Peru ­čçÁ­čç¬: Mystik in Ollantaytambo

Ollantaytambo. Nie zuvor geh├Ârt, zwei Tage auszusprechen gelernt, dazu von der Lage, eingebettet in Bergen und Ruinen des heiligen Tals, ├╝berw├Ąltigt worden. Ein Kleinod dieser Reise, das in Reisef├╝hrern und Foren etwas zu kurz kommt. Nat├╝rlich bietet eben jenes Tal viele verschiedene faszinierende St├Ątten, doch Ollantaytambo deshalb auf dem Weg nach Machu Picchu lediglich kurz zu Streifen, wird diesem Ort absolut nicht gerecht.

Das wuselige Treiben am zentralen Plaza de Armas vor der Tourismusinformation l├Ąsst Dich direkt in diesen kleinen Ort eintauchen, unmittelbar werden Transportm├Âglichkeiten zum Bahnhof, Snacks oder Waren aus Alpaca-Wolle angeboten. Gar nicht so einfach, sich daraus zu l├Âsen, um erstmal tief durchzuatmen und mental anzukommen. Um einen herum auf der einen Seite viele Restaurants, gegen├╝berliegend die obligatorischen Souvenirshops und dazwischen bereits erw├Ąhnte Anlaufstelle f├╝r Touristen, die auch wir mangels Orientierung direkt aufgesucht haben. Mit den schweren Rucks├Ącken auf dem R├╝cken hie├č es, keine Zeit zu verlieren und als ersten Stopp die gebuchte Unterkunft Do├▒a Catta Inn anzusteuern. Diese war zum Gl├╝ck nur einen f├╝nfmin├╝tigen Fu├čmarsch entfernt, den wir zwar m├╝de, aber motiviert, die F├╝├če gleich hochlegen zu k├Ânnen, gerne auf uns nahmen.

Vorbei an weiteren Restaurants, Tante-Emma-L├Ąden und Shops ├╝berquerten wir die abenteuerliche Holzbr├╝cke auf der Hauptstra├če von Ollantaytambo, versicherten uns bei einem Polizisten nochmal kurz, auf dem richtigen Weg zu sein und bogen schlussendlich links in die Stra├če unseres Hotels ab. Die Lobby war fein, das Zimmer spartanisch mit zwei Einzelbetten ausgestattet und, leider, leider, wieder sehr kalt. Im Gegensatz zur Unterkunft in Lima war hier, zwar kein TV, aber zumindest ein Heizl├╝fter vorhanden, der zwar nicht genug Kraft hatte, um das Zimmer nachhaltig zu erw├Ąrmen, aber wenigstens auf die Betten gerichtet f├╝r halbwegs ertr├Ągliche Temperaturen sorgte. Das WLAN reichte leider auch nicht zum Streamen von Prime-Serien, aber zum Gl├╝ck hatten wir ein paar auf das iPad heruntergeladen. Nein, zimperlich darf man in Peru hinsichtlich der ├ťbernachtungsm├Âglichkeiten nicht sein – und doch fra├č es sich sukzessive durch unsere mentale Belastungsgrenze.

Obwohl ziemlich m├╝de, sorgte der spartanische Raum daf├╝r, dass wir uns doch unmittelbar auf Nahrungssuche begaben. Leider war es noch etwas fr├╝h, so hatten die meisten lokalen Restaurants noch geschlossen und wir eroberten das erste ge├Âffnete Lokal, in dem es Nudeln und Pizza gab – keine schlechte Basis f├╝r unsere Vorhaben der folgenden Tage, dazu befand es sich in einem abenteuerlichen Holzhaus mit altert├╝mlicher Veranda und Blick auf die Inka-St├Ątten von Ollantaytambo. Geht schlechter. Zusammen mit einer deutschen Familie waren wir zu dieser fr├╝hen Stunde die einzigen G├Ąste und mussten wieder mal feststellen, dass man es auf Reisen irgendwie seltsam findet, Landesgenossen zu treffen. Gespr├Ąche werden belangloser und die Stimmen ged├Ąmmt – als wolle man die Magie der Reise nicht mit Erinnerungen an die Heimat beflecken.

So blieben wir nach dem Essen auch nicht besonders lange sitzen, sondern erkundeten das Dorf noch ein wenig. Da es in den Bergen durch aufziehenden Nebel und langsam verschwindende Sonne best├Ąndig k├╝hler wurde, entschieden wir uns f├╝r einen kleinen Shoppingbummel durch die verschiedenen Gesch├Ąfte. Handgemachter Schmuck ist eher nicht so unseres, daher lie├čen wir entsprechende Angebote links liegen und konzentrierten uns eher auf die Anbieter kuschelig warmer Wollprodukte. Die Pullover, Schals, Decken, Socken und M├╝tzen glichen sich nahezu ├╝berall in Preis und Qualit├Ąt, so dass einem selbst die Wahl bleibt, wo man sein Geld l├Ąsst. Es ist eher eine Frage der Sympathie oder des Gleichheitsprinzips – wir kombinierten beides und deckten uns zun├Ąchst bei einer sehr zuvorkommenden peruanischen Frau ein, die mich, taktisch klug, mit dem Hund spielen lie├č, w├Ąhrend sie lang und breit die Vorz├╝ge unterschiedlichster Decken anpries. Nat├╝rlich schlugen wir zu, schmusten zur Belohnung noch etwas l├Ąnger mit der Fellnase und setzten unseren Weg durch die Gassen fort.

Der kleine Bach klarsten Wassers, der sich aus den Bergen immer am Gehweg entlang seinen Weg hinab bahnte, machte den Ort noch malerischer und als ein Esel am Stra├čenrand erschien, war es um uns geschehen – hier passte einfach vieles und f├╝r einen Moment waren die best├Ąndig im Hintergrund wabernden negativen Gedanken mal vergessen. Wir hielten die Szenerie f├╝r uns fest, mehr im Ged├Ąchtnis, als auf Zelluloid, und es zauberte uns den Rest des Tages immer mal wieder ein L├Ącheln ins Gesicht. Kein Wunder, dass wir auch beim n├Ąchsten H├Ąndler, zur├╝ck am Hauptplatz, noch einen Pullover aus Alpaca-Wolle erstanden und uns auch ├╝ber die v├Âllig ├╝berh├Âhten Lebensmittelpreise des Tante-Emma-Ladens nicht aufregten. Positive Erlebnisse k├Ânnen alles in einem besseren Licht erscheinen lassen. Dass wir unsere M├╝digkeit ├╝berwanden und uns nach der Ankunft direkt wieder auf den Spaziergang gemacht hatten, resultierte in einem raschen abendlichen Schlaf – ein weiterer Vorteil und der gelungene Abschluss eines durch die Busfahrt gef├╝hlt unfassbar langen Tages.

Keep on rockin┬┤
Ree

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