Peru đŸ‡”đŸ‡Ș: Am Fuß von Machu Picchu!

Der zehnte Tag einer Reise mit vielen UnwĂ€gbarkeiten bietet Möglichkeiten fĂŒr eine erste Zwischenbilanz, doch das bevorstehende Ereignis ließ diesen Aspekt völlig unwichtig erscheinen. Es galt, mit leichtem GepĂ€ck die Zugfahrt nach Aguas Calientes, dem StĂ€dtchen am Fuß des Weltwunders, anzutreten und so stand schon das FrĂŒhstĂŒck unter dem Eindruck gespannter Erwartung. Unfassbar teuer, insbesondere fĂŒr peruanische VerhĂ€ltnisse, waren nicht nur die mit jeweils fast 150 Euro zu Buche schlagenden Tickets fĂŒr den billigen Backpacker-Zug, nein, auch die Preise fĂŒr eine Übernachtung im Machu Picchu-Dorf lagen weit ĂŒber den auch nicht immer vollends gĂŒnstigen Hotelkosten außerhalb dieses touristischen Hotspots. Es hat sich ohne Zweifel herumgesprochen, dass ein westlicher Besucher nicht heim kehren darf, sollte er es gewagt haben, Peru, aber nicht das Weltwunder besucht zu haben. So haben auch wir den Preis zĂ€hneknirschend entrichtet, glĂŒcklicherweise im Vorfeld, so dass der eigentliche Trip davon nicht mehr ĂŒberschattet wurde.

Am Bahnhof von Ollantaytambo bot sich ein faszinierendes Bild, zunĂ€chst gestaltet durch ein bunt gemischtes Potpourri unterschiedlichster HĂ€ndler, die von Lebensmitteln ĂŒber Kleidung bis hin zu Sonnenschutz alle möglichen Waren feilboten. Letzterer war insbesondere bei asiatischen Besuchern hoch im Kurs. Die Schar an Menschen hinter sich lassend, kommt dann der eigentliche Bahnsteig mit den dahinter liegenden Gleisen in Sicht, angereichert mit einem sehr hĂŒbsch anzusehenden historischen Zug, ganz in grĂŒn gehalten. Ein wirklich tolles Bild, zumal eingefasst in die Bergwelt im Hintergrund und die Inka-StĂ€tte rechterhand. Der Wartesaal erinnerte hingegen sowohl in Aussehen, als auch Enge eher einem osteuropĂ€ischen Bahnhof, doch sollte der Zug ja schon bald eintreffen. Die Chance, Snacks zu kaufen, ließen wir angesichts der ĂŒberschaubaren Fahrtzeit von gut zwei Stunden verstreichen, was sich noch bereuen sollte, als unser Transportmittel kurz darauf eintraf. Es galt, ein gut sortiertes Chaos beim Einsteigen zu ĂŒberwinden und auf der reservierten Viererkombi mit mittig installiertem Tisch Platz zu nehmen, wo es nicht nur sehr eng war, sondern die beiden gegenĂŒber sitzenden Spanier die ganze Fahrt ĂŒber penetrant riechende Lebensmittel verzehrten. HĂ€tten wir mit eigenen kontern können, wĂ€re es vermutlich ertrĂ€glicher gewesen, so war die Fahrt dann aber doch arg getrĂŒbt. Zumal es auch nur wenig zu sehen gab und wir uns mit jeder verstreichenden Minute sehnlicher nach der Ankunft in Aguas Calientes verzehrten. Sehr enttĂ€uschend, vor allem angesichts des Preises, der dann doch wieder zurĂŒck ins GedĂ€chtnis kroch.

GlĂŒcklicherweise hat Einstein zwar recht und die Zeit dehnt sich aus, je mehr man etwas ersehnt, dennoch kommt man auf solch einer Zugfahrt irgendwann am Zielbahnhof an. So war es auch diesmal und der erste Blick ins weite Rund von Aguas Calientes ließ den Ärger vergessen. Welcome to Machu Picchu Village hieß es, was allein schon fĂŒr HochgefĂŒhle sorgte. Endlich, das Highlight greifbar nah und nur noch eine Übernachtung, sowie den Erwerb eines Bustickets entfernt. Den durch die Fußverletzung war es schon schwer genug, die enorm steile Dorfstraße zum Hostel zu erklimmen. An die zweistĂŒndige Wanderung hoch zum Eingang des Weltwunders war daher nicht zu denken. BestĂ€ndige „Massage“-Rufe an jeder Ecke motivierten, die nicht enden wollende Straße zu erklimmen, und nach einer Menge nicht zitierbarer FlĂŒche erreichten wir endlich unsere Unterkunft, am buchstĂ€blich letzten Haus des Berges. Irre.

Das alternative El Mistico Machupicchu ist im besten Fall als rustikal zu bezeichnen, mit viel Holz eingerichtet und von sehr gechillten Menschen gefĂŒhrt. Unser Balkon hatte eine schöne Aussicht auf den Fluss und die Berge, auch wenn die Bauruinen gegenĂŒber den Anblick etwas trĂŒbten. Neben der Rezeption lĂŒmmelte der peruanische Nackthund des Hauses, Capa, lĂ€ssig auf einer Bank und ließ sich ohne grĂ¶ĂŸere Regung von uns streicheln. Ein seltsames GefĂŒhl, als wĂŒrde man ĂŒber zĂ€hes Leder fassen. Diese Rasse ist definitiv nicht als Kuschelhund auf die Welt gekommen und so ließ er sich im weiteren Verlauf auch nicht mehr blicken, sondern stromerte mit den anderen Hunden in den Gassen des Dorfes herum. Wir taten es ihm gleich und spazierten in aller Ruhe an den verschiedenen SouvenirlĂ€den vorbei und querten die BrĂŒcke zum Markt, der sich dicht gedrĂ€ngt vom Flussufer bis zum Bahnhof zieht und alles nur erdenkliche von Handarbeit bis Kitsch im Angebot hat.

Da wir fĂŒr den kommenden Tag nur noch ein Ticket fĂŒr die spĂ€tmöglichste RĂŒckfahrt ergattert hatten, handelten wir nur spaßeshalber mit dem ein oder anderen VerkĂ€ufer, um uns schon mal das RĂŒstzeug fĂŒr die tatsĂ€chlichen Kaufabsichten anzueignen und einen Überblick der feilgebotenen Waren zu verschaffen. Vieles, das auf den ersten Blick schön aussah, entpuppte sich als Massenware aus industrieller Produktion, was fĂŒr Magnete nicht dramatisch ist, aber Alpaka-Kleidung etwas abwertet. Doch wir bekamen auch einen Eindruck davon, welche Waren tatsĂ€chlich handgemacht zu sein schienen und so wussten wir, wo wir uns nach der Machu Picchu Besichtigung nochmals aufhalten wĂŒrden.

Mit schlechtem und sehr teurem Essen schlossen wir den Abend, spielten im Restaurant etwas Jenga und Ă€rgerten uns im Anschluss ĂŒber die ServicegebĂŒhr auf der Rechnung, obwohl es im Prinzip nicht den Hauch einer Serviceleistung gegeben hatte. So wurde man kurz vor dem Schlafengehen nochmals schmerzhaft daran erinnert, dass der Besuch eines Weltwunders heutzutage eben zu einem großen Teil touristisches MassengeschĂ€ft mit den entsprechenden Preissteigerungen bei gleichzeitiger QualitĂ€tsreduktion als Begleiterscheinung ist. Schade. Aber die Vorfreude auf den Ausflug kehrte rasch zurĂŒck und in gespannter Erwartung wechselten wir nach dem Aufstieg zum Hostel zurĂŒck ins Traumland.

Keep on rockinÂŽ
Ree

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