumpel wird mich wieder begleiten, da bin ich sicher. Der Faszination eines dieser Märkte können sich nur wenige entziehen. Militante Neuwarengegner, die unter einem Trödelmarkt den reinen Verkauf gebrauchter Artikel verstehen, sind allerdings dort nicht gut aufgehoben. Da empfehle ich den Rheinautrödelmarkt in Bonn, der an jedem zweiten Samstag im Monat stattfindet und zu den größten Gebrauchtmärkten Deutschlands zählt. Auch der hat enormen Charme. Kurzum, wer etwas erleben möchte, der sollte mal einen solchen Markt besuchen. Es lohnt sich.

Keep on rockin´

Ree

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