Wenn Legenden (jung) sterben!

Dass Menschen sterben, ist völlig normal. Alltäglich, sozusagen allsekündlich. Die Nachrichten sind voll von Berichten dazu, ob altersschwacher Promi, Attentate oder Verkehrsunfälle. Artikel über Krebs sind allgegenwärtig und manchmal, umso härter, trifft es auch das unmittelbare Umfeld. Doch ein kollektiver Aufschrei, eine Art Erwachen aus der Lethargie des Lebens als Normalzustand, erreicht die breite Masse nur beim Dahinscheiden einer echten Ikone, eines Menschen, der weltweit bekannt ist und dazu auch noch weitestgehend verehrt wird. Stirbt dieser Mensch darüber hinaus jung und war er vielleicht auch noch schier unbezwingbarer Sportler, dann nimmt die weltweite Erschütterung Formen an, die nur schwer in Worte zu fassen sind.

Kobe Bryant ist so ein Fall. Wir Basketballenthusiasten, gerade meiner Generation, ich selbst aus dem selben Geburtsjahr, haben ihn sowieso sein ganzes Leben lang begleitet und schon damit eine gewisse emotionale Verbindung zu ihm aufgebaut. Schließlich war er der einzig legitime Nachfolger eines Michael Jordan, ehrgeizig, kämpferisch, siegreich, fair. Eine Ikone. Doch gerade diese Attribute ließen ihn auch für Menschen sichtbar werden, die mit dem Sport an sich weniger zu tun haben. Sie bemerkten seine Präsenz, nahmen wahr, dass dort ein Sportler seine Arbeit so vorbildlich erledigt, dass er Massen elektrisieren konnte. Und als der sportliche Abschied kam, wusste man: Hier verlässt ein ganz Großer das Rampenlicht.

Nun, wo Kobe Bryant ohne eigenes Verschulden, zusammen mit seiner geliebten Tochter Gianna, mit 41 Jahren aus dem Leben schied, sorgen die allgegenwärtig gewordenen sozialen Medien für einen Gleichklang aus Trauer, Verehrung und eben vielerlei Lehren: Dass das Leben kurz und nicht planbar, das Ende stets greifbar ist. Dass kleine Sorgen keinen großen Kummer rechtfertigen und man seinen Liebsten viel häufiger sagen, zeigen und vermitteln sollte, dass man sie liebt. Dass „I’ll do it tomorrow“ auch heißen kann: Es wird nicht mehr geschehen. Kobe sagte selbst, im Film „Der perfekte Wurf“, „You have to do it now“. Es ging darum, jeden Tag an sich zu arbeiten, aber es lässt sich auch hervorragend auf viele Facetten des eigenen Lebens übertragen. Sei heute mutig, auch wenn Du morgen merkst, dass es vielleicht ein Fehler war. Reise, mache Ausflüge, unternimm viele Dinge, sortiere schlechtes aus. Lebe Dein Leben nicht in dauerhafter Trägheit und Langeweile, denn das Ende rückt näher. Beständig und jeden Tag ein wenig mehr.

Genau das ist es, was der Tod von Legenden auslösen kann. Eine ganze Weltengemeinschaft geht in sich und nimmt sich vor, etwas bewusster, etwas freundlicher und etwas mutiger zu leben. Leider hält es bei den meisten nicht lange an. Doch ist es erstaunlich zu sehen, wie viele Menschen innehalten und sich bewusst werden, dass sie selbst etwas ändern können. Jeder für sich. „Be the change.“ Und wenn dies alle nur zu 10% beherzigen, wird die Welt zu einem etwas besseren Ort. Dann war der Tod dieser Legende, auch wenn er unfair und schrecklich ist, nicht vergebens.

Be in peace.

Ree

Peru 🇵🇪: Mystik in Ollantaytambo

Ollantaytambo. Nie zuvor gehört, zwei Tage auszusprechen gelernt, dazu von der Lage, eingebettet in Bergen und Ruinen des heiligen Tals, überwältigt worden. Ein Kleinod dieser Reise, das in Reiseführern und Foren etwas zu kurz kommt. Natürlich bietet eben jenes Tal viele verschiedene faszinierende Stätten, doch Ollantaytambo deshalb auf dem Weg nach Machu Picchu lediglich kurz zu Streifen, wird diesem Ort absolut nicht gerecht.

Das wuselige Treiben am zentralen Plaza de Armas vor der Tourismusinformation lässt Dich direkt in diesen kleinen Ort eintauchen, unmittelbar werden Transportmöglichkeiten zum Bahnhof, Snacks oder Waren aus Alpaca-Wolle angeboten. Gar nicht so einfach, sich daraus zu lösen, um erstmal tief durchzuatmen und mental anzukommen. Um einen herum auf der einen Seite viele Restaurants, gegenüberliegend die obligatorischen Souvenirshops und dazwischen bereits erwähnte Anlaufstelle für Touristen, die auch wir mangels Orientierung direkt aufgesucht haben. Mit den schweren Rucksäcken auf dem Rücken hieß es, keine Zeit zu verlieren und als ersten Stopp die gebuchte Unterkunft Doña Catta Inn anzusteuern. Diese war zum Glück nur einen fünfminütigen Fußmarsch entfernt, den wir zwar müde, aber motiviert, die Füße gleich hochlegen zu können, gerne auf uns nahmen.

Vorbei an weiteren Restaurants, Tante-Emma-Läden und Shops überquerten wir die abenteuerliche Holzbrücke auf der Hauptstraße von Ollantaytambo, versicherten uns bei einem Polizisten nochmal kurz, auf dem richtigen Weg zu sein und bogen schlussendlich links in die Straße unseres Hotels ab. Die Lobby war fein, das Zimmer spartanisch mit zwei Einzelbetten ausgestattet und, leider, leider, wieder sehr kalt. Im Gegensatz zur Unterkunft in Lima war hier, zwar kein TV, aber zumindest ein Heizlüfter vorhanden, der zwar nicht genug Kraft hatte, um das Zimmer nachhaltig zu erwärmen, aber wenigstens auf die Betten gerichtet für halbwegs erträgliche Temperaturen sorgte. Das WLAN reichte leider auch nicht zum Streamen von Prime-Serien, aber zum Glück hatten wir ein paar auf das iPad heruntergeladen. Nein, zimperlich darf man in Peru hinsichtlich der Übernachtungsmöglichkeiten nicht sein – und doch fraß es sich sukzessive durch unsere mentale Belastungsgrenze.

Obwohl ziemlich müde, sorgte der spartanische Raum dafür, dass wir uns doch unmittelbar auf Nahrungssuche begaben. Leider war es noch etwas früh, so hatten die meisten lokalen Restaurants noch geschlossen und wir eroberten das erste geöffnete Lokal, in dem es Nudeln und Pizza gab – keine schlechte Basis für unsere Vorhaben der folgenden Tage, dazu befand es sich in einem abenteuerlichen Holzhaus mit altertümlicher Veranda und Blick auf die Inka-Stätten von Ollantaytambo. Geht schlechter. Zusammen mit einer deutschen Familie waren wir zu dieser frühen Stunde die einzigen Gäste und mussten wieder mal feststellen, dass man es auf Reisen irgendwie seltsam findet, Landesgenossen zu treffen. Gespräche werden belangloser und die Stimmen gedämmt – als wolle man die Magie der Reise nicht mit Erinnerungen an die Heimat beflecken.

So blieben wir nach dem Essen auch nicht besonders lange sitzen, sondern erkundeten das Dorf noch ein wenig. Da es in den Bergen durch aufziehenden Nebel und langsam verschwindende Sonne beständig kühler wurde, entschieden wir uns für einen kleinen Shoppingbummel durch die verschiedenen Geschäfte. Handgemachter Schmuck ist eher nicht so unseres, daher ließen wir entsprechende Angebote links liegen und konzentrierten uns eher auf die Anbieter kuschelig warmer Wollprodukte. Die Pullover, Schals, Decken, Socken und Mützen glichen sich nahezu überall in Preis und Qualität, so dass einem selbst die Wahl bleibt, wo man sein Geld lässt. Es ist eher eine Frage der Sympathie oder des Gleichheitsprinzips – wir kombinierten beides und deckten uns zunächst bei einer sehr zuvorkommenden peruanischen Frau ein, die mich, taktisch klug, mit dem Hund spielen ließ, während sie lang und breit die Vorzüge unterschiedlichster Decken anpries. Natürlich schlugen wir zu, schmusten zur Belohnung noch etwas länger mit der Fellnase und setzten unseren Weg durch die Gassen fort.

Der kleine Bach klarsten Wassers, der sich aus den Bergen immer am Gehweg entlang seinen Weg hinab bahnte, machte den Ort noch malerischer und als ein Esel am Straßenrand erschien, war es um uns geschehen – hier passte einfach vieles und für einen Moment waren die beständig im Hintergrund wabernden negativen Gedanken mal vergessen. Wir hielten die Szenerie für uns fest, mehr im Gedächtnis, als auf Zelluloid, und es zauberte uns den Rest des Tages immer mal wieder ein Lächeln ins Gesicht. Kein Wunder, dass wir auch beim nächsten Händler, zurück am Hauptplatz, noch einen Pullover aus Alpaca-Wolle erstanden und uns auch über die völlig überhöhten Lebensmittelpreise des Tante-Emma-Ladens nicht aufregten. Positive Erlebnisse können alles in einem besseren Licht erscheinen lassen. Dass wir unsere Müdigkeit überwanden und uns nach der Ankunft direkt wieder auf den Spaziergang gemacht hatten, resultierte in einem raschen abendlichen Schlaf – ein weiterer Vorteil und der gelungene Abschluss eines durch die Busfahrt gefühlt unfassbar langen Tages.

Keep on rockin´
Ree

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Peru: Das Abenteuer der Fernbusse II

Ein neuer Tag, von Beginn an mit hoher Intensität. Alles wollte wieder gut verpackt werden, um am Abend entspannt zum Bus zu gelangen. Schon vor einigen Tagen stellte sich die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, eine Verlängerungsnacht zu buchen, da die Abfahrt erst am Abend anstand und Ica zum Einen nicht so viel zu bieten hat, zum Anderen mit zwei schweren und zwei leichteren Rucksäcken sowieso nicht entspannt zu erkunden wäre. Dementsprechend entschlossen wir uns zur Verlängerung, wodurch wir unser Zimmer zumindest tagsüber als Rückzugsort zur Verfügung hatten. Viele andere Backpacker gingen anders vor und lungerten den ganzen Tag mit ihren riesigen Rucksäcken in den Gängen der Unterkunft herum. Für uns war das keine realistische Option.

Trotz des Zimmers wollte der Tag dennoch irgendwie überbrückt werden, denn stundenlang auf die gegenüberliegende Betonmauer zu starren und auf eine weitere Show des Nachbarshundes zu warten, verliert nach einiger Zeit auch seinen Reiz. So traf es sich gut, dass gleich nebenan eine schon seit den 70er Jahren existierende Pralinenmanufaktur beheimatet war. Wir durften die Fertigung besichtigen und die Handfertigkeit bewundern, mit der aus Schokoladenkügelchen feinste kulinarische Kunstwerke geformt wurden.

Einige Pralinen später, die wie erwartet sehr lecker waren, befanden wir uns auf einer abenteuerlichen Fahrt mit einem Mototaxi in Richtung Huacachina. Die Mototaxis sind mit den thailändischen Tuktuks vergleichbar und es macht echt Spaß, als Beifahrer durch den Stadtverkehr zu brausen – auch wenn bei der Fahrweise aller Einheimischen durchaus schon mal ein kleiner Adrenalinstoß daran erinnert, dass die Knautschzone recht eng ist und Zwischenräume von 1cm sehr wenig sind. Aber um der Oase ohne Zeitdruck einen zweiten Besuch abzustatten und eine Kleinigkeit zu essen, haben wir dieses Abenteuer gern in Kauf genommen.

So nah man dem Chaos auf den Straßen Perus hier kommt und unmittelbar erleben kann, dass sich alles irgendwie ineinander fügt, so stellt man auf dem letzten Abschnitt zur Oase doch erstaunt fest, wie rasch es still und beschaulich wird. In Huacachina angekommen, stellten wir mal wieder fest, dass ein Aufenthalt hier vermutlich erheblich chilliger als in Ica gewesen wäre. Die Stimmung ist einfach wahnsinnig relaxed und man kann sowohl in Pools und Hängematten entspannen, als auch diverse Restaurants ausprobieren. Wir haben uns in einem coolen Hostel am Ende der Oase niedergelassen, sehr lecker gegessen und einfach die Atmosphäre genossen, bis es an der Zeit war, zurück zu unserer Unterkunft und final zum Terminal von Cruz del Sur aufzubrechen.

Das Terminal war wieder sehr gut organisiert und als Ticketinhaber des Nachtbusses nach Cusco hatten wir sogar einen Platz in der VIP-Wartehalle. So ließ sich auch die knapp einstündige Verspätung der Ankunft des Busses ertragen. Für uns stand ein strapaziöser Ritt an, zunächst waren 15 Stunden Fahrt mit Cruz del Sur zu überbrücken, in Cusco galt es dann, ein Taxi zu nehmen, das uns zu einem Kleintransporter brachte, welcher uns zu unserem nächsten Stopp, Ollantaytambo, bringen sollte. Konnte das alles gut gehen? Und würde der Rücken mitspielen?

Für mich war die Busfahrt anstrengend, weil es mir schwer fiel, auf den Sitzen zu schlafen. Trotz Liegeposition starrte ich die meiste Zeit auf mein iPad und las einige Readly-Zeitschriften oder schaute Prime-Serien. Dann und wann fiel mein Blick aus dem Fenster, aber da es stockdunkel war, konnte ich nichts erkennen. So sagte mir lediglich das beständige Schaukeln, dass wir uns inzwischen auf den berüchtigten Bergstraßen befinden mussten. Erst nach Anbruch des neuen Tages wurde es interessanter, Szenerien der durchfahrenden Dörfer, Schulkinder auf dem Weg zum Unterricht, unzählige mit Spraydosen auf Mauern gesprühte Wahlslogans – man bekam einen Einblick in das ländlichere Peru, spannend, aber auch etwas abschreckend. Eine andere Welt.

Währenddessen fuhr der Bus unbeirrt weiter und schien auch von den Einheimischen draußen kaum wahrgenommen zu werden. Das alltägliche Bild in ihrem jeweilige Dorf. Das vom Steward servierte Frühstück läutete die Ankunft in Cusco ein und ließ uns in gespannter Erwartung eines ersten Blicks auf die angeblich schönste Stadt Perus werfen. Dieser war allerdings ernüchternd, war doch jeder Fleck den wir sahen zugebaut. Wird sich dieses Bild verbessern? Wir werden sehen.

Keep on rockin´
Ree

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Peru 🇵🇪: Die Islas Ballestas tun mir leid…auch wegen mir!

Das war wohl nix. Sehr früh ging es in den Minibus, um die zweite über das Hostel „Ica Adventures 2“ gebuchte Tor anzutreten. Es sollte zu den so genannten kleinen Galapagos Inseln, den Islas Ballestas, gehen. Nach zweistündigem Transport und nerviger Warterei im Hafen durften wir endlich das Speedboat besteigen, das uns mit über 70kmh in einer 25minütigen Fahrt zur Wahnsinnsnatur der unbewohnten Inselgruppe brachte. Hier stockte teilweise der Atem, konnte man doch Seelöwen inklusive einiger Jungtiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Leider stockte der Atem aber auch, weil das Speedboot beständig eine Wolke blauen Dunstes ausstieß und damit alles andere als alleine war. Im Minutentakt trafen weitere Boote ein und da es mangels irgendwelcher Kontrollen problemlos möglich war, unmittelbar an die Felsen, und damit an die Tiere, zu steuern, bekam das eigentliche Vergnügen einen moralischen Dämpfer. Schließlich ist man als zahlender Kunde Mitverursacher dieser Situation und zwingt den Seelöwen einen ungesunden Lebensstil auf – Tag für Tag. Würde ich nicht zwangsläufig erneut machen wollen.

Davon abgesehen gab es unfassbar viele Vögel, insbesondere Kormorane, zu bestaunen und man konnte überdies einen, genau einen, Humboldtpinguin erspähen. Ich meinte gelesen zu haben, dass dort ganze Kolonien anzutreffen seien und hatte mich sehr darauf gefreut. Doch als es ohne weitere Gefährten des Einzelgängers nach lediglich knapp 30 Minuten zurück ging, blieb nur ein „das war wohl nix“ und der Trost, dass die Seelöwen wirklich traumhaft anzusehen waren. Auf dem Rückweg wurde uns noch eine in die Felsen „gezeichnete“ Figur vorgestellt, deren Ursprung ebenso mystisch ist, wie bei den vielen ähnlichen Figuren in Nasca. Sehr spannend anzusehen, zumal die Größe und Formgebung neugierig auf ihre Entstehung macht.

Im Anschluss an die Bootstour wurden weitere tolle Gesteinsformationen im Paracas Nationalpark präsentiert, die in bunten Farben leuchten und so die Paracasbucht aufhübschen. Aus der Ferne konnten Flamingos erahnt werden, hier war der Zugang aber glücklicherweise eingeschränkt – selbst mit dem Teleobjektiv waren nicht besonders viele Details zu erkennen. In einer von Touristenrestaurants bevölkerten Bucht entschlossen wir uns, auf ein überteuertes Menü zu verzichten und beobachten stattdessen die sukzessive einfahrenden Fischerboote. Mit uns warteten jede Menge Pelikane darauf, Reste der Fischereiausbeute abgreifen zu können. Es herrschte reges Treiben und ein hart geführter Konkurrenzkampf zwischen den Vögeln. Schlussendlich fiel aber für jeden etwas ab, so dass rasch wieder Frieden einkehrte. Angeregt von der Nahrungsaufnahme unserer neuen gefiederten Freunde ließen wir uns dann doch noch zu einem kleinen Snack hinreißen, doch wie bereits befürchtet, war das durchschnittliche Seafood nicht der Rede wert.

So warteten wir ungeduldig auf die Rückfahrt zur Unterkunft und beschlossen den Tag an der Bar. Schließlich galt es, die Tablets und Kopfhörer zu laden und sich auf die 17 Stunden dauernde Busfahrt von Ica nach Cusco vorzubereiten. Eine wahre Wonne…

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Ree

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Peru 🇵🇪: Wüstenrallye und Sandsurfen in Huacachina

Ein neuer Tag, der im Zeichen des ersten Ausflugs stand, welcher allerdings erst am Nachmittag starten sollte. Daher ging es nach dem Aufstehen und einem ordentlichen Frühstücksbuffet mit frischem Saft zunächst auf einen kleinen Stadtbummel. Allerdings spottete dieser seiner Beschreibung, denn Ica bietet dafür wirklich wenig. Wir schauten auf dem Kirchplatz vorbei, warfen auch mal einen Blick ins Gebäude und inspizierten einen benachbarten Supermarkt, der sich gar nicht so sehr vom Aldi Nord der 80er Jahre unterschied. Das war allerdings schon alles, was es in fußläufiger Umgebung zu sehen gab und für die Restaurants war es natürlich noch deutlich zu früh.

So blieb das Highlight der ersten Tageshälfte ein großer Hund auf dem benachbarten Dach, der von oben die gesamte Nachbarschaft unterhielt und mit seinen braunen Flecken auf dem weißen Fell ausgesprochen cool aussah. Ob die Nachbarn allerdings von diesem täglichen Konzert angetan sind, darf bezweifelt werden.

Glücklicherweise rückte der erste Ausflug, organisiert von der Unterkunft, beständig näher und wir lernten an der Rezeption einige weitere Abenteuerlustige kennen. Der Transport in die Oase von Huacachina verlief weitestgehend reibungslos, auch wenn man im klapprigen Kleintransporter trotz Zwergenwuchses recht eingequetscht saß. Doch dieses Kleinod, ein glitzernder See, umgeben von riesigen Sanddünen, war trotz des inzwischen allgegenwärtigen touristischen Angebots grandios anzusehen. Detailliert beschrieben haben es Nora und Anna in ihrem sehr empfehlenswerten Reiseführer. Nach einem kleinen Rundgang entlang der Promenade mit seinen Restaurants und den vielen Ausflüge feil bietenden Straßenverkäufern, war es bereits an der Zeit, den Sandbuggy zu besteigen und sämtliche Muskeln einer besonderen Prüfung zu unterziehen.

Die Stoßdämpfer des Wüstengefährts wurden hart auf die Probe gestellt, während es immer wieder rauf und runter ging. In rasender Geschwindigkeit wurde über Dünen gesprungen und sich brachial in die Kurve gelegt, so dass mehr als einmal das Gefühl aufkam, man würde nun endgültig aus dem Sitz auf den Wüstensand fliegen. Achterbahn ist nichts dagegen.

Immer wieder stoppte der Buggy, damit das erstaunliche Wüstenpanorama auf Bildern festgehalten werden konnte und das nächste Highlight folgte auf dem Fuß: Es ging mehrmals bäuchlings auf einer Art Snowboard die Dünen hinab, ein enormer Spaß mit ordentlich Speed und viel Action. Man sah zwar hinterher aus wie eine schmackhafte Mehlspeise, aber der Adrenalinkick und das unkontrollierte Grinsen im Gesicht entschädigten für den erhöhten Reinigungsaufwand.

Der Tag endete mit einem traumhaften Sonnenuntergang über der nicht enden wollenden Wüste, der auch den zähen Vormittag vergessen ließ und nach dem verdienten Abendessen in der Hostelbar konnte endlich einmal ein Tag mit dem Prädikat „fantastisch“ versehen werden. Dieser Ausflug hatte sich mehr als gelohnt.

Keep on rockin‘
Ree

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Peru: Das Abenteuer der Fernbusse (I)

Am Busbahnhof von Cruz del Sur läuft es gesittet ab, eine gut geölte Maschine in einem Land, in dem die meisten Menschen auf Fernbusse angewiesen sind, wenn sie andere Teile ihrer Heimat erreichen möchten. Der Ticketkauf funktioniert problemlos online, das Ticket auf dem Handy ist Standard und der Check-In des Gepäck läuft deutlich entspannter ab, als an europäischen Flughäfen. Die Wartehalle ist groß genug, Souvenir-, Snack- und Zeitungsstände bieten die notwendigen Waren feil, um die Reise kurzweiliger zu gestalten vor den hohen Glasfenstern ist stete Bewegung. Als unser Bus an der Reihe ist, erfolgt noch eine kurze Sicherheitskontrolle des Handgepäcks, ebenfalls fix, und dann geht es schon hinein und auf den leidlich bequemen Sitz.

Im Bus selbst gibt es neben WLAN sogar Catering und ein Entertainment System, allerdings auf Spanisch mit englischen Untertiteln, daher empfehle ich dennoch ein Tablet mit eigenen Büchern, Filmen und Serien, vielleicht sogar Spielen, mitzunehmen. Was in Deutschland mit Flixbus und Co erst so langsam Fahrt aufnimmt, ist in Peru auf jeden Fall längst Standard. So stört sich auch niemand daran, dass der ältere Herr im vorderen Bereich des Busses zu Beginn ununterbrochen nach der Stewardess verlangt, um etwas zu trinken zu bekommen. Man nimmt, gerade in überschaubaren Verhältnissen lebend, was man kriegen kann und entschlummert dann selig, um den Alltag in sanftem Geschaukel etwas vergessen zu lassen. Es gibt sicherlich schlechtere Wege, in die Wüstenstadt Ica zu kommen.

Während der ältere Peruaner somit schlafend die Landschaft ignoriert, bin ich irgendwie fasziniert von diesen anderen Bildern, dem Staub der hinter der Straße liegenden Wüste, vom verlassenen Pazifik und den immer gleichen, herunter gekommenen Bretterbuden am Straßenrand, die mich schmerzhaft daran erinnern, in einem doch ziemlich armen Land unterwegs zu sein. Lima, das mich stark an Jakarta erinnerte, bot zum Auftakt schon Einblicke in die großen Unterschiede im Land, vom Aston Martin Händler in Miraflores zu den einfachen Sonntagsbeschäftigungen der Familien in der Nähe des Präsidentenpalasts, unmittelbar neben den Güterbahnschienen. Aber hier draußen wird nochmal deutlicher, warum Lima, das sowieso schon mit zu wenig Platz für zu viele Menschen zu kämpfen hat, beständig wächst und inzwischen gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung Perus beherbergt. Es gibt entlang der Panamericana einfach nichts außer Staub und den endlosen Ozean.

Dennoch läuft vieles erstaunlich gut. Egal, ob die Straße nur zweispurig ist, es passen locker fünf Autos nebeneinander. Die Hupe hilft, wo der Blinker erst gar nicht betätigt wird. Und auch rote Ampeln sind eher freundliche Empfehlungen, als definitive Anweisungen. Stört keinen, die Polizei macht ja sowieso mit und stellt pro forma an jeder Ecke Personal mit Trillerpfeifen auf, um wenigstens etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Ein Bild, das uns auch in den folgenden Tagen begleiten wird.

Vier Stunden nach Antritt der Busfahrt machte sich dann erstmal wieder Ernüchterung bemerkbar. Ica enttäuschte auf den ersten Blick, weil es zu sehr den dreckigen Ecken von Lima gleicht und man anderes erwartet hat. Hier sollte doch die Oase sein, schmuckvoll und besonders, wie in 1000 und einer Nacht. Davon war aber nichts zu sehen. Glücklicherweise war der Shuttlefahrer unseres AirBnb leidlich pünktlich, so konnten wir uns etwas Fahrtwind um die Nase wehen lassen und die Enttäuschung des so wenig ansprechenden Stadtbilds auf uns wirken lassen.

Glücklicherweise konnte die Unterkunft, das Hostel Ica Adventure 2, einige Punkte gutmachen. Sehr freundliches Personal und die dekadente, dennoch für unsere Verhältnisse arg günstige 8-Personen-Suite hießen uns Willkommen, darüber hinaus war das Abendessen ausgesprochen gut. Hier probierten wir nun auch erstmals den Pisco Sour, Perus alkoholisches Nationalgetränk, welches seinem Namen alle Ehre machte, aber dennoch ganz passabel schmeckt. Als wir den Blick durch den Aufenthalts- und Barbereich schweifen ließen, wurde uns allerdings bewusst, dass wir nicht zur aktuellen Backpackergeneration gehören und beim nächsten Mal stärker auf die Auszeichnung als Party Location zu achten – um diese dann eher zu meiden. Doch für einige Tage ist es natürlich auszuhalten und teilweise sogar lustig anzusehen. Obwohl (oder gerade weil) sich das junge Gemüse im Verlauf des Abends zu einer stetig lauter werdenden Masse formierte, ging es für uns früh ins Bett – wir ließen uns im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf herumtanzen, lag die Bar doch direkt über der Suite. Doch die Busfahrt war dermaßen anstrengend, dass uns auch dieser Fakt den Schlaf nicht verleiden konnte. Glück gehabt.

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Peru 🇵🇪: Streetlife in Lima

Geschichte(n). Auch am dritten Tag in Lima sorgte die feuchtkalte Luft im unbeheizten AirBNB-Appartement für ein ungewöhnlich frühes Erwachen und umgehend stellte sich die Frage, wie man die Zeit bis zur anstehenden Weiterreise verbringen möchte. Das Versprechen, die Sonne möge sich an diesem Tag tatsächlich mal blicken lassen, ließ einen Besuch der historischen Altstadt als bestmögliche Wahl erscheinen und so ging es erneut per Uber, was insbesondere in Lima exzellent funktioniert, Richtung Plaza de Armas de Lima. Zwar hatten wir die Rechnung ohne den Halbmarathon und seine Straßensperren gemacht, aber so sprangen wir eben an der Plaza San Martin aus dem Wagen und konnten dessen Statue und die umliegenden Prachtbauten in Augenschein nehmen, bevor es über die Einkaufsstraße zum eigentlichen Ziel ging.

Dort angekommen, war die Wachablösung vor dem Präsidentenpalast in vollem Gange, von der sich selbst die Engländer noch einiges abschauen können. In militärischer Präzision, untermalt mit Musik einer Live-Band, vollführten die Soldaten die unterschiedlichsten Manöver. So warfen sie sich in perfekter Synchronität die Gewehre zu, vollführten Marschvariationen und formierten sich zu Sternen, Kreisen und Rechtecken. Das Ganze dauerte nahezu eine Stunde und uns ist nicht mal ein kleiner Fehler aufgefallen. Auch wer kein Freund des Militärs ist, wird doch von der exakten Ausführung und Choreographie beeindruckt sein.

Drum herum boten Händler ihre Waren feil, von Getränken über Souvenirs bis zu Technikutensilien, während sich andere vor dem übermannsgroßen Lima-Schild ablichten ließen. Wir ließen uns ohne irgendeine Planung etwas weiter hinter den Palast treiben und befanden uns plötzlich mitten im allsonntäglichen Treiben der Einwohner dieses weniger privilegierten Viertels, die auf einem Platz unmittelbar neben der Güterbahnstrecke tanzten, spielten und den unterschiedlichsten Straßenkünstlern lauschten. Zu kaufen gab es hausgemachte Lebensmittel, die von den Köchinnen, meist offensichtlich die weiblichen Oberhäupter ganzer Großfamilien, selbst in Plastikschalen hergebracht und in Pappteller abgefüllt wurden. Sehr spannend, einen so offenen, aber doch seltsam intimen Einblick in dieses Alltagsleben zu erhaschen.

Danach durften wir noch Zeuge einer Kirchenprozession werden, welche nahezu das ganze Viertel mit einbezog. Kunstvolle Blumenbilder waren auf die Straßen drapiert worden und jeder Teilnehmer, sowie viele der Zuschauer, trugen prunkvolle violette Roben oder förmliche Kleidung. Ganz erschloss sich uns nicht, wer da nun geehrt wurde, interessant war es aber allemal.

Das Panteón und Ceviche

Mit einer saftigen, sehr schmackhaften Wassermelone gestärkt ging es dann noch zum Panteón de los Próceres, einem hoch interessanten Bauwerk, in welchem die verschiedenen Schlachten der Andenstaaten zur Loslösung von Spanien in Wort und Bild präsentiert werden. Sämtliche Flaggen sind ausgestellt, zudem Darstellungen aller Freiheitskämpfe. Im Untergeschoss befindet sich überdies eine Krypta mit den Särgen von z. B. den Komponisten der peruanischen Nationalhymne. Ein seltsam patriotischer Ort, der Geschichte lebendig werden lässt. Schade, dass er etwas abseits und somit oftmals unbemerkt von Besuchern, liegt.

Zurück in Miraflores statteten wir noch Wong, einer Supermarktkette, einen Besuch ab, um unsere Vorräte aufzufüllen und schlossen den Tag mit unserer ersten Ceviche-Platte in der berühmten Cevicheria Ronald. Sie hielt, was sie versprach und wir genossen sowohl das kalte Fischgericht, als auch die Beilagen aus Reis und Chicharones. Falls ihr das daheim mal zubereiten wollt, so kann ich euch nur dieses Kochbuch von Juan Danilo ans Herz legen – klappt prima.

Letztendlich verabschiedete Lima uns erheblich freundlicher, als wir vor wenigen Tagen noch befürchtet hatten. Das WLAN ließ uns unsere Tickets für die Busreise nach Ica problemlos buchen, dementsprechend konnten wir in spannender Erwartung auf die folgenden Abenteuer unter die warme Bettdecke kriechen. 

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