Wenn der Antrieb fehlt! (183/366)

Rückfall. In alte Gewohnheiten, alte Zeiten, überwunden geglaubte Geschichten oder vergangene Gedanken. Mag man sich auch gerne an schöne Erlebnisse erinnern, rückbesinnen auf spaßige Zeiten und glorreiche Tage, so holen einen in trübseligen Momenten doch eher die unschönen Dinge ein, die man eigentlich verdrängen und im tiefsten Keller der eigenen Seele verbarrikadieren wollte. Auslöser können ganz profane Dinge sein, wie ein Ortsschild, welches eine Partnergemeinde aufführt, mit der man eine halbwegs emotionale Verbindung aus einer sterbenden Partnerschaft hatte. Oder auch einfach eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas unerklärlich Vergangenem, die im Griff zum Telefonhörer gipfelt und einen in eine zu bewältigende Realität zurück katapultiert.

Befindet man sich dann noch an einem Ort, wo rundum urlaubsgeschwängerte Glückseligkeit herrscht, öffnet sich eine mentale Grube und die Seele, das Herz, jegliches positive Gefühl, wandern schnurstracks hinein. Erstmal in diesem schwarzen Loch gefangen, sind die nächsten Stunden ein Kampf mit sich selbst, ein Krampf in der Magengegend und eine Feuchtigkeitskur für die Augäpfel. Alles kommt nochmal hoch, bricht sich Bahn und wird doch verzweifelt unter der Oberfläche gehalten, damit die Umwelt, die einen begleitenden Freunde, möglichst wenig davon mitbekommen. Schließlich soll ihre Qualitätszeit nicht schon wieder von meinen stets wiederkehrenden Wehwehchen beeinflusst werden.

Selbstverständlich merken sie es dann aber dennoch, logisch, sind ja die besten Freunde der Welt, und sie reden auf einen ein, schimpfen, pflegen, bauen auf und versuchen, das eigene Unverständnis zu unterdrücken. Was ich widerum natürlich ebenfalls merke, man kennt sich einfach schon zu lange. Doch es hilft, ein wenig zumindest, um die Welt wieder etwas gerade zu rücken. Klar, die Ziggarren und der Wein tun ebenfalls ihr bestes, dieses vermaledeite Gehirn für heute auszuschalten, doch es sind die Menschen, die dem Leben ihren Wert verleihen. Zumindest die, denen man vorbehaltlos vertrauen kann, weil sie eben nicht den eigenen Vorteil im Sinn haben, sondern wie ich die Stärke aus der jeweiligen Gegenseitigkeit ziehen.

Was weitere Zweifel aufziehen lässt. Ist es für einen sensiblen Menschen wie mich tatsächlich eine gute Lösung, aus der gewohnten Umgebung auszubrechen und sich auf unsicheres, ungewohntes Terrain zu begeben? Auch noch den letzten sicheren Hafen, die Beständigkeit der täglichen Arbeitsroutine, ziehen zu lassen, wo doch alles andere schon den Bach runtergegangen ist? Klar weiß ich, dass wahre Freundschaft bleibt, doch bleibt auch die Angst, ist doch der Großteil meiner alten Freunde in Dortmund zwangsläufig seiner Wege gegangen, als ich vor zehn Jahren ins Rheinland zog und die Treffen seltener wurden. Wenn man ehrlich ist, existiert von damals nur noch eine wirkliche Freundschaft, und selbst wir sehen oder sprechen uns nur noch von Zeit zu Zeit. Da kommt schon mal die Sorge auf, dass den Bonner Freundschaften ein ähnliches Schicksal blüht, wenn ich mich jetzt auf in die weite Welt mache.

Dass ich so etwas zudem noch niemals alleine angegangen bin, erhöht den Druck und das Misstrauen. Ich bin kein Mensch für Solotrips, ich bin ein Teamplayer, maximal ein Bandleader, sicher aber kein Eremit. Ich brauche Vertrauen und Vertraute um mich herum, meine persönliche Freude zieht sich aus geteilten Erlebnissen, Abenteuern und der gemeinsamen Bewältigung von Hindernissen. Ach, es ist ein Elend. Unfassbar viele schöne Tage liegen hinter mir, zumindest für meine aktuellen Verhältnisse, und nun reißt mich ein Gedankentsunami wieder so tief herunter, wirbelt mich durcheinander und zieht mich zurück in das Meer voller Sorgen. Luxusprobleme, ich weiß, aber eben meine, ganz persönlich. Und damit doch so schwerwiegend für mich, dass ich sie als besonders zermürbend erachte. Ich hoffe, diesmal handelt es sich um einen wahrhaft kurzfristigen Rückfall, will ich doch die nächsten Tage halbwegs unbeschwert verbringen und endlich mental wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Der Rest des Lebens besteht aus der Zukunft, nicht der Vergangenheit; es ist an der Zeit, dass Herz, Hirn und Seele das ein für allemal begreifen. Echt mal!

Keep on rockin´

Ree 

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