Peru: Das Abenteuer der Fernbusse II

Ein neuer Tag, von Beginn an mit hoher Intensität. Alles wollte wieder gut verpackt werden, um am Abend entspannt zum Bus zu gelangen. Schon vor einigen Tagen stellte sich die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, eine Verlängerungsnacht zu buchen, da die Abfahrt erst am Abend anstand und Ica zum Einen nicht so viel zu bieten hat, zum Anderen mit zwei schweren und zwei leichteren Rucksäcken sowieso nicht entspannt zu erkunden wäre. Dementsprechend entschlossen wir uns zur Verlängerung, wodurch wir unser Zimmer zumindest tagsüber als Rückzugsort zur Verfügung hatten. Viele andere Backpacker gingen anders vor und lungerten den ganzen Tag mit ihren riesigen Rucksäcken in den Gängen der Unterkunft herum. Für uns war das keine realistische Option.

Trotz des Zimmers wollte der Tag dennoch irgendwie überbrückt werden, denn stundenlang auf die gegenüberliegende Betonmauer zu starren und auf eine weitere Show des Nachbarshundes zu warten, verliert nach einiger Zeit auch seinen Reiz. So traf es sich gut, dass gleich nebenan eine schon seit den 70er Jahren existierende Pralinenmanufaktur beheimatet war. Wir durften die Fertigung besichtigen und die Handfertigkeit bewundern, mit der aus Schokoladenkügelchen feinste kulinarische Kunstwerke geformt wurden.

Einige Pralinen später, die wie erwartet sehr lecker waren, befanden wir uns auf einer abenteuerlichen Fahrt mit einem Mototaxi in Richtung Huacachina. Die Mototaxis sind mit den thailändischen Tuktuks vergleichbar und es macht echt Spaß, als Beifahrer durch den Stadtverkehr zu brausen – auch wenn bei der Fahrweise aller Einheimischen durchaus schon mal ein kleiner Adrenalinstoß daran erinnert, dass die Knautschzone recht eng ist und Zwischenräume von 1cm sehr wenig sind. Aber um der Oase ohne Zeitdruck einen zweiten Besuch abzustatten und eine Kleinigkeit zu essen, haben wir dieses Abenteuer gern in Kauf genommen.

So nah man dem Chaos auf den Straßen Perus hier kommt und unmittelbar erleben kann, dass sich alles irgendwie ineinander fügt, so stellt man auf dem letzten Abschnitt zur Oase doch erstaunt fest, wie rasch es still und beschaulich wird. In Huacachina angekommen, stellten wir mal wieder fest, dass ein Aufenthalt hier vermutlich erheblich chilliger als in Ica gewesen wäre. Die Stimmung ist einfach wahnsinnig relaxed und man kann sowohl in Pools und Hängematten entspannen, als auch diverse Restaurants ausprobieren. Wir haben uns in einem coolen Hostel am Ende der Oase niedergelassen, sehr lecker gegessen und einfach die Atmosphäre genossen, bis es an der Zeit war, zurück zu unserer Unterkunft und final zum Terminal von Cruz del Sur aufzubrechen.

Das Terminal war wieder sehr gut organisiert und als Ticketinhaber des Nachtbusses nach Cusco hatten wir sogar einen Platz in der VIP-Wartehalle. So ließ sich auch die knapp einstündige Verspätung der Ankunft des Busses ertragen. Für uns stand ein strapaziöser Ritt an, zunächst waren 15 Stunden Fahrt mit Cruz del Sur zu überbrücken, in Cusco galt es dann, ein Taxi zu nehmen, das uns zu einem Kleintransporter brachte, welcher uns zu unserem nächsten Stopp, Ollantaytambo, bringen sollte. Konnte das alles gut gehen? Und würde der Rücken mitspielen?

Für mich war die Busfahrt anstrengend, weil es mir schwer fiel, auf den Sitzen zu schlafen. Trotz Liegeposition starrte ich die meiste Zeit auf mein iPad und las einige Readly-Zeitschriften oder schaute Prime-Serien. Dann und wann fiel mein Blick aus dem Fenster, aber da es stockdunkel war, konnte ich nichts erkennen. So sagte mir lediglich das beständige Schaukeln, dass wir uns inzwischen auf den berüchtigten Bergstraßen befinden mussten. Erst nach Anbruch des neuen Tages wurde es interessanter, Szenerien der durchfahrenden Dörfer, Schulkinder auf dem Weg zum Unterricht, unzählige mit Spraydosen auf Mauern gesprühte Wahlslogans – man bekam einen Einblick in das ländlichere Peru, spannend, aber auch etwas abschreckend. Eine andere Welt.

Währenddessen fuhr der Bus unbeirrt weiter und schien auch von den Einheimischen draußen kaum wahrgenommen zu werden. Das alltägliche Bild in ihrem jeweilige Dorf. Das vom Steward servierte Frühstück läutete die Ankunft in Cusco ein und ließ uns in gespannter Erwartung eines ersten Blicks auf die angeblich schönste Stadt Perus werfen. Dieser war allerdings ernüchternd, war doch jeder Fleck den wir sahen zugebaut. Wird sich dieses Bild verbessern? Wir werden sehen.

Keep on rockin´
Ree

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Peru: Ein herbstlicher Frühling in Lima

Lima. Neun Millionen auf der Suche nach dem persönlichen Glück. Unzählige Stadtbezirke, unübersichtlich groß und daher im Rahmen einer Stippvisite nicht ohne Planung zu empfehlen. Reisenden wird, unter anderem in diesem genialen Reiseführer von Anne und Nora, mit dem wir uns umfangreich auf den Trip vorbereitet haben, im Wesentlichen der Bezirk Miraflores ans Herz gelegt, vielleicht noch Barranco oder San Isidro, aber doch bitte nichts anderes. Und auf keinen Fall nach Anbruch der Dunkelheit herum spazieren. Und überhaupt, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht! Mag alles richtig sein, doch sorgt es vor allem für eines: Ein permanentes Gefühl der Unsicherheit, welches sich selbstverständlich im Regelfall nicht als sinnvoll herausstellt. So war in den ersten Tagen nach dem Start der Reise niemals eine Gefahr auszumachen; keine bedrohlich erscheinenden Situationen, nirgends dunkle Gassen mit fiesem Gesindel, keinerlei Schüsse oder Sirenengeheul. Dennoch, gerade wegen der nicht aufhören wollenden Warnungen aus dem Netz und von daheim, herrschte stets eine unterbewusste Unsicherheit vor, worauf man wohl stoßen könnte. Neben der fehlenden Heizung im AirBnb-Domizil, was bei knapp 15 Grad Außentemperatur und dünnen Wänden schwer erträglich war, und der kaum einmal aus der Stadt weichenden Feuchtigkeit, die dem ganzen Aufenthalt ihren Zauber nahm, waren doch alle Menschen entweder ausgesprochen höflich oder gingen einfach ihrer Wege. Und warum auch nicht, immerhin waren sie in der Stadt zuhause und hatten ihren alltäglichen Pflichten nachzugehen.

So hieß es also, warm eingepackt, dem Wind zu trotzen und entlang einer der Hauptstraßen von Miraflores diesen Teil der Stadt zu erkunden. Nachdem wir den auf einer Kreuzung platzierten Brunnen der Andenstaaten passiert hatten, der wahrhaftig schon bessere Zeiten gesehen hatte, aber dennoch gewahr werden ließ, dass man sich in einer für uns völlig unbekannten Region unseres Planeten befand, hieß uns der Malecon, die lange und sehr schön angelegte Promenade oberhalb des Pazifik, Willkommen. Trotz des typischen, nicht enden wollenden Nebels, der es sehr dunstig gestaltete und die Meeres- mit der Horizontlinie verschwimmen ließ, erfreute uns die grüne Umgebung mit seinen Parks, Skulpturen, dem Leuchtturm und kleinen Bars. Solange man sich nicht umdrehte, war dies ein hübscher Kontrast zu den vielen Betonhochhäusern, die den Rand der jeweiligen Stadtviertel hin zum Meer bildeten.

Von der Aussichtsterrasse des kleinen Cafés Buenavista, in dem man authentische peruanische Leckereien zu sich nehmen kann, ging es immer an der Steilküste entlang durch die verschiedenen kleinen Parks, die eine Vielzahl Sportler und Spaziergänger anziehen und so selbst bei schlechtem Wetter gut frequentiert sind. Im Parque Amor, unter der riesigen Statue der Liebenden, wurden handgearbeitete Kleinigkeiten feil geboten und die ersten anderen ausländischen Besucher stellten sich ein. Man war kein Exot mehr, passte aber auch nicht so recht ins Bild – zumindest fühlte es sich noch immer so an. Dennoch war es beeindruckend, die Surfer zu beobachten und picknickenden Peruanerinnen zuzusehen, die den niedrigen Temperaturen trotzten und trotz des eisigen Windes auf einer Decke hoch über dem Meer mitgebrachte Speisen verzehrten. Von einem der vielen Outdoor Sportgeräte aus betrachteten wir das Treiben unzähliger Hunde, die von ihren Dog-Walkern auf diesen Hundeplatz am Malecon gebracht wurden, um sich auszutoben und der Leine ein Schnippchen zu schlagen. Ein wunderbares Gewusel, das von Trainierenden flankiert wurde, die ihre Joggingrunde mittels der stationär installierten Fitnessgeräte ergänzten.

Ein paar hundert Meter weiter, im Larcomar, dem topmodernen Einkaufszentrum mit Meerblick, konnten wir jetlaggeplagt etwas ausspannen und mussten erstaunt feststellen, dass die Preise für Kleidung in den bekannten Markengeschäften nicht niedriger als in Deutschland sind. Hier kauft dann offensichtlich nur die bessergestellte peruanische Schicht ein. Da das Einkaufen somit unmittelbar seinen Reiz verlor, zumal als Rucksackreisender sowieso wenig Platz zur Verfügung steht, nahmen wir alternativ unser erstes peruanisches Essen zu uns. Zwar vom Schnellimbiss, dennoch cool, unter anderem mit Reis, Spiegelei, Kochbanane und Hühnchen. Es schmeckte wirklich sehr gut und sorgte das erste Mal für eine gewisse Entspannung. Dankenswerterweise besaß das Larcomar auch einen Supermarkt, so dass wir uns nach einer ausgiebigen Pause mit den nötigsten Lebensmitteln eindecken und den Rückweg antreten konnten. Auf diesem testeten wir neben der Statue des Paddington Bear, der Lima seine Heimat nennt, noch eine Art Croissant mit Karamellfüllung, bevor es an der Promenade entlang zurück in die weiterhin sehr kalte Wohnung ging. Zumindest gab es aber warme Decken und zwei riesige (riesige!) Fernseher – so konnte dem Jetlag ein Schnippchen geschlagen werden, in dem der Rest des Tages mehr oder weniger dösend verbracht wurde und nur die nötigsten Teile des Kopfes unter der Decke hervorlugten, um ein wenig vom TV zu sehen. Trotz der Kälte, unnötiger Sicherheitsbedenken und dem vielen Beton war es insgesamt dennoch ein gelungener Einstieg, der neugierig auf mehr machte.

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Ree

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