Diese verflixte Suche nach der Passion!

Leidenschaft. „Finde einen Job, den Du liebst, und Du wirst keinen Tag mehr arbeiten müssen.“ An wie vielen Wänden, in wie vielen Profilen findet man genau diesen Spruch und wie selten schaffen es tatsächlich Menschen, ihm auch gerecht zu werden? Ich kenne tatsächlich (neben ein paar Freunden im Profisport) nur eine Person, die genau das beherzigt und derart durchgezogen hat, dass sie mit 30 noch die entsprechende Ausbildung startete: Meine Mom. Sie liebt Kinder über alles und hat seitdem tausende in ihrem Beruf als Erzieherin beim Aufwachsen begleitet. Chapeau, es sollte mir eine Lehre sein. Doch ist es eher eine Leere. Ich suche schon so lange nach der Beschäftigung, die mich wirklich perspektivisch glücklich macht und ausfüllt, dass ich die Jahre schon kaum mehr zähle. Dummerweise kann und mache ich zum Einen unzählige Dinge gut und gern, aber konzentrierte mich nie auf ein spezielles Interessengebiet, zum Anderen habe ich mit einem Job, der mir eher weniger Spaß macht, einen erstaunlich bequemen Lebensstandard erreicht, den man gerade finanziell nicht so ohne weiteres aufgeben mag, nur um seine wahre Passion herauszufinden.

Doch parallel rennt die Lebenszeit davon und die alltägliche Zufriedenheit mit dem Sinn der eigenen Tätigkeit schwindet schleichend von Tag zu Tag, bis der Morgen kommt, an dem man es kaum mehr aus dem Bett schafft, weil sich die Monotonie nur noch schwer ertragen lässt und sich der Gedanke aufdrängt, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein kann. Na, und dass man bei gutem gesundheitlichen Verlauf noch weitere 26 Jahre in einer solchen Tätigkeit verweilt und sich beständig mehr der Rente zusehnt, ist erst recht kein Trost – zumal, wenn man schon seit gut 23 Jahren im Arbeitsleben steckt. Da haben auch ein paar Monate Auszeit nichts gebracht. Was also tun?

Klar, eine erste Analyse ist schnell gemacht. Marktüberblick, Pro und Contra Listen, Kostenvergleiche für Aus- und Weiterbildungen, geht das nebenberuflich, wie hoch ist der Zeitaufwand, wie lange kann ich eigentlich ohne Gehalt überbrücken? Doch dann kommt eben das Problem: Was kann ich mir vorstellen, auch in fünf Jahren noch gerne zu tun und damit auch den täglichen Lebensunterhalt nebst ein wenig Altersvorsorge zu bestreiten? Kann man die Leidenschaft für Reisen, Schreiben, Fotografie, Musik und Filmen irgendwie zu Geld machen, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat, kein Profi ist? Blogger, digitale Nomaden und Co behaupten dies fortwährend, doch werden auch sie immer mehr und haben häufig schon nach dem Studium diesen Weg eingeschlagen, wo es noch keine engen Bindungen und elementare finanziellen Verantwortungen gibt. Das Risiko ist entsprechend überschaubar und noch ziemlich viel Lebenserwartung übrig.

Zudem nimmt die Skepsis im Umfeld mit steigenden Lebensjahren zu, nicht nur von Freunden, gerade auch von den Eltern, die sich ja permanent Sorgen machen und am liebsten das 45jährige Verweilen in ein und demselben sicheren Job zur Pflicht machen würden. Diese emotionalen Stolpersteine gilt es aufzulösen, doch das ist ein komplexes Feld. Im Gegenteil, erschweren diese konservativen Ansichten kreative und freie Gedankengänge, führen zu neuen Selbstzweifeln und weniger Risikobereitschaft. Sollte es nicht eigentlich andersherum sein, sollten nicht gerade die engsten Vertrauten an Vorhaben glauben und selbst abwegigere Gedankengänge unterstützen, sofern sie einen auf den Pfad des Glücklichseins zurück führen? So oder so ist das mit der Passion so eine Sache: Welche(r) 16- oder 19-jährige kann schon von sich behaupten, dass er genau weiß, was ihn / sie ein Leben lang mit Glück erfüllt. Genau. Darum: Scheut euch auch mit 30, 40, 50, 60… nicht, solche Gedanken zuzulassen, Träume zu konstruieren, Möglichkeiten zu ergründen und euch ganz tief drinnen nach euren Sehnsüchten für die Zukunft zu befragen. Es stimmt nicht, dass es nie zu spät ist. Die Zeit der Reue ist nah, denn das Leben ist und bleibt endlich. Daher: Wagt, bevor ihr nie gewinnt. Ich gehe es an, wird die Suche auch lang 😉

Keep on rockin‘
Ree

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1 Comment

  1. Ach ja, das kommt mir bekannt vor… 🙂 Ich bin auch immer auf der Suche. Zwar mag ich meinen jetzigen Job, aber ihn bis zur Rente zu machen, kann ich mir definitiv auch nicht vorstellen. Aber ich denke, man ist nie zu alt für diese Suche und dafür, etwas Neues auszuprobieren, sich weiterzubilden. Was das angeht, ist deine Mom übrigens auch ein tolles Vorbild, finde ich! 🙂

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