Die 10%-Methode: Für ein Leben ohne (finanzielle) Sorgen!

Die Jugend. Unbeschwert und mit deutlich weniger Verantwortung als im weiteren Verlauf des Lebens. Welche Zeit könnte geeigneter sein, um erste Erfahrungen in Sachen Finanzplanung und Kapitalentwicklung zu sammeln?

Maximal geeignet ist der 10%-Ansatz, der das gesamte Leben konstant aufrecht erhalten werden kann, wenn bereits in frühen Jahren der Grundstein dazu gelegt wurde. Das bedeutet nicht, dass ein späterer Einstieg nicht mehr möglich ist, doch fällt es erheblich leichter, je früher damit gestartet wird.

10% sind immer zu verschmerzen – je früher, desto besser!

Eine wesentliche Funktion, um das Prinzip schon frühzeitig an das Kind oder die Jugendlichen zu bringen, nehmen qua natura Eltern oder Großeltern wahr: Die Verdeutlichung, dass durch diese Systematik keine Nachteile entstehen, sondern im Gegenteil eine entsprechende Belohnung auf die Sparer wartet.

Je nach Einstiegsalter ist die Handhabung differenziert, daher zunächst ein kleiner Motivationsexkurs für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren.

Der Anreiz für die Jüngsten!

In jungem Alter ist es noch schwer zu verstehen, weshalb die 10%-Methode etwas Sinnvolles darstellt, wird auf den ersten Blick doch etwas weg genommen. Daher sind Anreize wichtig. Beispielhaft sei hier ein größeres Spielzeug in Aussicht gestellt, welches sich das Kind allein von den Ersparnissen leisten kann. Da Eltern die Gelegenheit, Macht und Verantwortung haben, Taschengeld nach eigenem Ermessen zu vergeben, stellt die Umsetzung hier kein wesentliches Problem dar.

Beispielhaft nehmen wir an, das sechsjährige Kind erhält im Monat regulär ein Taschengeld von 5 Euro, welches sich in jedem Jahr um 20% erhöht. Davon werden monatlich 10% beiseite gelegt und nach jeweils 12 Monaten kann das Kind über die Verwendung des Geldes mit entscheiden. So würde das sechsjährige Kind mit sieben Jahren über 6 Euro extra verfügen (für Erwachsene nicht die Welt, ist es für das Kind im Auszahlungsmonat eine Verdoppelung des nun auf 6 Euro erhöhten Taschengelds).

Möglicherweise möchte das Geld nun ausgegeben werden, sicherlich gibt es aber auch Kinder, die es bereits weiter sparen möchten. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, der erste Grundstein für das Verständnis, was Sparen bewirkt, ist gelegt.

Ab 14 wird es richtig spannend!

Ab dem 14. Lebensjahr wird der Ansatz nochmals interessanter, insbesondere, wenn die nun Jugendlichen schon früh damit konfrontiert wurden. Aber auch, wenn es ein neues System ist, werden die Gespräche konstruktiver verlaufen können und das Prinzip rasch verstanden werden. Hierbei empfiehlt sich eine gemeinsame Berechnung auf Papier oder mittels Tabellenkalkulation.

Gehen wir von den 5 Euro Taschengeld mit sechs Jahren und der prognostizierten jährlichen Steigerung von 20% aus, so sind mit 14 Jahren nun aufgerundet 21,50 Euro fällig. Der Deal sollte nun sein, dass die 10% des Modells bis zum 18. Lebensjahr kontinuierlich bei den Eltern verbleibt und bei der Feier zur Volljährigkeit gemeinsam über den weiteren Fortgang entschieden wird.

Erklären sich die Jugendlichen einverstanden (bzw. werden final von den Eltern überstimmt), so werden sich mit 18 Jahren bei kontinuierlicher Taschengelderhöhung um 20% im Jahr knapp 140 Euro angesammelt haben. Auf den ersten Blick nicht viel, aber für die Jugendlichen der Beweis, dass man mit 10% des eigenen Kapitals, die man nicht vermissen wird, einiges ansparen kann. Genau das ist der Lerneffekt. Dieser würde natürlich noch gesteigert, wenn zwischendurch auch noch Geburtstagsgelder zu einem gewissen Teil zurückgelegt werden. Das sollten die Jugendlichen aber vollständig selbst entscheiden dürfen.

Der spannende Part: 10% vom eigenen Lohn

Richtig interessant wird es nun im jungen Erwachsenenleben, wenn der Grundstein gelegt wurde und das Sparen jener 10% des Einkommens in Fleisch und Blut übergegangen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich zunächst um einen Nebenjob parallel zu einem Studium handelt, das Berufsausbildungsentgelt oder die ersten echten Gehälter. Die 10% beiseite zu legen, passt immer, weil die eigenen Bedürfnisse schon vorab auf die verbleibenden 90% ausgelegt werden.

Was dann bei reiner Ersparnis aus der Investition werden kann, ohne Zinsen oder andere Anlageformen zu berücksichtigen, habe ich euch anhand meiner realen Gehaltsentwicklung im Alter zwischen 17 (Ausbildungsstart) und 25 Jahren hier aufgeführt. By the way: Ich hatte leider nicht die oben propagierten Ratgeber und habe mit dem Sparen erst mit Ende 20 begonnen. Soll heißen, die Erträge aus meiner Modellrechnung habe ich leider verp(r)asst.

Die Modellrechnung: Von 0 auf 11.400 Euro in acht Jahren!

Alter Netto/ Monat 10% MonatJahresertrag
17           300,00 €       30,00 €        360,00 € 
18           400,00 €       40,00 €        480,00 € 
19           500,00 €       50,00 €        600,00 € 
20        1.000,00 €     100,00 €     1.200,00 € 
21        1.200,00 €     120,00 €     1.440,00 € 
22        1.900,00 €     190,00 €     2.280,00 € 
23        2.000,00 €     200,00 €     2.400,00 € 
24        2.200,00 €     220,00 €     2.640,00 € 
  11.400,00 € 
Eigene Modellrechnung. Schade, dass ich es nicht gemacht habe.

Schon 11.400 Euro, die ich nach acht Jahren angespart gehabt hätte, wären ein schicker Ertrag gewesen. Weder hätten mich in der Ausbildung 30 Euro im Monat weniger geschmerzt, noch die 220 Euro im achten Jahr. Einfach, weil ich es gewohnt gewesen wäre, 10% meiner Netto-Einkünfte beiseite zu legen und entsprechend geplant hätte.

Noch viel dynamischer wäre die Wertentwicklung schon bei einer konservativen Anlage der Ersparnisse in einen DAX-Fonds gewesen. Zu Beginn, mit den Beträgen unter 1.000 Euro, wäre das vermutlich noch nicht so spannend geworden, aber ab dem vierten Jahr, mit dann 1.440 Euro Startkapital (Summe aus den Jahren 1-3) hätte es deutlich Fahrt aufgenommen. Auch das verdeutliche ich euch gerne in einem Modell.

Die Rendite-Turbos DAX und Zinseszins!

Der DAX hat in den vergangenen 50 Jahren durchschnittlich um 8,3% jährlich zugelegt, seit 2008 sogar um über 12 %. Da ich schon etwas älter bin, setzen wir hier den geringeren Wert an, um die Entwicklung des Kapitals schon bei konservativer Herangehensweise anschaulich zu verdeutlichen.

Alter Netto/ Monat 10% MonatJahresertragIm DAXJahresende
17                300 €            30 €            360 €   
18                400 €            40 €            480 €   
19                500 €            50 €            600 €     1.440 €       1.560 € 
20             1.000 €          100 €         1.200 €     2.760 €       2.989 € 
21             1.200 €          120 €         1.440 €     4.429 €       4.796 € 
22             1.900 €          190 €         2.280 €     7.076 €       7.663 € 
23             2.000 €          200 €         2.400 €   10.063 €     10.899 € 
24             2.200 €          220 €         2.640 €   13.539 €     14.662 € 
      11.400 €     14.662 € 
Die Zinseszins-Entwicklung hätte bei 8,3% jährlicher Rendite zu 3.262 Euro zusätzlichem Ertrag geführt.

Schon erstaunlich, oder? Und das alles mit 10% im Monat, die nicht wirklich weh tun. Egal, wie hoch das individuelle Einkommen ist, jeder ist in der Lage, seine persönlichen Ausgaben so zu justieren, dass nicht auf Kante mit dem Nettogehalt geplant wird, sondern 10% für schöne Dinge, schlechte Zeiten oder die Altersvorsorge beiseite gelegt werden können. Natürlich mag man kritisieren, dass es durchaus prekäre Lebenssituationen gibt, die diese 10% unverzichtbar erscheinen lassen.

Dennoch bin ich überzeugt, dass dies selbst bei geringem Einkommen oder persönlichen Schulden realisierbar ist. Glaubt mir, ich spreche aus Überzeugung, hatte ich im jungen Erwachsenenleben doch durchaus signifikante Schulden und konnte diese nur rascher als vereinbart begleichen, weil ich meine Kosten analysiert und konsequent Geld beiseite gelegt habe und auf vieles verzichten musste – ein eigenes Auto beispielsweise.

Fangt einfach an, egal wann!

Wenn ihr, wie ich, nicht frühzeitig mit der 10%-Methode in Kontakt gekommen seid, so fangt einfach an. Jetzt, mit dem nächsten Gehalt. Wenn ihr Kinder habt, bringt es ihnen bei. Es ist ein erster Schritt in Richtung finanzieller Entspannung und wird beim Blick auf Depot oder Sparbuch für ein breites Lächeln sorgen. Nur keine Hektik entwickeln, wenn die Börsen mal wieder wackeln: Die 10%-Methode ist ein Langfristinvestment, mit dem man auch schlechte Börsenjahre einfach aussitzen kann. Der Durchschnitt von oben zeigt: Es wird alles nach gewisser Zeit überkompensiert.

Zum Abschluss noch eine finale Modellrechnung, die das von Statista ermittelte deutsche Durchschnittsgehalt 2019 berücksichtigt (2.079 Euro netto) und für 25 Jahre fortschreibt, ohne Erhöhungen oder Veränderungen an den 8,3% DAX-Rendite (d. h. Gehaltserhöhungen werden nicht berücksichtigt). So spielt es keine Rolle, ob ihr mit 25 startet und mittels Tabelle grob wisst, was mit 50 Jahren rauskommt, oder ihr mit 40 mit der Methode startet und die Aussicht auf ein Rentengoodie mit 65 Jahren habt.

Jahr Netto/ Monat 10% MonatJahresertragIm DAXJahresende
1             2.079 €          208 €         2.495 €       2.495 €       2.702 € 
2             2.079 €          208 €         2.495 €       5.197 €       5.628 € 
3             2.079 €          208 €         2.495 €       8.123 €       8.797 € 
4             2.079 €          208 €         2.495 €     11.292 €     12.229 € 
5             2.079 €          208 €         2.495 €     14.724 €     15.946 € 
6             2.079 €          208 €         2.495 €     18.441 €     19.971 € 
7             2.079 €          208 €         2.495 €     22.466 €     24.331 € 
8             2.079 €          208 €         2.495 €     26.826 €     29.052 € 
9             2.079 €          208 €         2.495 €     31.547 €     34.165 € 
10             2.079 €          208 €         2.495 €     36.660 €     39.703 € 
11             2.079 €          208 €         2.495 €     42.198 €     45.700 € 
12             2.079 €          208 €         2.495 €     48.195 €     52.195 € 
13             2.079 €          208 €         2.495 €     54.690 €     59.229 € 
14             2.079 €          208 €         2.495 €     61.724 €     66.847 € 
15             2.079 €          208 €         2.495 €     69.342 €     75.097 € 
16             2.079 €          208 €         2.495 €     77.592 €     84.032 € 
17             2.079 €          208 €         2.495 €     86.527 €     93.709 € 
18             2.079 €          208 €         2.495 €     96.203 €   104.188 € 
19             2.079 €          208 €         2.495 €   106.683 €   115.538 € 
20             2.079 €          208 €         2.495 €   118.033 €   127.829 € 
21             2.079 €          208 €         2.495 €   130.324 €   141.141 € 
22             2.079 €          208 €         2.495 €   143.636 €   155.557 € 
23             2.079 €          208 €         2.495 €   158.052 €   171.171 € 
24             2.079 €          208 €         2.495 €   173.665 €   188.080 € 
25             2.079 €          208 €         2.495 €   190.574 €   206.392 € 
Hier kommt der Zinseszins zum Tragen: Reines Sparen hätte „lediglich“ 62.370 Euro gebracht.

Der Zinseszins-Effekt ist Gold wert!

Final, als Sahnestück zur 10%-Methode, wird euch über obige Tabelle noch der Zinseszinseffekt verdeutlicht. Reines Sparen der 10% im Jahr (=2.495 Euro) hätte nach 25 Jahren zu einem Vermögen von 62.370 Euro geführt. Die 8,3% DAX-Durchschnittsperformance berücksichtigend, wäre dieser Betrag auf unglaubliche 206.392 Euro angewachsen, ohne dass auch nur ein Cent mehr Investition notwendig gewesen wäre. Die jährlichen Zinserträge treiben die Ersparnisse automatisch nach oben und selbst, wenn zwischendurch mal ein wenig Geld herausgelöst würde, wäre der Anstieg noch immer signifikant.

Fazit: Die 10%-Methode ist eine einfache Variante, in allen Altersklassen und Lebenslagen den Umgang mit Geld zu lernen. In Kombination mit einer Investition an der Börse, in unserem Beispiel einem DAX-Fonds, sind Erträge möglich, die wesentliche Sorgen des Lebens kleiner werden lassen.

Natürlich ist dies meine persönliche Betrachtungsweise und daher keinerlei offizielle Investitionsempfehlung. Das Sparen von 10% des Netto-Einkommens kann ich euch allerdings jederzeit nur wärmstens ans Herz legen.

In diesem Sinne, happy investing, keep on rockin´
Ree

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