Peru 🇵🇪: Wüstenrallye und Sandsurfen in Huacachina

Ein neuer Tag, der im Zeichen des ersten Ausflugs stand, welcher allerdings erst am Nachmittag starten sollte. Daher ging es nach dem Aufstehen und einem ordentlichen Frühstücksbuffet mit frischem Saft zunächst auf einen kleinen Stadtbummel. Allerdings spottete dieser seiner Beschreibung, denn Ica bietet dafür wirklich wenig. Wir schauten auf dem Kirchplatz vorbei, warfen auch mal einen Blick ins Gebäude und inspizierten einen benachbarten Supermarkt, der sich gar nicht so sehr vom Aldi Nord der 80er Jahre unterschied. Das war allerdings schon alles, was es in fußläufiger Umgebung zu sehen gab und für die Restaurants war es natürlich noch deutlich zu früh.

So blieb das Highlight der ersten Tageshälfte ein großer Hund auf dem benachbarten Dach, der von oben die gesamte Nachbarschaft unterhielt und mit seinen braunen Flecken auf dem weißen Fell ausgesprochen cool aussah. Ob die Nachbarn allerdings von diesem täglichen Konzert angetan sind, darf bezweifelt werden.

Glücklicherweise rückte der erste Ausflug, organisiert von der Unterkunft, beständig näher und wir lernten an der Rezeption einige weitere Abenteuerlustige kennen. Der Transport in die Oase von Huacachina verlief weitestgehend reibungslos, auch wenn man im klapprigen Kleintransporter trotz Zwergenwuchses recht eingequetscht saß. Doch dieses Kleinod, ein glitzernder See, umgeben von riesigen Sanddünen, war trotz des inzwischen allgegenwärtigen touristischen Angebots grandios anzusehen. Detailliert beschrieben haben es Nora und Anna in ihrem sehr empfehlenswerten Reiseführer. Nach einem kleinen Rundgang entlang der Promenade mit seinen Restaurants und den vielen Ausflüge feil bietenden Straßenverkäufern, war es bereits an der Zeit, den Sandbuggy zu besteigen und sämtliche Muskeln einer besonderen Prüfung zu unterziehen.

Die Stoßdämpfer des Wüstengefährts wurden hart auf die Probe gestellt, während es immer wieder rauf und runter ging. In rasender Geschwindigkeit wurde über Dünen gesprungen und sich brachial in die Kurve gelegt, so dass mehr als einmal das Gefühl aufkam, man würde nun endgültig aus dem Sitz auf den Wüstensand fliegen. Achterbahn ist nichts dagegen.

Immer wieder stoppte der Buggy, damit das erstaunliche Wüstenpanorama auf Bildern festgehalten werden konnte und das nächste Highlight folgte auf dem Fuß: Es ging mehrmals bäuchlings auf einer Art Snowboard die Dünen hinab, ein enormer Spaß mit ordentlich Speed und viel Action. Man sah zwar hinterher aus wie eine schmackhafte Mehlspeise, aber der Adrenalinkick und das unkontrollierte Grinsen im Gesicht entschädigten für den erhöhten Reinigungsaufwand.

Der Tag endete mit einem traumhaften Sonnenuntergang über der nicht enden wollenden Wüste, der auch den zähen Vormittag vergessen ließ und nach dem verdienten Abendessen in der Hostelbar konnte endlich einmal ein Tag mit dem Prädikat „fantastisch“ versehen werden. Dieser Ausflug hatte sich mehr als gelohnt.

Keep on rockin‘
Ree

Links beinhalten sowohl Empfehlungen für Aktivitäten und Orte (unbezahlt), als auch Produktempfehlungen (Affiliates). Dabei haben wir sämtliche empfohlenen Orte besucht und Produkte selbst erworben, getestet und für gut befunden. Ansonsten würden wir es nicht empfehlen 🙂

Peru: Ein herbstlicher Frühling in Lima

Lima. Neun Millionen auf der Suche nach dem persönlichen Glück. Unzählige Stadtbezirke, unübersichtlich groß und daher im Rahmen einer Stippvisite nicht ohne Planung zu empfehlen. Reisenden wird, unter anderem in diesem genialen Reiseführer von Anne und Nora, mit dem wir uns umfangreich auf den Trip vorbereitet haben, im Wesentlichen der Bezirk Miraflores ans Herz gelegt, vielleicht noch Barranco oder San Isidro, aber doch bitte nichts anderes. Und auf keinen Fall nach Anbruch der Dunkelheit herum spazieren. Und überhaupt, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht! Mag alles richtig sein, doch sorgt es vor allem für eines: Ein permanentes Gefühl der Unsicherheit, welches sich selbstverständlich im Regelfall nicht als sinnvoll herausstellt. So war in den ersten Tagen nach dem Start der Reise niemals eine Gefahr auszumachen; keine bedrohlich erscheinenden Situationen, nirgends dunkle Gassen mit fiesem Gesindel, keinerlei Schüsse oder Sirenengeheul. Dennoch, gerade wegen der nicht aufhören wollenden Warnungen aus dem Netz und von daheim, herrschte stets eine unterbewusste Unsicherheit vor, worauf man wohl stoßen könnte. Neben der fehlenden Heizung im AirBnb-Domizil, was bei knapp 15 Grad Außentemperatur und dünnen Wänden schwer erträglich war, und der kaum einmal aus der Stadt weichenden Feuchtigkeit, die dem ganzen Aufenthalt ihren Zauber nahm, waren doch alle Menschen entweder ausgesprochen höflich oder gingen einfach ihrer Wege. Und warum auch nicht, immerhin waren sie in der Stadt zuhause und hatten ihren alltäglichen Pflichten nachzugehen.

So hieß es also, warm eingepackt, dem Wind zu trotzen und entlang einer der Hauptstraßen von Miraflores diesen Teil der Stadt zu erkunden. Nachdem wir den auf einer Kreuzung platzierten Brunnen der Andenstaaten passiert hatten, der wahrhaftig schon bessere Zeiten gesehen hatte, aber dennoch gewahr werden ließ, dass man sich in einer für uns völlig unbekannten Region unseres Planeten befand, hieß uns der Malecon, die lange und sehr schön angelegte Promenade oberhalb des Pazifik, Willkommen. Trotz des typischen, nicht enden wollenden Nebels, der es sehr dunstig gestaltete und die Meeres- mit der Horizontlinie verschwimmen ließ, erfreute uns die grüne Umgebung mit seinen Parks, Skulpturen, dem Leuchtturm und kleinen Bars. Solange man sich nicht umdrehte, war dies ein hübscher Kontrast zu den vielen Betonhochhäusern, die den Rand der jeweiligen Stadtviertel hin zum Meer bildeten.

Von der Aussichtsterrasse des kleinen Cafés Buenavista, in dem man authentische peruanische Leckereien zu sich nehmen kann, ging es immer an der Steilküste entlang durch die verschiedenen kleinen Parks, die eine Vielzahl Sportler und Spaziergänger anziehen und so selbst bei schlechtem Wetter gut frequentiert sind. Im Parque Amor, unter der riesigen Statue der Liebenden, wurden handgearbeitete Kleinigkeiten feil geboten und die ersten anderen ausländischen Besucher stellten sich ein. Man war kein Exot mehr, passte aber auch nicht so recht ins Bild – zumindest fühlte es sich noch immer so an. Dennoch war es beeindruckend, die Surfer zu beobachten und picknickenden Peruanerinnen zuzusehen, die den niedrigen Temperaturen trotzten und trotz des eisigen Windes auf einer Decke hoch über dem Meer mitgebrachte Speisen verzehrten. Von einem der vielen Outdoor Sportgeräte aus betrachteten wir das Treiben unzähliger Hunde, die von ihren Dog-Walkern auf diesen Hundeplatz am Malecon gebracht wurden, um sich auszutoben und der Leine ein Schnippchen zu schlagen. Ein wunderbares Gewusel, das von Trainierenden flankiert wurde, die ihre Joggingrunde mittels der stationär installierten Fitnessgeräte ergänzten.

Ein paar hundert Meter weiter, im Larcomar, dem topmodernen Einkaufszentrum mit Meerblick, konnten wir jetlaggeplagt etwas ausspannen und mussten erstaunt feststellen, dass die Preise für Kleidung in den bekannten Markengeschäften nicht niedriger als in Deutschland sind. Hier kauft dann offensichtlich nur die bessergestellte peruanische Schicht ein. Da das Einkaufen somit unmittelbar seinen Reiz verlor, zumal als Rucksackreisender sowieso wenig Platz zur Verfügung steht, nahmen wir alternativ unser erstes peruanisches Essen zu uns. Zwar vom Schnellimbiss, dennoch cool, unter anderem mit Reis, Spiegelei, Kochbanane und Hühnchen. Es schmeckte wirklich sehr gut und sorgte das erste Mal für eine gewisse Entspannung. Dankenswerterweise besaß das Larcomar auch einen Supermarkt, so dass wir uns nach einer ausgiebigen Pause mit den nötigsten Lebensmitteln eindecken und den Rückweg antreten konnten. Auf diesem testeten wir neben der Statue des Paddington Bear, der Lima seine Heimat nennt, noch eine Art Croissant mit Karamellfüllung, bevor es an der Promenade entlang zurück in die weiterhin sehr kalte Wohnung ging. Zumindest gab es aber warme Decken und zwei riesige (riesige!) Fernseher – so konnte dem Jetlag ein Schnippchen geschlagen werden, in dem der Rest des Tages mehr oder weniger dösend verbracht wurde und nur die nötigsten Teile des Kopfes unter der Decke hervorlugten, um ein wenig vom TV zu sehen. Trotz der Kälte, unnötiger Sicherheitsbedenken und dem vielen Beton war es insgesamt dennoch ein gelungener Einstieg, der neugierig auf mehr machte.

Keep on rockin´
Ree

Links beinhalten sowohl Empfehlungen für Aktivitäten und Orte (unbezahlt), als auch Produktempfehlungen (Affiliates). Dabei haben wir sämtliche empfohlenen Orte besucht und Produkte selbst erworben, getestet und für gut befunden. Ansonsten würden wir es nicht empfehlen 🙂

Reisen als Dauertherapie?

Unterwegs. Draußen in der Welt, als Außenstehender den Alltag der Anwohner aufsaugen, beobachten, darüber schreiben. Natürlich auch ein wenig der Sonne folgen, aber selbst Regen und Kälte fühlen sich on the road besser an, als zuhause, im ewigen Standard und Verdruss. Klar, wenn jeder so denken würde, gäbe es keine Müllabfuhr, keinen Busfahrer, keine Telekommunikationsangestellten und niemand würde mich zu meinen Reisezielen fliegen. Aber gäbe es niemanden wie mich, würde keiner mehr Stories von unterwegs verfassen und Inspirationen für eure Urlaubspläne liefern.

Muss ich mich daher für meine Planspiele schämen, ist es unmoralisch zu versuchen, damit sein täglich Brot zu verdienen? Ich habe das lange gedacht, doch so langsam dreht sich das. Ich merke, wie viel Arbeit der Aufbau einer entsprechenden Plattform bedeutet und wie viel Herzblut da drin steckt. Daher darf es auch etwas abwerfen, was es im Moment leider nicht mal im Ansatz tut. „Manchmal muss man eine Tür zuknallen, bevor sich eine andere vollständig öffnen lässt.“ Diese Worte von letzter Woche verfolgen mich nun dauernd. Und dann kommen meine Lebensmottos, die mir zurufen, sie nicht immer nur runterzubeten, sondern auch mal danach zu handeln: „Love it, change it or leave it“ und „Think less and do more“! Die Planung ist angelaufen.

Keep on rockin‘

Ree

Diese verflixte Suche nach der Passion!

Leidenschaft. „Finde einen Job, den Du liebst, und Du wirst keinen Tag mehr arbeiten müssen.“ An wie vielen Wänden, in wie vielen Profilen findet man genau diesen Spruch und wie selten schaffen es tatsächlich Menschen, ihm auch gerecht zu werden? Ich kenne tatsächlich (neben ein paar Freunden im Profisport) nur eine Person, die genau das beherzigt und derart durchgezogen hat, dass sie mit 30 noch die entsprechende Ausbildung startete: Meine Mom. Sie liebt Kinder über alles und hat seitdem tausende in ihrem Beruf als Erzieherin beim Aufwachsen begleitet. Chapeau, es sollte mir eine Lehre sein. Doch ist es eher eine Leere. Ich suche schon so lange nach der Beschäftigung, die mich wirklich perspektivisch glücklich macht und ausfüllt, dass ich die Jahre schon kaum mehr zähle. Dummerweise kann und mache ich zum Einen unzählige Dinge gut und gern, aber konzentrierte mich nie auf ein spezielles Interessengebiet, zum Anderen habe ich mit einem Job, der mir eher weniger Spaß macht, einen erstaunlich bequemen Lebensstandard erreicht, den man gerade finanziell nicht so ohne weiteres aufgeben mag, nur um seine wahre Passion herauszufinden.

Doch parallel rennt die Lebenszeit davon und die alltägliche Zufriedenheit mit dem Sinn der eigenen Tätigkeit schwindet schleichend von Tag zu Tag, bis der Morgen kommt, an dem man es kaum mehr aus dem Bett schafft, weil sich die Monotonie nur noch schwer ertragen lässt und sich der Gedanke aufdrängt, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein kann. Na, und dass man bei gutem gesundheitlichen Verlauf noch weitere 26 Jahre in einer solchen Tätigkeit verweilt und sich beständig mehr der Rente zusehnt, ist erst recht kein Trost – zumal, wenn man schon seit gut 23 Jahren im Arbeitsleben steckt. Da haben auch ein paar Monate Auszeit nichts gebracht. Was also tun?

Klar, eine erste Analyse ist schnell gemacht. Marktüberblick, Pro und Contra Listen, Kostenvergleiche für Aus- und Weiterbildungen, geht das nebenberuflich, wie hoch ist der Zeitaufwand, wie lange kann ich eigentlich ohne Gehalt überbrücken? Doch dann kommt eben das Problem: Was kann ich mir vorstellen, auch in fünf Jahren noch gerne zu tun und damit auch den täglichen Lebensunterhalt nebst ein wenig Altersvorsorge zu bestreiten? Kann man die Leidenschaft für Reisen, Schreiben, Fotografie, Musik und Filmen irgendwie zu Geld machen, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat, kein Profi ist? Blogger, digitale Nomaden und Co behaupten dies fortwährend, doch werden auch sie immer mehr und haben häufig schon nach dem Studium diesen Weg eingeschlagen, wo es noch keine engen Bindungen und elementare finanziellen Verantwortungen gibt. Das Risiko ist entsprechend überschaubar und noch ziemlich viel Lebenserwartung übrig.

Zudem nimmt die Skepsis im Umfeld mit steigenden Lebensjahren zu, nicht nur von Freunden, gerade auch von den Eltern, die sich ja permanent Sorgen machen und am liebsten das 45jährige Verweilen in ein und demselben sicheren Job zur Pflicht machen würden. Diese emotionalen Stolpersteine gilt es aufzulösen, doch das ist ein komplexes Feld. Im Gegenteil, erschweren diese konservativen Ansichten kreative und freie Gedankengänge, führen zu neuen Selbstzweifeln und weniger Risikobereitschaft. Sollte es nicht eigentlich andersherum sein, sollten nicht gerade die engsten Vertrauten an Vorhaben glauben und selbst abwegigere Gedankengänge unterstützen, sofern sie einen auf den Pfad des Glücklichseins zurück führen? So oder so ist das mit der Passion so eine Sache: Welche(r) 16- oder 19-jährige kann schon von sich behaupten, dass er genau weiß, was ihn / sie ein Leben lang mit Glück erfüllt. Genau. Darum: Scheut euch auch mit 30, 40, 50, 60… nicht, solche Gedanken zuzulassen, Träume zu konstruieren, Möglichkeiten zu ergründen und euch ganz tief drinnen nach euren Sehnsüchten für die Zukunft zu befragen. Es stimmt nicht, dass es nie zu spät ist. Die Zeit der Reue ist nah, denn das Leben ist und bleibt endlich. Daher: Wagt, bevor ihr nie gewinnt. Ich gehe es an, wird die Suche auch lang 😉

Keep on rockin‘
Ree

Von der Reise! (021/222)

Magie. Dieses Wort, für so vieles einsetzbar, habe ich schon oft von Freunden und Bekannten gehört, wenn es um das Reisen geht. Eine Reise weitet die Sinne, öffnet die Augen und ermöglicht neue Perspektiven. Auf das eigene Leben, auf andere Kulturen oder einfach nur auf den neuen Tag. Es scheint so etwas wie das letzte große Abenteuer, die letzte Überraschung in einem ansonsten recht eintönigen Leben zu sein. Und die Auswahl ist groß, es gibt auf dieser Welt so viel zu entdecken, unzählige Orte und Sehenswürdigkeiten, dass es unmöglich für ein Leben allein reichen kann.

Ich bin dennoch ein wenig zwiegespalten, denn ich reise zwar relativ viel, aber diese sagenumwobene Magie stellt sich bei mir nicht wirklich ein. Nach einer gewissen Anzahl an Reisen, ob in Europa oder anderswo, hat man alles schon mal irgendwo gesehen, ist jedes Land nur eine Fortsetzung des letzten, jeder Berg nur eine Kopie des vorherigen und einem jedes Meer bereits in ähnlicher Form irgendwo anders begegnet. Das mag traurig klingen, denn es nimmt von einem den inneren Drang des Abenteuers, der Reise, des Strebens nach Neuem. Es erleichtert aber auch ein wenig, denn es befreit auch vom Zwang des Reisen-müssens, der „immer weitere Stecknadeln in eine Weltkarte stecken“-Manie und befreit einen überdies von der Sorge, ständig irgendetwas zu verpassen oder gar insgesamt unvollendet zu sein.

Natürlich habe ich bis jetzt nahezu überall eine schöne Zeit verlebt und mir grundsätzlich immer vorstellen können, an den jeweiligen Ort irgendwann nochmal zurückkehren zu können. Das war in Thailand so, in Indonesien, selbstverständlich auch auf meinen diversen Europa-Trips und erst recht in Laos. Aktuell, auf dem Weg in mein Jugendtraumziel USA, beim Überfliegen von Grönland, habe ich ebenfalls das Gefühl, dass diese Reise Sinn macht. Die Schollen aus 10.000 Metern Höhe zu betrachten, ist schon ein wahnsinniges Gefühl und die Aussicht, endlich mal einen Fuß auf amerikanischen Boden setzen zu dürfen, erfreut mich trotz der etwas obskuren politischen Situation durchaus. Und dennoch ruhe ich in dem Sinne in mir dass ich weiß, dass dieser Urlaub die hohen Erwartungen aus 25 Jahren kaum wird erfüllen können und es vermutlich ein Ausflug wie jeder andere sein wird – nur eben mit 15 Stunden Flugzeit. Er wird sicherlich tolle Eindrücke bieten, interessante Städte und Naturschauspiele bergen, aber dass er magisch wird, bezweifle ich dennoch.

Nur stört mich das eben nicht. Es bringt eine neue Lockerheit mit sich, die die ewige Rastlosigkeit des „ständig alles neu entdecken müssens“ gegen ein „schauen wir mal, was der Tag so bringt“ ersetzt und mir mehr Freude bereitet. Das ist wirklich interessant und so völlig anders als sonst, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, mich wirklich darauf einzulassen. Mir selbst zu glauben, dass ich es ruhiger angehen lassen mag. Wahrscheinlich werde ich einfach nur alt. Vielleicht belehrt mich aber Kalifornien auch eines besseren, lässt mich wieder rastlos umherstreifen und frustriert zurück, wenn ich mal nicht alles gesehen habe. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Ich bin mir sicher, es wird schön. Far away in America. 

Keep on rockin´

Ree

Im Neuen wohnt die Sehnsucht! (1/52)

Leuchtfeuer. Knall auf Fall geht es immer los, das neue Jahr. Jedes Jahr. Gleich wo, gleich was vorher war. Als würde die Welt sich aller Sorgen mit lautem Gekrache entledigen und nicht nur böse Geister, sondern auch schwermütige Gedanken verscheuchen wollen. Dass das aber kein Allheilmittel ist, sollte selbst einfältigsten Gemütern aufgefallen sein, so wechselte ich das Jahr lieber unspektakulär mit meinem besten Freund bei einem guten Essen und einigen leckeren Getränken. Natürlich betrachteten auch wir das Feuerwerk über den Bergen des Siebengebirges, aber eben entspannt und sinnierend aus einiger Entfernung.

So läuft es nun also, das Jahr 2017, das so viel Ungewissheit mit sich bringt und dennoch einige Spannung verspricht. Die erste Woche ist tatsächlich schon fast herum. Es begann ganz ordentlich, mit der Zusage einer Wohnung in Bayerns Landeshauptstadt, was die ersten paar Monate schon mal organisatorisch erleichtert. So konnte es mit einem sorgenvollen Thema weniger in den ersten Trip des Jahres gehen, über die Alpen in Richtung Sonne und Plusgrade. Eine kurze Erholungsreise, bevor es mit aller Dynamik an die geplanten Aufgaben des neuen Jahres geht, sei es Studium, Kennenlernen eines Top-Sportvereins oder Aufbau eines eigenen Standbeins.

Sie hat nahezu alles gehalten, was sich von ihr zuvor versprochen wurde, diese Reise. Nur der Wind war trotz der Sonne und durchschnittlich 8 Grad am Tage wesentlich kälter als vermutet, so dass es sich während mehrstündiger Erkundungsspaziergänge auch hier durchaus auch mal richtig kalt anfühlte. Hier, das ist die Region vom Gardasee über Verona bis nach Venedig, wo ich im Sommer 2016 schon mal war, mir diese wunderschöne Gegend aber auch in spannender Winteratmosphäre mal ansehen wollte. Kurzum, es lohnt sich, auch wenn ein wenig Schnee dem Ganzen noch eine besondere Note verliehen hätte; schon, weil in Italien die Weihnachtszeit noch in vollem Gange war und bis zum 06. Januar alles besonders festlich ist. Viele Weihnachtsmärkte, besondere Veranstaltungen und die finale Verbrennung der Hexe sorgten für schöne Erlebnisse, Kurzweil und Erholung. So kann man ein Jahr schon mal beginnen lassen.

Mit Sport war hier zwar noch nicht so viel los, aber zumindest das Schrittziel von 14000 am Tag konnte ich nahezu immer überschreiten. Polar sei Dank, diese neue M600 motiviert mich tatsächlich zu mehr Bewegung. Spätestens ab München soll es dann aber auch wieder ins Studio gehen, ein McFit liegt dort direkt auf meinem täglichen Weg und selbst ein John Reed scheint in Planung zu sein. Wie von mir gewohnt, werdet ihr zu alldem regelmäßig ein paar Zeilen finden.
Doch was heißt regelmäßig? Nun, Ziel für 2017 sind 52 Beiträge, gemäß der Wochen des Jahres. Ob es schlussendlich doch noch mehr werden, wer vermag das schon zu sagen? Nur soviel ist sicher: Ihr werdet von mir lesen und das Jahr dürfte noch um einiges abwechslungsreicher werden, als das vergangene. Ich bin schon sehr gespannt.

Keep on rockin‘

Ree

Des Nachts, wenn alles schläft!

Realitätsschmerz. Die Welt fühlt sich anders an, wenn man nach einer Reise zurück in die Routine des eigenen Lebens kommt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man momentan beruflich eingebunden ist oder sich seinen eigentlich freien Plänen hingeben könnte. In einer anderen Umgebung wirkt alles etwas leichter, unbeschwerter und die unerledigten Themen der Heimat erscheinen weit weg. Zuhause prasselt alles wieder auf einen ein und was auf der Reise sinnvoll erschien, wird plötzlich erneut in Zweifel gezogen. Persönliche Konfrontation mit den eigenen Problemen ist eben doch deutlich schwerwiegender, als die Beobachtung selbiger aus der Ferne.

Am schlimmsten ist es in der Nacht, wenn der Körper eigentlich zur Ruhe kommen sollte, Träume einen aber schier durchdrehen lassen, weil sie wirklich alles ans Tageslicht bringen, das man zu verdrängen suchte. Der Kopf lässt sich offensichtlich nicht so leicht austricksen, wie man es gern hätte und sorgt somit für allmorgendlichen Schwermut, gewürzt mit einer Prise Verzweiflung.

Permanentes Statement der schläfrigen Gehirnwindungen ist momentan, einfach alles hinter sich zu lassen und über einige freie Wochen hinweg die Gedanken zu sortieren. Sei es auf einer Pilgertour, Entdeckungsreise oder anderen Variante, die den Alltag nicht eindringen lässt. Dumm ist nur, dass sich Probleme und Herausforderungen ja nicht in Luft auflösen; gerne nenne ich exemplarisch mal wieder das Haus, auch wenn das längst nicht die einzige mich beschäftigende Thematik ist. Logik ist also eine Variante, aber nicht zwangsläufig die Lösung allen Übels, auch wenn der Geist das manchmal suggerieren möchte.

Hinzu kommt noch die Frage, wie es in 2017 weitergeht, da München noch immer nicht final durchgeplant ist und ich unsicher bin, ob ich die Wohnung nicht doch so langsam kündigen sollte – die doppelten und demnächst dreifachen Mietkosten sind beileibe nicht zu unterschätzen. Und selbst für das Studium kann ich mich in dieser Woche noch nicht aufraffen, da Presserecht wirklich nicht mein bevorzugtes Modul ist. Hier gilt es wohl, sich aufzuraffen und einfach da durchzuwühlen (Mind Maps sind eine schöne Erfindung), doch ist auch das nicht per se einfach.

So werden mich also in den kommenden sieben Tagen noch so manche Fragestellungen wach halten, die wilde Maus im Kopf aktivieren und für ein permanentes untertägiges Gedankenwirrwarr sorgen. Erstaunlich, dass der Kopf stets die Hindernisse und Gefahren in den Vordergrund stellt, nicht die möglichen Wege und Chancen. Ich bin gespannt (und etwas verängstigt), wie es wohl weitergehen wird und versuche, mich mental etwas zu entspannen – was vermutlich spätestens am Freitag wieder im Eimer ist, wenn ich den Garten im Haus zu bearbeiten habe. Aber das ist wohl derzeit nicht zu ändern, also gilt es, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn mir völlig unklar ist, wie. Der Nacht sei Dank.

Keep on rockin´
Ree