Das leere Blatt!

Ich liebe es so häufig, manchmal hass ich es zu schreiben
Diese Angst vorm leeren Blatt, lässt mich viel zu häufig leiden
Diese fürchterliche Farbe, dieses grelle gleißend Weiß
Zeigt mir oft die kalte Schulter, fordert von mir den Beweis

Dass ich wert bin sie zu füllen, mit der Farbe zu besudeln
Also her mit den Ideen, doch nur selten wollen sie sprudeln
Zu viel anderes steckt im Kopf, zu viel nichtssagender Quatsch
Hält mich häufig auf der Stelle und vermiest den ersten Satz

Gerne ginge ich auf Tour, aber leider sitz ich hier
In dem Dunkel meines Zimmers, in Gedanken nur bei mir
Gerne ständ ich auf ner Bühne, mit Musik oder beim Slam
Würde euch so gern begeistern, mit nem Song oder nem Jam

Wenn gesund nur alle wären und ich dächte nicht an Geld
Würd erobern ich aufs Neue, viele Teile dieser Welt
Immer wieder mal woanders, wär ich gerne, nicht nur hier
Doch für heut, an diesem Abend, bleibt ein leeres Blatt Papier

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Verschwende Deine Zeit!

Verlier auch mal nen Tag
Mit etwas, dass Du magst
Ein kleiner Tag des Glücks
Führt Dich zu Dir zurück

Ein Tag ohne Gedanken,
Ohne Rückblick, ohne Schranken
Einfach Sorgen mal vergessen
Auch mal dumme Dinge essen

Einen Tag mit Dir verbringen
Voll mit Lachen, Tanzen, Singen
So ein Tag, für Dich allein
Da sollst Du der König sein

Dieser Tag ist Dein Genuss
Den Du für Dich nutzen musst
Und fehlt Dir dazu der Raum
Leb den Tag in Deinem Traum

Die Irritationen der selbsterfüllenden Prophezeiungen!

Schicksal. Nicht mein Lieblingswort, suggeriert es doch, man habe eigentlich nichts so wirklich in der eigenen Hand. Jede Handlung ist vorbestimmt, jeder Umweg führt, genau wie jede vermeintliche Abkürzung, an das selbe Ziel. Selbst, wenn wir meinen, dort gar nicht landen gehabt zu wollen (ist das noch korrekte Grammatik?!?). Auch die Rückschau, die ewigen Zweifel, ob eine Entscheidung korrekt war, wären müßig. Das ist der gute Blickwinkel des Schicksalsgläubigen. Egal, wie ich mich entschieden hätte, ich wäre exakt hier hin geführt worden. Eine Art Final Destination-Adaption für das wahre Leben.

Aber was nun, wenn Schicksalsglaube so gar nicht in das eigene Konzept passt? Wenn man sich, weil man die entsprechenden Gehirnkapazitäten sein eigen nennt, über nahezu jede Handlung von gewisser Tragkraft tage-, teils wochenlang Gedanken macht? Dies wäre völlig sinnlos, gäbe es das skizzierte Schicksal wirklich. Das passt so gar nicht in ein rationales, wissenschaftlich geprägtes Weltbild. Und dann geschehen aber seltsame Zufälle, wenn es denn welche sind. Man ist mental krank geschrieben und bekommt eine richtige Erkältung. Man hadert mit dem Job, ringt sich zu Umorientierungen durch und plötzlich erfüllt sich im Büro eine monatelang gehegte Erwartung. Man möchte sich komplett abschotten und plötzlich läuft einem ein toller Mensch über den Weg. Was passiert?

Genau, man zweifelt, man hadert, man weiß nicht mehr weiter. Man steht mal wieder vor Entscheidungen und macht sich permanent Gedanken darüber, welche Richtung man einschlagen soll. Völlig egal, wenn es das Schicksal gibt. Aber mit weitreichenden Folgen, wenn man Schmied seines eigenen Glücks ist und jede Bewegung Teil des Butterfly Effect ist. Gemäß dem Motto, dass ein einziger Flügelschlag die ganze Weltgeschichte verändern kann. Dumm nur, dass es darauf genauso wenig eine Antwort gibt, wie auf die Frage, ob es einen Gott gibt uns was tatsächlich im Moment der Entstehung des Universums geschehen ist. Die Frage ist ja: Muss man diese Antworten wissen? Oder sollten wir einfach so oder so viel mehr auf unseren Bauch hören, weniger rational entscheiden und unser Wohlbefinden im Blick behalten? Klar, jede Entscheidung von uns beeinflusst auch das Leben unserer Liebsten um uns herum. Aber mal ehrlich: Würden wir uns denn mit Entscheidungen wohl fühlen, die denen nachhaltig schaden? Eben. Also, think less and do more! Du hast nicht ewig Zeit und wenn es das Schicksal gibt, ist die Entscheidung eh wurscht. Gibt es keins, weiß Dein Bauch vermutlich oftmals besser Bescheid, als Dein Kopf. Und frag gerne auch mal die Menschen um Dich herum. Viele davon wissen durchaus, Dich einzuschätzen und meinen ihre Antwort sicher nicht böse. Selbst, wenn Du einem daraus resultierenden Ratschlag nicht folgst, kannst Du den Aspekt in Betracht ziehen. Carpe Diem.

Keep on rockin‘
Ree

 

Einfach mal Auswandern ist auch keine Lösung!

Weg. Raus. Nicht irgendwohin, sondern von hier weg wollen. Verfolgt man die verschiedenen diesbezüglichen Sendungen im TV, so ist das in der Regel die Triebfeder der Auswanderer. Insbesondere jener, deren Abenteuer letztendlich völlig in die Hose geht und die wie geprügelte Hunde mit noch weniger zurück kehren, als sie vor der oftmals spontanen Entscheidung hatten. Natürlich, sie haben in irgendeiner Art und Weise zusätzliche Lebenserfahrung gewonnen, doch scheint der Preis dafür vielfach erstaunlich hoch zu sein. Gerade erst habe ich von 50kg Gewichtsverlust aufgrund des Kummer und Stress gehört; kein sehr gesunder Lebenswandel.

Vielfach trifft es Menschen, die mit dem Druck in Deutschland, der Leistungsgesellschaft und ihrem eigenen Anspruchsdenken nicht mehr zurecht kamen und sich aufmachen, „das Glück zu finden“. Was meistens nicht bedacht wird, ist, dass man einen großen Teil seiner Probleme in sich trägt und sie einen überall hin begleiten. Gerade mentale Herausforderungen oder auch fehlende Fachkenntnis, mangelnder Ordnungssinn oder die fehlende Fähigkeit, mit Geld umzugehen, lässt sich nicht durch einen Wechsel der Landesgrenzen korrigieren. Im Gegenteil, die vielen neuen Hürden, beispielsweise einer fremden Sprache, ausländischer Bürokratie, der Tatsache, dass man plötzlich selbst „der Eindringling ist, der den Einheimischen Arbeitsplätze streitig zu machen droht“ kommen hinzu und scheinen für viele Auswanderer völlig überraschend zu sein. Kopfschüttelnd sitze ich dann auf der Couch.

Auch ich wollte immer schon in Spanien arbeiten. Ich versuche aber seit Jahren, die Sprache vernünftig zu erlernen und scheitere daran. Klar, für Kurzkonservationen reicht es, aber sich im Job behaupten? Gegen andere Bewerber durchsetzen? Verhandlungen führen? Ganz sicher nicht. So manch ein Wegbegleiter behauptet zwar, flieg einfach hin, nur dann tauchst Du völlig in die Sprache ein. Aber das geht aus meiner Sicht nur im Rahmen einer Auszeit, einer längeren Reise. Und nicht mit dem Druck im Nacken, rasch einen Job für den Lebensunterhalt zu finden; und um im Tourismusgebiet zu arbeiten, dort nur Deutsch und Englisch sprechen zu müssen, bin ich mir zu schade.

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Aber lässt sich so eine Auswanderung dann überhaupt realisieren? Klar, mit vernünftiger Vorbereitung geht alles. Möglicherweise würde sogar das Spanien-Thema klappen. Sparen für ein Jahr Budget, damit man 3-6 Monate zum Einstieg hat, um die Sprache zu lernen, und dann nochmal 3-6 Monate für die Jobsuche. Klappt es bis dahin nicht, muss es zurück gehen. Das könnte eine Variante sein. Und das englischsprachige Ausland wäre für viele Menschen sicher auch eine Variante, da steht allerdings oft die Einreise- bzw. Arbeitsbeschränkung in Ländern wie den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland entgegen. Hier wäre es einfacher, in Deutschland bei einem entsprechenden Konzern anzuheuern und eine Versetzung in das Land der Träume anzustreben.

So oder so würde ich niemandem, der nicht im tiefsten Herzen Abenteurer ist und eben nicht vor etwas davon laufen will, zu einem unvorbereiteten Schritt raten. Natürlich muss nicht alles totgedacht werden, aber man strebt ja nach Glück. Und nicht nach noch mehr Ärger, Frust und Ängsten. Oder sehe ich das zu verbohrt, bin ich schon zu Deutsch? Bin gespannt, was ihr sagt.

Keep on rockin‘
Ree

Dieser Ort, der Sehnsucht heißt!

Verlangen. Der unbändige, innere Drang nach etwas Geborgenem, etwas Sicherem, das die Sorgen vergessen und den einzelnen Tag unbeschwert genießen lässt. Für viele sind dies die eigenen vier Wände, das behagliche Zuhause, in das sie sich nach anstrengenden Arbeitstagen, ärgerlichen Geschehenissen oder auch einfach nur langen Momenten zurückziehen und ganz sie selbst sein können. Wieder andere erleben dieses Gefühl nach dem Einsteigen in ihr Auto, wo sie ganz für sich selbst sein können und niemand einzudringen vermag. Hier können sie ganz sie selbst sein, mit den eigenen Gedanken, der eigenen Musik und der vermeintlich freien Entscheidung, wohin der Weg führen soll.

Gerade im Auto kenne auch ich dieses Gefühl, da ich mich viel darin aufhalte und es sehr oft der nächstgelegene Rückzugsort ist. Ich kann in völliger Stille dahin gleiten, wenn mir danach ist, den eigenen Gedanken nachhängend, Pläne schmiedend oder auch mal Vergangenes reflektierend. Oder ich lasse ein Hörbuch laufen und versinke in anderen Welten, während draußen die Landschaft an mir vorüber zieht. Lediglich die für das Fahren nötige Aufmerksamkeit verhindert noch, dass ich mich dem völlig hingeben kann, immerhin kann jederzeit ein Fehler, Straßenverhältnisse oder völlig andere Dinge die Routine einer Fahrzeugkolonne unterbrechen und gefährliche Situationen hervor rufen. Ja, ich erwarte sehnsüchtig das flächendeckend autonome Fahren.

Da dies aber sicherlich noch eine ganze Weile auf sich warten lässt, trage ich im Herzen meinen wesentlichen Sehnsuchtsort immer bei mir. Wer den Blog regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich über ein Einod in spanischem Besitztum mit dem höchsten Berg des Landes schreibe, eine Insel, auf der der Frühling niemals endet und die ich schon viele Male besuchen durfte. Es ist mir nicht möglich, dieses mir innewohnende Gefühl bedarfsgerecht zu euch zu transportieren, das merke ich auch bei Gesprächen im Freundes- und Familienkreis regelmäßig. Meine Insel, ich schreibe natürlich von Teneriffa, legt bei mir schon in dem Moment einen emotionalen Schalter um, in dem ich die Flughafenhalle betrete und mich geborgen fühle.

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Sorgen, die ich noch vor dem Abflug mein Eigen nannte, sind plötzlich kleiner (wenn nicht gar vollständig verschwunden), mein Körper entspannt sich und der Geist öffnet sich neuen Gedanken, Plänen und Ideen. Auf der Insel habe ich wesentliche berufliche Entscheidungen getroffen, ich habe ein Buch geschrieben und viele Studieninhalte bearbeitet. Ich bin bereits mehrfach auf den Teide hinauf und in die Masca-Schlucht hinab gestiegen, habe Wale aus der Nähe bewundert und stillste Winkel erkundet. Es ist wohl kein Wunder, dass Teneriffa mir so viel bedeutet. Und dennoch bleibt es ein Sehnsuchtsort, weil es zum Einen eben doch „nur“ ein Ort ist, der seinen Zauber ohne meine liebsten Menschen auf Dauer nicht bewahren könnte, zudem ist er zu weit entfernt, um regelmäßig mal kurz rüber zu fliegen.

So war ich nun schon über ein Jahr nicht mehr dort, auch wenn kaum ein Tag vergeht, an dem ich mich nicht ihrer Schönheit erinnere. Manchmal gelingt es mir gar, so etwas von dem Gefühl nach Deutschland zu holen und mir den Tag etwas zu versüßen. Das werde ich fortsetzen, bis möglicherweise irgendwann auch hier mal ein ähnliches Gefühl einsetzt und die Suche nach der Sehnsuchtsbefriedigung gemildert wird. So lange werde ich diese in den kleinen, schönen Orten bei Freunden, den Eltern und auch meinem Auto zu verringern wissen. Denn eigentlich ist es hier ja auch ganz schön. Wenn es nicht gerade Tage voller Sprühregen sind.

Keep on rockin‘
Ree

Diese verflixte Suche nach der Passion!

Leidenschaft. „Finde einen Job, den Du liebst, und Du wirst keinen Tag mehr arbeiten müssen.“ An wie vielen Wänden, in wie vielen Profilen findet man genau diesen Spruch und wie selten schaffen es tatsächlich Menschen, ihm auch gerecht zu werden? Ich kenne tatsächlich (neben ein paar Freunden im Profisport) nur eine Person, die genau das beherzigt und derart durchgezogen hat, dass sie mit 30 noch die entsprechende Ausbildung startete: Meine Mom. Sie liebt Kinder über alles und hat seitdem tausende in ihrem Beruf als Erzieherin beim Aufwachsen begleitet. Chapeau, es sollte mir eine Lehre sein. Doch ist es eher eine Leere. Ich suche schon so lange nach der Beschäftigung, die mich wirklich perspektivisch glücklich macht und ausfüllt, dass ich die Jahre schon kaum mehr zähle. Dummerweise kann und mache ich zum Einen unzählige Dinge gut und gern, aber konzentrierte mich nie auf ein spezielles Interessengebiet, zum Anderen habe ich mit einem Job, der mir eher weniger Spaß macht, einen erstaunlich bequemen Lebensstandard erreicht, den man gerade finanziell nicht so ohne weiteres aufgeben mag, nur um seine wahre Passion herauszufinden.

Doch parallel rennt die Lebenszeit davon und die alltägliche Zufriedenheit mit dem Sinn der eigenen Tätigkeit schwindet schleichend von Tag zu Tag, bis der Morgen kommt, an dem man es kaum mehr aus dem Bett schafft, weil sich die Monotonie nur noch schwer ertragen lässt und sich der Gedanke aufdrängt, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein kann. Na, und dass man bei gutem gesundheitlichen Verlauf noch weitere 26 Jahre in einer solchen Tätigkeit verweilt und sich beständig mehr der Rente zusehnt, ist erst recht kein Trost – zumal, wenn man schon seit gut 23 Jahren im Arbeitsleben steckt. Da haben auch ein paar Monate Auszeit nichts gebracht. Was also tun?

Klar, eine erste Analyse ist schnell gemacht. Marktüberblick, Pro und Contra Listen, Kostenvergleiche für Aus- und Weiterbildungen, geht das nebenberuflich, wie hoch ist der Zeitaufwand, wie lange kann ich eigentlich ohne Gehalt überbrücken? Doch dann kommt eben das Problem: Was kann ich mir vorstellen, auch in fünf Jahren noch gerne zu tun und damit auch den täglichen Lebensunterhalt nebst ein wenig Altersvorsorge zu bestreiten? Kann man die Leidenschaft für Reisen, Schreiben, Fotografie, Musik und Filmen irgendwie zu Geld machen, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat, kein Profi ist? Blogger, digitale Nomaden und Co behaupten dies fortwährend, doch werden auch sie immer mehr und haben häufig schon nach dem Studium diesen Weg eingeschlagen, wo es noch keine engen Bindungen und elementare finanziellen Verantwortungen gibt. Das Risiko ist entsprechend überschaubar und noch ziemlich viel Lebenserwartung übrig.

Zudem nimmt die Skepsis im Umfeld mit steigenden Lebensjahren zu, nicht nur von Freunden, gerade auch von den Eltern, die sich ja permanent Sorgen machen und am liebsten das 45jährige Verweilen in ein und demselben sicheren Job zur Pflicht machen würden. Diese emotionalen Stolpersteine gilt es aufzulösen, doch das ist ein komplexes Feld. Im Gegenteil, erschweren diese konservativen Ansichten kreative und freie Gedankengänge, führen zu neuen Selbstzweifeln und weniger Risikobereitschaft. Sollte es nicht eigentlich andersherum sein, sollten nicht gerade die engsten Vertrauten an Vorhaben glauben und selbst abwegigere Gedankengänge unterstützen, sofern sie einen auf den Pfad des Glücklichseins zurück führen? So oder so ist das mit der Passion so eine Sache: Welche(r) 16- oder 19-jährige kann schon von sich behaupten, dass er genau weiß, was ihn / sie ein Leben lang mit Glück erfüllt. Genau. Darum: Scheut euch auch mit 30, 40, 50, 60… nicht, solche Gedanken zuzulassen, Träume zu konstruieren, Möglichkeiten zu ergründen und euch ganz tief drinnen nach euren Sehnsüchten für die Zukunft zu befragen. Es stimmt nicht, dass es nie zu spät ist. Die Zeit der Reue ist nah, denn das Leben ist und bleibt endlich. Daher: Wagt, bevor ihr nie gewinnt. Ich gehe es an, wird die Suche auch lang 😉

Keep on rockin‘
Ree

Vom Land, das Druck erzeugt!

Siegeswille. Ich möchte euch heute etwas erzählen, was mir mein Arzt aus seinen langjährigen Erfahrungen heraus mitgegeben hat. Eine Geschichte über Druck, falsche Vorstellungen und wie wir es als Deutschland schaffen, Weltmeister in einer höchst unwürdigen Disziplin zu sein. Es geht um Depressionen und all ihre Vorstufen.

Bekanntermaßen habe ich mich, weil mein Körper streikte, sich aber keine physischen Erklärungen finden ließen, zu meinem Arzt begeben, um Gründe für diese außergewöhnlichen Erscheinungen zu finden. Nach kurzer Auflistung der mich seit etwa drei Jahren auf Trab haltenden Themen (da wären der Fund meines toten Nachbarn nach Blutsturz = Horrorfilm im echten Leben, unerwartete Scheidungssituation, schwere Erkrankungen im engsten Freundes- und Familienkreis, Verlust des Arbeitsplatzes – verbunden mit Ortswechsel) stellte er unumwunden fest, dass ich mich auf dem besten Weg Richtung Burn-Out befinden würde und dringend die Reißleine zu ziehen hätte.

Er begründete dies mit unserer Kultur, nannte es daher auch „das deutsche Problem“ und unterlegte seine Aussage mit weiteren interessanten Beobachtungen, die mir im Einzelnen alle bewusst sind, in einer Gesamtbetrachtung bisher aber eher nicht auftauchten. So erwähnte er zum Beispiel den gängigen Leistungsdruck in vielerlei Berufen, in denen Mitarbeiter, die „lediglich“ ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit (z. B. 38 Stunden) ableisteten, als faul gelten. Die viel zitierte Extra-Meile sei nicht auf karriereorientierte Menschen reduziert, sondern inzwischen nahezu überall eingefordert, vom Call-Center-Agent über den Sachbearbeiter bis hin zur Führungskraft.

Darüber hinaus seien wir inzwischen auch nicht mehr in der Lage, bei so banalen (und eigentlich entspannenden) Dingen wie Freizeitsport abzuschalten, da wir in allen Aspekten unseres Lebens auf Kompetitivität getrimmt werden. Selbst in der Kreisliga, beim Hobby-Badmintonspiel oder dem Kick unter Freunden werden Tore, Punkte, Siege gezählt und wird der Verlierer mit Hohn und Spott bedacht. Das wiederum führt eben auch hier zu Leistungsdruck und SIegeswillen – was sich nicht mit Entspannung und Abschalten verträgt.

Man könnte vieles Weiteres anführen, er sprach nämlich auch noch vom 12jährigen Mädchen, das sich bereits professionell schminken und kleiden möchte, um nicht ausgegrenzt zu werden, politische Debatten unter Freunden, die ernster geführt werden, als zwischen den eigentlichen Protagonisten (die zudem dafür bezahlt werden) oder auch dem alltäglichen Vergleich des schönsten Urlaubs, besten Autos oder schicksten Haus. Überall steckt Wettbewerb drin, überall wird Druck aufgebaut, überall kann eine Niederlage und damit einhergehend eine Abqualifizierung der eigenen Person lauern.

Das alleine scheint schon Grund genug, ernsthafte psychische Probleme zu entwickeln, doch dann schwenkte der Doc zum eigentlichen Casus Knacksus: Im Großen und Ganzen haben wir uns an diese „alltäglichen“ Drucksituationen gewöhnt und können sie mehr oder weniger gut wegstecken. Wenn dann aber „echte“ Tragödien, einschneidende Erlebnisse besonderer Art, hinzukommen, brechen wir ein. Ausnahmesituationen wie die schwere Krankheit oder gar ein unerwarteter Verlust uns nahe stehender Menschen knabbern nicht mehr nur am Selbstwertgefühl, nein, es stellt sich gleich mal die Sinnfrage auf besonders drängende und beängstigende Art und Weise.

Nun versuchen wir aktiv, Auswege zu finden, was in der Regel mit Hilfe von Freunden, Familie und auch Ärzten nach einigen (mal mehr und mal weniger langen) Monaten funktioniert, sofern sich das Leben rasch wieder dem Alltag zuwendet und keine weiteren Tragödien lauern. Geben sich diese aber förmlich die Klinke in die Hand, ist es schon eine Kunst, nicht in eine fatale Abwärtsspirale zu gelangen. Denn irgendwann sagt nicht mehr nur der Geist „stopp“, sondern er lädt den Körper ein, ihm auf die Talfahrt zu folgen. Und spätestens dann wird es Zeit, einen professionellen Rat einzuholen. Ein guter erster Schritt ist übrigens die Telefonseelsorge, die eben nicht nur bei Suizidgedanken hilft, sondern auch generell für Ratschläge rund um das eigene Wohlbefinden bereit steht. Na, und dann sollte jeder einen verständnisvollen und offenen Arzt finden, der psychische Belastungen als das nimmt, was sie zwar längst sind, in der Gesellschaft aber noch lange nicht akzeptiert: Ernstzunehmende, gesundheitsgefährdende Gefühlslagen, die es psychisch und physisch zu behandeln gilt. In diesem Sinne: Schön, dass es meinen Doc gibt.

Keep on rockin‘
Ree