Das Ziel ist im Weg!

Ziele. Können Wegweiser sein, Hilfestellung geben, aber auch ein inneres Druckmittel darstellen. Sie geben dem Alltag vermeintlich Struktur, da man auf etwas hin arbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes „abzielen“, kann. Vordergründig sind sie also offenbar geeignet, den Tag sinnvoll zu gestalten, um ebendiesem manchmal selbst gesetzten, oft auch fremd bestimmtem, Ergebnis entgegenzustreben. Die einzelnen Arbeitsschritte um in einem Projekt voranzukommen seien dabei ebenso genannt, wie beispielsweise die Planungskomponenten einer bevorstehenden Reise (Recherche – Buchung – Wartezeit – Abreise).

Nun gibt es Menschen, die eine solch klare Struktur benötigen. Die ohne sie nicht wirklich voran kommen und im ewiggleichen Trott verharren, sofern sie keinen irgendwie gearteten Wegweiser aufgezeigt bekommen oder sich zumindest selbst setzen. Sie würden ansonsten auf der Couch verharren, den Fernseher anstarren und nicht die Motivation aufbringen, den Tag als Abenteuer zu sehen und einfach mal loszulegen. Für sie sind der tägliche Gang zur Arbeit, die dort zu verrichtende Aufgabe und die Verpflichtungen des Privatlebens Antrieb und Lebenszweck in einem. Auch wenn ich es mir nicht zwangsläufig vorstellen kann, so vermag dies durchaus viele Menschen glücklich zu machen und ihnen Freude zu schenken.

Andere widerum lassen sich von Zielen einschüchtern, manchmal gar hemmen, so dass sie ihnen wie eine bedrohliche Wand erscheinen, die zu überwinden schier unmöglich erscheint. Die Gefahr besteht, dass dadurch bereits im Vorfeld Resignation vorherrscht und der notwendige Elan nicht aufkommen mag. Für sie sind viele kleine Schritte notwendig, deren Bewältigung wenig Anstrengung befürchten lässt und mit jeder minimalen Erreichung ein erleichtertes Gefühl kurzen Glücks hinterlässt. Durch die permanente Anspannung, scheitern zu können, halte ich diese Variante für belastend, ist doch die Furcht vor dem Scheitern ein ständiger Begleiter und jedwede Kritik direkt ein Stich in Herz, Seele und Selbstbewusstsein.

Für mich versuche ich, eine Art Mittelding aus Eigeninitiative, leichtem geschubst werden und “auf das Abenteuer warten“ zu kombinieren. Ich merke gerade nämlich, dass mir ein festes Ziel durchaus nicht ganz angenehm ist und die Macht hat, den sonst typischen Aktionismus etwas zu hemmen (München). Dazu sorgt ein festes Vorhaben (Sprachkurs) gerade dafür, dass ich ein alternatives Szenario (Asientrip) zu verwerfen drohe, obwohl ich es eigentlich viel lieber angehen würde. Denke ich. Doch habe ich schon so lange vom Sprachkurs erzählt, dass ich es irgendwie auch falsch fände, nicht daran festzuhalten. In Summe hemmt mich das aktuell, was ebenfalls blöd ist, denn mir wird kaum ein wie auch immer gearteter Flug in den Schoß fallen.

Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, einfach spontan einen Hinflug zu erwerben, ohne konkrete Planung, ohne Rückflug und dann nach Laune zu verweilen oder weiter zu ziehen. Auch eine Art Abenteuer. Möglicherweise blockiert auch die anstehende Gedenkfeier für meine Oma die Überlegungen, denn da möchte ich auf jeden Fall zugegen sein und auch nicht direkt im Anschluss wieder verschwinden. Zudem muss ich einige Behördengänge vollenden, die mich nerven, aber unumgänglich sind. Puh.

Bleibt die Frage des Philosophen: Wäre es ein Gutes, den Zeitpunkt und Ort des eigenen natürlichen Todes schon vorab zu erfahren und somit das ultimative Ziel vor Augen zu haben? Würde das die Qualität des Lebens steigern und zu einem erfüllteneren Dasein führen oder gar noch mehr blockieren, damit man sich ja nicht in Gefahr begibt, noch früher per Unfall hinfort zu scheiden? Wäre das gut oder schlecht? Hach je, ich habe es heute aber mal wieder ordentlich zerstrubbelt, das eigene Hirn. Vielleicht sollte doch lieber der Weg das Ziel sein. Oder Ziellosigkeit die Erfüllung. Oder so.

Keep on rockin‘

Ree

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1 Comment

  1. Sehr schöner Post. Was macht das Ziel bzw. das Wissen über die Endstation (Tod) mit uns? Brauchen wir Wegweiser oder keine.

    Ich war sehr lange Zeit der Ansicht, Wegweiser seien überflüssig und Alltag der absolute Horror. Dann sah ich eine Dokumentation über das „Aufblühen des Selbst“ in einer Aufgabe – in diesem Fall der Sushi-Zubereitung. Seither trage ich die Überlegung mit mir herum, ob mein Leben nicht eher diffus ist. 🙂

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