Peru ­čçÁ­čç¬: Am Fu├č von Machu Picchu!

Der zehnte Tag einer Reise mit vielen Unw├Ągbarkeiten bietet M├Âglichkeiten f├╝r eine erste Zwischenbilanz, doch das bevorstehende Ereignis lie├č diesen Aspekt v├Âllig unwichtig erscheinen. Es galt, mit leichtem Gep├Ąck die Zugfahrt nach Aguas Calientes, dem St├Ądtchen am Fu├č des Weltwunders, anzutreten und so stand schon das Fr├╝hst├╝ck unter dem Eindruck gespannter Erwartung. Unfassbar teuer, insbesondere f├╝r peruanische Verh├Ąltnisse, waren nicht nur die mit jeweils fast 150 Euro zu Buche schlagenden Tickets f├╝r den billigen Backpacker-Zug, nein, auch die Preise f├╝r eine ├ťbernachtung im Machu Picchu-Dorf lagen weit ├╝ber den auch nicht immer vollends g├╝nstigen Hotelkosten au├čerhalb dieses touristischen Hotspots. Es hat sich ohne Zweifel herumgesprochen, dass ein westlicher Besucher nicht heim kehren darf, sollte er es gewagt haben, Peru, aber nicht das Weltwunder besucht zu haben. So haben auch wir den Preis z├Ąhneknirschend entrichtet, gl├╝cklicherweise im Vorfeld, so dass der eigentliche Trip davon nicht mehr ├╝berschattet wurde.

Am Bahnhof von Ollantaytambo bot sich ein faszinierendes Bild, zun├Ąchst gestaltet durch ein bunt gemischtes Potpourri unterschiedlichster H├Ąndler, die von Lebensmitteln ├╝ber Kleidung bis hin zu Sonnenschutz alle m├Âglichen Waren feilboten. Letzterer war insbesondere bei asiatischen Besuchern hoch im Kurs. Die Schar an Menschen hinter sich lassend, kommt dann der eigentliche Bahnsteig mit den dahinter liegenden Gleisen in Sicht, angereichert mit einem sehr h├╝bsch anzusehenden historischen Zug, ganz in gr├╝n gehalten. Ein wirklich tolles Bild, zumal eingefasst in die Bergwelt im Hintergrund und die Inka-St├Ątte rechterhand. Der Wartesaal erinnerte hingegen sowohl in Aussehen, als auch Enge eher einem osteurop├Ąischen Bahnhof, doch sollte der Zug ja schon bald eintreffen. Die Chance, Snacks zu kaufen, lie├čen wir angesichts der ├╝berschaubaren Fahrtzeit von gut zwei Stunden verstreichen, was sich noch bereuen sollte, als unser Transportmittel kurz darauf eintraf. Es galt, ein gut sortiertes Chaos beim Einsteigen zu ├╝berwinden und auf der reservierten Viererkombi mit mittig installiertem Tisch Platz zu nehmen, wo es nicht nur sehr eng war, sondern die beiden gegen├╝ber sitzenden Spanier die ganze Fahrt ├╝ber penetrant riechende Lebensmittel verzehrten. H├Ątten wir mit eigenen kontern k├Ânnen, w├Ąre es vermutlich ertr├Ąglicher gewesen, so war die Fahrt dann aber doch arg getr├╝bt. Zumal es auch nur wenig zu sehen gab und wir uns mit jeder verstreichenden Minute sehnlicher nach der Ankunft in Aguas Calientes verzehrten. Sehr entt├Ąuschend, vor allem angesichts des Preises, der dann doch wieder zur├╝ck ins Ged├Ąchtnis kroch.

Gl├╝cklicherweise hat Einstein zwar recht und die Zeit dehnt sich aus, je mehr man etwas ersehnt, dennoch kommt man auf solch einer Zugfahrt irgendwann am Zielbahnhof an. So war es auch diesmal und der erste Blick ins weite Rund von Aguas Calientes lie├č den ├ärger vergessen. Welcome to Machu Picchu Village hie├č es, was allein schon f├╝r Hochgef├╝hle sorgte. Endlich, das Highlight greifbar nah und nur noch eine ├ťbernachtung, sowie den Erwerb eines Bustickets entfernt. Den durch die Fu├čverletzung war es schon schwer genug, die enorm steile Dorfstra├če zum Hostel zu erklimmen. An die zweist├╝ndige Wanderung hoch zum Eingang des Weltwunders war daher nicht zu denken. Best├Ąndige „Massage“-Rufe an jeder Ecke motivierten, die nicht enden wollende Stra├če zu erklimmen, und nach einer Menge nicht zitierbarer Fl├╝che erreichten wir endlich unsere Unterkunft, am buchst├Ąblich letzten Haus des Berges. Irre.

Das alternative El Mistico Machupicchu ist im besten Fall als rustikal zu bezeichnen, mit viel Holz eingerichtet und von sehr gechillten Menschen gef├╝hrt. Unser Balkon hatte eine sch├Âne Aussicht auf den Fluss und die Berge, auch wenn die Bauruinen gegen├╝ber den Anblick etwas tr├╝bten. Neben der Rezeption l├╝mmelte der peruanische Nackthund des Hauses, Capa, l├Ąssig auf einer Bank und lie├č sich ohne gr├Â├čere Regung von uns streicheln. Ein seltsames Gef├╝hl, als w├╝rde man ├╝ber z├Ąhes Leder fassen. Diese Rasse ist definitiv nicht als Kuschelhund auf die Welt gekommen und so lie├č er sich im weiteren Verlauf auch nicht mehr blicken, sondern stromerte mit den anderen Hunden in den Gassen des Dorfes herum. Wir taten es ihm gleich und spazierten in aller Ruhe an den verschiedenen Souvenirl├Ąden vorbei und querten die Br├╝cke zum Markt, der sich dicht gedr├Ąngt vom Flussufer bis zum Bahnhof zieht und alles nur erdenkliche von Handarbeit bis Kitsch im Angebot hat.

Da wir f├╝r den kommenden Tag nur noch ein Ticket f├╝r die sp├Ątm├Âglichste R├╝ckfahrt ergattert hatten, handelten wir nur spa├česhalber mit dem ein oder anderen Verk├Ąufer, um uns schon mal das R├╝stzeug f├╝r die tats├Ąchlichen Kaufabsichten anzueignen und einen ├ťberblick der feilgebotenen Waren zu verschaffen. Vieles, das auf den ersten Blick sch├Ân aussah, entpuppte sich als Massenware aus industrieller Produktion, was f├╝r Magnete nicht dramatisch ist, aber Alpaka-Kleidung etwas abwertet. Doch wir bekamen auch einen Eindruck davon, welche Waren tats├Ąchlich handgemacht zu sein schienen und so wussten wir, wo wir uns nach der Machu Picchu Besichtigung nochmals aufhalten w├╝rden.

Mit schlechtem und sehr teurem Essen schlossen wir den Abend, spielten im Restaurant etwas Jenga und ├Ąrgerten uns im Anschluss ├╝ber die Servicegeb├╝hr auf der Rechnung, obwohl es im Prinzip nicht den Hauch einer Serviceleistung gegeben hatte. So wurde man kurz vor dem Schlafengehen nochmals schmerzhaft daran erinnert, dass der Besuch eines Weltwunders heutzutage eben zu einem gro├čen Teil touristisches Massengesch├Ąft mit den entsprechenden Preissteigerungen bei gleichzeitiger Qualit├Ątsreduktion als Begleiterscheinung ist. Schade. Aber die Vorfreude auf den Ausflug kehrte rasch zur├╝ck und in gespannter Erwartung wechselten wir nach dem Aufstieg zum Hostel zur├╝ck ins Traumland.

Keep on rockin┬┤
Ree

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