Angst vor der Gegenwart!

Wie mächtig, flüchtig, plötzlich fort
Ist jeder Augenblick
Egal warum, an welchem Ort
Verweilt er nur ein Stück

Momente in der Gegenwart
Die zu Geschichte werden
Egal ob gut, ob schlechte Tat
So läuft es hier auf Erden

Man schätzt nicht hoch was gerade ist
Oft lebt man vor sich hin
Versucht mit jeder kleinen List
Zu mehren den Gewinn

Ein scharfer Blick, des Tages Wert
Kommt viel zu oft abhanden
So wird das Jetztsein sinnentleert
Verloren, was wir fanden

Keep on rockin‘

Ree

Reisen als Dauertherapie?

Unterwegs. Draußen in der Welt, als Außenstehender den Alltag der Anwohner aufsaugen, beobachten, darüber schreiben. Natürlich auch ein wenig der Sonne folgen, aber selbst Regen und Kälte fühlen sich on the road besser an, als zuhause, im ewigen Standard und Verdruss. Klar, wenn jeder so denken würde, gäbe es keine Müllabfuhr, keinen Busfahrer, keine Telekommunikationsangestellten und niemand würde mich zu meinen Reisezielen fliegen. Aber gäbe es niemanden wie mich, würde keiner mehr Stories von unterwegs verfassen und Inspirationen für eure Urlaubspläne liefern.

Muss ich mich daher für meine Planspiele schämen, ist es unmoralisch zu versuchen, damit sein täglich Brot zu verdienen? Ich habe das lange gedacht, doch so langsam dreht sich das. Ich merke, wie viel Arbeit der Aufbau einer entsprechenden Plattform bedeutet und wie viel Herzblut da drin steckt. Daher darf es auch etwas abwerfen, was es im Moment leider nicht mal im Ansatz tut. „Manchmal muss man eine Tür zuknallen, bevor sich eine andere vollständig öffnen lässt.“ Diese Worte von letzter Woche verfolgen mich nun dauernd. Und dann kommen meine Lebensmottos, die mir zurufen, sie nicht immer nur runterzubeten, sondern auch mal danach zu handeln: „Love it, change it or leave it“ und „Think less and do more“! Die Planung ist angelaufen.

Keep on rockin‘

Ree

Worte der Sorge!

Populismus. Angst. Fehlinformationen und Mitläufertum. All das, was ich tagtäglich auf verschiedensten vermeintlich sozialen Kanälen erlebe, hat mich gestern zu folgendem Text verleitet. Das stimmt mich traurig, denn ich hatte gehofft, solche Worte seien nie wieder notwendig. Da sie mir sehr am Herzen liegen möchte ich sie auch hier mit euch teilen. Gerne dürft ihr sie verbreiten, diese Zeilen. Nun denn…

Nein, es gilt nicht, persönliche Schuld zu empfinden, für etwas, das weit vor der eigenen Geburt geschehen ist.

Aber es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, zu welch unfassbaren Greueltaten Menschen fähig sind, wenn sie fehlgeleitet einem vermeintlich starken Anführer, eingeredeten Ängsten oder einer falschen Ideologie folgen.

Gestern wie heute sollte der Diskurs die Oberhand gewinnen, sollten Verfolgung, Verschmähung und erst recht Gewalt keinen Platz im Leben haben. Macht in den falschen Händen kann fatale Auswirkungen haben.

Lasst uns Vorbilder sein und den Skeptikern, den Ängstlichen und den Despoten zeigen, dass wir keine Spaltung, keine Ausgrenzung, sondern ein friedliches Miteinander wollen. Egal wer wir sind, wo wir herkommen und an was wir (nicht) glauben.

Daniel Schröer, Dachau im Februar 2017

Die Entscheidung ist durch!

Lebensentscheidungen. Wir alle werden dann und wann mit ihnen konfrontiert, Weggabelungen, an denen nicht nur irgendeine Laune zur Entscheidungsfindung beitragen, sondern die wirklich gut durchdacht sein sollten. Die Überlegung zu heiraten oder ein Kind in die Welt zu setzen stehen für mich in der entsprechenden Rangordnung weit oben, auch wenn ich hier schon mal schmerzvoll eines Besseren belehrt wurde. Aber auch die Fragestellung, ob man dem Leben durch eine berufliche Auszeit nochmal einen ganz neuen Impuls verleihen soll, reiht sich in diese Riege mit ein, stellt sich gar unter Umständen als eine elementare Fragestellung dar, wirkt sie sich doch auf ein urmenschliches Bedürfnis aus: Dem nach (vermeintlicher) Sicherheit.

Wer regelmäßig mitliest weiß, dass ich mich mit dieser Frage nun schon seit Februar quäle, da ich das Angebot erhalten habe, für eine durchaus respektable Abfindung meinen Arbeitgeber zu verlassen. In der Folge habe ich viele Stimmen gehört, von Freunden und Familie, Bekannten und Fremden, live und in Internetforen. Jeder hatte seine eigenen Beweggründe, mir in die eine oder andere Richtung zu raten, doch waren die meisten dennoch so realistisch, mir die Entscheidung nicht abnehmen zu wollen. Tenor war, dass ich das final nur selbst wissen kann, womit sie natürlich komplett richtig lagen. Nun waren die vergangenen Monate also ein hin und her gerissen sein, zwischen der engen emotionalen Bindung zu meinem Arbeitgeber, bei dem ich mit kurzer Unterbrechnung seit 16 Jahren bin und der mir viel ermöglicht hat (unter anderem das nebenberufliche Studium) und dem inneren Drang, mit Ende 30 nochmal etwas Neues wagen zu wollen, eine Auszeit zu machen, die mir nie zuvor vergönnt war und etwas radikaler mit dieser unsäglichen Haus-Hund-Hochzeitsgeschichte abschließen zu können.

Viele Male wechselte ich meine schon sicher geglaubte Entscheidung, immer wieder kamen Zweifel auf, egal bei welcher Variante. Auch zwei Kanaren-Urlaube brachten keinen finalen Entschluss, doch rückte der Zeitpunkt einer Zwangsmaßnahme immer näher: Abfindungen haben den Anreiz, bei Auszahlung zu Beginn eines Jahres steuerlich begünstigt werden zu können; dann müsste die Entscheidung aber spätestens im August fallen. Das ergab den festen Vorsatz, den Italientrip der vergangenen zwei Wochen exakt dafür zu nutzen. Quasi einen Denkraum zu schaffen, in den ich mich permanent zurückziehen und alle nur erdenklichen Szenarien durchspielen kann. Das habe ich getan, zwischen Yoga, Spaziergängen und Boot fahren, beim Eis essen, Zigarre rauchen und Schwimmen. Ich habe Mindmaps gemalt, Pro und Contra-Listen bearbeitet und viel geflucht. Aber ich habe mich entschieden.

Das Leben ist eindeutig zu kurz, um allen Anreizen zu entgehen, um immer nur eine pseudosichere Variante zu wählen und im Alltagstrott zu verrotten. Wenn es einen gibt, der aktuell nichts zu verlieren, sondern im Gegenteil eine Menge zu gewinnen hat, dann wohl mich. Also werde ich dieses Abenteuer wagen, den Weg der Unsicherheit gehen und mit Angst, Spannung und Vorfreude einen neuen Lebensabschnitt einleiten. Ich habe noch nicht die Spur einer Ahnung, in welche Richtung sich die kommenden Monate bewegen werden, aber ich bin sicher, es wird mich zumindest nicht tiefer in diese depressive Stimmung hereinreiten, in der ich an so manchen Tagen ziemlich tief gefangen bin. Ich glaube, es wird der pure Luxus, für eine gewisse Zeit völlig selbstbestimmt unterwegs sein zu können. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja auch ein Businessmodell; es gibt ja schon das ein oder andere in kreativen Phasen entstandene Business.

Auf jeden Fall liegt der entsprechende Aufhebungsvertrag schon neben mir und wird in Kürze gezeichnet. Erstmals fühle ich mich mit dieser Entscheidungsvariante sicher und schaue zuversichtlich in das, was kommen mag. Und etwas Alltag, etwas Routine wird ja auf jeden Fall bleiben: Ich werde auch weiterhin diesen, meinen geliebten, Blog pflegen und mit Leben füllen. Nur ab heute ohne die wahnwitzige Jagd nach der Erfüllung einer Zahl (bemerkt ihr im Fehlen der Aufzählung in der Überschrift), sondern stattdessen mit Beiträgen der reinen Schreibfreude wegen. Hey ho, let’s go.

Keep on rockin‘

Ree

  

Wenn der Antrieb fehlt! (183/366)

Rückfall. In alte Gewohnheiten, alte Zeiten, überwunden geglaubte Geschichten oder vergangene Gedanken. Mag man sich auch gerne an schöne Erlebnisse erinnern, rückbesinnen auf spaßige Zeiten und glorreiche Tage, so holen einen in trübseligen Momenten doch eher die unschönen Dinge ein, die man eigentlich verdrängen und im tiefsten Keller der eigenen Seele verbarrikadieren wollte. Auslöser können ganz profane Dinge sein, wie ein Ortsschild, welches eine Partnergemeinde aufführt, mit der man eine halbwegs emotionale Verbindung aus einer sterbenden Partnerschaft hatte. Oder auch einfach eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas unerklärlich Vergangenem, die im Griff zum Telefonhörer gipfelt und einen in eine zu bewältigende Realität zurück katapultiert.

Befindet man sich dann noch an einem Ort, wo rundum urlaubsgeschwängerte Glückseligkeit herrscht, öffnet sich eine mentale Grube und die Seele, das Herz, jegliches positive Gefühl, wandern schnurstracks hinein. Erstmal in diesem schwarzen Loch gefangen, sind die nächsten Stunden ein Kampf mit sich selbst, ein Krampf in der Magengegend und eine Feuchtigkeitskur für die Augäpfel. Alles kommt nochmal hoch, bricht sich Bahn und wird doch verzweifelt unter der Oberfläche gehalten, damit die Umwelt, die einen begleitenden Freunde, möglichst wenig davon mitbekommen. Schließlich soll ihre Qualitätszeit nicht schon wieder von meinen stets wiederkehrenden Wehwehchen beeinflusst werden.

Selbstverständlich merken sie es dann aber dennoch, logisch, sind ja die besten Freunde der Welt, und sie reden auf einen ein, schimpfen, pflegen, bauen auf und versuchen, das eigene Unverständnis zu unterdrücken. Was ich widerum natürlich ebenfalls merke, man kennt sich einfach schon zu lange. Doch es hilft, ein wenig zumindest, um die Welt wieder etwas gerade zu rücken. Klar, die Ziggarren und der Wein tun ebenfalls ihr bestes, dieses vermaledeite Gehirn für heute auszuschalten, doch es sind die Menschen, die dem Leben ihren Wert verleihen. Zumindest die, denen man vorbehaltlos vertrauen kann, weil sie eben nicht den eigenen Vorteil im Sinn haben, sondern wie ich die Stärke aus der jeweiligen Gegenseitigkeit ziehen.

Was weitere Zweifel aufziehen lässt. Ist es für einen sensiblen Menschen wie mich tatsächlich eine gute Lösung, aus der gewohnten Umgebung auszubrechen und sich auf unsicheres, ungewohntes Terrain zu begeben? Auch noch den letzten sicheren Hafen, die Beständigkeit der täglichen Arbeitsroutine, ziehen zu lassen, wo doch alles andere schon den Bach runtergegangen ist? Klar weiß ich, dass wahre Freundschaft bleibt, doch bleibt auch die Angst, ist doch der Großteil meiner alten Freunde in Dortmund zwangsläufig seiner Wege gegangen, als ich vor zehn Jahren ins Rheinland zog und die Treffen seltener wurden. Wenn man ehrlich ist, existiert von damals nur noch eine wirkliche Freundschaft, und selbst wir sehen oder sprechen uns nur noch von Zeit zu Zeit. Da kommt schon mal die Sorge auf, dass den Bonner Freundschaften ein ähnliches Schicksal blüht, wenn ich mich jetzt auf in die weite Welt mache.

Dass ich so etwas zudem noch niemals alleine angegangen bin, erhöht den Druck und das Misstrauen. Ich bin kein Mensch für Solotrips, ich bin ein Teamplayer, maximal ein Bandleader, sicher aber kein Eremit. Ich brauche Vertrauen und Vertraute um mich herum, meine persönliche Freude zieht sich aus geteilten Erlebnissen, Abenteuern und der gemeinsamen Bewältigung von Hindernissen. Ach, es ist ein Elend. Unfassbar viele schöne Tage liegen hinter mir, zumindest für meine aktuellen Verhältnisse, und nun reißt mich ein Gedankentsunami wieder so tief herunter, wirbelt mich durcheinander und zieht mich zurück in das Meer voller Sorgen. Luxusprobleme, ich weiß, aber eben meine, ganz persönlich. Und damit doch so schwerwiegend für mich, dass ich sie als besonders zermürbend erachte. Ich hoffe, diesmal handelt es sich um einen wahrhaft kurzfristigen Rückfall, will ich doch die nächsten Tage halbwegs unbeschwert verbringen und endlich mental wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Der Rest des Lebens besteht aus der Zukunft, nicht der Vergangenheit; es ist an der Zeit, dass Herz, Hirn und Seele das ein für allemal begreifen. Echt mal!

Keep on rockin´

Ree 

Der Kopf macht Angst zu Wahn! (182/366)

Angst. Wo wären wir ohne sie? Vermutlich lange ausgestorben, denn es ist ja ein Zustand der erhöhten Wachsamkeit, völligen Konzentration und verstärkten Ausschüttung von Adrenalin. So gesehen ist Angst ein freundliches, gar wünschenswertes Momentum, würden wir doch ohne sie weniger aufmerksam und vorausschauend unterwegs sein. Oder ist das in Wahrheit gar nicht so toll? Ist es vielleicht sogar das, was uns hemmt, zurück hält, abwarten und Chancen verpassen lässt? Weil wir so sehr auf Sicherheit und Verlustvermeidung bedacht sind, dass uns der Zauber des Neuen überhaupt nicht mehr ereilen kann, weil wir ihn nicht zulassen?

Schlimmer noch, steigern wir uns in unseren Ängsten doch manchmal in wahrhafte Wahnzustände. Verliere ich meine Frau, werde ich nie wieder eine neue, so tolle und faszinierende Beziehung führen können (stimmt meist nicht). Kündige ich meinen Job, werde ich nie wieder eine neue Beschäftigung finden und muss mein Leben fortan in bitterer Armut verbringen (unwahrscheinlich). Zahle ich nicht genug und regelmäßig in die Rentenkasse ein, werde ich im Alter verhungern (möglich, aber ist bei der zu erwartenden staatlichen Rente auch trotz fortlaufender Zahlung nicht unrealistisch). Genau das macht der Kopf, nimmt sich Ängsten an und überführt sie sukzessive in eine Art Wahnzustand, bis es möglicherweise wirklich zu spät für Veränderungen, Abenteuer und neue Erlebnisse ist. Bis wir alt sind, auf dem Sterbebett liegen und dort all die Dinge bereuen, die wir nicht gemacht haben.

  Ich möchte daraus ausbrechen, obwohl ich (was auch sonst) Angst davor habe. Obwohl mich die oben genannten Punkte sämtlich selbst verfolgen, beschäftigen und, ja, auch bremsen. Doch nun ist es Zeit, einen brachialen Schritt zu unternehmen. Hat mir das vergangene Jahr gezeigt, was für ein Arschloch das Leben sein kann, möchte ich dem nun vorbeugen und selbst ein Wagnis eingehen. Es muss einfach sein, ich muss mal wieder spüren, wie man lebt. Wie ich lebe. Und wie ich mein Leben selbst in die Hand nehme. Es fühlt sich, trotz der Angst, jetzt schon gut an. Obwohl noch die ein oder andere Formalie zu erledigen ist. Aber das wird sich regeln und spätestens im Oktober bin ich das erste Mal nach 22 Jahren im Berufsleben für ein paar Monate Herr meiner Dinge. Strange. Aber bestimmt auch extrem spannend.

Eine weitere Bestätigung dieser Richtung kam in dieser Woche, von meiner geliebten Mama, die, obwohl nochmal 20 Jahre älter, den Sprung in einen anderen Bereich gewagt hat und bislang nur Positives zu berichten weiß. Nette Menschen drumrum, offenbar eine spannende Aufgabe und, das Allerwichtigste, ein deutlich optimistischeres Zukunftsbild. Parallel folgte gleich ein ernüchterndes Gegenbeispiel, meiner ebenfalls geliebten Oma. Hier zeigt sich deutlich der Abbau des menschlichen Körpers, fremde Hilfe wird in einer stetig wachsenden Frequenz nötig. Und ich bin mir sicher, sie hätte die vergangenen Jahre lieber anders, lebhafter, unternehmungslustiger gelebt. Das kann man nun leider nicht mehr ändern (und ich bin Teil dieser Verfehlung, was ziemlich schmerzt), doch kann man für sich Schlüsse daraus ziehen. Offenherzig leben, etwas wagen und, ganz wichtig, niemals den Kontakt zu den Eltern abreißen lassen. Wir sprechen täglich, was ich auch beibehalten will, sehen uns regelmäßig und tauschen uns über nahezu alles aus. Ein Ankerpunkt, den ich niemals missen möchte. Und mit diesem im Rücken und Zuversicht im Herzen, vermag der Körper hoffentlich, die Wandlung von Angst zu Wahn weitestgehend zu vermeiden. Klingt doch gut, oder?

Keep on rockin´

Ree

  

In den Tag hinein leben! (171/366)

Planlos. Nicht wissend, was der Tag bringt, Unsicherheit bezüglich seiner Gestaltung, Sorge über vermeintlich unliebsame Überraschungen. Wenn nichts wirklich klar, vieles unwägbar ist, dann beherrschen oftmals wilde Gedanken den Alltag. Horrorszenarien, Wunschvorstellungen, fixe Ideen, vieles wechselt einander ab, geht manchmal sogar ineinander über. Rastlosigkeit, Hilflosigkeit und innerliches Zusammenzucken werden zu stetigen Begleitern eines jeden Tages.

Schon oft habe ich inzwischen von den mich beschäftigenden Themen berichtet, doch noch immer steht keines von ihnen wirklich vor einem Abschluss. Das nervt, es irritiert und vor allem macht es jede sinnvolle Zukunftsvision zunichte. Wie soll man das kommende Jahr planen, wenn nicht einmal die nächste Woche Konturen annimmt? Wie einen Businessplan aufstellen, wenn es so viele Fragezeichen hinter allem gibt? Wieso geben Menschen ein Kaufangebot ab, um sich nach Zustimmung dann nicht mehr zu melden? Warum fühlt sich ein Banker nicht bemüßigt, mal ans Telefon zu gehen oder auf Mails zu antworten? Wieso streben alle nach stetiger Optimierung, ohne auch nur mal ein paar Tage mit dem Status Quo zufrieden zu sein? Oder kommt mir das alles nur so vor, muss ich mich noch mehr hinterfragen?

Ein Freund sagte mir mal, wenn man überall Probleme sieht, ist man es möglicherweise selbst. Quasi der Eine, der sich über die vielen Geisterfahrer auf der Strecke wundert, obwohl er es doch eigentlich ist. Aber das möchte ich ungern glauben, nicht, weil ich eitel bin, sondern weil das Feedback ein anderes ist. Ein toller Freund, feiner Kerl, liebenswerter Mensch sei ich, man könne froh sein, mich zu haben (schade, dass die Frauen meines Herzens das wohl anders gesehen haben). Nun macht mich das zwar verlegen und freut mich auch, aber es stimmt wohl nur bis zu einem gewissen Grad. Muss man mich täglich ertragen, dann scheint so nach drei, vier Jahren eine unsichtbare Grenze erreicht, dann werde ich wohl anstrengend, langweilig oder was weiß ich (wüsste ich es, würde ich sicher etwas zu ändern versuchen). Auch hier bin ich planlos. Soll ich mich überhaupt nochmal öffnen, solange ich den Schlüssel zu mir selbst nicht gefunden habe? Lohnt sich das Risiko? Zumal es da ja einen Treueschwur gibt, dem ich mich auch in (den aktuell gravierend) schlechten Zeiten verbunden fühle.

So bleibt die Antwort offen, wie bei den vielen anderen Themen und ich werde weiter in den Tag hinein leben. Gartenarbeit in einem Geisterhaus verrichten, Arbeiten auf Abruf und Minuten zählen, bis der gnädige Schlaf einsetzt. Erstaunlich, was eine kleine Seele so alles zu ertragen imstande ist. Nicht schön, aber selten.

Keep on rockin‘

Ree