Yosemite, Death Valley und Grand Canyon: Drei Top-Nationalparks der USA auf einem Trip!

USA. Man mag über dieses Land denken, was man will, aber was seine Nationalpark-Affinität angeht, ist es beispiellos positiv. Nicht nur, dass es so viele als Nationalpark gekennzeichnete Bereiche gibt (über 50), nein, es gibt auch eine Vielzahl an Motivationsansätzen um die Menschen auch tatsächlich in die Parks zu locken. So existieren umfangreiche Parkplaner, die einen Besuch mit Informationen anreichern und über die Wanderwege, Tiere, Pflanzen und sonstigen Besonderheiten Auskunft geben. Diese Planer erhält man in Kurzfassung beim Entrichten des überall obligatorischen Eintrittsgeldes oder kann sie in ausführlicher Form in den Visitor Information Centern allerorts bekommen. Wem das noch nicht ausreicht, der hat auch noch die Möglichkeiten, aus diversen Sammelpässen zu wählen*, in welche man limitierte Parkbriefmarken einkleben und beim Besuch mit einem tagesaktuellen Stempel des momentanen Parks versehen kann. Echt großartig gemacht.


Die Parks selbst suchen vermutlich ihresgleichen. Im aktuellen 3-Wochen-Trip war mir nur die Kurzbesichtigung von dreien möglich, aber ich möchte auf jeden Fall für Wandertouren und die intensivere Erfahrung nochmal wiederkommen. Hier eine ausführliche Beschreibung der Besuche vorzunehmen, wäre absolut nicht angemessen, da man sie tatsächlich mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Doch ist ein Kurzumriss sicherlich möglich.


Angefangen hatte es mit dem Grand Canyon National Park und zurückgelassen hat dieser mich sprachlos. Ja, auf Postkarten, Facebook-Fotos und in Dokumentationen habe ich schon einen Haufen Eindrücke dieser Natursensation gesehen, aber es ist absolut nicht mit dem Live-Erlebnis zu vergleichen. Es ist auch schwer zu beschreiben. Diese schiere Größe, dieser Gigantismus mit dem im Tal dahin fließenden Colorado-River, mit der Tierwelt, die einem begegnet und den Ausblicken, die sich einem bieten: Das ist der Wahnsinn. Ich kann nur jedem, wirklich jedem, empfehlen, diesen Trip zu unternehmen. Es ist aus der Ferne nicht zu begreifen und zudem hervorragend erschlossen. Man kann wandern, raften oder auch mit dem großartigen Shuttle-Netz die diversen Bereiche des Parks besichtigen. Zudem, wie bei allen Parks, berechtigt der Eintrittspreis zu einem 7-tägigen-Besuch, was durchaus zu empfehlen ist. Ich möchte beim nächsten Mal das Tal vom Süden zum Norden durchwandern, um Anrecht auf die entsprechenden Memorabilien zu erhalten.


Der zweite besuchte Park war der Death Valley National Park und das war mal vollkommen anders. Zunächst mal war es unfassbar warm, logischerweise, aber auch die Ausblicke sind höchst spannend. Salzablagerungen allerorten, Warnschilder vor Klapperschlangen, Skorpionen und sonstigem Gewürm tauchen immer wieder an den Aussichtspunkten auf. Der tiefste Punkt Nordamerikas, das Badwater Basin mit über 80 Metern unter dem Meeresspiegel weist eine nahezu wahnwitzige Trockenheit auf und in schöner Regelmäßigkeit brausen die Erlkönige, getarnte Versionen neuer Fahrzeuge der renommierten Hersteller, vor einem auf. Wir konnten unter anderem den neuen SUV von Rolls Royce bewundern, dazu einen BMW aus der X-Reihe und den neuesten Mini Countryman. Auch mal spannend.


Zu guter Letzt zog es uns dann in den berühmten Yosemite-National Park, wobei es eine herausragend gute Entscheidung war, von Mammoth Lakes aus über den Tioga Pass anzureisen. Glückskinder wie wir sind, wurde dieser aufgrund des zuvor stärksten Schneefalls seit Jahrzehnten erst am Tag unserer Ankunft erstmals im Jahr 2017 freigegeben, was uns wahrhaft spektakuläre Ausblicke eröffnet hat. Flüsse, die vor schneebedeckteBergen rauschend an uns vorbei fließen (es war Ende Juni!), Wild, das sich das frische Quellwasser schmecken ließ und Bergseen, die noch halb gefroren waren, dadurch im Sonnenlicht magisch glitzerten und zudem gefallene Baumstämme eingeschlossen hielten. Das absolute Highlight, einer meiner Herzenswünsche der Reise, erfüllte sich hier tatsächlich auch noch, weshalb mir dieser Abschnitt natürlich ganz besonders in Erinnerung bleibt: Wir haben einen Bären in freier Wildbahn beobachten und ablichten können, wie er ganz friedlich, mit sich und der Welt im Reinen, offenbar äußerst schmackhaftes Gras vertilgte. Er war sich durch das Klicken der Kamera unserer zwischendurch durchaus bewusst, ließ sich davon aber nicht weiter stören. Die Entfernung war groß genug und vielleicht sorgte seine Eitelkeit ja auch dafür, das fotografiert werden zu genießen – nein, das ist natürlich menschgemachter Blödsinn. Mit meiner Sony Alpha 6000 konnte ich ihn auf jeden Fall prima fokussieren und verfolgen* 🙂


Es war auf jeden Fall ein Traum und es fiel mir wahnsinnig schwer, mich davon loszureißen. Allerdings festigte es nur noch meinen Entschluss, zurückzukehren und mehr Zeit in den Parks zu verbringen. Das Leben bietet viel, man muss nur den Arsch vom Sofa kriegen und es zu entdecken versuchen. Ob vor der Haustür oder eben auch mal ein paar tausend Kilometer entfernt. In der Regel wird man es nicht bereuen. Ich zehre sicherlich noch eine ganze Weile davon.

Keep on rockin´
Ree

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**Dieser Artikel wurde 2017 erstmals veröffentlicht und nun leicht angepasst.

Freaky Styles around Venice! (027/222)

Abgehalftert. Gestrandet und irgendwie hängen geblieben, so dass man nicht mehr weg kommt und für alle Zeiten hier festsitzt. Ich glaube, genau so geht es einer Menge Menschen am so legendären Muscle Beach in Venice, Kalifornien. Gespannt wollte ich die berühmten Live-Fitness-Selbstdarsteller besuchen, doch aufgefallen sind mir in erster Linie die unzähligen Strandhändler, die selbst gemachte Dinge verkaufen und nach Sonnenuntergang hinter ihrem Stand unter Lumpen die Nacht verbringen. Sie gesellen sich dann zu den vielen anderen Homeless-People, die an jeder Ecke um Almosen bitten oder einfach vor sich hin vegetieren. Ein trauriges Bild, zeigt es doch, dass die USA alles andere als ein flächendeckend soziales Land sind; dagegen geht es uns in Deutschland tatsächlich blendend, möchte ich meinen.

Natürlich gibt es auch die viel gepriesene Coolness hier. Jede Menge muskelbepackte Leute, Skater, Biker, Jogger, immer wieder auch Surfer, dazu wird Boule, Volleyball und Rugby gespielt. „Echte“ Straßenhändler bieten Shirts, Drinks und Rauchwaren feil und ein süßlich-grüner Geruch weht einem konstant um die Nase. Touristen flanieren, Kinder bevölkern die Spielplätze und der Strand ist sehr breit, unfassbar lang und sieht erstklassig aus. Die Promenade bis Santa Monica ist fantastisch ausgebaut und mit Verlassen des Bezirks Venice nimmt auch abrupt die oben erwähnte Armut ab. Es geht in Richtung Freizeitpark, mit Riesenrad und Achterbahn direkt am Meer, und aus Coolness wird Geselligkeit und Spaß.

Zwei Seiten einer Metropole, auf engstem Raum, die zeigen, welch unterschiedliche Lebensentwürfe existieren und wie schnell sich so ein Entwurf in die vermeintlich falsche Richtung entwickeln kann. Denn, um mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Niemand dort hatte (zumindest bei diesem Besuch) Böses im Sinn, selbst nicht repräsentativ aussehende Menschen waren freundlich oder zumindest distanziert. Keine Agressivität, keine unangenehmen Situationen. Auch das hat mich über positiv. Venice war eine seltsame Erfahrung. Sehr schräg, aber irgendwie doch auch cool. Ich bin irritiert.
Keep on rockin´

Ree

Burger, Surfer und Redwoods! (024/222)

Westküste. Berge, Täler und ein wilder Pazifik bilden die Kulisse für unsere Etappe zwischen Oakland und Salinas. Früh aufgebrochen offenbarte sich das erste Ziel für uns als Technik-Nerds quasi von selbst: Das Silicon Valley wurde angesteuert, konkreter Palo Alto mit Berkeleys größter Konkurrenzuni Stanford. Letztere haben wir uns diesmal aber nicht aus der Nähe angesehen, sondern schlenderten lediglich ein wenig durch die sehr, sehr hübsche University Avenue in Palo Alto, mit überaus stylischen Geschäften, Restaurants und einem gewohnt sterilen Apple-Store. Kostenlose Parkplätze an jeder Ecke (selbst im Parkhaus) und strahlender Sonnenschein begleiteten den Kurzbesuch und machten die Abreise gar nicht so leicht.

Die Aussicht, in der Folge über eine Panoramastraße in den Santa Cruz Mountains weiterzureisen und dann auf den altehrwürdigen Highway 1 zu treffen, ließ uns schließlich das Auto wieder besteigen und wir wurden nicht enttäuscht. Zunächst ging es durch dichte Wälder mit erstaunlicher Vegetation, die immer wieder spektakuläre Fernblicke zuließ, dann kam schließlich der Highway 1 in Sicht und bestätigte alle Vorschusslorbeeren. Eine Bilderbuchstrecke mit dem tosenden Pazifik auf der Linken, der von diversen Kite-Surfern herausgefordert wird: Ein starkes, wenn auch etwas typisches Bild. Wir genossen die Perspektiven dennoch, folgten der Route und kamen nach kurzen Schlenkern am nächsten Stopp, dem Henry Cowell Redwoods State Park, an.

Schon die Zubringerstraße klingt verheißungsvoll, ist es doch die Big Tree Road, und der Park enttäuscht diese daraus entstehende Erwartung auch nicht. Wer diese Redwood-Bäume noch nie live gesehen hat, dem sind sie auch schwer näherzubringen. Eigentlich sind es eben „nur“ Bäume, aber ihre schiere Breite, Höhe und das biblische Alter der mächtigsten von ihnen lässt einen dann schon etwas vor Ehrfurcht erstarren. Durch manche kann man problemlos hindurchschreiten, in anderen kann man sich verstecken oder die Spitze lediglich erahnen. Faszinierend und auf jeden Fall ein lohnenswerter Besuch. Der angelegte Rundweg ist auch für ältere Semester zu schaffen, zudem bietet der Park einen Campground und gut 50km Wanderwege.

Diese Eindrücke mussten wir erstmal sacken lassen, so ging es in die Surferhauptstadt Kaliforniens, Santa Cruz, die durchzogen ist von Stränden, schönstem Wetter und einem wahrhaft lässigen Lifestyle. Junge Menschen prägen das Stadtbild, in der Regel in Surferbekleidung und mit der dieser Spezies innewohnenden Coolness ausgestattet. Ein Haufen VW T2- und T3-Bullis gehören ebenso zum Stadtbild, wie kleine Cafés und lässige Burgerbuden. In einer der letzteren sind wir dann gelandet und haben uns standesgemäße Burger mit Garlic Fries zu Gemüte geführt. Burger können die in diesem Land einfach – aber uns hätte auch überrascht, wenn nicht.


Nach diesen Eindrücken mental und kulinarisch befriedigt, steuerten wir unser Tagesziel Salinas an, wo ein Herrenhaus auf einer riesigen Ranch auf uns gewartet hat. Salinas, die Salatschüssel der USA (2/3 des Bedarfs werden hier angebaut), liegt in einem fruchtbaren Tal und bietet schönste Bergblicke und geometrisch perfekte Felder. Die Ranch ist exakt so, wie man sie sich von Dallas, Denver Clan oder Unsere Kleine Farm vorstellen würde. Hunde, Pferde, Rinder, ein riesiges Haupthaus mit diversen Nebenhäusern und Ställen, extrem weitläufig und überall wehen die Stars and Stripes. Das ist US-Feeling pur. Da wir auch noch freundlichst empfangen wurden, konnten wir uns in unserer AirBnB-Bleibe auf Anhieb wohlfühlen. Das Bad zur Eigennutzung war dann noch eine freudige Überraschung, so dass der Tag langsam und entspannt ausklang. Zwei Nächte sind geplant, um das nebenan liegende Monterey ausgiebig erkunden zu können. Wir sind schon gespannt.
Keep on rockin´

Ree

Von der Elite lernen! (023/222)

Berkeley. Schon der Name hat einen tollen Klang, ist traditionell und verheißungsvoll, auch wenn so mancher dahinter auch das abgehobene Denken vieler Mitglieder der Oberschicht vermutet (manchmal sicherlich auch zurecht). Schon als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte ich stets bedauert, in den USA keine Universität besucht haben zu können, weil ich mir gerade als Leistungssportler in der Kombination aus Sport und Bildung einen gewissen Reiz ausmalte. Nun, gut 20 Jahre später, hat diese Elite-Universität all meine Vorstellungen zumindest äußerlich sogar noch übertroffen. Über 90 Nobelpreisträger und über 200 olympische Medailliengewinner hat diese Universität hervorgebracht, selbst ein eigenes Element im Periodensystem existiert aufgrund der dortigen Entdeckung (Berkelium). Das prägt und scheint in nahezu jedem vor Ort den Willen einzupflanzen, diese Traditionen zu erhalten und auszubauen.

Die altehrwürdigen Gebäude auf dem riesigen Gelände strahlen eine Würde und Gelassenheit aus, die dafür sorgt, dass man sich wirklich gerne länger dort aufhält. Das Stadion des College-Footballteams wirkt wie eine Sportstätte aus dem alten Rom und die Burger-Schmiede unter dem Student-Merchandise-Shop ist nicht nur günstig, sondern auch noch qualitativ sehr hochwertig. Man kann dort beim Schlendern also durchaus die Zeit vergessen – sollte man allerdings nicht, wenn man den Parkscheinautomaten übersehen hat. Das würde den Eliten wohl nicht passieren, so haben wir also etwas gelernt: Immer aufmerksam sein. Die Uni-Polizei dankt unseren Park-Ausfall zumindest mit einem netten Schreiben und der höflichen Aufforderung zur Überweisung von 78$ … damn it! Aber egal, shit happens.
Im Anschluss ging es unverdrossen über das sehr hübsche, aber maßlos überteuerte Kleinstädtchen Sausalito (fantastischer Blick Richtung Skyline von San Francisco) in Richtung der Golden Gate National Recreation Area, von wo aus man rund um die Sonnenuntergangsstunden eine spektakuläre Aussicht auf die Bridge und die Bay genießen kann. Das war wirklich bislang unübertroffen, wenn auch extrem windig; nicht nur die Aussicht auf die fabelhafte Brücke, nein, auch dass in der Bay diverse Wale häufig ihre Flosse in den Himmel recken und auf das Wasser platschen lassen, war ein Erlebnis für sich. Zudem begegneten mir bei einem kleinen Spaziergang zwei Rehe, die sich zwar nach links Richtung Hang verdrückten, dort aber noch eine Weile miteinander zu spielen schienen. Wahrlich eine wirklich schöne Begegnung.
Als uns im Zuge unseres Rückwegs in unserem Wohnviertel dann auch noch ein Waschbär die Ehre erwies und vor uns die Straße überquerte, war die tierische Vielfalt fürs Erste vollkommen. Lustige kleine Tierchen, wenn man sie nicht gerade im Haus hat. Der Reiseführer spekuliert auch noch darauf, dass eine Begegnung mit Bären höchst wahrscheinlich wird, wenn wir im Nationalpark sind. Wird sicher atemberaubend, in jedem Sinne. Ich bin gespannt. So war es auf jeden Fall schon ein erfüllter Tag, der für den anstehenden Road Trip einiges erwarten lässt. 
Keep on rockin´

Ree 

Standhafte Cable Car! (022/222)

San Francisco. Dieser Städtename strahlt etwas aus, vielbesungen (wohl am berühmtesten von den Mamas & Papas), hochgelobt (Blumenkinder, Gay Pride) und sportbegeistert (49ers, 76ers, Kings…). Er verheißt die Coolness und Lockerheit des Sunshine State Kalifornien und beherbergt historische Sehenswürdigkeiten wie Golden Gate Bridge und die Cable Car. Wer mit so vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet ist, der kann diese Erwartungen eigentlich nur enttäuschen. Wobei, das ist ein zu härtest Wort. Sagen wir einfach, nicht erfüllen. Wie es dann eben auch war.


Zunächst war nämlich Warten angesagt. Kurz nach der Ankunft in der Stadt, übergesetzt mittels BART-Transportsystem aus Oakland kommend, wurde zunächst das 1-Day-Ticket für die MUNI (das innerstädtische Nahverkehrssystem) besorgt und sich an der Powell Street in die Schlange der auf die Cable Car wartenden Touristen eingereiht. Geduld war gefragt, dauerte es doch fast 60 Minuten, bis man sich endlich in einen überfüllten Waggon quetschen konnte. Warum zwischenzeitlich fast 20 Minuten keiner fuhr, bleibt mir ein Rätsel. Durch die sardinenbüchsenähnliche Enge war zumindest an eine entspannte Fahrt, mit Fotos gar, nicht ansatzweise zu denken und so war die Erleichterung groß, als man auf Höhe Fishermans Wharf endlich wieder aussteigen konnte.

Dieser Fleck ist, obwohl völlig von Restaurants, Souvenirshops und Straßenkünstlern eingenommen, wahrhaft stylisch und ermöglicht einen mehrstündigen Spaziergang und entspannten Aufenthalt. Das Preisniveau ist natürlich auch hier unverändert hoch, aber zumindest die Aussicht auf das Meer (mit Alcatraz und den Brücken), sowie diverse Freiluftmuseen sorgen für gute Laune und Erstaunen. Nach einem ausgiebigen Erkundungsspaziergang und einer relaxten Busfahrt kam die Golden Gate Bridge dann immer näher und offenbarte, warum sie eine Art Weltwunder darstellt. Wunderschön, erhaben und unerschütterlich steht sie in strahlendstem rot da und stört sich scheinbar weder an den vielen Fotografen, noch an den tausenden sie überquerenden Autos. Sie wurde 80, im Mai diesen Jahres, und jede Menge Merchandising war dazu zu bekommen. Völlig nebelfrei thronte sie über dem Wasser, wohlwissend, dass sie ob ihres Status vermutlich doppelt so alt werden wird. 


Es ist erstaunlich, weil ja dann doch nur ein Bauwerk, aber diese Brücke sorgte schon etwas für das Gefühl, San Francisco als etwas ganz besonderes anzusehen. Obwohl es doch vielerorts einfach nur voll, laut und dreckig war. So wurde der gute Eindruck auch direkt von der Cable Car wieder zunichte gemacht, denn die Wartezeit für den Rückweg war nochmals deutlich höher, wohingegen der Grund dafür nicht wirklich erkennbar war. Schikane? Defektes Stahlseil? Auf jeden Fall pfiff ein eisiger Wind und ließ auf eine baldige Rückkehr in die Wohnung hoffen. Als das nach einer rasanten Berg- und Talfahrt auf diesmal zumindest prominenten Außenplätzen, geschafft war, stellte sich Erleichterung ein. Das Schlange stehen war sehr anstrengend und die Cable Car hinterließ dadurch keinen guten Eindruck. Tolle Fotos sind dann eben doch häufig nur eine geschönte Form der Realität.
Aber noch sind wir weder in Oakland, noch in San Francisco überfallen worden, hatten gemeinsam viel Freude und streben in Kürze den Aufbruch in ländlichere Gefilde an. So kann dann zum Start eine Stadt auch mal anstrengender und weniger faszinierend als vermutet sein. Schön und sehenswert ist sie dennoch allemal. Nur Geduld, die sollte auf jeden Fall nicht im Reisegepäck fehlen. Dann wird es ein schöner Ausflug. Selbst mit der Cable Car.

Keep on rockin´

Ree 

Von der Reise! (021/222)

Magie. Dieses Wort, für so vieles einsetzbar, habe ich schon oft von Freunden und Bekannten gehört, wenn es um das Reisen geht. Eine Reise weitet die Sinne, öffnet die Augen und ermöglicht neue Perspektiven. Auf das eigene Leben, auf andere Kulturen oder einfach nur auf den neuen Tag. Es scheint so etwas wie das letzte große Abenteuer, die letzte Überraschung in einem ansonsten recht eintönigen Leben zu sein. Und die Auswahl ist groß, es gibt auf dieser Welt so viel zu entdecken, unzählige Orte und Sehenswürdigkeiten, dass es unmöglich für ein Leben allein reichen kann.

Ich bin dennoch ein wenig zwiegespalten, denn ich reise zwar relativ viel, aber diese sagenumwobene Magie stellt sich bei mir nicht wirklich ein. Nach einer gewissen Anzahl an Reisen, ob in Europa oder anderswo, hat man alles schon mal irgendwo gesehen, ist jedes Land nur eine Fortsetzung des letzten, jeder Berg nur eine Kopie des vorherigen und einem jedes Meer bereits in ähnlicher Form irgendwo anders begegnet. Das mag traurig klingen, denn es nimmt von einem den inneren Drang des Abenteuers, der Reise, des Strebens nach Neuem. Es erleichtert aber auch ein wenig, denn es befreit auch vom Zwang des Reisen-müssens, der „immer weitere Stecknadeln in eine Weltkarte stecken“-Manie und befreit einen überdies von der Sorge, ständig irgendetwas zu verpassen oder gar insgesamt unvollendet zu sein.

Natürlich habe ich bis jetzt nahezu überall eine schöne Zeit verlebt und mir grundsätzlich immer vorstellen können, an den jeweiligen Ort irgendwann nochmal zurückkehren zu können. Das war in Thailand so, in Indonesien, selbstverständlich auch auf meinen diversen Europa-Trips und erst recht in Laos. Aktuell, auf dem Weg in mein Jugendtraumziel USA, beim Überfliegen von Grönland, habe ich ebenfalls das Gefühl, dass diese Reise Sinn macht. Die Schollen aus 10.000 Metern Höhe zu betrachten, ist schon ein wahnsinniges Gefühl und die Aussicht, endlich mal einen Fuß auf amerikanischen Boden setzen zu dürfen, erfreut mich trotz der etwas obskuren politischen Situation durchaus. Und dennoch ruhe ich in dem Sinne in mir dass ich weiß, dass dieser Urlaub die hohen Erwartungen aus 25 Jahren kaum wird erfüllen können und es vermutlich ein Ausflug wie jeder andere sein wird – nur eben mit 15 Stunden Flugzeit. Er wird sicherlich tolle Eindrücke bieten, interessante Städte und Naturschauspiele bergen, aber dass er magisch wird, bezweifle ich dennoch.

Nur stört mich das eben nicht. Es bringt eine neue Lockerheit mit sich, die die ewige Rastlosigkeit des „ständig alles neu entdecken müssens“ gegen ein „schauen wir mal, was der Tag so bringt“ ersetzt und mir mehr Freude bereitet. Das ist wirklich interessant und so völlig anders als sonst, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, mich wirklich darauf einzulassen. Mir selbst zu glauben, dass ich es ruhiger angehen lassen mag. Wahrscheinlich werde ich einfach nur alt. Vielleicht belehrt mich aber Kalifornien auch eines besseren, lässt mich wieder rastlos umherstreifen und frustriert zurück, wenn ich mal nicht alles gesehen habe. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Ich bin mir sicher, es wird schön. Far away in America. 

Keep on rockin´

Ree