Die Rache des Erpel!

Naturgewalt. Treibe keine Späße mit einer Entenfamilie, es könnte sich bald rächen. Auf einem meiner vielen Spaziergänge musste eine Gracht überquert werden und mangels Aussicht auf eine Brücke fragte ich die eben vorbeischwimmende, vielköpfige Entenfamilie mit frischem Nachwuchs, ob sie nicht ein Spalier bilden könnte, damit der Wechsel auf die andere Uferseite trockenen Fußes vollzogen werden könne. Eine Antwort blieb aus, selbstverständlich aber auch eine entsprechende Reaktion oder gar Hilfestellung. So ward dann doch die Suche nach einer Brücke gefragt und die Begegnung mit der flauschigen Familie rasch vergessen.

Bis der Blick aus dem Hotelfenster in den Niederlanden, sechster Stock, ein höchst ungewöhnliches und etwas erschreckendes Bild offenbarte. Stand da doch, mitten auf meinem Autodach, Vater Erpel und hinterließ stolz erhobenen Hauptes einen brachial fetten Haufen. Er hat mir sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes auf das Dach geschissen. Und machte keinerlei Anstalten, nach der Notdurft zu verschwinden, nein. Auf dem Dach umhertrippelnd beobachtete er die Landschaft und kommandierte von oben vermutlich seine Familie herum. Ganz diktatorlike, mich hätte es nicht gewundert, unten eine ergebene und jubelnde Entenschar zu erblicken.

Flugs machte ich mich sodann auf den Weg die Treppen hinunter, um diesem zwar amüsanten, aber für das Auto vermutlich höchst ungesunden Treiben ein Ende zu bereiten. Zunächst befürchtete ich Widerstand seitens der schwimmenden Vogelwelt, doch mein (zugegeben nur gespielter) selbstbewusster Auftritt bewegte den Erpel wohl dazu, das Auto mit stolzem Flügelschlag wieder freizugeben und den Haufen als Warnung zurückzulassen. Quasi der Pferdekopf aus „Der Pate“ – treib keine Spielchen mit mir, nicht mal im Scherz. Wir holländischen Enten lassen uns von euch Piefkes nichts gefallen. Nun gut, rasch umgepackt, den Haufen entfernt und über den Tag wird wohl eine Waschstraße gesucht. Na, und heute Abend? Da gibt es vermutlich gebratene Ente 🙂

Keep on rockin´

Ree

Diese regionale Zerrissenheit!

Globalisierung. Diese von jeder Menge Wirtschaftshörigen gefeierte Umschreibung des weltweiten Handelns, Arbeitens und Austauschens verkommt trotz vieler herausragend guten Eigenschaften mehr und mehr zur Geißel der menschlichen Zivilisation. Ja, es ist unbestritten und auch extrem gut, dass das Zusammenwachsen der Welt, insbesondere durch kostengünstigere Reiseoptionen und Echtzeitaustausch über das Internet, zugenommen hat und so vor allem Missstände auch in hinteren Winkeln der Erde aufgedeckt werden können. Menschen beginnen, eine Sprache zu sprechen, neue Geschäftsmodelle sind entstanden und mentale Barrieren zwischen Ethnien, Kulturen und Religionen lösen sich sukzessive auf.

Was die Globalisierungen aber auch gebracht hat, und ich bin wesentlicher Teil des Ganzen, ist eine Zunahme von wenig klimafreundlichen Reisen, fortwährender beruflicher Pendelei und einem Wettkampf untereinander, den oft nicht die Bestern, sondern die Lautesten oder Polemischsten für sich zu entscheiden wissen, da sie es besser verstehen Massen zu mobilisieren. Doch ich möchte klein anfangen, dabei, was die Globalisierung mit mir anstellt und wie ich mich dabei fühle. Ich komme aus Dortmund, einer der größeren Städte im Lande, und war die 27 Jahre, die ich dort verbracht habe, nicht unglücklich. Klar hatten die Metropolen, Köln, Hamburg, Amsterdam, stets einen gewissen Reiz, aber ernsthaft mit einem Wegzug hatte ich mich nie beschäftigt. Waren doch all meine Freunde, mein Sportumfeld und insbesondere meine Eltern stets greifbar.

Leider nahm mein damaliger Arbeitgeber darauf keine Rücksicht, als er die Verlagerung in die Bonner Zentrale beschloss und mir als Alternative zu meinem Job als Projektleiter eine Stelle im Call Center anbot, aus dem ich mich allerdings gerade erst entfernt hatte. So tat ich meinen ersten einer Zentralisierung, oder eben auch Globalisierung, geschuldeten Schritt, verließ meine Heimatstadt und zog in die ehemalige Bundeshauptstadt weiter. Auch wenn es Jahre gedauert hat und mir schon damals die Pendelei zu alten Freunden und den Eltern missfiel, war es irgendwie machbar und inzwischen bin ich ein richtiger Fan dieser kleinen, schönen Stadt. Dies hat aber nicht verhindert, dass ich auf meiner Suche nach der vermeintlichen Karriere mal nach Berlin, mal nach München oder aktuell nach Wiesbaden weitergezogen bin.

Für mich ist zu sagen: Großer Fehler. Egal, wo ich mich beruflich aufhalte, ich vermisse meinen engeren Kreis. Partnerin und beste Freunde in Bonn, Familie und weitere Freunde in Dortmund, ist es nicht das, was im Leben zählt? Wenn ich dann beständig im Stau stehe, kommt mir oft der Gedankee, dass ich gerade als sehr guter Projektmanager und Abteilungsleiter aus dem Rhein-Sieg-Kreis nach Hessen pendele, während mir vermutlich ein ebenso kompetenter Projektmanager und Abteilungsleiter entgegenkommt, der aus Hessen z. B. nach Bonn fährt. Beide beklagen wir die Zeit, die uns unterwegs verloren geht und beziehen ein ähnliches Gehalt. Wäre es nicht ein leichtes, die Jobs zu tauschen und so allen zu helfen? Firmen hätte entspannteres Personal, private Situationen wären relaxter, die Klimasituation verbessert sich und es bliebe mehr Zeit für die Hobbys.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Mir fällt noch keine Lösung ein, aber wenn einer von euch einen erstklassigen Projektleiter mit Führungserfahrung im Bonner Umfeld sucht: Gebt mir Bescheid.

In diesem Sinne, keep on rockin‘

Ree

Ich weiß nicht(s)!

Milliarden. Menschen auf dem Planeten, Individuen, verständlicherweise in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, da Glück und Leid am eigenen Leib stets spürbarer, emotionaler sind, dennoch verbunden mit manch anderen, mal stärker, mal schwächer. Wie entstehen solche Verbindungen, warum treten sie auf, weshalb so oft in vermeintlich ungünstigen, zumindest doch unerwarteten Momenten? Warum können sie dann nicht zu unbeschwerter Glückseligkeit führen, sondern müssen beständig im selben Atemzug der wohligen Wärme einen Schlag Verzweiflung und Schmerz mitbringen?

Ich weiß nicht(s), sehe nicht(s), kann vorne nicht mehr von hinten unterscheiden, fang spontan an zu lachen, Pläne zu machen, nur um im nächsten Moment zu leiden, spring umher, lieg herum, suche Halt und stell mich dumm. Wohin das führt, na klar, zum Wahnsinn und zum Missverständnis und zur Runde sorgenvoller Mienen dieser Freunde, die nicht sehen können, was in diesem Kopf da vor sich geht, was sich bewegt, warum man niemals still steht und täglich neu an der Lebensuhr dreht.

Mal etwas hier, mal etwas dort, die große Reise oder der kleine Trip, der Weg nach Hause oder doch zurück. Keine Ahnung wo es hinführen soll, bedingungslos betrunken von der eigenen Unsicherheit, verloren in den Plänen, Emotionen, dem eigenen Leben, der Individualität, die eben doch nicht individuell ist, sondern weitreichend  beeinflusst wird, von Bösem und Schönem, Altem und Neuem, Familie und Freunden. Gerne wäre ich der einsame Wolf, der ich in den Träumen zu sein vermag, der es genießt, in diese Welt zu reisen und darüber zu berichten. Doch der bin ich nicht, nach dem Erwachen kommt die Erkenntnis, alleine funktioniere ich nur höchst eingeschränkt.

Aber das andere Ende der Skala, fort vom einsamen Wolf, ist dermaßen krachend gescheitert, dass ich es mir nicht mehr vorstellen kann, dieses alte Modell aus Haus, Hund und Familie. Wer Vertrauen schenkt, grenzenlos sein Herz öffnet und sich selbst vollständig zurückstellt, wird mental gebrochen, wenn ein glühend heißer Dolch im unerwartetsten und verletzlichsten Moment hineinstößt. Da gibt es keine Heilung, auch die Zeit vermag dies nicht vollends zu verbringen, denn es wohnt der Schmerz in der Erinnerung, der Flashbacks gleich durch winzigste Eindrücke ausgelöst wird und so zu den ewig identischen unbeantwortbaren Fragen führt: Wo soll das alles enden, wie soll es weitergehen, was bringt die Zukunft? Bringt sie überhaupt mal wieder langanhaltende Unbeschwertheit oder bleibt der Glücksmoment der kurze Zeitraum zwischen zwei Katastrophen? Und will ich dann nicht lieber ein total emotionsloses Leben ohne Highlights leben, um eben auch den Lowlights zu entgehen? Ich weiß nicht(s)!

Gibt es ein Mittelding, ich weiß nicht(s)!?! Sollte ich die Basis im Rheinland aufschlagen, obwohl mich hier so viele Orte, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen förmlich abstoßen? Weil es eben auch liebe Menschen, beste Freunde hier gibt? Wiegt das eine das andere auf? Oder wird der Wahnsinn komplett Besitz von mir ergreifen, wenn ich die Gegend jahrzehntelangen Schmerzes nicht verlasse? Doch wohin dann? Zurück in die Heimat, wo es nur noch wenige Freunde gibt, dafür aber die Eltern und die unerklärliche Vertrautheit und Liebe zum Ort des Aufwachsens? Wo jede Ecke bekannt ist und sich die emotionalen Brüche in erträglichen Grenzen gehalten haben, so dass es kaum negative Gefühle gibt? Wo aber auch beruflich wenige Aussichten bestehen?

Es wird ein längerfristiges Abwarten, zumindest noch einige Monate, bis sich die ersten Anzeichen der zukünftigen beruflichen Entwicklung verfestigen. Aber sollte man es davon dann abhängig machen, wohnen wo man arbeitet, nur damit man die Entscheidung nicht selbst treffen muss, aber eben auch mit dem Risiko, allein irgendwo festgetackert zu sein, wo man eigentlich nicht seinen Lebensmittelpunkt haben möchte? Ich weiß nicht(s), nur dass es noch einige schlaflose Nächte bedarf, um auch nur ansatzweise eine Richtung vordefiniert zu bekommen. Anstrengend.

Keep on rockin´
Ree

Und plötzlich einfach fort!

Lebensende. Auch wenn es uns alle ereilt, früher oder später, und wir uns theoretisch jederzeit darauf vorbereiten könnten, scheint es doch selbst bei geliebten Menschen in gehobenem Alter irgendwie überraschend, dass derjenige nicht unsterblich gewesen ist. Erinnert man sich doch noch an die eigenen, nicht allzu lange zurückliegenden Worte über die Zähigkeit, den unerschütterlichen Atem, die Vermutung, dass die Hundert locker zu überschreiten sind. Gerade wenn es sich um ein so zartes Persönchen wie meine Oma handelte, die trotz ihrer nachteiligen Physis erstaunlich vielen Rückschlägen getrotzt hatte, war man geneigt zu denken, dass sie nichts in die Knie zwingen könnte.

Welch fataler Irrtum, wie mir heute früh die Kurznachricht meiner Mama, mit dem unverblümten Inhalt „Oma ist gestorben“, in all ihrer Gnadenlosigkeit mitteilte. Nicht sanft eingeschlafen, leider, sondern durch eine fatale Fehlentscheidung der Ärzte aus dem Leben gerissen worden, die sie gestern trotz heute posthum diagnostizierter Lungenentzündung und gegen den Widerstand der Familie nach Hause geschickt haben. Ich bin unfassbar sauer darüber, da es somit vermeintlich vermeidbar war, doch wird das nun Teil von Ermittlungen, die der heutige Arzt eingeleitet hat und soll(te) eigentlich nicht Bestandteil dieses Blogeintrags werden. Ok, der Frust hat gesiegt.

Doch es geht darum, einem Menschen zu gedenken, dessen Selbstlosigkeit mehr als bemerkenswert war, ein paar Worte zu verlieren, auch um meine Erinnerung zu konservieren. Vielleicht der für mich persönlichste Beitrag, möglicherweise für keinen anderen Leser irgendwie von Bedeutung. Doch bin ich zu einem großen Teil bei meiner Oma aufgewachsen, habe viele Stunden und Tage an Wochenende und in den Ferien mit ihr verbracht, habe mir unzählige Benjamin-Blümchen-Kassetten kaufen lassen und gelacht, so unfassbar viel gelacht.

Es war mir eigentlich immer unbegreiflich, wie sie es stets fertiggebracht hat, mit dem wenigen Geld, den vielen (Enkel-)Kindern so viele Herzenswünsche zu erfüllen und Augen zum Glänzen zu bringen. Wie sie fried- und freudvolle Weihnachtsfeste veranstalten und sich wie ein Kesselflicker streiten konnte – vorzugsweise mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Mann, meinem Opa. Geldnot, ein vorherrschendes Thema in Kindertagen, wurde von ihr mit dem letzten Pfennig gelöst, so dass man sich nur wundern konnte, wie sie sich überhaupt die letzten Lebensmittel hat leisten können; doch dann kommt wieder die Erinnerung, an die vielen im Stillen verrichteten Arbeiten bis ins hohe Alter, beispielsweise vom frühmorgendlichen Putzen eines großen Supermarkts.

Sie wurde in eine Zeit geboren, die wir uns alle heute nicht mehr vorstellen können (manchen rechtsgedrehten Hohlbratzen täte ein Flashback allerdings mal recht gut) und die bedrohlicher und beschwerlicher gewesen sein dürfte, als alles, was um uns herum aktuell passiert. 1930 entbunden, während des Krieges per Landverschickung in vermeintliche Sicherheit gebracht, durfte sie nach 1945 in eine völlig zerstörte Heimatstadt zurückkehren. Die Nazis hatten Deutschland zugrunde gerichtet und sie zeitlebens zu einer Verfechterin von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gemacht. Etwas Gutes im Schlechten. Vielleicht kam daher auch ihre Geradlinigkeit, die durchaus schon mal in wenig charmanten Konfrontationen enden konnte.

Mit 21 dann ist sie erstmalig Mutter geworden, normal in der damaligen Zeit, und ab diesem Moment zählte nur noch die Familie, für die sich aufgeopfert und als Gastwirtin (im legendären Bickefelder Tor) bis spät in die Nacht malocht wurde. Vier Jungs hat sie groß und stattlich erzogen, auch wenn es Rückschläge gab, doch alle schenkten sie ihr Enkel, reichlich in Summe, so dass es auch später nicht langweilig (aber auch finanziell nicht besser) wurde. Urlaube waren nicht drin, aber Dortmund war stets Wohlfühlort und Heimat zugleich. Die Wohnung mit kleinem Garten entpuppte sich insbesondere in den 80er und 90er Jahren zu einem Treffpunkt voller Kinderlachen und Erwachsenengespräche.

In den vergangenen Jahren wurde das dann seltener, die Kinder wurden groß, verteilten sich und der Umzug in eine neue Wohnung sorgte aus unerfindlichen Gründen dafür, dass die Besuche nachließen und das Heimatgefühl verschwand. Oma hatte immer Verständnis, dafür, dass alle ihrer Wege gingen, ihr eigenes Leben gestalteten und nur selten von sich hören ließen, doch bin ich sicher, im Stillen hat sie es schon bedauert. Mit den Jahren (und schwindendem Gehör) zog sie sich auch aus Gesprächen mehr und mehr zurück und obwohl sie immer noch Freude auszustrahlen wusste, nahm sie einen passiveren Part ein, den man so von ihr nicht kannte.

Hatte man kurz vorher noch nach 90 Minuten am Telefon krampfhaft nach einem Ausweg zum Auflegen gesucht, war es nun schwierig, sie zu mehr als zwei Minuten am Hörer zu bewegen. Das war schade, aber auch selbst verursacht. Warum sind wir so unregelmäßig erschienen, warum habe allein ich sie nur maximal fünfmal in den letzen drei Jahren gesehen? Das bleibt für mich ein Schandfleck, der nicht zu bereinigen ist. Ich hatte stets das Gefühl, durch meine Mama an ihrem Leben teilzuhaben, weil sie mehrfach wöchentlich dort war und alles berichtete – aber das ersetzt keine persönliche Begegnung, das weiß ich jetzt und wusste es immer. Nur habe ich es nicht in Energie umgesetzt und schäme mich dafür; vor mir selbst, niemandem sonst.

Doch bleiben werden die Erinnerungen an den wichtigsten Menschen neben meinen Eltern. An Übernachtungsparties in einem Zelt aus Bettdecken. Spaziergänge durch Hördes Straßen. Diskussionen über die Marotten der Nachbarn. Und so unfassbar vieles mehr. Fehlen wird sie mir, sehr, auch wenn es zu meinem Bedauern zuletzt vordergründig eher das Wissen war, dass in der fernen Heimat diese stets vertraute Person lebt und auf ein erfülltes Leben zurück blickt. Aus jedem Urlaub habe ich ihr eine Karte geschickt, nur ihr und meinen Eltern. Es wird seltsam sein, demnächst nur noch eine zu verschicken.

Was bleibt, ist Gewissheit. Darüber, dass mein Verhältnis zu meinen Eltern, so bizarr es manch einem wegen seiner Enge erscheinen mag, genau richtig für mich ist. Die innere Sicherheit, dass ich niemals eine Partnerschaft haben möchte, die in Konkurrenz zu dieser Verbindung steht; nein, wenn ich mich nochmal binden sollte, möchte ich, dass das in einem tiefen Verständnis darüber wurzelt, dass mir meine engste Familie über alles geht – man kann Teil davon werden und ich war fest davon überzeugt, dass dies in den vergangenen Jahren beidseitig erfolgt war, möglicherweise zu unrecht. Doch bin ich frohen Mutes, dass, sollte es sich für mich irgendwann mal wieder dahin entwickeln, jemand, der sich für mich entscheidet, auch meine Eltern ins Herz schließen würde. Denn ohne sie wäre ich nicht(s), ich verdanke ihnen alles und werde das in der uns gegebenen Zeit bewahren. „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.“ – Augustinus Aurelius. Ich möchte hinzufügen: „Bis ins hohe Alter!“. Oma, rock den Himmel und geh dem Opa mal wieder richtig auf den Keks. Wir sehen uns … irgendwann!

Keep on rockin´
Ree

Oma_Ree

Nachdenken verlängert die Frequenz! (162/366)

Verzögerung. Ich entferne mich aktuell von meinem Vorhaben der täglichen Blogeinträge, weil ich noch immer mit den Gedanken über die arg schwerwiegende Entscheidung beschäftigt bin. Im Großen und Ganzen ist sie bereits gefallen, aber das macht die Sache mitnichten einfacher. Nun laufen die Planungen für die Zeit Danach, taucht oftmals der altbekannte Wankelmut auf, wenn nicht alles so einfach ist und wird ständig etwas erdacht, über den Haufen geworfen und neu überlegt.

Zunächst ist da die Frage nach der Homebase. Ich will irgendwas Kleines kaufen, etwas, das kein finanzielles Risiko ist, aber eine Art Zuhause bietet, wenn ich mal eines suche. Den Rückzugsort nach Reisen, Abenteuern, Zwischenstopps vom neuen Job und wasweißichauchsonstwas. Aber wo? Dortmund? Eigentlich naheliegend weil Heimat. Und preislich noch nicht so versaut. Aber da leben meine Eltern und bisher waren da noch immer zwei Räume mit Platz für mich. Also vielleicht doch Bonn, die zweite Heimat, liebgewonnene Stadt? Nur sind hier die Preise am Arsch, also werde ich den Markt mal sondieren. Ich glaube, Bonn wäre mir auf jeden Fall lieber, denn die besten Kumpel sind ja überwiegend hier gebunden.

 Dann die Frage nach dem Geld. In der Auszeit möchte ich über Schreiben, Hörbücher und Texte sprechen und kleinere Freelancer-Tätigkeiten eigentlich gern etwas dazuverdienen – nur darf ich in 2017 keine Tätigkeit in Deutschland ausüben. Also Regularien suchen: Was, wenn ich im Ausland gemeldet und als Freelancer für deutsche Unternehmen tätig bin? Wo bin ich steuerpflichtig, was schützt mich da vor unliebsamen fiskalen Überraschungen? Hat jemand von euch Erfahrung oder einen guten Berater als Kontakt? Immer her damit.

Dann die Reisen. Wohin soll es gehen? Spanien auf jeden Fall, die Sprache lernen. Südostasien wäre cool. Und in 2017 steht ja sowieso die USA mit dem besten Kumpel auf dem Plan – womöglich drei Wochen mit ihm und ich bleibe etwas länger dort. Mal sehen. Darüber hinaus schweben mir einige Praktika vor, eventuell beim FC Bayern (habe da einen Kontakt im Finanzbereich), gerne auch bei einer coolen Hannoveraner Firma, wo ich den Geschäftsführer kenne. Darüber hinaus gibt es das ein oder andere Angebot internationaler Organsiationen, die auch für ein paar Monate immer mal Leute suchen. Naja, und falls mir ein netter Job in Zürich über den Weg läuft (immer eine Option), dann würde ich da auch schon Mitte 2017 anfangen – im Ausland darf ich ja Geld verdienen.

Aber erstmal kommen die eigenen Projekte, der Relaunch dieser Seite mit besserem Design, erweitertem Content und dem Videoprojekt stehen auf dem Plan. Die Altlasten müssen beseitigt werden. Und der innewohnende Kummer bewältigt. Für Letzteres hat mir mein süßes Patenkind ein echt hilfreiches Buch empfohlen, was ich gestern direkt besorgt habe. Ich bin bei Kapitel 4 und überrascht, wie hilfreich es ist. Darüber werde ich hier nach Vollendung der Lektüre nochmal ausführlicher schreiben. Ein neues Motto habe ich auch gefunden, welches mich nun im Auto begleitet. Nun wird aber erstmal etwas abgeschaltet und Jogis Jungs beim Kicken zugesehen. Schade, dass die Iren in der zweiten Halbzeit eingebrochen sind. Alsdann, euch allen einen schönen Abend.

Keep on rockin´

Ree

Zum Glück in die Routine! (126/366)

Rettungsanker. Helfen manchmal, um zumindest mit den Augen wieder über den Rand eines Tals hinweg schauen zu können. Ganz simpel können das Freunde oder Familien und ihre pure Präsenz sein, doch auch hier besteht schon mal die Gefahr, dass es sich zwischenzeitlich abnutzt. Doch der Job bietet sich oftmals glücklicherweise an, eine weitere Unterstützung zu sein. Die Routine im alltäglichen Arbeitsleben schafft Sicherheit und sorgt (in Regeltätigkeiten zumindest) für eine gewisse Zeit ohne großes Nachdenken dafür, dass man funktioniert und einem irgendwie gearteten Sinn nachgeht.

Für mich war das zum Wochenbeginn wichtig, endete doch die Zeit des verlängerten Wochenendes wie beschrieben eher katastrophal. Warum auch immer versenkt worden, war es nun notwendig, aus diesem Loch wieder heraus zu kraxeln. Dabei hat mir der Job sehr geholfen. Die vielen vertrauten Gesichter, Aufgaben, die sich zu lösen lohnen, Gespräche, die aufzeigen dass man für seine Kolleg(inn)en wichtig ist, all das führte zu einer Rückkehr der normalen Gefühlswelten.

Auch am Abend, in den Unterhaltungen mit meinen beiden Pseudo-Patenkindern, ging es mir wieder gut, so dass es wieder mit einem besseren Gefühl nach Hause und frühzeitig ins Bett gehen konnte. So tief sich das Tal am Sonntag auch angefühlt hat, war es doch hoffentlich nur eine kurze Phase, die nicht mehr allzu häufig auftritt und deren Ausweg gleich um die nächste Ecke liegt. Darauf lässt sich aufbauen.

Keep on rockin´
Ree

Der Weg ist vernebelt! (114/366)

Gewaber. Ein irrer Teppich undurchsichtigen Nebels hält sich hartnäckig in meinem Kopf, wann immer ich auch versuche, über die Zukunft nachzudenken. Entscheidungen, große und kleine, stehen scheinbar vor der Tür und ich habe überhaupt keine Idee, was ich tun soll. Interessant ist, dass Außenstehende, insbesondere einige die wirklich nichts privates über mich wissen, einzuschätzen meinen, was mir gut tun würde. Doch bin ich sicher, sie geben diese Einschätzung aus ihren eigenen Lebenserfahrungen heraus ab, nicht böse gemeint, aber durchaus unberücksichtigt lassend, dass ein jeder Lebensweg grundverschiedene Züge trägt. Egal.

Nun gibt es also erneut die Empfehlung „geh doch mal zwei Jahre ins Ausland“. Das ist per se eine interessante Option, doch mir aktuell zu pauschal. Ich will nämlich nicht überall hin, wenn schon beruflich wechseln, dann in eine Gegend, die mich auch persönlich interessiert (und viele Länder, in denen mein Arbeitgeber tätig ist, zählen eben nicht zu meinen Favoriten). Und dann gibt es ja auch noch das Umfeld. Freunde, Familie, die frommen Wünsche ob einer Verbesserung der Lebensumstände und auch die Möglichkeit, in Deutschland berufliche Fortschritte zu erzielen.

Für viele wahrhafte Luxusprobleme, rauben sie mir schon wieder den Schlaf (erstaunlich, dass ich überhaupt noch gewichtige Entscheidungen treffen kann) und lassen mich ein klein wenig durchdrehen (zum Glück nur innerlich, Dank an mein gemeinhin fröhliches Gemüt). Aber auch das geht vorbei, ganz sicher, und dann ist alles wieder rosarot. Was auch sonst. Oh, wie ich diese Wendepunkte hasse.

Keep on rockin´
Ree