Der Kopf macht Angst zu Wahn! (182/366)

Angst. Wo wären wir ohne sie? Vermutlich lange ausgestorben, denn es ist ja ein Zustand der erhöhten Wachsamkeit, völligen Konzentration und verstärkten Ausschüttung von Adrenalin. So gesehen ist Angst ein freundliches, gar wünschenswertes Momentum, würden wir doch ohne sie weniger aufmerksam und vorausschauend unterwegs sein. Oder ist das in Wahrheit gar nicht so toll? Ist es vielleicht sogar das, was uns hemmt, zurück hält, abwarten und Chancen verpassen lässt? Weil wir so sehr auf Sicherheit und Verlustvermeidung bedacht sind, dass uns der Zauber des Neuen überhaupt nicht mehr ereilen kann, weil wir ihn nicht zulassen?

Schlimmer noch, steigern wir uns in unseren Ängsten doch manchmal in wahrhafte Wahnzustände. Verliere ich meine Frau, werde ich nie wieder eine neue, so tolle und faszinierende Beziehung führen können (stimmt meist nicht). Kündige ich meinen Job, werde ich nie wieder eine neue Beschäftigung finden und muss mein Leben fortan in bitterer Armut verbringen (unwahrscheinlich). Zahle ich nicht genug und regelmäßig in die Rentenkasse ein, werde ich im Alter verhungern (möglich, aber ist bei der zu erwartenden staatlichen Rente auch trotz fortlaufender Zahlung nicht unrealistisch). Genau das macht der Kopf, nimmt sich Ängsten an und überführt sie sukzessive in eine Art Wahnzustand, bis es möglicherweise wirklich zu spät für Veränderungen, Abenteuer und neue Erlebnisse ist. Bis wir alt sind, auf dem Sterbebett liegen und dort all die Dinge bereuen, die wir nicht gemacht haben.

  Ich möchte daraus ausbrechen, obwohl ich (was auch sonst) Angst davor habe. Obwohl mich die oben genannten Punkte sämtlich selbst verfolgen, beschäftigen und, ja, auch bremsen. Doch nun ist es Zeit, einen brachialen Schritt zu unternehmen. Hat mir das vergangene Jahr gezeigt, was für ein Arschloch das Leben sein kann, möchte ich dem nun vorbeugen und selbst ein Wagnis eingehen. Es muss einfach sein, ich muss mal wieder spüren, wie man lebt. Wie ich lebe. Und wie ich mein Leben selbst in die Hand nehme. Es fühlt sich, trotz der Angst, jetzt schon gut an. Obwohl noch die ein oder andere Formalie zu erledigen ist. Aber das wird sich regeln und spätestens im Oktober bin ich das erste Mal nach 22 Jahren im Berufsleben für ein paar Monate Herr meiner Dinge. Strange. Aber bestimmt auch extrem spannend.

Eine weitere Bestätigung dieser Richtung kam in dieser Woche, von meiner geliebten Mama, die, obwohl nochmal 20 Jahre älter, den Sprung in einen anderen Bereich gewagt hat und bislang nur Positives zu berichten weiß. Nette Menschen drumrum, offenbar eine spannende Aufgabe und, das Allerwichtigste, ein deutlich optimistischeres Zukunftsbild. Parallel folgte gleich ein ernüchterndes Gegenbeispiel, meiner ebenfalls geliebten Oma. Hier zeigt sich deutlich der Abbau des menschlichen Körpers, fremde Hilfe wird in einer stetig wachsenden Frequenz nötig. Und ich bin mir sicher, sie hätte die vergangenen Jahre lieber anders, lebhafter, unternehmungslustiger gelebt. Das kann man nun leider nicht mehr ändern (und ich bin Teil dieser Verfehlung, was ziemlich schmerzt), doch kann man für sich Schlüsse daraus ziehen. Offenherzig leben, etwas wagen und, ganz wichtig, niemals den Kontakt zu den Eltern abreißen lassen. Wir sprechen täglich, was ich auch beibehalten will, sehen uns regelmäßig und tauschen uns über nahezu alles aus. Ein Ankerpunkt, den ich niemals missen möchte. Und mit diesem im Rücken und Zuversicht im Herzen, vermag der Körper hoffentlich, die Wandlung von Angst zu Wahn weitestgehend zu vermeiden. Klingt doch gut, oder?

Keep on rockin´

Ree

  

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