Peru đŸ‡”đŸ‡Ș: Das Abenteuer der Fernbusse (I)

Am Busbahnhof von Cruz del Sur lĂ€uft es gesittet ab, eine gut geölte Maschine in einem Land, in dem die meisten Menschen auf Fernbusse angewiesen sind, wenn sie andere Teile ihrer Heimat erreichen möchten. Der Ticketkauf funktioniert problemlos online, das Ticket auf dem Handy ist Standard und der Check-In des GepĂ€ck lĂ€uft deutlich entspannter ab, als an europĂ€ischen FlughĂ€fen. Die Wartehalle ist groß genug, Souvenir-, Snack- und ZeitungsstĂ€nde bieten die notwendigen Waren feil, um die Reise kurzweiliger zu gestalten vor den hohen Glasfenstern ist stete Bewegung. Als unser Bus an der Reihe ist, erfolgt noch eine kurze Sicherheitskontrolle des HandgepĂ€cks, ebenfalls fix, und dann geht es schon hinein und auf den leidlich bequemen Sitz.

Im Bus selbst gibt es neben WLAN sogar Catering und ein Entertainment System, allerdings auf Spanisch mit englischen Untertiteln, daher empfehle ich dennoch ein Tablet mit eigenen BĂŒchern, Filmen und Serien, vielleicht sogar Spielen, mitzunehmen. Was in Deutschland mit Flixbus und Co erst so langsam Fahrt aufnimmt, ist in Peru auf jeden Fall lĂ€ngst Standard. So stört sich auch niemand daran, dass der Ă€ltere Herr im vorderen Bereich des Busses zu Beginn ununterbrochen nach der Stewardess verlangt, um etwas zu trinken zu bekommen. Man nimmt, gerade in ĂŒberschaubaren VerhĂ€ltnissen lebend, was man kriegen kann und entschlummert dann selig, um den Alltag in sanftem Geschaukel etwas vergessen zu lassen. Es gibt sicherlich schlechtere Wege, in die WĂŒstenstadt Ica zu kommen.

WĂ€hrend der Ă€ltere Peruaner somit schlafend die Landschaft ignoriert, bin ich irgendwie fasziniert von diesen anderen Bildern, dem Staub der hinter der Straße liegenden WĂŒste, vom verlassenen Pazifik und den immer gleichen, herunter gekommenen Bretterbuden am Straßenrand, die mich schmerzhaft daran erinnern, in einem doch ziemlich armen Land unterwegs zu sein. Lima, das mich stark an Jakarta erinnerte, bot zum Auftakt schon Einblicke in die großen Unterschiede im Land, vom Aston Martin HĂ€ndler in Miraflores zu den einfachen SonntagsbeschĂ€ftigungen der Familien in der NĂ€he des PrĂ€sidentenpalasts, unmittelbar neben den GĂŒterbahnschienen. Aber hier draußen wird nochmal deutlicher, warum Lima, das sowieso schon mit zu wenig Platz fĂŒr zu viele Menschen zu kĂ€mpfen hat, bestĂ€ndig wĂ€chst und inzwischen gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung Perus beherbergt. Es gibt entlang der Panamericana einfach nichts außer Staub und den endlosen Ozean.

Dennoch lĂ€uft vieles erstaunlich gut. Egal, ob die Straße nur zweispurig ist, es passen locker fĂŒnf Autos nebeneinander. Die Hupe hilft, wo der Blinker erst gar nicht betĂ€tigt wird. Und auch rote Ampeln sind eher freundliche Empfehlungen, als definitive Anweisungen. Stört keinen, die Polizei macht ja sowieso mit und stellt pro forma an jeder Ecke Personal mit Trillerpfeifen auf, um wenigstens etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Ein Bild, das uns auch in den folgenden Tagen begleiten wird.

Vier Stunden nach Antritt der Busfahrt machte sich dann erstmal wieder ErnĂŒchterung bemerkbar. Ica enttĂ€uschte auf den ersten Blick, weil es zu sehr den dreckigen Ecken von Lima gleicht und man anderes erwartet hat. Hier sollte doch die Oase sein, schmuckvoll und besonders, wie in 1000 und einer Nacht. Davon war aber nichts zu sehen. GlĂŒcklicherweise war der Shuttlefahrer unseres AirBnb leidlich pĂŒnktlich, so konnten wir uns etwas Fahrtwind um die Nase wehen lassen und die EnttĂ€uschung des so wenig ansprechenden Stadtbilds auf uns wirken lassen.

GlĂŒcklicherweise konnte die Unterkunft, das Hostel Ica Adventure 2, einige Punkte gutmachen. Sehr freundliches Personal und die dekadente, dennoch fĂŒr unsere VerhĂ€ltnisse arg gĂŒnstige 8-Personen-Suite hießen uns Willkommen, darĂŒber hinaus war das Abendessen ausgesprochen gut. Hier probierten wir nun auch erstmals den Pisco Sour, Perus alkoholisches NationalgetrĂ€nk, welches seinem Namen alle Ehre machte, aber dennoch ganz passabel schmeckt. Als wir den Blick durch den Aufenthalts- und Barbereich schweifen ließen, wurde uns allerdings bewusst, dass wir nicht zur aktuellen Backpackergeneration gehören und beim nĂ€chsten Mal stĂ€rker auf die Auszeichnung als Party Location zu achten – um diese dann eher zu meiden. Doch fĂŒr einige Tage ist es natĂŒrlich auszuhalten und teilweise sogar lustig anzusehen. Obwohl (oder gerade weil) sich das junge GemĂŒse im Verlauf des Abends zu einer stetig lauter werdenden Masse formierte, ging es fĂŒr uns frĂŒh ins Bett – wir ließen uns im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf herumtanzen, lag die Bar doch direkt ĂŒber der Suite. Doch die Busfahrt war dermaßen anstrengend, dass uns auch dieser Fakt den Schlaf nicht verleiden konnte. GlĂŒck gehabt.

Keep on rockinÂŽ
Ree

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