Peru đŸ‡”đŸ‡Ș: Machu Picchu, ein Wunder dieser Welt

Es gibt Orte, Bauwerke, Gegenden, die sind so gehyped, dass die in sie gesteckten Erwartungen eigentlich niemals zu erfĂŒllen sind. Ob es nun zu voll ist, zu teuer, weniger imposant als gedacht, es gibt viele GrĂŒnde, warum sich statt Freude EnttĂ€uschung breit macht. Und so erfĂŒllte uns beim Aufstehen zwar gespannte Erwartung, doch richtigen Enthusiasmus erlaubten wir uns nicht. Ein stĂŒckweit wurden wir zunĂ€chst auch darin bestĂ€tigt, galt es doch, sich in eine unfassbar lange Schlange einzureihen. Vom Bahnhof am Fuß des Ortes bis fast ganz hinauf stauten sich die Touristen, um von Bussen bis zur Pforte des heiligen Ortes gebracht zu werden. Dann und wann schlichen mĂŒde Backpacker an der Schlange vorbei, die sich aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit oder um Geld zu sparen auf den gut zweistĂŒndigen Fußweg hinauf wagten. FĂŒr uns war dies aufgrund der Fußverletzung ja keine Option mehr, weshalb wir uns in der Sonne aalten und parallel einem Streuner einige Streicheleinheiten verpassten.

Selbiger hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die ihre Handkarren schiebenden HĂ€ndler mit lautem Gebell anzutreiben. Ein köstliches Szenario, das die Zeit bis zum Einstieg in den Bus deutlich schneller verstreichen ließ. Über eine Vielzahl von Serpentinen ging es in 30 Minuten hinauf und oben auf dem Vorplatz schienen sich unsere BefĂŒrchtungen unmittelbar zu bestĂ€tigen. Es war zum Bersten gefĂŒllt, sowohl vor der Kasse, als auch vor dem Eingang waren Menschentrauben und es fiel schwer, sich ĂŒberhaupt einen Überblick zu verschaffen. Guides priesen ihre Dienste an und behaupteten, ohne sie sei keine Besichtigung der StĂ€dte möglich – was gelogen ist. GlĂŒcklicherweise hörten wir nicht auf sie, zogen von dannen und gelangten schnurstracks und voller Zuversicht an einer wartenden Gruppe vorbei bis direkt vor den Eingang. Niemand sonst schien sich die Treppe hoch zu trauen, so winkten wir mit unseren Tickets und tadaaaa – man gewĂ€hrte uns ohne jegliche EinschrĂ€nkungen Einlass.

Unmittelbar nach Betreten des Wunderwerks schien eine Art spiritueller Geist in uns gefahren zu sein. Machu Picchu gehört eindeutig nicht zu der vorgenannten Kategorie ĂŒberschĂ€tzter SehenswĂŒrdigkeiten. Egal wie teuer es war, wie nervig sich die Wartezeit auf die Busse gestaltete oder wie viele andere Menschen sich parallel dort aufhielten: es war und ist einfach atemberaubend. Die Magie dieses Ortes ist schwer in Worte zu fassen und seine Mystik wird umso sichtbarer, wenn die Sonne auf dieses Monument strahlt und man die Gelegenheit hat, diesen Augenblick von oben herab nahezu ungestört genießen zu können. Denn das war unser GlĂŒck – durch den Coup auf der Treppe hatten wir gehörigen Vorsprung vor der nĂ€chsten Gruppe und waren an vielen Stellen zunĂ€chst völlig allein. Selbst dort, wo man das traditionelle Bild von oberhalb der Zitadelle schießen kann. Ein Traum.

Gerade diese Ausblicke von oben, die Zitadelle im Vordergrund mit den weit gen Himmel aufragenden Bergen dahinter, möchte erlebt werden. Bilder gibt es viele, auch ich lasse sie hier sprechen, doch wirklich auf dieses Inka-Kunstwerk zu blicken, durch die GĂ€nge zu streifen und die damalige Lebensweise in sich aufzunehmen, ist durch nichts zu ersetzen. Fast vier Stunden haben wir uns dort aufgehalten (wer einen Guide hatte, musste in gut zwei Stunden durch hetzen) und durften die scheinbar dort lebenden Alpacas streicheln. Eines war zudem bestrebt, Insta-Star zu werden, posierte es doch in Seelenruhe am Hang, freute sich ĂŒber Gesellschaft und diente so als surreal perfektes Topping der Machu Picchu-Fotosession.

Wir bestiegen die BrĂŒcke der Inkas, unterhielten uns mit einem Mitarbeiter, der unter der Hand dringend benötigte Wasserflaschen verkaufte und schossen unzĂ€hlige Fotos. Uns war in keiner Sekunde langweilig, wir sogen diesen Ort förmlich in uns auf, bestrebt, diese Erinnerung bis zum Ende aller Tage kompensieren zu können. Am Ausgang holten wir uns noch den offiziellen Machu Picchu-Stempel ab, der nun den Reisepass verschönert und als BestĂ€tigung fĂŒr uns gilt, wirklich dort gewesen zu sein. Obwohl wir im Anschluss eine weitere Stunde in der Schlange auf den Bus nach unten warten mussten, hat sich dieser Trip doch mehr als gelohnt. Auch auf der Zugfahrt zurĂŒck nach Ollantaytambo schienen alle FahrgĂ€ste beseelt von diesem Erlebnis und es herrschte eine ungewöhnlich meditative Stille. Wer auch immer die Gelegenheit hat, lasst euch nicht abschrecken, es gibt nur wenige Möglichkeiten, solche Weltwunder in Natura erleben zu dĂŒrfen.

Keep on rockinÂŽ
Ree

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