Peru đŸ‡”đŸ‡Ș: Cusco und der Auszug aus Mittelamerika!

Cusco. Es sollte das stĂ€dtische Kleinod der Reise sein, insbesondere die Altstadt wird in den diversen ReisefĂŒhrern in höchsten Tönen angepriesen. Da Ollantaytambo sowieso in der nĂ€heren Umgebung liegt und in unseren Gedanken ein Verlassen des Landes immer konkretere ZĂŒge annahm, gönnten wir uns nach einem letzten FrĂŒhstĂŒck in unserer Unterkunft fĂŒr die gut 90minĂŒtige Fahrt ein privates Taxi. So konnten wir die Landschaft besser genießen und, noch wichtiger, die Gedanken in entspannter AtmosphĂ€re fließen lassen. Der Fahrer war herausragend gut und wusste genau, wann wir offen fĂŒr Sightseeing waren (oder eben auch nicht). So zeigte er uns gleich zu Beginn der Fahrt ein außergewöhnliches Hotel, welches Schlafkapseln in einer steilen Felswand anbietet. Hier muss man permanent ĂŒber einen Klettersteig hinauf und hinab steigen, auch wenn in der Kapsel alle hygienischen Bedarfe gestillt werden können. Sogar eine CafĂ©-Kapsel existiert in 300 Metern Höhe, so dass sich die einzelnen Kapselbewohner in luftiger Höhe zum FrĂŒhstĂŒck treffen können. Wirklich coole Sache.

Danach ging es eher schweigend weiter, denn wir zeigten offenbar kein gesteigertes Interesse an einer Unterhaltung. Zu sehr waren wir mit unseren Gedanken beschĂ€ftigt. Parallel verdeutlicht sich die Schönheit des heiligen Tals bei Sonnenschein in einem Taxi erheblich eindringlicher, als in einem schaukelnden Minivan mit Platzmangel. Wer nicht low budget unterwegs ist, sollte sich so eine Fahrt durchaus mal gönnen, so kommt man dem irrwitzigen Dorfleben etwas nĂ€her, in dem die HĂ€user fast unmittelbar auf den Schienen gebaut zu sein scheinen und jeder Zug die ganze Umgebung aufscheucht. Nach und nach rĂŒckte Cusco nĂ€her, was man insbesondere daran merken konnte, dass die auf HĂ€userwĂ€nde gesprĂŒhten Parolen bestĂ€ndig zunahmen und agressiv um WĂ€hler irgendeiner bevorstehenden Wahl warben. Durch den zunehmenden Verkehr langsamer werdend rollten wir schlussendlich in der Stadt ein, die schon beim ersten flĂŒchtigen Blick vor einigen Tagen voll und dreckig wirkte und sich bis zur TĂŒr unseres Hotels nur unwesentlich schöner zeigte. Das Hotel machte jedoch einen kolonial-schicken Eindruck, weshalb wir uns erstmal einen Tee auf der Terrasse genehmigten und den Blick schweifen ließen. Jawohl, von hier oben, auf die Altstadt hinab schauend, konnten wir die viel beschworene Schönheit erahnen. Cusco musste tatsĂ€chlich faszinierende Ecken parat haben, die es sodann zu erkunden galt.

TatsĂ€chlich kann man hier eine chillige Zeit verbringen, so man denn nicht außer Atem gerĂ€t. Denn die Stadt liegt auf 3399 Metern Höhe (zum Vergleich, der Teide, Spaniens höchster Berg, ist 3715 Meter hoch), was insbesondere die asiatischen GĂ€ste zum Kauf portabler Sauerstoffflaschen verleitete, die hier tatsĂ€chlich reißenden Absatz finden. Ein wenig fĂŒhlte man sich dadurch in einen apokalyptischen Science-Fiction Film versetzt, so spacig und unwirklich wirkte diese Szenerie. Wir kamen allerdings auch ohne diese Hilfsmittel erstaunlich gut zurecht, obwohl der steile Anstieg zum Hotel mittels einiger Verschnaufpausen dann und wann unterbrochen werden musste. Aber auch wegen der wahrhaftig wunderschönen Altstadt kann einem schon mal die Luft wegbleiben. Alles konzentriert sich um den zentralen Platz „Plaza Haukaypata“, um den sich eine Vielzahl von Restaurants, Kirchen und Shops anordnen. Das wuselige Treiben der Touristen bestimmt zwar die AktivitĂ€ten der HĂ€ndler, die an jeder Ecke ĂŒberteuerte Kunst, Selfiesticks oder auch Alpaca-SchlĂŒsselanhĂ€nger anbieten, doch hat die Altstadt noch genĂŒgend einheimische Passanten, so dass die Magie eines fremden Ortes noch nicht durch die Touristenkurve ins Negative gekippt wurde (Helge Timmerberg sagte mal, wenn mehr als 30% der Anwesenden aus Touristen bestehen, schwindet jegliche Faszination des Einheimischen – ich gebe ihm da weitestgehend recht, sofern man es z. B. bei etwas wie Machu Picchu nicht schafft, sich mental völlig von allem drum herum zu lösen).

So waren die Tage in Cusco, durch die Gassen schlendernd, dem KunsthĂ€ndler auf den Leim gehend und auf dem Platz die Sonne genießend, in GĂ€nze die schönsten der vergangenen zwei Wochen. Was uns aber gleichzeitig frustrierte, denn nach der schönsten Stadt wĂŒrden wieder anstrengende Busfahrten, unsichere Wege und fragwĂŒrdige Mahlzeiten drohen. Mit Fußverletzung, Magenproblemen und daraus resultierend seelischer Angeschlagenheit wuchs daher die Überzeugung, das Abenteuer Peru nun anzubrechen – trotz vierstelligem finanziellen Verlust, denn Gesundheit geht vor. Wir gönnten uns noch etwas Bedenkzeit, durchstreiften interessante Markthallen und kosteten vorzĂŒgliches Sushi, doch als uns selbst das zuckersĂŒĂŸe Baby-Alpaca, welches uns ohne Vorwarnung in die Arme gelegt wurde, nicht umstimmen konnte, war die Entscheidung getroffen. Wir wĂŒrden das Land verlassen, aber nicht die Reise an sich abbrechen. Ein Inlandsflug mit Latam brachte uns zunĂ€chst nach Lima zurĂŒck, von wo es dann kurze Zeit spĂ€ter zum nĂ€chsten Abenteuer ging: Wir wollten alternativ einen Roadtrip entlang der US-WestkĂŒste unternehmen und so betraten wir erneut ziemlich ungeplant ein Flugzeug, das uns ĂŒber Los Angeles nach Las Vegas bringen sollte – wo zumindest fĂŒr ein paar Tage ein komfortables Zimmer darauf wartete, uns mental und körperlich wieder in die Spur zu bringen. Aber dazu demnĂ€chst mehr.

Keep on rockin‘

Ree