Leben und Hilfe aus dem Notizblock

Ein Ausflug von großem Wert! (184/366)

Verona. Alleine der Klang dieses Namens bringt mein Herz zum Schwingen, meine Seele zum Beben und meinen Geist zum Träumen. Die Oper im großen Kolosseum, einem der größten und ältesten dieser Welt, die Flüsse Etsch und Adige, eine Altstadt, die ihresgleichen sucht, so voller Geschichte, die man atmen, spüren, sehen kann. Nein, es gibt nicht viele Städte, die ich bislang besuchen durfte und so unrettbar in ihrem Bann verloren ging. Mit Weißwein auf der Piazza Erbe, der Erzählung nach Italiens schönster aller Plätze, das Treiben beobachtend, eingerahmt von Gebäuden aus altrömischer Zeit, fühlt es sich leicht an, dieses Leben. 


Wie viele Millionen, ach, Milliarden Menschen mögen hier schon gewesen sein, haben ihre Freuden, ihr Leid, ihren Schmerz und ihre Sehnsüchte mitgebracht, haben sich wie ich umgeschaut und klein gefühlt, im Angesicht der vielen Lebenden, die dieser Platz gesehen, aber auch längst wieder vergessen hat. Und wie viele andere sitzen um mich herum und wissen diesen Ort nur wenig zu würdigen, grummeln sich an, starren gebannt auf ihre jeweiligen Smartphones und machen den Eindruck, als sei die glückliche Zeit ihrer Liaison längst vergangen. Als hielte sie nur die Tradition oder die Angst vor Veränderung aufrecht (ich stelle nur fest, kritisiere nicht, denn urselbst bin ich ja ein Verfechter der überdauernden Treue und der Überzeugung, dass eine aus Verliebtheit zu Liebe entstandene Verbindung die Zeiten zu überdauern vermag).


Zurück zu Verona, der Schönen, Eleganten, in Würde gereiften Stadt der unglückseligen Liebe. Romeo und Julia stammen aus dieser Stadt, die Brüste ihrer Statue sind vermutlich die meist berührten in der Geschichte der Welt, abgewetzt und glänzend, doch wie ich mich persönlich überzeugen durfte, auch nach all den Jahren noch rund und fest. Es soll Glück bringen, sie zu berühren, dem konnte ich mich nicht entziehen, habe ich es doch vermeintlich mal wieder nötig; so wie unzählige andere um mich herum auch, ein Gedränge und Gewühle, Gelächter und verschämtes Betatschen der Figur, das der guten Seele Giulias im Leben wohl wenig behagt hätte. So erträgt sie es aber mit stummer Gelassenheit, genauso wie die typische und menschliche Geldmacherei drum herum, wo die Liebenden sich an den Wänden verewigen, Schlösser befestigen oder Andenken an ihre Partnerschaft erwerben. 


Doch Verona ist mehr, viel mehr, als eine kurze Episode zweier unglücklich Verliebter, die durch Shakespeare zu Weltruhm gelangten (diesen aber ob ihres Ablebens nicht mehr erleben durften). Da wären die Scaliger, die Herren von Verona in der Zeit von 1260 bis 1387, welche die Stadt maßgeblich geprägt haben und deren Gräber bis heute zu besichtigen sind. Momumentale Kunstwerke von beachtlichem Aufwand, die verdeutlichen, dass selbst die Mächtigsten eines Tages den Weg allen Erdischen gehen. Noch ein Grund mehr, sich auf die erfüllenden Dinge im Leben zu konzentrieren. Die unzähligen Kirchen zu benennen, würde zu weit gehen; wer in die Stadt reist, wird sich sowieso einen Reiseführer besorgen, allein um die historische Einordnung auf die Reihe zu kriegen. Ich kann übrigens den 5-EUR-Verona-Führer empfehlen, der an jedem Touri-Stand veräußert wird und 5 wirklich gut durchdachte Rundgänge beinhaltet.


Übrigens hat die Stadt auch einige Flaniermeilen in Petto, die sich vor keiner anderen Großstadt verstecken müssen. Ob Pimkie und Zara für den kleineren Geldbeutel oder Dolce & Gabbanie, sowie Hugo Boss für den etwas Größeren, ein jeder findet hier seinen Platz. Gleiches gilt für die Massen an Lokalen, in denen typische italienische und insbesondere auch veronesische Spezialitäten angeboten werden – letztere bestehen in der Regel aus Reis und Pferde- oder Eselsfleisch. Hier lohnt es sich sehr, den ein oder anderen Stopp einzulegen, die Seele baumeln zu lassen und dem Gaumen die Leckereien zuzuführen. Dazu passt im Sommer weißer Wein ganz hervorragend, er erfrischt und regt den Kreislauf an, was wohl wenig schaden kann.

  Dann das Kollosseum, die Oper, dieses ehrfürchtige Gemäuer, ellipsenförmig, mit Rundbögen versehen und allmächtig seinen Platz beherrschend. Ist sein Pendant in Rom ein Denkmal, so wurde dieses in Verona instandgesetzt und für die nun jährlich stattfindenden Opernfestspiele präpariert. Nach einem Besuch einer Vorstellung, Aida, standesgemäß auf den billigsten Plätzen, Steinstufen, fällt es schwer, mir eine alternative Vorstellung in einem deutschen Opernhaus vorzustellen. Diese monumentale Arena, unter freiem Himmel, mit der perfekten Rundung, fasste das Spektakel so einzigartig ein, dass man nur nicken konnte: „Ja, so hatte Verdi sich das vorgestellt, genau so und nicht anders“. Auch wenn ich überhaupt kein Opernfetischist bin, im Wesentlichen nur die berühmten Stücke kenne und den gesungenen Unterhaltungen nicht immer etwas abgewinnen kann, ließ die Atmosphäre nichts anderes als Ehrfurcht und Erstaunen zu. Hier würde ich mir immer wieder ein Stück ansehen.


So schloss, wie schon in Venedig, der Besuch mit einem Versprechen an mich selbst. Ich werde wiederkommen, in der Stadt übernachten und ihre Schönheit in Gänze zu erleben versuchen. Tatsächlich bin ich ungeplant, ungewollt, direkt am Folgetag ein zweites Mal in ihr gelandet, obwohl ich nur zwei Freunde zum Bahnhof bringen wollte. Doch auf dem Rückweg zog sie mich magisch an, die Schöne, so dass ich doch das Auto am Straßenrand parkte und wenigsten eine kleine Runde inklusive Gläschen Wein absolvierte. Nein, so eine schöne Stadt ward mir zuvor noch nicht begegnet. Molto bene.

Keep on rockin´

Ree

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