Wenn Legenden (jung) sterben!

Dass Menschen sterben, ist völlig normal. Alltäglich, sozusagen allsekündlich. Die Nachrichten sind voll von Berichten dazu, ob altersschwacher Promi, Attentate oder Verkehrsunfälle. Artikel über Krebs sind allgegenwärtig und manchmal, umso härter, trifft es auch das unmittelbare Umfeld. Doch ein kollektiver Aufschrei, eine Art Erwachen aus der Lethargie des Lebens als Normalzustand, erreicht die breite Masse nur beim Dahinscheiden einer echten Ikone, eines Menschen, der weltweit bekannt ist und dazu auch noch weitestgehend verehrt wird. Stirbt dieser Mensch darüber hinaus jung und war er vielleicht auch noch schier unbezwingbarer Sportler, dann nimmt die weltweite Erschütterung Formen an, die nur schwer in Worte zu fassen sind.

Kobe Bryant ist so ein Fall. Wir Basketballenthusiasten, gerade meiner Generation, ich selbst aus dem selben Geburtsjahr, haben ihn sowieso sein ganzes Leben lang begleitet und schon damit eine gewisse emotionale Verbindung zu ihm aufgebaut. Schließlich war er der einzig legitime Nachfolger eines Michael Jordan, ehrgeizig, kämpferisch, siegreich, fair. Eine Ikone. Doch gerade diese Attribute ließen ihn auch für Menschen sichtbar werden, die mit dem Sport an sich weniger zu tun haben. Sie bemerkten seine Präsenz, nahmen wahr, dass dort ein Sportler seine Arbeit so vorbildlich erledigt, dass er Massen elektrisieren konnte. Und als der sportliche Abschied kam, wusste man: Hier verlässt ein ganz Großer das Rampenlicht.

Nun, wo Kobe Bryant ohne eigenes Verschulden, zusammen mit seiner geliebten Tochter Gianna, mit 41 Jahren aus dem Leben schied, sorgen die allgegenwärtig gewordenen sozialen Medien für einen Gleichklang aus Trauer, Verehrung und eben vielerlei Lehren: Dass das Leben kurz und nicht planbar, das Ende stets greifbar ist. Dass kleine Sorgen keinen großen Kummer rechtfertigen und man seinen Liebsten viel häufiger sagen, zeigen und vermitteln sollte, dass man sie liebt. Dass „I’ll do it tomorrow“ auch heißen kann: Es wird nicht mehr geschehen. Kobe sagte selbst, im Film „Der perfekte Wurf“, „You have to do it now“. Es ging darum, jeden Tag an sich zu arbeiten, aber es lässt sich auch hervorragend auf viele Facetten des eigenen Lebens übertragen. Sei heute mutig, auch wenn Du morgen merkst, dass es vielleicht ein Fehler war. Reise, mache Ausflüge, unternimm viele Dinge, sortiere schlechtes aus. Lebe Dein Leben nicht in dauerhafter Trägheit und Langeweile, denn das Ende rückt näher. Beständig und jeden Tag ein wenig mehr.

Genau das ist es, was der Tod von Legenden auslösen kann. Eine ganze Weltengemeinschaft geht in sich und nimmt sich vor, etwas bewusster, etwas freundlicher und etwas mutiger zu leben. Leider hält es bei den meisten nicht lange an. Doch ist es erstaunlich zu sehen, wie viele Menschen innehalten und sich bewusst werden, dass sie selbst etwas ändern können. Jeder für sich. „Be the change.“ Und wenn dies alle nur zu 10% beherzigen, wird die Welt zu einem etwas besseren Ort. Dann war der Tod dieser Legende, auch wenn er unfair und schrecklich ist, nicht vergebens.

Be in peace.

Ree

Die Wahl zu haben heißt nicht, dass man die Kontrolle hat!

Jobwechsel. Mal etwas Neues sehen, etwas Anderes wagen, die Routine aufbrechen und den Blickwinkel verändern. Vielleicht auch einfach einen weiteren Karriereschritt unternehmen oder nach mehr Geld streben. Es gibt viele Gründe, um sich nach Alternativen umzuschauen und wenn man sich einen gewissen Status erarbeitet hat, wird auch das ein oder andere Angebot entstehen. Doch ist es immer sinnvoll, aus dem sicheren Hafen heraus zu segeln und die Perspektive zu wechseln? Kann es nicht auch mal schön sein, morgens bereits zu wissen, welche Anforderungen über den Tag hinweg zu bewältigen sind und Gewissheit zu haben, diesen auch gewachsen zu sein? Nicht jede Woche muss mit neuen Herausforderungen aufwarten, nicht immer ist die Extrameile das Mittel der Wahl. Der Druck, den wir uns durch Veränderungen auferlegen, nämlich seinen vormaligen Status zu bestätigen, neue Kolleg(inn)en von sich überzeugen und mit Leistung glänzen, kann uns auch einknicken lassen. Und dann haben wir gar nichts gekonnt, sondern hängen womöglich in einer Spirale fest, in welcher wir den altbekannten Arbeitgeber mit all seinen positiven Faktoren vermissen – die negativen werden dabei natürlich vom Gehirn ausgeblendet. Also, selbst wenn ein Jobwechsel attraktiv erscheint: Nach bereits zwei Fehlentscheidungen diesbezüglich empfehle ich euch, nicht nur eine Nacht, sondern eher einen ganzen Monat darüber zu schlafen.

Therapievarianten. Es gibt so viele Ansätze und Meinungen, wenn es um physische oder psychische Verletzungen geht, dass man rasch den Durchblick verliert. So können muskuläre Beschwerden, eingeklemmte Nerven oder ähnliches mit Wärme, Kälte, Elektronik, Massagen etc. behandelt oder die Psyche über Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und vieles mehr geheilt werden. Und steckt man in einer der oben skizzierten Drucksituationen, kann sogar beides, muskuläre und psychische Beschwerden, dadurch ausgelöst werden. Dummerweise lassen Ärzte uns häufig selbst entscheiden, was wir für die bessere Behandlungsmethode halten. Als hätte ich diesen Studienzweig beschritten, nicht die vor mir sitzende Heilkraft. Da Massagen nichts gebracht haben, genauso Elektronik und Wärme, bat ich um eine Spritze. Pustekuchen, es gab Muskelrelaxan. Warum fragt sie dann? Möglicherweise hilft es, vor jedwedem Praxisbesuch mal einen Ratgeber zu den Beschwerden zu lesen. Nur nicht über google, in 90% der Fälle führt gemäß der Top-Suchergebnisse des Onlinegiganten jedes Zipperlein unmittelbar ins Verderben. Das gute, alte Medizinlexikon reicht da wohl völlig…

Wohnort. Das Heimatthema hatten wir ja gerade erst, aber auch ein Wohnortwechsel ohne emotionale Zerrissenheit kann anstrengend sein. Auch wenn ein neues Umfeld belebend und erfrischend sein kann, so sorgt es doch für vielerlei beängstigende Momente. Die Herausforderung, auf sich allein gestellt zu sein, sich zurechtfinden und neue Lieblingsplätze finden zu müssen, falsche Gegenden zu meiden und mit den Einheimischen Kontakte zu knüpfen, ist gerade für introvertierte Zeitgenossen nicht einfach. Gehört man dann noch zu einer Altersklasse jenseits der 35, fallen auch viele Freizeitaktivitäten aus, bei denen vormals quasi spielend neue Bekanntschaften entstanden sind: Sport, Discobesuche, Partygänge. Und selbst, wenn man die Stadt nicht allein gewechselt hat, entstehen kriselnde Situationen, denen man sich zuvor nicht ausgesetzt sah. Es kann belastend sein, nur eine wirkliche Vertrauensperson in der näheren Umgebung zu haben, denn kleinere Reibungspunkte sind völlig normal; doch ist es fatal, wenn dann kein bester Freund oder keine beste Freundin zu einem spontanen Treffen vor Ort ist. Das Telefon kann das nur bedingt ersetzen und so beginnt manchmal eine schleichende Entfremdung, die tragisch enden kann. Wenn der neue Wohnort gewisse Attraktivitätsfaktoren wie eine hübsche Innenstadt oder einen hohen Freizeitwert besitzt, hilft das aber häufig bereits. Dennoch bleibt, ein Wohnortwechsel ist ein elementarer Eingriff in die persönliche Komfortzone.

Beziehungen. Oft schon habe ich von Singles gehört, dass sie sich nach der Zweisamkeit sehnen, ebenso aber auch mit Paaren gesprochen, die ihren Freiraum vermissen und immer mal wieder darüber nachdenken, einfach auszubrechen – nur um sich, so sie es tatsächlich vollzogen haben, später dann doch wieder nach Geborgenheit zu sehnen. Ist das Gras in Nachbars Garten wirklich immer grüner oder kommt es einem, gefangen im persönlichen Alltag, nur grüner vor? Warum will man so oft genau das haben, was gerade unerreichbar scheint und sehnt sich nach Vergangenem zurück, wenn man es erreicht hat? Macht es nicht viel mehr Sinn, einfach mal glücklich im Hier und Jetzt zu verweilen, die Gegenwart zu genießen und auf das Universum zu vertrauen. Veränderungen geschehen trotzdem, erfahrungsgemäß schleichend, und sie können genauso zu großen Umwälzungen führen, wie der Big Bang – nur eben nicht so plötzlich, nicht so dramatisch. Ich bin ja auch nicht von heute auf morgen 20kg schwerer geworden und genauso wenig werde ich die wieder los, wenn ich heute wie ein Irrer trainiere. Das muss in kleinen, nachhaltigen und wohl geplanten Schritten verlaufen. Also keine Hektik, Nachbars Gras ist nicht grüner. Es ist nur Dein Verlangen, diesen Rasen zu besitzen. Doch wenn Du ihn dann hast, lässt seine Attraktivität rasant nach.

Urlaub. Reist Du auch mal allein? Oder macht Dir das eher Angst? Willst Du Erlebnisse unmittelbar teilen, oder kannst Du sie kompensieren und bist bereit, sie den Daheimgebliebenen nach Deiner Rückkehr zu erzählen? Ein wenig hängt es vermutlich sogar von Deinem Geschlecht ab, müssen Frauen doch vermeintlich größeren Gefahren ausweichen, als Männer. Doch auch für mich (Mann) verursachte alleine zu verreisen zunächst ein unangenehmes Gefühl. Ich war dreimal ohne Begleitung weg und die ersten beiden Tage waren immer zittrig, verwirrend und unschön. Kurzum, ich wollte direkt wieder zurück fliegen. Glücklicherweise bin ich geblieben, denn die Erfahrungen ab Tag drei sind sehr wertvoll gewesen. Nicht nur habe ich auf einer Reise ein Kinderbuch geschrieben und auf einer anderen viel Sport getrieben. Nein, ich habe mir intensiver Gedanken über mein Leben gemacht, als jemals zuvor und konnte Antworten auf lange gehegte Fragen finden. Das hat mich nicht nachhaltig glücklicher gemacht, diese Illusion will ich Dir nehmen, aber in den jeweiligen Momenten habe ich mich anders, stärker gefühlt. Ich habe auf jeden Fall vor, in diesem Jahr nochmal eine Woche mit mir selbst zu verbringen und kann es Dir nur wärmstens empfehlen. Aber natürlich sind gemeinsame Reisen ein ganz besonderes Vergnügen. Egal, ob mit dem Partner, besten Freunden oder den Eltern: Jede Konstellation hat eigene Reize und manchmal sieht man sogar den immer gleichen Urlaubsort mit völlig anderen Augen.

So gibt es also viele Situationen, in denen man die Wahl hat. Aber kann man alles kontrollieren? Niemals. Du hast die Wahl, links oder rechts abzubiegen, aber welche Route die Schönere ist, weißt Du vorher oft nicht. Du kannst es nur ausprobieren und wirst vielleicht nie erfahren, was Dich auf dem anderen Weg erwartet hätte. Also mach das Beste aus der Route, die Du tagtäglich für Dich selbst wählst. Für heute ist es nämlich die einzige, erst morgen kannst Du einen alternativen Pfad versuchen.

Keep on rockin‘
Ree

Diese regionale Zerrissenheit!

Globalisierung. Diese von jeder Menge Wirtschaftshörigen gefeierte Umschreibung des weltweiten Handelns, Arbeitens und Austauschens verkommt trotz vieler herausragend guten Eigenschaften mehr und mehr zur Geißel der menschlichen Zivilisation. Ja, es ist unbestritten und auch extrem gut, dass das Zusammenwachsen der Welt, insbesondere durch kostengünstigere Reiseoptionen und Echtzeitaustausch über das Internet, zugenommen hat und so vor allem Missstände auch in hinteren Winkeln der Erde aufgedeckt werden können. Menschen beginnen, eine Sprache zu sprechen, neue Geschäftsmodelle sind entstanden und mentale Barrieren zwischen Ethnien, Kulturen und Religionen lösen sich sukzessive auf.

Was die Globalisierungen aber auch gebracht hat, und ich bin wesentlicher Teil des Ganzen, ist eine Zunahme von wenig klimafreundlichen Reisen, fortwährender beruflicher Pendelei und einem Wettkampf untereinander, den oft nicht die Bestern, sondern die Lautesten oder Polemischsten für sich zu entscheiden wissen, da sie es besser verstehen Massen zu mobilisieren. Doch ich möchte klein anfangen, dabei, was die Globalisierung mit mir anstellt und wie ich mich dabei fühle. Ich komme aus Dortmund, einer der größeren Städte im Lande, und war die 27 Jahre, die ich dort verbracht habe, nicht unglücklich. Klar hatten die Metropolen, Köln, Hamburg, Amsterdam, stets einen gewissen Reiz, aber ernsthaft mit einem Wegzug hatte ich mich nie beschäftigt. Waren doch all meine Freunde, mein Sportumfeld und insbesondere meine Eltern stets greifbar.

Leider nahm mein damaliger Arbeitgeber darauf keine Rücksicht, als er die Verlagerung in die Bonner Zentrale beschloss und mir als Alternative zu meinem Job als Projektleiter eine Stelle im Call Center anbot, aus dem ich mich allerdings gerade erst entfernt hatte. So tat ich meinen ersten einer Zentralisierung, oder eben auch Globalisierung, geschuldeten Schritt, verließ meine Heimatstadt und zog in die ehemalige Bundeshauptstadt weiter. Auch wenn es Jahre gedauert hat und mir schon damals die Pendelei zu alten Freunden und den Eltern missfiel, war es irgendwie machbar und inzwischen bin ich ein richtiger Fan dieser kleinen, schönen Stadt. Dies hat aber nicht verhindert, dass ich auf meiner Suche nach der vermeintlichen Karriere mal nach Berlin, mal nach München oder aktuell nach Wiesbaden weitergezogen bin.

Für mich ist zu sagen: Großer Fehler. Egal, wo ich mich beruflich aufhalte, ich vermisse meinen engeren Kreis. Partnerin und beste Freunde in Bonn, Familie und weitere Freunde in Dortmund, ist es nicht das, was im Leben zählt? Wenn ich dann beständig im Stau stehe, kommt mir oft der Gedankee, dass ich gerade als sehr guter Projektmanager und Abteilungsleiter aus dem Rhein-Sieg-Kreis nach Hessen pendele, während mir vermutlich ein ebenso kompetenter Projektmanager und Abteilungsleiter entgegenkommt, der aus Hessen z. B. nach Bonn fährt. Beide beklagen wir die Zeit, die uns unterwegs verloren geht und beziehen ein ähnliches Gehalt. Wäre es nicht ein leichtes, die Jobs zu tauschen und so allen zu helfen? Firmen hätte entspannteres Personal, private Situationen wären relaxter, die Klimasituation verbessert sich und es bliebe mehr Zeit für die Hobbys.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Mir fällt noch keine Lösung ein, aber wenn einer von euch einen erstklassigen Projektleiter mit Führungserfahrung im Bonner Umfeld sucht: Gebt mir Bescheid.

In diesem Sinne, keep on rockin‘

Ree

Reisen als Dauertherapie?

Unterwegs. Draußen in der Welt, als Außenstehender den Alltag der Anwohner aufsaugen, beobachten, darüber schreiben. Natürlich auch ein wenig der Sonne folgen, aber selbst Regen und Kälte fühlen sich on the road besser an, als zuhause, im ewigen Standard und Verdruss. Klar, wenn jeder so denken würde, gäbe es keine Müllabfuhr, keinen Busfahrer, keine Telekommunikationsangestellten und niemand würde mich zu meinen Reisezielen fliegen. Aber gäbe es niemanden wie mich, würde keiner mehr Stories von unterwegs verfassen und Inspirationen für eure Urlaubspläne liefern.

Muss ich mich daher für meine Planspiele schämen, ist es unmoralisch zu versuchen, damit sein täglich Brot zu verdienen? Ich habe das lange gedacht, doch so langsam dreht sich das. Ich merke, wie viel Arbeit der Aufbau einer entsprechenden Plattform bedeutet und wie viel Herzblut da drin steckt. Daher darf es auch etwas abwerfen, was es im Moment leider nicht mal im Ansatz tut. „Manchmal muss man eine Tür zuknallen, bevor sich eine andere vollständig öffnen lässt.“ Diese Worte von letzter Woche verfolgen mich nun dauernd. Und dann kommen meine Lebensmottos, die mir zurufen, sie nicht immer nur runterzubeten, sondern auch mal danach zu handeln: „Love it, change it or leave it“ und „Think less and do more“! Die Planung ist angelaufen.

Keep on rockin‘

Ree

Was bleibt, ist das Lager!

Eingelagert. In Kellerabteilen, auf Dachböden, irgendwo, wo es uns nicht im Weg, aber fürs Erste aus dem Blick ist. Das geschieht oft mit Dingen, die uns zum Abgeben zu schade, zum Wegwerfen zu kostbar oder vermeintlich irgendwann nochmal von Nutzen sind. Auch ich habe einen Lagerraum gemietet, als mein ganzes Leben extrem kompliziert zu werden begann und ich das Heimatgefühl eines eigenen, gefestigten Wohnraums verloren habe. Im Zuge des scheidungsbedingten Hausverkaufs bin ich auf die Couch eines Freundes gezogen, von wo es direkt in eine winzige Wohnung in Hessen ging, die ich nur wegen meines neuen Jobs angemietet, aber nie als neues Domizil angesehen habe.

So lagerte ich also eine Menge Dinge aus über 100m2 Wohnfläche in eine muffige, ungeheizte Lagerhalle ein und schaue seit Monaten zu, wie meine kostbarsten Besitztümer (darunter einige Custom Toys von durchaus einigem ideellen und materiellen Wert) so langsam den Kampf gegen die Feuchtigkeit verlieren. Heute war ich mal wieder dort und es hat mich darin bestärkt, im Raum Bonn wieder sehr ernsthaft eine, wenn auch kleine, Wohnung zu suchen, die ich als meine Homebase ansehen kann. So spare ich Lagerkosten und kann meine mir wichtigen Besitztümer wieder adäquat aufbewahren. Auch wenn ich meinen Weg für die Zukunft noch suche, gerade beruflich, so hat mir ein sehr geschätzter ehemaliger Mitarbeiter mir mal gesagt, dass nichts wichtiger ist, als sich zuhause wohl zu fühlen. Und das tue ich schon seit April 2018 nicht mehr, was von Tag zu Tag schwerer wird.

p1040813Auch andere Dinge lagern wir häufig ein, oft über Jahre hinweg. Träume, Pläne, vermeintlich kindische Gedankenspiele. Manche hüpfen dann und wann mal aus der mentalen Kiste heraus, wie mein Elan, ein Album aufzunehmen, nachdem ich das Haus verlor. Aber der Alltag erstickt auch solche Aktivitäten rasch wieder, die Zeit ist einfach nicht da. Ist sie reif, um zu sagen, dass ich nun Künstler werde und mich voll und ganz auf die Laufbahn als Blogger, Songwriter, Sprecher oder Rapmusiker einlasse? Ich hadere damit jeden Tag und jedwede Entscheidung wirft mich wieder aus der Bahn. Naja, und dann sind da ja noch viele andere Themen, die sich in mir wichtig, wenn nicht gar wichtiger, anfühlen. So wird es noch ein wenig hin und her im Kopf geben und der emotionale Lagerraum bleibt weiterhin gut gefüllt. Die Regale sind voll.

Keep on rockin‘
Ree

Die Irritationen der selbsterfüllenden Prophezeiungen!

Schicksal. Nicht mein Lieblingswort, suggeriert es doch, man habe eigentlich nichts so wirklich in der eigenen Hand. Jede Handlung ist vorbestimmt, jeder Umweg führt, genau wie jede vermeintliche Abkürzung, an das selbe Ziel. Selbst, wenn wir meinen, dort gar nicht landen gehabt zu wollen (ist das noch korrekte Grammatik?!?). Auch die Rückschau, die ewigen Zweifel, ob eine Entscheidung korrekt war, wären müßig. Das ist der gute Blickwinkel des Schicksalsgläubigen. Egal, wie ich mich entschieden hätte, ich wäre exakt hier hin geführt worden. Eine Art Final Destination-Adaption für das wahre Leben.

Aber was nun, wenn Schicksalsglaube so gar nicht in das eigene Konzept passt? Wenn man sich, weil man die entsprechenden Gehirnkapazitäten sein eigen nennt, über nahezu jede Handlung von gewisser Tragkraft tage-, teils wochenlang Gedanken macht? Dies wäre völlig sinnlos, gäbe es das skizzierte Schicksal wirklich. Das passt so gar nicht in ein rationales, wissenschaftlich geprägtes Weltbild. Und dann geschehen aber seltsame Zufälle, wenn es denn welche sind. Man ist mental krank geschrieben und bekommt eine richtige Erkältung. Man hadert mit dem Job, ringt sich zu Umorientierungen durch und plötzlich erfüllt sich im Büro eine monatelang gehegte Erwartung. Man möchte sich komplett abschotten und plötzlich läuft einem ein toller Mensch über den Weg. Was passiert?

Genau, man zweifelt, man hadert, man weiß nicht mehr weiter. Man steht mal wieder vor Entscheidungen und macht sich permanent Gedanken darüber, welche Richtung man einschlagen soll. Völlig egal, wenn es das Schicksal gibt. Aber mit weitreichenden Folgen, wenn man Schmied seines eigenen Glücks ist und jede Bewegung Teil des Butterfly Effect ist. Gemäß dem Motto, dass ein einziger Flügelschlag die ganze Weltgeschichte verändern kann. Dumm nur, dass es darauf genauso wenig eine Antwort gibt, wie auf die Frage, ob es einen Gott gibt uns was tatsächlich im Moment der Entstehung des Universums geschehen ist. Die Frage ist ja: Muss man diese Antworten wissen? Oder sollten wir einfach so oder so viel mehr auf unseren Bauch hören, weniger rational entscheiden und unser Wohlbefinden im Blick behalten? Klar, jede Entscheidung von uns beeinflusst auch das Leben unserer Liebsten um uns herum. Aber mal ehrlich: Würden wir uns denn mit Entscheidungen wohl fühlen, die denen nachhaltig schaden? Eben. Also, think less and do more! Du hast nicht ewig Zeit und wenn es das Schicksal gibt, ist die Entscheidung eh wurscht. Gibt es keins, weiß Dein Bauch vermutlich oftmals besser Bescheid, als Dein Kopf. Und frag gerne auch mal die Menschen um Dich herum. Viele davon wissen durchaus, Dich einzuschätzen und meinen ihre Antwort sicher nicht böse. Selbst, wenn Du einem daraus resultierenden Ratschlag nicht folgst, kannst Du den Aspekt in Betracht ziehen. Carpe Diem.

Keep on rockin‘
Ree

 

Diese verflixte Suche nach der Passion!

Leidenschaft. „Finde einen Job, den Du liebst, und Du wirst keinen Tag mehr arbeiten müssen.“ An wie vielen Wänden, in wie vielen Profilen findet man genau diesen Spruch und wie selten schaffen es tatsächlich Menschen, ihm auch gerecht zu werden? Ich kenne tatsächlich (neben ein paar Freunden im Profisport) nur eine Person, die genau das beherzigt und derart durchgezogen hat, dass sie mit 30 noch die entsprechende Ausbildung startete: Meine Mom. Sie liebt Kinder über alles und hat seitdem tausende in ihrem Beruf als Erzieherin beim Aufwachsen begleitet. Chapeau, es sollte mir eine Lehre sein. Doch ist es eher eine Leere. Ich suche schon so lange nach der Beschäftigung, die mich wirklich perspektivisch glücklich macht und ausfüllt, dass ich die Jahre schon kaum mehr zähle. Dummerweise kann und mache ich zum Einen unzählige Dinge gut und gern, aber konzentrierte mich nie auf ein spezielles Interessengebiet, zum Anderen habe ich mit einem Job, der mir eher weniger Spaß macht, einen erstaunlich bequemen Lebensstandard erreicht, den man gerade finanziell nicht so ohne weiteres aufgeben mag, nur um seine wahre Passion herauszufinden.

Doch parallel rennt die Lebenszeit davon und die alltägliche Zufriedenheit mit dem Sinn der eigenen Tätigkeit schwindet schleichend von Tag zu Tag, bis der Morgen kommt, an dem man es kaum mehr aus dem Bett schafft, weil sich die Monotonie nur noch schwer ertragen lässt und sich der Gedanke aufdrängt, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein kann. Na, und dass man bei gutem gesundheitlichen Verlauf noch weitere 26 Jahre in einer solchen Tätigkeit verweilt und sich beständig mehr der Rente zusehnt, ist erst recht kein Trost – zumal, wenn man schon seit gut 23 Jahren im Arbeitsleben steckt. Da haben auch ein paar Monate Auszeit nichts gebracht. Was also tun?

Klar, eine erste Analyse ist schnell gemacht. Marktüberblick, Pro und Contra Listen, Kostenvergleiche für Aus- und Weiterbildungen, geht das nebenberuflich, wie hoch ist der Zeitaufwand, wie lange kann ich eigentlich ohne Gehalt überbrücken? Doch dann kommt eben das Problem: Was kann ich mir vorstellen, auch in fünf Jahren noch gerne zu tun und damit auch den täglichen Lebensunterhalt nebst ein wenig Altersvorsorge zu bestreiten? Kann man die Leidenschaft für Reisen, Schreiben, Fotografie, Musik und Filmen irgendwie zu Geld machen, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat, kein Profi ist? Blogger, digitale Nomaden und Co behaupten dies fortwährend, doch werden auch sie immer mehr und haben häufig schon nach dem Studium diesen Weg eingeschlagen, wo es noch keine engen Bindungen und elementare finanziellen Verantwortungen gibt. Das Risiko ist entsprechend überschaubar und noch ziemlich viel Lebenserwartung übrig.

Zudem nimmt die Skepsis im Umfeld mit steigenden Lebensjahren zu, nicht nur von Freunden, gerade auch von den Eltern, die sich ja permanent Sorgen machen und am liebsten das 45jährige Verweilen in ein und demselben sicheren Job zur Pflicht machen würden. Diese emotionalen Stolpersteine gilt es aufzulösen, doch das ist ein komplexes Feld. Im Gegenteil, erschweren diese konservativen Ansichten kreative und freie Gedankengänge, führen zu neuen Selbstzweifeln und weniger Risikobereitschaft. Sollte es nicht eigentlich andersherum sein, sollten nicht gerade die engsten Vertrauten an Vorhaben glauben und selbst abwegigere Gedankengänge unterstützen, sofern sie einen auf den Pfad des Glücklichseins zurück führen? So oder so ist das mit der Passion so eine Sache: Welche(r) 16- oder 19-jährige kann schon von sich behaupten, dass er genau weiß, was ihn / sie ein Leben lang mit Glück erfüllt. Genau. Darum: Scheut euch auch mit 30, 40, 50, 60… nicht, solche Gedanken zuzulassen, Träume zu konstruieren, Möglichkeiten zu ergründen und euch ganz tief drinnen nach euren Sehnsüchten für die Zukunft zu befragen. Es stimmt nicht, dass es nie zu spät ist. Die Zeit der Reue ist nah, denn das Leben ist und bleibt endlich. Daher: Wagt, bevor ihr nie gewinnt. Ich gehe es an, wird die Suche auch lang 😉

Keep on rockin‘
Ree