Die Wahl zu haben heißt nicht, dass man die Kontrolle hat!

Jobwechsel. Mal etwas Neues sehen, etwas Anderes wagen, die Routine aufbrechen und den Blickwinkel verändern. Vielleicht auch einfach einen weiteren Karriereschritt unternehmen oder nach mehr Geld streben. Es gibt viele Gründe, um sich nach Alternativen umzuschauen und wenn man sich einen gewissen Status erarbeitet hat, wird auch das ein oder andere Angebot entstehen. Doch ist es immer sinnvoll, aus dem sicheren Hafen heraus zu segeln und die Perspektive zu wechseln? Kann es nicht auch mal schön sein, morgens bereits zu wissen, welche Anforderungen über den Tag hinweg zu bewältigen sind und Gewissheit zu haben, diesen auch gewachsen zu sein? Nicht jede Woche muss mit neuen Herausforderungen aufwarten, nicht immer ist die Extrameile das Mittel der Wahl. Der Druck, den wir uns durch Veränderungen auferlegen, nämlich seinen vormaligen Status zu bestätigen, neue Kolleg(inn)en von sich überzeugen und mit Leistung glänzen, kann uns auch einknicken lassen. Und dann haben wir gar nichts gekonnt, sondern hängen womöglich in einer Spirale fest, in welcher wir den altbekannten Arbeitgeber mit all seinen positiven Faktoren vermissen – die negativen werden dabei natürlich vom Gehirn ausgeblendet. Also, selbst wenn ein Jobwechsel attraktiv erscheint: Nach bereits zwei Fehlentscheidungen diesbezüglich empfehle ich euch, nicht nur eine Nacht, sondern eher einen ganzen Monat darüber zu schlafen.

Therapievarianten. Es gibt so viele Ansätze und Meinungen, wenn es um physische oder psychische Verletzungen geht, dass man rasch den Durchblick verliert. So können muskuläre Beschwerden, eingeklemmte Nerven oder ähnliches mit Wärme, Kälte, Elektronik, Massagen etc. behandelt oder die Psyche über Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und vieles mehr geheilt werden. Und steckt man in einer der oben skizzierten Drucksituationen, kann sogar beides, muskuläre und psychische Beschwerden, dadurch ausgelöst werden. Dummerweise lassen Ärzte uns häufig selbst entscheiden, was wir für die bessere Behandlungsmethode halten. Als hätte ich diesen Studienzweig beschritten, nicht die vor mir sitzende Heilkraft. Da Massagen nichts gebracht haben, genauso Elektronik und Wärme, bat ich um eine Spritze. Pustekuchen, es gab Muskelrelaxan. Warum fragt sie dann? Möglicherweise hilft es, vor jedwedem Praxisbesuch mal einen Ratgeber zu den Beschwerden zu lesen. Nur nicht über google, in 90% der Fälle führt gemäß der Top-Suchergebnisse des Onlinegiganten jedes Zipperlein unmittelbar ins Verderben. Das gute, alte Medizinlexikon reicht da wohl völlig…

Wohnort. Das Heimatthema hatten wir ja gerade erst, aber auch ein Wohnortwechsel ohne emotionale Zerrissenheit kann anstrengend sein. Auch wenn ein neues Umfeld belebend und erfrischend sein kann, so sorgt es doch für vielerlei beängstigende Momente. Die Herausforderung, auf sich allein gestellt zu sein, sich zurechtfinden und neue Lieblingsplätze finden zu müssen, falsche Gegenden zu meiden und mit den Einheimischen Kontakte zu knüpfen, ist gerade für introvertierte Zeitgenossen nicht einfach. Gehört man dann noch zu einer Altersklasse jenseits der 35, fallen auch viele Freizeitaktivitäten aus, bei denen vormals quasi spielend neue Bekanntschaften entstanden sind: Sport, Discobesuche, Partygänge. Und selbst, wenn man die Stadt nicht allein gewechselt hat, entstehen kriselnde Situationen, denen man sich zuvor nicht ausgesetzt sah. Es kann belastend sein, nur eine wirkliche Vertrauensperson in der näheren Umgebung zu haben, denn kleinere Reibungspunkte sind völlig normal; doch ist es fatal, wenn dann kein bester Freund oder keine beste Freundin zu einem spontanen Treffen vor Ort ist. Das Telefon kann das nur bedingt ersetzen und so beginnt manchmal eine schleichende Entfremdung, die tragisch enden kann. Wenn der neue Wohnort gewisse Attraktivitätsfaktoren wie eine hübsche Innenstadt oder einen hohen Freizeitwert besitzt, hilft das aber häufig bereits. Dennoch bleibt, ein Wohnortwechsel ist ein elementarer Eingriff in die persönliche Komfortzone.

Beziehungen. Oft schon habe ich von Singles gehört, dass sie sich nach der Zweisamkeit sehnen, ebenso aber auch mit Paaren gesprochen, die ihren Freiraum vermissen und immer mal wieder darüber nachdenken, einfach auszubrechen – nur um sich, so sie es tatsächlich vollzogen haben, später dann doch wieder nach Geborgenheit zu sehnen. Ist das Gras in Nachbars Garten wirklich immer grüner oder kommt es einem, gefangen im persönlichen Alltag, nur grüner vor? Warum will man so oft genau das haben, was gerade unerreichbar scheint und sehnt sich nach Vergangenem zurück, wenn man es erreicht hat? Macht es nicht viel mehr Sinn, einfach mal glücklich im Hier und Jetzt zu verweilen, die Gegenwart zu genießen und auf das Universum zu vertrauen. Veränderungen geschehen trotzdem, erfahrungsgemäß schleichend, und sie können genauso zu großen Umwälzungen führen, wie der Big Bang – nur eben nicht so plötzlich, nicht so dramatisch. Ich bin ja auch nicht von heute auf morgen 20kg schwerer geworden und genauso wenig werde ich die wieder los, wenn ich heute wie ein Irrer trainiere. Das muss in kleinen, nachhaltigen und wohl geplanten Schritten verlaufen. Also keine Hektik, Nachbars Gras ist nicht grüner. Es ist nur Dein Verlangen, diesen Rasen zu besitzen. Doch wenn Du ihn dann hast, lässt seine Attraktivität rasant nach.

Urlaub. Reist Du auch mal allein? Oder macht Dir das eher Angst? Willst Du Erlebnisse unmittelbar teilen, oder kannst Du sie kompensieren und bist bereit, sie den Daheimgebliebenen nach Deiner Rückkehr zu erzählen? Ein wenig hängt es vermutlich sogar von Deinem Geschlecht ab, müssen Frauen doch vermeintlich größeren Gefahren ausweichen, als Männer. Doch auch für mich (Mann) verursachte alleine zu verreisen zunächst ein unangenehmes Gefühl. Ich war dreimal ohne Begleitung weg und die ersten beiden Tage waren immer zittrig, verwirrend und unschön. Kurzum, ich wollte direkt wieder zurück fliegen. Glücklicherweise bin ich geblieben, denn die Erfahrungen ab Tag drei sind sehr wertvoll gewesen. Nicht nur habe ich auf einer Reise ein Kinderbuch geschrieben und auf einer anderen viel Sport getrieben. Nein, ich habe mir intensiver Gedanken über mein Leben gemacht, als jemals zuvor und konnte Antworten auf lange gehegte Fragen finden. Das hat mich nicht nachhaltig glücklicher gemacht, diese Illusion will ich Dir nehmen, aber in den jeweiligen Momenten habe ich mich anders, stärker gefühlt. Ich habe auf jeden Fall vor, in diesem Jahr nochmal eine Woche mit mir selbst zu verbringen und kann es Dir nur wärmstens empfehlen. Aber natürlich sind gemeinsame Reisen ein ganz besonderes Vergnügen. Egal, ob mit dem Partner, besten Freunden oder den Eltern: Jede Konstellation hat eigene Reize und manchmal sieht man sogar den immer gleichen Urlaubsort mit völlig anderen Augen.

So gibt es also viele Situationen, in denen man die Wahl hat. Aber kann man alles kontrollieren? Niemals. Du hast die Wahl, links oder rechts abzubiegen, aber welche Route die Schönere ist, weißt Du vorher oft nicht. Du kannst es nur ausprobieren und wirst vielleicht nie erfahren, was Dich auf dem anderen Weg erwartet hätte. Also mach das Beste aus der Route, die Du tagtäglich für Dich selbst wählst. Für heute ist es nämlich die einzige, erst morgen kannst Du einen alternativen Pfad versuchen.

Keep on rockin‘
Ree

Die Folgen der schweren Entscheidung!

Zerdenken. Manchmal, da grübelt man stunden-, ja, tagelang über Situationen, die einen massiv beschäftigen, die das Leben stark beeinflussen und die man irgendwie verändert wissen will. Man weiß genau, dass es mit dem Status Quo nicht weiter gehen kann und hat auch schon Szenarien entwickelt, traut sich aber selbst nicht so recht über den Weg. So denkt und denkt man, bis man eigentlich nicht mehr denken kann und weder aus, noch ein weiß. Man hat alles zerdacht und nichts wirklich richtig gemacht.

In solchen Momenten ist es Gold wert, den ein oder anderen Ratgeber parat zu haben, der einen mal freundlich, mal bestimmt, wieder auf den Pfad der persönlichen Erkenntnis führt. Vor Augen hält, was eigentlich die Ausgangslage war und die Konzentration wieder auf das Wesentliche lenkt. Der zu einem steht, selbst, wenn die Entscheidung zu unpopulären Entwicklungen wie einen Jobverlust führen kann, sofern es aber der persönlichen Zufriedenheit, dem eigenen Lebensglück dient.

Ich bin sehr dankbar, solche Menschen um mich zu wissen, die nicht alle meine Gedanken nachvollziehen, nicht alle Entscheidungen verstehen und nicht alle Träume glauben können, mich aber dennoch dabei unterstützen. Ich wünsche euch allen, dass es ein paar wenige Personen in eurem Leben gibt, die euch einen ähnlichen Halt geben. Es fühlt sich gut an.

Keep on rockin‘

Ree

Ich weiß nicht(s)!

Milliarden. Menschen auf dem Planeten, Individuen, verständlicherweise in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, da Glück und Leid am eigenen Leib stets spürbarer, emotionaler sind, dennoch verbunden mit manch anderen, mal stärker, mal schwächer. Wie entstehen solche Verbindungen, warum treten sie auf, weshalb so oft in vermeintlich ungünstigen, zumindest doch unerwarteten Momenten? Warum können sie dann nicht zu unbeschwerter Glückseligkeit führen, sondern müssen beständig im selben Atemzug der wohligen Wärme einen Schlag Verzweiflung und Schmerz mitbringen?

Ich weiß nicht(s), sehe nicht(s), kann vorne nicht mehr von hinten unterscheiden, fang spontan an zu lachen, Pläne zu machen, nur um im nächsten Moment zu leiden, spring umher, lieg herum, suche Halt und stell mich dumm. Wohin das führt, na klar, zum Wahnsinn und zum Missverständnis und zur Runde sorgenvoller Mienen dieser Freunde, die nicht sehen können, was in diesem Kopf da vor sich geht, was sich bewegt, warum man niemals still steht und täglich neu an der Lebensuhr dreht.

Mal etwas hier, mal etwas dort, die große Reise oder der kleine Trip, der Weg nach Hause oder doch zurück. Keine Ahnung wo es hinführen soll, bedingungslos betrunken von der eigenen Unsicherheit, verloren in den Plänen, Emotionen, dem eigenen Leben, der Individualität, die eben doch nicht individuell ist, sondern weitreichend  beeinflusst wird, von Bösem und Schönem, Altem und Neuem, Familie und Freunden. Gerne wäre ich der einsame Wolf, der ich in den Träumen zu sein vermag, der es genießt, in diese Welt zu reisen und darüber zu berichten. Doch der bin ich nicht, nach dem Erwachen kommt die Erkenntnis, alleine funktioniere ich nur höchst eingeschränkt.

Aber das andere Ende der Skala, fort vom einsamen Wolf, ist dermaßen krachend gescheitert, dass ich es mir nicht mehr vorstellen kann, dieses alte Modell aus Haus, Hund und Familie. Wer Vertrauen schenkt, grenzenlos sein Herz öffnet und sich selbst vollständig zurückstellt, wird mental gebrochen, wenn ein glühend heißer Dolch im unerwartetsten und verletzlichsten Moment hineinstößt. Da gibt es keine Heilung, auch die Zeit vermag dies nicht vollends zu verbringen, denn es wohnt der Schmerz in der Erinnerung, der Flashbacks gleich durch winzigste Eindrücke ausgelöst wird und so zu den ewig identischen unbeantwortbaren Fragen führt: Wo soll das alles enden, wie soll es weitergehen, was bringt die Zukunft? Bringt sie überhaupt mal wieder langanhaltende Unbeschwertheit oder bleibt der Glücksmoment der kurze Zeitraum zwischen zwei Katastrophen? Und will ich dann nicht lieber ein total emotionsloses Leben ohne Highlights leben, um eben auch den Lowlights zu entgehen? Ich weiß nicht(s)!

Gibt es ein Mittelding, ich weiß nicht(s)!?! Sollte ich die Basis im Rheinland aufschlagen, obwohl mich hier so viele Orte, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen förmlich abstoßen? Weil es eben auch liebe Menschen, beste Freunde hier gibt? Wiegt das eine das andere auf? Oder wird der Wahnsinn komplett Besitz von mir ergreifen, wenn ich die Gegend jahrzehntelangen Schmerzes nicht verlasse? Doch wohin dann? Zurück in die Heimat, wo es nur noch wenige Freunde gibt, dafür aber die Eltern und die unerklärliche Vertrautheit und Liebe zum Ort des Aufwachsens? Wo jede Ecke bekannt ist und sich die emotionalen Brüche in erträglichen Grenzen gehalten haben, so dass es kaum negative Gefühle gibt? Wo aber auch beruflich wenige Aussichten bestehen?

Es wird ein längerfristiges Abwarten, zumindest noch einige Monate, bis sich die ersten Anzeichen der zukünftigen beruflichen Entwicklung verfestigen. Aber sollte man es davon dann abhängig machen, wohnen wo man arbeitet, nur damit man die Entscheidung nicht selbst treffen muss, aber eben auch mit dem Risiko, allein irgendwo festgetackert zu sein, wo man eigentlich nicht seinen Lebensmittelpunkt haben möchte? Ich weiß nicht(s), nur dass es noch einige schlaflose Nächte bedarf, um auch nur ansatzweise eine Richtung vordefiniert zu bekommen. Anstrengend.

Keep on rockin´
Ree

Wenn der Antrieb fehlt! (183/366)

Rückfall. In alte Gewohnheiten, alte Zeiten, überwunden geglaubte Geschichten oder vergangene Gedanken. Mag man sich auch gerne an schöne Erlebnisse erinnern, rückbesinnen auf spaßige Zeiten und glorreiche Tage, so holen einen in trübseligen Momenten doch eher die unschönen Dinge ein, die man eigentlich verdrängen und im tiefsten Keller der eigenen Seele verbarrikadieren wollte. Auslöser können ganz profane Dinge sein, wie ein Ortsschild, welches eine Partnergemeinde aufführt, mit der man eine halbwegs emotionale Verbindung aus einer sterbenden Partnerschaft hatte. Oder auch einfach eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas unerklärlich Vergangenem, die im Griff zum Telefonhörer gipfelt und einen in eine zu bewältigende Realität zurück katapultiert.

Befindet man sich dann noch an einem Ort, wo rundum urlaubsgeschwängerte Glückseligkeit herrscht, öffnet sich eine mentale Grube und die Seele, das Herz, jegliches positive Gefühl, wandern schnurstracks hinein. Erstmal in diesem schwarzen Loch gefangen, sind die nächsten Stunden ein Kampf mit sich selbst, ein Krampf in der Magengegend und eine Feuchtigkeitskur für die Augäpfel. Alles kommt nochmal hoch, bricht sich Bahn und wird doch verzweifelt unter der Oberfläche gehalten, damit die Umwelt, die einen begleitenden Freunde, möglichst wenig davon mitbekommen. Schließlich soll ihre Qualitätszeit nicht schon wieder von meinen stets wiederkehrenden Wehwehchen beeinflusst werden.

Selbstverständlich merken sie es dann aber dennoch, logisch, sind ja die besten Freunde der Welt, und sie reden auf einen ein, schimpfen, pflegen, bauen auf und versuchen, das eigene Unverständnis zu unterdrücken. Was ich widerum natürlich ebenfalls merke, man kennt sich einfach schon zu lange. Doch es hilft, ein wenig zumindest, um die Welt wieder etwas gerade zu rücken. Klar, die Ziggarren und der Wein tun ebenfalls ihr bestes, dieses vermaledeite Gehirn für heute auszuschalten, doch es sind die Menschen, die dem Leben ihren Wert verleihen. Zumindest die, denen man vorbehaltlos vertrauen kann, weil sie eben nicht den eigenen Vorteil im Sinn haben, sondern wie ich die Stärke aus der jeweiligen Gegenseitigkeit ziehen.

Was weitere Zweifel aufziehen lässt. Ist es für einen sensiblen Menschen wie mich tatsächlich eine gute Lösung, aus der gewohnten Umgebung auszubrechen und sich auf unsicheres, ungewohntes Terrain zu begeben? Auch noch den letzten sicheren Hafen, die Beständigkeit der täglichen Arbeitsroutine, ziehen zu lassen, wo doch alles andere schon den Bach runtergegangen ist? Klar weiß ich, dass wahre Freundschaft bleibt, doch bleibt auch die Angst, ist doch der Großteil meiner alten Freunde in Dortmund zwangsläufig seiner Wege gegangen, als ich vor zehn Jahren ins Rheinland zog und die Treffen seltener wurden. Wenn man ehrlich ist, existiert von damals nur noch eine wirkliche Freundschaft, und selbst wir sehen oder sprechen uns nur noch von Zeit zu Zeit. Da kommt schon mal die Sorge auf, dass den Bonner Freundschaften ein ähnliches Schicksal blüht, wenn ich mich jetzt auf in die weite Welt mache.

Dass ich so etwas zudem noch niemals alleine angegangen bin, erhöht den Druck und das Misstrauen. Ich bin kein Mensch für Solotrips, ich bin ein Teamplayer, maximal ein Bandleader, sicher aber kein Eremit. Ich brauche Vertrauen und Vertraute um mich herum, meine persönliche Freude zieht sich aus geteilten Erlebnissen, Abenteuern und der gemeinsamen Bewältigung von Hindernissen. Ach, es ist ein Elend. Unfassbar viele schöne Tage liegen hinter mir, zumindest für meine aktuellen Verhältnisse, und nun reißt mich ein Gedankentsunami wieder so tief herunter, wirbelt mich durcheinander und zieht mich zurück in das Meer voller Sorgen. Luxusprobleme, ich weiß, aber eben meine, ganz persönlich. Und damit doch so schwerwiegend für mich, dass ich sie als besonders zermürbend erachte. Ich hoffe, diesmal handelt es sich um einen wahrhaft kurzfristigen Rückfall, will ich doch die nächsten Tage halbwegs unbeschwert verbringen und endlich mental wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Der Rest des Lebens besteht aus der Zukunft, nicht der Vergangenheit; es ist an der Zeit, dass Herz, Hirn und Seele das ein für allemal begreifen. Echt mal!

Keep on rockin´

Ree 

Vom Scheitern an sich selbst! (167/366)

Überfrachtet. Zu voll gepackt, zu viele Optionen, Pläne, Ideen, Ablenkungsmanöver, so dass schlussendlich gar nichts mehr klappt. Eingeengt in der eigenen Gedankenwelt, deren Einschränkungen sich dann auch ins physische Dasein überträgt und einen förmlich auf der Couch festnagelt.

Jeden Tag zum Sport (heute war ich nicht), Videoprojekt erledigen (noch immer steht das Set und wartet), Berufsentscheidung treffen (irgendetwas hemmt mich), wieder ins Leben finden (Flashbacks halten immer kurz zuvor ein Stoppschild hoch), nebenberufliche Webseite aufbauen (aber ich bin doch so müde) und täglich etwas schreiben (aber was?) … so sieht es grob umrissen gerade aus. Und da sind Hausverkauf, Wohnmobil, Urlaubsplanung etc. noch nicht mal berücksichtigt.

Wie dort einen Dreh drankriegen? Ich weiß es nicht, Erwartungen herunter schrauben? Macht auch nur unzufrieden, hab’s versucht. Realistisch sein? Ok, bzgl. Sport ist das ein fair catch, ich bin inzwischen regelmäßig aktiv und schiebe heute einen Regenerationstag ein. Ärgert mich trotzdem, etwas joggen sollte immer gehen. Aber beim Rest bin ich ratlos. Immerhin stecken da tatsächlich lebensverändernde Entscheidungen hinter, geht es nicht nur um die Wahl des morgendlichen T-Shirts.

Nehmen wir den Jobwechsel inklusive Auszeit. Das war immer mein Traum, ABER: Nicht alleine. Ich wollte die Welt gemeinsam erkunden, bin erfahrungsgemäß nicht der einsame Wolf, der zufrieden durch die Lande streift. Ich habe so einige Bekannte, die mir aber genau das raten, anfangs auch voller Sorge waren und es rückblickend als großartige Entscheidung bezeichnen. Aber ich bin doch ich, brauche immer Action und habe gern vertraute Menschen um mich herum. Vielleicht muss ich dennoch nachgeben, gerade deshalb.

So oder so ähnlich läuft es mit all den Themen. Etwas hält mich zurück, obwohl ich fast sicher bin, dass alles gut wird. Ich sollte in einen Mutmacherkurs. Oder brauche ich doch erstmal einen Mentaltrainer, so wie mein bester Freund heute meinte? Eieiei, ich platze. Aber, immerhin, das zeigt mir auch: Ich lebe.

Keep on rockin‘

Ree

Ein (un)mobiles Heim! (161/366)

Mobilheim. Was ein obskurer Begriff für ein Haus, dass alles andere ist, nur nicht mobil. Für mich passt das eher auf Wohnmobile, bedingt auch noch auf Wohnwagen (weil sie eine Zugmaschine benötigen), aber diese statischen Häuschen, die innen zwar wie Wohnmobile eingerichtet, aber keineswegs ad hoc mobil sind, zähle ich eigentlich nicht dazu. Klar, mit einem gewissen Aufwand kann man ein Trägerkonstruktion mit Reifen unterschieben, indem man das Häuschen anhebt, aber selbst dann macht die schiere Länge der Konstruktion einen Transport ohne LKW nahezu unmöglich.

Nichtsdestotrotz sitze ich gerade in einer ebensolchen Konstruktion, lausche dem Regen, der in Stakkato gegen die Metallkonstruktion schlägt und erfreue mich an interessanten Farben am Himmel. Mein bester Kumpel und ich lösen morgen seinen Geburtstagsgutschein ein, es geht nach De Efteling, dem Freizeitpark in den Niederlanden, und damit der Freudentag nicht in Stress ausartet, haben wir uns für eine Vortagsanreise und Übernachtung in einem ebensolchen Bungalowpark mit Mobilheimen entschieden.

 
Die Anreise war easy, der Schlüssel leicht zu bekommen und das Amüsement groß, als wir die Hütte betreten hatten. Romantischer Schick, einfach gestaltet, im 4-Personen-Haus gerade genug Platz für uns zwei dicken Kinder. Aber alles da, was man braucht, ein sehr kleines Bad, zwei Schlafzimmer und ein ansprechend großer Wohnküchenbereich inklusive Esstisch und TV. Was will man mehr? Ok, eine Klima hätte es bei dem schwülen Wetter gerne sein dürfen, doch der abendliche Wolkenbruch bringt zumindest ein wenig Wind mit sich, also erledigt die Natur auch das. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, ging es direkt nach Walwijk, dem sehr hübschen Städtchen nebenan, mit einer der beeindruckendsten Kirchen, die ich je bewundern durfte. Eine unbeschreiblich schöne Konstruktion, die an den maurischen Stil erinnert und auch innen Erstaunen auslöst. Leider war der Zutritt nicht möglich, man konnte lediglich aus dem Vorraum durch eine Glaswand hineinschauen.

  Daher entschlossen wir uns zu einem kleinen Stadtbummel und wunderten uns mal wieder, wie hübsch und stilvoll niederländische Kleinstädte sind. Die Einkaufsstraße lud zum Schlendern ein und viele kleine Lokale lockten uns förmlich hinein. An einem blieben wir hängen, leider vergaß ich den Namen, aber spannend war die Bierkarte: Geschätzt 30 Seiten mit unterschiedlichsten Sorten zwischen 2,5 und 12% Alkoholgehalt, teilweise mit Bananen- oder Pfirsichgeschmack. Eigentlich schade, dass ich das Gebräu nicht mag. Mein Kumpel testete sich auch nicht durch, aber die Brodjes-Mexicana-Speise konnten wir uns nicht entgehen lassen. Echt megalecker. Danach wurde standardmäßig Albert Heijn geplündert (da lohnte sich mal wieder meine Bonus-Card :-)) und ab ging es, zum chillen in das unmobile Heim. Ein leckeres Mal und etwas Plauderei später, verfasse ich nun diese Zeilen und werde mich danach wieder an Conny´s Buch machen. Erkundung des digitalen Nomadentums.

Die Entscheidung rückt näher und sehr gut taten heute die warmen Worte einer Freundin, die vor einiger Zeit den Schritt in ein neues Leben gewagt und bis heute nicht bereut hat. Hoffentlich schaffen wir es mal auf einen Kaffee, da gibt es sicher ein paar spannende Impulse, die meine Überlegungen anreichern. Man muss auch mal was wagen und da mein bester Kumpel der tollste Typ überhaupt ist, muss ich mir zumindest um den Fortbestand dieser Freundschaft wohl keine Sorgen machen, egal wie ich mich entscheide und wohin es mich verschlagen könnte. Das zumindest ist ein wirklich schöner Gedanke. Daher möchte ich mit dem schließen und mich nun wieder meinen Überlegungen hingeben. Drückt mir die Daumen. P.S.: Gerade gesehen, ein Wahnsinnsregenbogen da draußen – in voller Pracht, aber leider macht das iPad nur weniger schöne Bilder. Ich reiche noch eins von der Kamera nach. Einfach nur wow (auch wenn ich schon etwas Schiss hatte, als ich auf der Wiese stand und die Blitze sehr nah wirkten …).    Keep on rockin´

Ree

Sport hilft grad nicht! (160/366)

Freipusten. Schlechte Laune durch massiven körperlichen Einsatz überkompensieren. Sich total auspowern, um dieses fürchterlich effiziente Gedächtniswerkzeug auszuschalten, damit man nicht als letzte Lösung zur Säge greifen muss, um es aus dem Hohlraum zu entfernen. Das soll helfen, eigentlich immer, wenn Frustration, Verzweiflung und Zerrissenheit mal wieder die Überhand zu gewinnen drohen. Soll dieses hämmernde Gefühl in Herz und Seele zumindest für diesen Tag lindern.
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Doch es hilft nicht mehr, aktuell zumindest. Ich kippe fast um vor Anstrengung, fordere alle Energie des Körpers und dennoch, auf dem Crosstrainer, zwischen den Kraftübungen, während der Meditation, sind sie immer wieder da, verfolgen mich, lassen nicht locker. Nach der Einheit folgt der völlige Fallback, nicht bleibt von einem Endorphinausstoß oder Glückshormonen. Der Schmerz der offenen Entscheidung bleibt, ich muss also bald etwas tun. Ich weiß wohin ich tendiere, aber fürchte mich davor.

Es gibt kein Schwarz und Weiß, beide Wege haben positive und negative Aspekte. Wenn ich bleibe, bewege ich mich in einem routinierten Arbeitsumfeld mit tollen Kollegen, guter Entlohnung und emotionaler Bindung. Ich bleibe in der Nähe meines besten Freundes und der Stadt, die ich liebgewonnen habe. Doch ist sie es auch, die mir in den vergangenen zehn Jahren mehrfach schmerzhafte Momente beschert hat, die bis heute nachwirken. Besitzt Orte, die ich nicht mehr besuchen kann, ohne den Tränen nah zu sein. Und hat den jäh zerplatzten Traum im direkten Umfeld, der mich tagtäglich zusammensinken lässt.

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Gehe ich, wird es finanziell kompensiert und sogar mit einer Beratungsfirma garniert, die je nach Bedarf die Jobsuche koordiniert – mit einer Vermittlungsgarantie binnen 12 Monaten. Allerdings mache ich mir ob meiner Vita darüber noch die geringsten Sorgen. Nur wo soll ich hin? Wo kann ich Dortmunder und Bonner Freunde unter einen Hut bringen und trotzdem neue Erfahrungen sammeln? Werde ich meinen Arbeitgeber vermissen, den ich wirklich schätze (aber wo ich nicht bis zur Rente bleiben will)?

Es heißt immer, am Ende eines Lebens bereut man eher die Dinge, die man nicht gemacht, Gelegenheiten, die man ausgelassen hat. Unter dem Aspekt müsste ich gehen. Nur ist man (zum Glück) nicht an jeder Kreuzung am Ende des Lebens angekommen. Das wird wieder eine schlaflose Nacht, denke ich. Wie ich das hasse. Und gleichzeitig liebe. Denn wie gut muss es mir gehen, dass ich überhaupt so eine Entscheidung treffen darf? Nur wäre es schön, wenn der Sport wieder helfen würde. Wirklich.

Keep on rockin‘
Ree