Das Leben eines Anderen!

Fremdbestimmt. Manchmal denke ich, in Wirklichkeit das Leben eines anderen Menschen zu führen. Mir seine Träume, Wünsche und Vorhaben zu eigen zu machen und dadurch Planungen zu initiieren, die nicht zwangsläufig meinem eigenen inneren Drang entsprechen. Nicht völlig unangenehm, aber eben auch nicht zum aus dem Stuhl aufspringen und jauchzend vor Freude durch die Wohnung tanzen.

Alleine verreisen ist eine solche Idee, mit der sich eine Menge Leute in meinem Umfeld offensichtlich wohl zu fühlen scheinen, wohingegen es für mich nicht mal annähernd so attraktiv erscheint, wie ich es mir selbst manchmal glauben zu machen versuche. Immer wenn eine solche Reise ansteht, bin ich von Zweifeln geplagt und reagiere wenig rational. Ich war zweimal allein unterwegs, beide Trips waren ok, und habe im Gegenzug bereits dreimal spontan Trips in letzter Sekunde gestoppt (und dabei im März diesen Jahres gar für Aufregung unter der Security gesorgt).

Ich bin gut, wirklich gut, wenn es darum geht, spontan aus Situationen bereichernde Erfahrungen zu machen. Ich kann spektakulär und erfrischend auf plötzlich auftretende Fragestellungen reagieren und mich ganz hervorragend auf meine Mitmenschen einstellen. Ja, ich glaube, das größte meiner Talente ist in der Tat die Vielseitigkeit, gepaart mit deren Anwendbarkeit in jedweder spontanen Konfrontation. Je weniger mein vermaledeites Hirn Zeit zum Nachdenken hat, desto positiver geht der Rest des Ich an eine Sache heran.

Aber ich bin mies, richtig mies, wenn es darum geht, Teile meines Lebens längerfristig zu planen. Nein, nicht die Planung an sich stellt mich vor Probleme, sondern die Umsetzung, wenn es sich um ein etwas in der Zukunft liegendes, individuelles Vorhaben handelt. So mag ich heute durchaus davon begeistert sein, einen mehr oder minder langen Individualtrip zu begehen, doch sind erstmal Flug und Unterkunft gebucht, existiert eine nicht geringe Chance, dass mein Inneres Kämpfe ausficht und am Ende der Flug nicht angetreten wird.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was rational richtig zu sein scheint. Es sind eher die Umstände, die mich grübeln lassen. So herrscht in meinem Freundeskreis durchaus die Meinung vor, dass ich zwecks Studium, Sprachkurs und allgemeiner Selbstfindung durchaus mal ein wenig Zeit für mich in einer nicht alltäglichen Umgebung nötig habe (und diese Meinung habe ich mir längst zu eigen gemacht). Berücksichtigung findet dabei jedoch nicht, dass ich einfach nicht gerne für längere Zeit alleine  bin, mich der Gedanke ängstigt und ich wenig Spaß an ihm finde.

Ja, ich verbringe gerne mal Nachmittage vor dem Fernseher, auf der Couch, ohne einen anderen Menschen um mich herum, aber im Großen und Ganzen stützt sich die Freude meines Daseins auf die wenigen Stunden mit den paar mir wirklich ans Herz gewachsenen Personen. Das mögen nicht viele sein, aber die Treffen und Gespräche entpuppen sich möglicherweise gerade deshalb als wahre Schätze und Bereicherung des Lebens. Klar, ein Trip innerhalb der EU birgt in der digitalisierten Welt den Vorteil, dass mittels Telefon und Internet das Kontakthalten ein Kinderspiel ist, aber dennoch bleibt die Möglichkeit spontaner Treffen für gegenseitige Aktivitäten leider außen vor.

So möchte mir nun also mein hochwertiges Gedankengut weismachen, dass ich meine anstehende, (vielleicht) bewusstseinsverändernde Reise, nicht aus eigenem Antrieb heraus angehe, sondern stellvertretend für all jene Freunde, denen diese Chance(?) eben nicht gegeben ist, weil die Umstände nicht passen oder sie selbst keinen Mut dafür aufbringen können. Und genau daraus resultieren nun alle möglichen Zweifel, Fragen, Frustrationen. Soll ich dennoch fliegen? Oder gerade deshalb? Es erstmal ausprobieren oder direkt langfristig planen? Mich daheim verstecken und die Reise erfinden? Ein nahes Ziel wählen oder die Rückkehr erschweren? Abfliegen oder da bleiben?

Ich weiß vermutlich nicht wie es ist, wahnsinnig zu werden, aber so einen gewissen Hauch davon meine ich durchaus zu spüren. Wahrhaftig ist mir völlig unklar, was bis morgen Abend noch passiert; es wird ein Flugzeug auf meinen Einstieg warten und ich gehe aktuell davon aus, dass ich ebenjenes auch betreten werde. Doch wie es sich dann weiterentwickelt, das ist mir noch völlig unklar – auch wenn ich ein erstes Zimmer natürlich schon reserviert habe.

Doch vielleicht ist es genau das, was ich benötige: Die Nicht-Planung, das Unkonkrete, die Variante des flexiblen Reagierens; denn vermutlich sind es eben nicht die Mitmenschen, die mich wirr werden lassen, sondern mein eigenes Selbst, das hunderte Szenarien durchspielt, ohne die Wirklichkeit auch nur annähernd einschätzen zu können. Das wiederum hätte etwas Beruhigendes, würde es doch bedeuten, dass ich zwar von anderen beeinflusst werde (wie könnte es auch anders sein), aber doch noch Herr der Verantwortung für mein eigenes Tun bin.  Ich weiß es nicht. Aber werde es erleben. Ob traurig oder nicht.

Keep on rockin´
Ree

 

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