Vom ewigen Kind!

sdr

Kindheitsträume. Was, wenn es Dir nicht gelingt, von ihnen abzulassen. Wenn Du zwar älter wirst, aber Dir das, was Du unter Erwachsen sein vorgestellt hast, weiterhin fremd vorkommt. Wenn Dir Dinge wie sesshaft werden, für das Alter vorsorgen und Routine reinbringen nicht geheuer sind? Versteh mich nicht falsch, ich meine damit kein völliges Verbarrikadieren vor den Anforderungen, die das Leben mit fortlaufender Dauer an einen stellt. Natürlich kannst Du gut in Deinem Job sein, obwohl er nicht Deinen Lebensträumen entspricht. Klar ist ein gewisses Engagement möglich, obwohl Du Dich häufig genug in eine andere Realität träumst. Doch ändert das eben nichts daran, dass sich Dir einfach viele Pfade nicht so recht erschließen, die Deine Altersgenossen längst beschritten haben. Vielleicht hast Du sogar versucht, ihnen zu folgen, es ihnen gleich zu tun und all das zu versuchen, was „die Erwachsenen“, „die Anderen“ von Dir erwarten. Und bist möglicherweise krachend gescheitert, denn es war nicht Dein Weg. Deinen suchst Du, verzweifelt, jeden Tag aufs Neue. Mal wirklich intensiv, dann wieder nur unterbewusst, in Sekundenbruchteilen, in denen ein Gedanke kurz aufblitzt, eine sehr alte Erinnerung den Alltag in Frage stellt. In der Regel vergehen diese Momente rasch, doch dann und wann lähmen sie Dich über einen längeren Zeitraum und Du schweifst immer wieder in sie ab. Du fragst Dich, woher Du kommst und wohin das führen soll. Und selten, dann aber höchst intensiv, fragst Du Dich, wie es wohl ist, wenn Du alt bist. So richtig, so unbeweglich alt. So Du diese Lebensphase denn erreichst. Und Dir gefällt die Antwort nicht.

Aber kann man etwas erzwingen, was nicht in einem steckt? Kann man etwas versuchen, das zu wagen man sich nicht bereit fühlt? Kann es im Leben Dinge geben, deren Erfüllung man nicht für möglich hält? Wie viel muss man als Kind geträumt haben, um nicht Erwachsen werden zu wollen? Und ist man es mit jedem kleinen Schritt vielleicht doch geworden, ohne es selbst wahrzunehmen? Dem Vergleich mit der „Jugend von heute“ hält zumindest kaum jemand über 35 Stand. Zu groß ist die Distanz, zu tief der innere Drang junger Menschen, sich von der älteren Generation abzugrenzen. Da kann man dann vielleicht noch der „coole Onkel Charlie“ sein, aber ist längst nicht mehr auf Augenhöhe. Ist man also einfach nur eine neue Generation erwachsener Menschen, indem man sich selbst von den Prinzipien, Ansichten und Werten der vorherigen Generation entfernt hat? Vielen bedeutet Freiheit mehr als Sicherheit, Freizeit mehr als Karriere und Erlebnisse mehr als Geld. Auch wenn das Eine durchaus manchmal das Andere bedingt.

So bleiben wir alle ein wenig Kind, mal mehr und mal weniger. Für die, denen das Loslassen erheblich schwerer fällt, die den Übergang von der jugendlichen in die erwachsene Phase nicht stolperfrei auf die Reihe bekommen, folgt möglicherweise ein böses Erwachen. Vielleicht fehlt dann irgendwann etwas, vielleicht kommt Reue auf. Eventuell schlittert man aber auch einfach nur durch die zweite Arbeitsphase und kommt unbeschadet in der Rente an, im Kopf noch immer gefangen zwischen Kindheitsträumen und jugendlichen Versäumnissen. Ob das gut oder schlecht wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber es beschäftigt mich. Sehr sogar. Und euch?

Keep on rockin´
Ree

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