Marilyn

Der Glaube an dies Leben

Vom Schaffen und vom Streben

Der Antrieb und der Schwung

Das alles hält uns jung

Doch stetig wächst der Druck

Man findet nicht zurück

Die Zeit geht rasch herum

Und plötzlich stirbt man jung

Inspiriert von der Marilyn Monroe Aufstellung im historischen Museum Speyer.

Keep on rockin‘

Ree

Diese verflixte Suche nach der Passion!

Leidenschaft. „Finde einen Job, den Du liebst, und Du wirst keinen Tag mehr arbeiten müssen.“ An wie vielen Wänden, in wie vielen Profilen findet man genau diesen Spruch und wie selten schaffen es tatsächlich Menschen, ihm auch gerecht zu werden? Ich kenne tatsächlich (neben ein paar Freunden im Profisport) nur eine Person, die genau das beherzigt und derart durchgezogen hat, dass sie mit 30 noch die entsprechende Ausbildung startete: Meine Mom. Sie liebt Kinder über alles und hat seitdem tausende in ihrem Beruf als Erzieherin beim Aufwachsen begleitet. Chapeau, es sollte mir eine Lehre sein. Doch ist es eher eine Leere. Ich suche schon so lange nach der Beschäftigung, die mich wirklich perspektivisch glücklich macht und ausfüllt, dass ich die Jahre schon kaum mehr zähle. Dummerweise kann und mache ich zum Einen unzählige Dinge gut und gern, aber konzentrierte mich nie auf ein spezielles Interessengebiet, zum Anderen habe ich mit einem Job, der mir eher weniger Spaß macht, einen erstaunlich bequemen Lebensstandard erreicht, den man gerade finanziell nicht so ohne weiteres aufgeben mag, nur um seine wahre Passion herauszufinden.

Doch parallel rennt die Lebenszeit davon und die alltägliche Zufriedenheit mit dem Sinn der eigenen Tätigkeit schwindet schleichend von Tag zu Tag, bis der Morgen kommt, an dem man es kaum mehr aus dem Bett schafft, weil sich die Monotonie nur noch schwer ertragen lässt und sich der Gedanke aufdrängt, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein kann. Na, und dass man bei gutem gesundheitlichen Verlauf noch weitere 26 Jahre in einer solchen Tätigkeit verweilt und sich beständig mehr der Rente zusehnt, ist erst recht kein Trost – zumal, wenn man schon seit gut 23 Jahren im Arbeitsleben steckt. Da haben auch ein paar Monate Auszeit nichts gebracht. Was also tun?

Klar, eine erste Analyse ist schnell gemacht. Marktüberblick, Pro und Contra Listen, Kostenvergleiche für Aus- und Weiterbildungen, geht das nebenberuflich, wie hoch ist der Zeitaufwand, wie lange kann ich eigentlich ohne Gehalt überbrücken? Doch dann kommt eben das Problem: Was kann ich mir vorstellen, auch in fünf Jahren noch gerne zu tun und damit auch den täglichen Lebensunterhalt nebst ein wenig Altersvorsorge zu bestreiten? Kann man die Leidenschaft für Reisen, Schreiben, Fotografie, Musik und Filmen irgendwie zu Geld machen, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat, kein Profi ist? Blogger, digitale Nomaden und Co behaupten dies fortwährend, doch werden auch sie immer mehr und haben häufig schon nach dem Studium diesen Weg eingeschlagen, wo es noch keine engen Bindungen und elementare finanziellen Verantwortungen gibt. Das Risiko ist entsprechend überschaubar und noch ziemlich viel Lebenserwartung übrig.

Zudem nimmt die Skepsis im Umfeld mit steigenden Lebensjahren zu, nicht nur von Freunden, gerade auch von den Eltern, die sich ja permanent Sorgen machen und am liebsten das 45jährige Verweilen in ein und demselben sicheren Job zur Pflicht machen würden. Diese emotionalen Stolpersteine gilt es aufzulösen, doch das ist ein komplexes Feld. Im Gegenteil, erschweren diese konservativen Ansichten kreative und freie Gedankengänge, führen zu neuen Selbstzweifeln und weniger Risikobereitschaft. Sollte es nicht eigentlich andersherum sein, sollten nicht gerade die engsten Vertrauten an Vorhaben glauben und selbst abwegigere Gedankengänge unterstützen, sofern sie einen auf den Pfad des Glücklichseins zurück führen? So oder so ist das mit der Passion so eine Sache: Welche(r) 16- oder 19-jährige kann schon von sich behaupten, dass er genau weiß, was ihn / sie ein Leben lang mit Glück erfüllt. Genau. Darum: Scheut euch auch mit 30, 40, 50, 60… nicht, solche Gedanken zuzulassen, Träume zu konstruieren, Möglichkeiten zu ergründen und euch ganz tief drinnen nach euren Sehnsüchten für die Zukunft zu befragen. Es stimmt nicht, dass es nie zu spät ist. Die Zeit der Reue ist nah, denn das Leben ist und bleibt endlich. Daher: Wagt, bevor ihr nie gewinnt. Ich gehe es an, wird die Suche auch lang 😉

Keep on rockin‘
Ree

Eine Retrospektive in Text und Bild! (Ende von 366)

Zurückgeblickt. Ein Jahr zum Vergessen, für viele Menschen, so auch zum größten Teil für mich. Voller Schmerz, Qual und Ungewissheit, Reisen in Länder und zum inneren Selbst. Aber auch mit einigen spannenden Einblicken und Erkenntnissen. Ein paar möchte ich zum Abschluss mit euch teilen.

Zum Ende hin ein Gespräch mit der bodenständigsten Nonne, die ich je das Vergnügen hatte, kennenlernen zu dürfen. So etwas kann womöglich Wunder, aber auf jeden Fall Momente der Einkehr bewirken; ganz unabhängig davon, ob eine höhere Macht tatsächlich existiert, wohnt in ihr eine besondere Aura inne, die das Erzählen erleichtert und Ratschläge wie weise Prophezeiungen erscheinen lässt.

Hoch droben in ihrem Kloster, in welchem sich meine höchstmögliche Glückseligkeit in tiefste Trauer zu verwandeln begann, regiert sie mit saftmütigem Wesen, mehr Verstand und besserem Augenmaß, als es manch hochrangigen Entscheidern in den heutigen Tagen zupass kommt.

Looks like a fuckin´ Wonderland! Dachten sich wohl viele Menschen, die aus der Ferne manch positive Geschichte unseres Landes vernommen hatten. Doch mit der Zunahme ihres Zuzugs kroch auch eine erbärmliche, längst vergessen geglaubte Kollektivgefühlswelt bei zu vielen meiner Landsleute wieder empor; die Angst vor dem Verlust des eigenen Wohlstands, die Sorge vor Menschen aus Kulturen, die man nicht versteht.

Umso trauriger, dass diese Ängste gerade dort am Stärksten wuchern, wo man allzu lange isoliert unter Gleichgesinnten gelebt und Neuem stets skeptisch gegenüber gestanden hat. Dort, wo Kulturen seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben (in meiner Heimat beispielsweise), verspüre ich eine deutlich größere Gelassenheit. Ich habe beispielsweise unzählige muslimische Kinder getroffen, die sich draußen an den Weihnachtsbräuchen erfreut haben – und Eltern, die lachend dabeistanden und das Leben genossen. Sowieso ist Weihnachten eine Freude für die Kinder; für alle anderen (ohne Kinder) ist es eher eine schöne Gelegenheit, mal etwas Ruhe zu finden.

Dramatisch also, dass einzelne Fehlgeleitete diesem so fürchterlichen IS-Regime verfallen und in deren Namen nicht nur Terror und Tod verbreiten, sondern eben auch Millionen friedliebender Menschen in Missgunst bringen. Doch ist ja genau dies das Ziel, die Spaltung der Menschen, die Zwietracht, die Uneinigkeit. Tulius Destructivus hatte im Comic „Streit um Asterix“ bereits ähnliches im Sinn, zum Wohle Cäsars. Lasst uns dem entgegenstellen, wie es die Bewohner des unbesiegbaren gallischen Dorfes tun.

Was ist drin und bricht aus, was gibt es für die Welt nie zu sehen? Ich habe viel gelernt, über die persönliche Dunkelheit, die zu ergründen kein Vergnügen ist. Meditation hilft, sie zu erforschen und ihren Ursprung zu erkennen. Das wiederum unterstützt bei innerer Heilung. Doch der Weg ist lang und hinterlässt Wunden, Schmerzen und Opfer. Vieles, was man sich wünscht, kann nicht erfüllt werden weil die inneren Dämonen Möglichkeiten finden, an allem und jedem zu zweifeln und jeden Schritt in Frage zu stellen. Das nervt, das zehrt und führt schon mal genauso zu tagelanger Resignation, wie auch zu permanenten Stimmungsschwankungen. Liebe Freunde, danke, dass ihr das alles ertragt. Wahnsinn.

Durchweg springen übrigens auch Momente in das Bewusstsein, die ein schwedisches Pop-Duo schon vor Jahrzehnten besungen hat. Es kommt seltener vor, ist dann aber nicht weniger intensiv. Ich bin gespannt, ob und wann sich das legt.

Wichtig ist, das habe ich gelernt: Konzentriere Dich auf das Jetzt und Du kannst Dich am aktuellen Tag erfreuen. Es ist das ewigwährende Pläne schmieden, was Zweifel, Sorgen und Druck aufkommen lässt. Dabei ist doch jeder einzelne Tag, und eben insbesondere der gerade laufende, maßgeblicher Wegweiser aller zukünftigen Entwicklungen. Mit jeder einzelnen Entscheidung im Jetzt wird das beeinflusst, was auf dem Weg vor einem liegt. Das klingt weise, ist leicht gesagt und doch schwer umgesetzt, aber zumindest als tagtägliches Mantra eignet es sich nicht schlecht.

dav

Dann war da natürlich auch noch das Haus als immerwährende, weiterhin ungelöste Aufgabe. Zum Jahresende hält es mich aufgrund seiner fehlerhaften Ölstandsanzeige noch in Atem, ist doch das Heizöl leer und ich nun tagtäglich am Notfall-Heizen über Kachelofen und Stromheizungen. Doch führt dies auch zu einer Festigung der Beziehung zwischen Haus und mir, so dass ich doch nochmal tief in mich gehen muss, inwiefern eine Eigenübernahme emotional sinnvoll und finanziell machbar ist. Denn ein Schmuckstück ist es ja schon, sonst hätte ich den Kaufvertrag vor inzwischen über einem Jahr nicht voller Freude unterzeichnet. Das wird ein Thema von noch so manch wacher Nacht und gehaltvoller Debatte mit Freunden und Familie. Fast freue ich mich schon darauf, dieses nimmerendende Thema zu einem Abschluss zu bringen. Wie auch immer.

Persönlich möchte ich endlich wieder einen wahren Sinn finden, nur habe ich gelernt, dass er nicht mehr ausschließlich in der Aufopferung für einen (oder mehrere) andere(n) Menschen bestehen darf. Es gibt unzählige Galaxien, aber was wir erleben geht nur uns selbst etwas an. Finde den Weg, Dich selbst zu mögen (vielleicht zu lieben) und Du kannst auch andere an Dir und Deinem Leben teilhaben lassen. Doch lebst Du nur um andere zu lieben, dann werden Dir auf dem Weg einige Enttäuschungen widerfahren, die in der Lage sind, so tiefe Wunden zu reißen, dass die Momente des Glücks aus dem bewussten Gedankengut zu verschwinden drohen.

Sich selbst in der Liebe und Bestätigung anderer zu finden, ist ein selbstzerstörerischer Weg mit kurzen Hochs und einschneidenden Tiefs. Kommt man aber hervorragend mit sich selbst klar, dann kann man auch andere an dieser Energie teilhaben lassen.

Und dann gab es ja noch den einschneidenden Verlust des Jahres, meine geliebte Oma ist von uns gegangen, die auch ich in den vergangenen Jahren viel zu selten besucht habe. War sie gerade in der Kindheit quasi allgegenwärtig, so nimmt die Kontaktfrequenz mit zunehmenden Alter scheinbar stark ab, da man seine eigenen Wege beschreitet – und geht ein Mensch dann für immer, stellt man sich durchaus die Frage, ob denn all das andere so unaufschiebbar war, dass für ein Telefonat, einen kurzen Besuch kaum mehr Zeit blieb. Meine Gefühlswelt könnt ihr hier gerne nochmal nachlesen. Auf jeden Fall ist auch oder gerade dieses Ereignis (m)eine Lehre für die Zukunft, zu spät für meine Oma zwar, doch relevant für die noch Lebenden: Gerade mit meinen Allerliebsten, meinen Eltern (natürlich den besten Eltern der Welt) soll und wird mir das nicht passieren. Das garantiere ich.

Damit soll 2017 eingeleitet werden, in dem neue berufliche Herausforderungen warten, private Reisen anstehen, Entscheidungen zu treffen sind und natürlich vieles Potenzial hat, Angst zu verbreiten. Aber erstmal schaue ich auf morgen, wechsele das Datum und strebe an, den Tag zu genießen. Macht ihr mit? Ich wünsche euch einen fantastischen Jahresausklang und einen hervorragenden Start in das neue Jahr. Die Australier sind uns schon voraus, lasst uns jubelnd und singend nachziehen. Die Reise geht weiter!

pro-cam

Keep on rockin´
Ree

 

Das Ziel ist im Weg!

Ziele. Können Wegweiser sein, Hilfestellung geben, aber auch ein inneres Druckmittel darstellen. Sie geben dem Alltag vermeintlich Struktur, da man auf etwas hin arbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes „abzielen“, kann. Vordergründig sind sie also offenbar geeignet, den Tag sinnvoll zu gestalten, um ebendiesem manchmal selbst gesetzten, oft auch fremd bestimmtem, Ergebnis entgegenzustreben. Die einzelnen Arbeitsschritte um in einem Projekt voranzukommen seien dabei ebenso genannt, wie beispielsweise die Planungskomponenten einer bevorstehenden Reise (Recherche – Buchung – Wartezeit – Abreise).

Nun gibt es Menschen, die eine solch klare Struktur benötigen. Die ohne sie nicht wirklich voran kommen und im ewiggleichen Trott verharren, sofern sie keinen irgendwie gearteten Wegweiser aufgezeigt bekommen oder sich zumindest selbst setzen. Sie würden ansonsten auf der Couch verharren, den Fernseher anstarren und nicht die Motivation aufbringen, den Tag als Abenteuer zu sehen und einfach mal loszulegen. Für sie sind der tägliche Gang zur Arbeit, die dort zu verrichtende Aufgabe und die Verpflichtungen des Privatlebens Antrieb und Lebenszweck in einem. Auch wenn ich es mir nicht zwangsläufig vorstellen kann, so vermag dies durchaus viele Menschen glücklich zu machen und ihnen Freude zu schenken.

Andere widerum lassen sich von Zielen einschüchtern, manchmal gar hemmen, so dass sie ihnen wie eine bedrohliche Wand erscheinen, die zu überwinden schier unmöglich erscheint. Die Gefahr besteht, dass dadurch bereits im Vorfeld Resignation vorherrscht und der notwendige Elan nicht aufkommen mag. Für sie sind viele kleine Schritte notwendig, deren Bewältigung wenig Anstrengung befürchten lässt und mit jeder minimalen Erreichung ein erleichtertes Gefühl kurzen Glücks hinterlässt. Durch die permanente Anspannung, scheitern zu können, halte ich diese Variante für belastend, ist doch die Furcht vor dem Scheitern ein ständiger Begleiter und jedwede Kritik direkt ein Stich in Herz, Seele und Selbstbewusstsein.

Für mich versuche ich, eine Art Mittelding aus Eigeninitiative, leichtem geschubst werden und “auf das Abenteuer warten“ zu kombinieren. Ich merke gerade nämlich, dass mir ein festes Ziel durchaus nicht ganz angenehm ist und die Macht hat, den sonst typischen Aktionismus etwas zu hemmen (München). Dazu sorgt ein festes Vorhaben (Sprachkurs) gerade dafür, dass ich ein alternatives Szenario (Asientrip) zu verwerfen drohe, obwohl ich es eigentlich viel lieber angehen würde. Denke ich. Doch habe ich schon so lange vom Sprachkurs erzählt, dass ich es irgendwie auch falsch fände, nicht daran festzuhalten. In Summe hemmt mich das aktuell, was ebenfalls blöd ist, denn mir wird kaum ein wie auch immer gearteter Flug in den Schoß fallen.

Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, einfach spontan einen Hinflug zu erwerben, ohne konkrete Planung, ohne Rückflug und dann nach Laune zu verweilen oder weiter zu ziehen. Auch eine Art Abenteuer. Möglicherweise blockiert auch die anstehende Gedenkfeier für meine Oma die Überlegungen, denn da möchte ich auf jeden Fall zugegen sein und auch nicht direkt im Anschluss wieder verschwinden. Zudem muss ich einige Behördengänge vollenden, die mich nerven, aber unumgänglich sind. Puh.

Bleibt die Frage des Philosophen: Wäre es ein Gutes, den Zeitpunkt und Ort des eigenen natürlichen Todes schon vorab zu erfahren und somit das ultimative Ziel vor Augen zu haben? Würde das die Qualität des Lebens steigern und zu einem erfüllteneren Dasein führen oder gar noch mehr blockieren, damit man sich ja nicht in Gefahr begibt, noch früher per Unfall hinfort zu scheiden? Wäre das gut oder schlecht? Hach je, ich habe es heute aber mal wieder ordentlich zerstrubbelt, das eigene Hirn. Vielleicht sollte doch lieber der Weg das Ziel sein. Oder Ziellosigkeit die Erfüllung. Oder so.

Keep on rockin‘

Ree

Vielleicht müsste man mutiger sein!

Mutlosigkeit. Ist der Hemmschuh, der uns davon abhält, einen neuen Weg einzuschlagen oder den nächsten Schritt zu gehen. Die (vermeintliche) Komfortzone zu verlassen und mal zu schauen, was es über dem eigenen Horizont sonst noch so geben mag. Natürlich, es gibt auch gute Gründe, im vertrauten Umfeld zu bleiben, das aus Eltern, Familie, Freunden und der Lieblingskneipe besteht, und ich möchte nicht in Abrede stellen, dass auch dies zu einem glücklichen Leben führen kann. Dann eben etwas eingeschränkter, nicht zwangsläufig schlechter. Doch ist man so rastlos und innerlich getrieben wie ich, dann stellt sich durchaus häufiger die „was wäre wenn“-Frage: Was wäre gewesen, wenn ich den anderen Weg gegangen, das Risiko gewagt hätte?

Etwas nicht zu tun, ausschließlich getrieben von der Angst negativer Konsequenzen, mag bei moralisch fragwürdigen Vorhaben korrekt, ansonsten aber hemmt es etwas, das durch nichts in der Welt zu ersetzen ist: Neue Erfahrungen! Wenn ich auf Ewig an meinem Job festhalte, ob er mir Freude bereitet oder nicht, werde ich niemals herausfinden, ob da draußen nicht noch eine andere spannende Aufgabe auf mich wartet. Entschließe ich mich, nach einer krachend gescheiterten Beziehung den Freuden der Liebe zukünftig zu entsagen, um dem Schmerz einer Trennung in vorauseilendem Gehorsam zu entgehen, beraube ich meinem Leben möglicherweise viele schöne Stunden. Reise ich nur und immerzu an denselben Urlaubsort, wähne ich mich dort zwar bald zuhause, mein Auge bleibt aber verschlossen für die Schönheiten anderer Teile dieser Welt. Und diese Aufzählung ließe sich durchaus noch lange fortführen.

Man sagt ich sei ein Wortvirtuose, so etwas wie ein Künstler auf der Klaviatur der Buchstabenvielfalt, doch gestalte ich mit den Fingern nur die Stories meines Lebens in eine lesbare Gestalt um, gieße Gedanken in Form und hoffe, dadurch etwas Interessantes, Fühlbares zu kreieren. Trotzdem habe ich lange Jahre nicht mal ansatzweise darüber nachgedacht, auch das Beruflich in diese Richtung zu entwickeln. Klar, ich war schon in manchen Redaktionen, nebenberuflich, schreibe viele Reiseberichte (anonym), habe ein Kinderbuch zusammengebastelt (ohne finanziellen Erfolg) und verfasse diesen Blog. Aber professionalisiert ist davon im Großen und Ganzen nichts, einfach, weil ich es aus Freude und für mich mache. Aber wäre nicht gerade das ein Grund, es auch für den täglichen Broterwerb zu nutzen?

Nun, genau da knüpfe ich aktuell an, hole mir momentan etwas Hilfe bei der Popularitätssteigerung dieser Seite und möchte mit dem schon erwähnten journalistischen Fernstudium noch ein wenig Rüstzeug erwerben, um an meinem Stil zu feilen und ein paar neue Kniffe kennenzulernen. Doch bedurfte es etwas Mut und einen mentalen Tritt in meinen Hintern, um mich dafür zu entscheiden. Ich schreite nun in eine etwas ungewissere Zukunft, doch aktuell fühle ich mich gut dabei. Was nichts daran ändert, dass auch ich zweifle, mich frage, wohin mich das alles führen wird und eigentlich ja auch die räumliche Nähe von Rheinland und Ruhrgebiet nicht aus den Augen verlieren möchte. Doch wenn ich das nun nicht mache, werde ich es vermutlich bis auf das Sterbebett hin bereuen. Erst kürzlich durfte ich in Tagebüchern meiner verstorbenen Oma lesen, dass das Leben gerade in den letzten Jahrzehnten eben nicht die Freuden bereit hielt, die wir uns alle für sie gewünscht hatten.

Nein, ich habe wirklich keine Ahnung, wie sich das nun alles entwickeln wird, doch lerne ich durch diverse Erlebnisse der vergangenen paar Wochen, das ein Rückblick zwar ok ist, den Weg nach vorne aber nicht vorgibt, sondern lediglich mit dem Erfahrungsschatz vergangener Erlebnisse glänzt. Die Zukunft gestalten lässt sich dadurch nur bedingt, den Mut zu neuen Wegen muss man schon ganz befreit und selbst angehen. Was ich mir nun vorgenommen habe, was ich angehen werde. Die letzten Arbeitstage werden sicherlich emotional und schmerzhaft, aber dann erwarten einen Chancen, Risiken und Erlebnisse. Ich bin gespannt und lasse mich nicht nur überraschen, sondern leite das ein oder andere gar eigenständig ein. Wohin auch immer das dann führen wird.

Keep on rockin´
Ree

Und plötzlich einfach fort!

Lebensende. Auch wenn es uns alle ereilt, früher oder später, und wir uns theoretisch jederzeit darauf vorbereiten könnten, scheint es doch selbst bei geliebten Menschen in gehobenem Alter irgendwie überraschend, dass derjenige nicht unsterblich gewesen ist. Erinnert man sich doch noch an die eigenen, nicht allzu lange zurückliegenden Worte über die Zähigkeit, den unerschütterlichen Atem, die Vermutung, dass die Hundert locker zu überschreiten sind. Gerade wenn es sich um ein so zartes Persönchen wie meine Oma handelte, die trotz ihrer nachteiligen Physis erstaunlich vielen Rückschlägen getrotzt hatte, war man geneigt zu denken, dass sie nichts in die Knie zwingen könnte.

Welch fataler Irrtum, wie mir heute früh die Kurznachricht meiner Mama, mit dem unverblümten Inhalt „Oma ist gestorben“, in all ihrer Gnadenlosigkeit mitteilte. Nicht sanft eingeschlafen, leider, sondern durch eine fatale Fehlentscheidung der Ärzte aus dem Leben gerissen worden, die sie gestern trotz heute posthum diagnostizierter Lungenentzündung und gegen den Widerstand der Familie nach Hause geschickt haben. Ich bin unfassbar sauer darüber, da es somit vermeintlich vermeidbar war, doch wird das nun Teil von Ermittlungen, die der heutige Arzt eingeleitet hat und soll(te) eigentlich nicht Bestandteil dieses Blogeintrags werden. Ok, der Frust hat gesiegt.

Doch es geht darum, einem Menschen zu gedenken, dessen Selbstlosigkeit mehr als bemerkenswert war, ein paar Worte zu verlieren, auch um meine Erinnerung zu konservieren. Vielleicht der für mich persönlichste Beitrag, möglicherweise für keinen anderen Leser irgendwie von Bedeutung. Doch bin ich zu einem großen Teil bei meiner Oma aufgewachsen, habe viele Stunden und Tage an Wochenende und in den Ferien mit ihr verbracht, habe mir unzählige Benjamin-Blümchen-Kassetten kaufen lassen und gelacht, so unfassbar viel gelacht.

Es war mir eigentlich immer unbegreiflich, wie sie es stets fertiggebracht hat, mit dem wenigen Geld, den vielen (Enkel-)Kindern so viele Herzenswünsche zu erfüllen und Augen zum Glänzen zu bringen. Wie sie fried- und freudvolle Weihnachtsfeste veranstalten und sich wie ein Kesselflicker streiten konnte – vorzugsweise mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Mann, meinem Opa. Geldnot, ein vorherrschendes Thema in Kindertagen, wurde von ihr mit dem letzten Pfennig gelöst, so dass man sich nur wundern konnte, wie sie sich überhaupt die letzten Lebensmittel hat leisten können; doch dann kommt wieder die Erinnerung, an die vielen im Stillen verrichteten Arbeiten bis ins hohe Alter, beispielsweise vom frühmorgendlichen Putzen eines großen Supermarkts.

Sie wurde in eine Zeit geboren, die wir uns alle heute nicht mehr vorstellen können (manchen rechtsgedrehten Hohlbratzen täte ein Flashback allerdings mal recht gut) und die bedrohlicher und beschwerlicher gewesen sein dürfte, als alles, was um uns herum aktuell passiert. 1930 entbunden, während des Krieges per Landverschickung in vermeintliche Sicherheit gebracht, durfte sie nach 1945 in eine völlig zerstörte Heimatstadt zurückkehren. Die Nazis hatten Deutschland zugrunde gerichtet und sie zeitlebens zu einer Verfechterin von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gemacht. Etwas Gutes im Schlechten. Vielleicht kam daher auch ihre Geradlinigkeit, die durchaus schon mal in wenig charmanten Konfrontationen enden konnte.

Mit 21 dann ist sie erstmalig Mutter geworden, normal in der damaligen Zeit, und ab diesem Moment zählte nur noch die Familie, für die sich aufgeopfert und als Gastwirtin (im legendären Bickefelder Tor) bis spät in die Nacht malocht wurde. Vier Jungs hat sie groß und stattlich erzogen, auch wenn es Rückschläge gab, doch alle schenkten sie ihr Enkel, reichlich in Summe, so dass es auch später nicht langweilig (aber auch finanziell nicht besser) wurde. Urlaube waren nicht drin, aber Dortmund war stets Wohlfühlort und Heimat zugleich. Die Wohnung mit kleinem Garten entpuppte sich insbesondere in den 80er und 90er Jahren zu einem Treffpunkt voller Kinderlachen und Erwachsenengespräche.

In den vergangenen Jahren wurde das dann seltener, die Kinder wurden groß, verteilten sich und der Umzug in eine neue Wohnung sorgte aus unerfindlichen Gründen dafür, dass die Besuche nachließen und das Heimatgefühl verschwand. Oma hatte immer Verständnis, dafür, dass alle ihrer Wege gingen, ihr eigenes Leben gestalteten und nur selten von sich hören ließen, doch bin ich sicher, im Stillen hat sie es schon bedauert. Mit den Jahren (und schwindendem Gehör) zog sie sich auch aus Gesprächen mehr und mehr zurück und obwohl sie immer noch Freude auszustrahlen wusste, nahm sie einen passiveren Part ein, den man so von ihr nicht kannte.

Hatte man kurz vorher noch nach 90 Minuten am Telefon krampfhaft nach einem Ausweg zum Auflegen gesucht, war es nun schwierig, sie zu mehr als zwei Minuten am Hörer zu bewegen. Das war schade, aber auch selbst verursacht. Warum sind wir so unregelmäßig erschienen, warum habe allein ich sie nur maximal fünfmal in den letzen drei Jahren gesehen? Das bleibt für mich ein Schandfleck, der nicht zu bereinigen ist. Ich hatte stets das Gefühl, durch meine Mama an ihrem Leben teilzuhaben, weil sie mehrfach wöchentlich dort war und alles berichtete – aber das ersetzt keine persönliche Begegnung, das weiß ich jetzt und wusste es immer. Nur habe ich es nicht in Energie umgesetzt und schäme mich dafür; vor mir selbst, niemandem sonst.

Doch bleiben werden die Erinnerungen an den wichtigsten Menschen neben meinen Eltern. An Übernachtungsparties in einem Zelt aus Bettdecken. Spaziergänge durch Hördes Straßen. Diskussionen über die Marotten der Nachbarn. Und so unfassbar vieles mehr. Fehlen wird sie mir, sehr, auch wenn es zu meinem Bedauern zuletzt vordergründig eher das Wissen war, dass in der fernen Heimat diese stets vertraute Person lebt und auf ein erfülltes Leben zurück blickt. Aus jedem Urlaub habe ich ihr eine Karte geschickt, nur ihr und meinen Eltern. Es wird seltsam sein, demnächst nur noch eine zu verschicken.

Was bleibt, ist Gewissheit. Darüber, dass mein Verhältnis zu meinen Eltern, so bizarr es manch einem wegen seiner Enge erscheinen mag, genau richtig für mich ist. Die innere Sicherheit, dass ich niemals eine Partnerschaft haben möchte, die in Konkurrenz zu dieser Verbindung steht; nein, wenn ich mich nochmal binden sollte, möchte ich, dass das in einem tiefen Verständnis darüber wurzelt, dass mir meine engste Familie über alles geht – man kann Teil davon werden und ich war fest davon überzeugt, dass dies in den vergangenen Jahren beidseitig erfolgt war, möglicherweise zu unrecht. Doch bin ich frohen Mutes, dass, sollte es sich für mich irgendwann mal wieder dahin entwickeln, jemand, der sich für mich entscheidet, auch meine Eltern ins Herz schließen würde. Denn ohne sie wäre ich nicht(s), ich verdanke ihnen alles und werde das in der uns gegebenen Zeit bewahren. „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.“ – Augustinus Aurelius. Ich möchte hinzufügen: „Bis ins hohe Alter!“. Oma, rock den Himmel und geh dem Opa mal wieder richtig auf den Keks. Wir sehen uns … irgendwann!

Keep on rockin´
Ree

Oma_Ree

Das Leben ist ein Marathon! (155/366)

Dauerlauf. Monotone Bewegungsabläufe, um sukzessive voranzukommen, mal schneller, mal weniger schnell. Wettkämpfer streben einer bestimmten Zeit entgegen, Genussläufer wollen einfach nur den Lauf genießen und die Unsteten wechseln immer mal wieder die Distanz, um Abwechslung in den Alltag zu bringen. Gar nicht so anders als der sonstige Part des Lebens, das Leben an sich.

Für die meisten von uns geht es doch jeden Tag irgendwie identisch den Vortagen weiter, die Abläufe sind automatisiert und die Aufgaben unterscheiden sich in der Regel nur um Nuancen von denen anderer Tage. Klar, mal sind Lust und Laune besser und man ist ausgeschlafener, motivierter als an anderen Tagen. Dann geht manches leichter von der Hand und fühlt sich besser an. Aber die Routine bleibt bestehen. So zieht das Leben an einem vorbei, von Wochenende zu Wochenende, Urlaub zu Urlaub, Jahr zu Jahr.

Lebt man in einer glücklichen Beziehung, hat Kinder gar, dann ist zumindest die Frage der Sinnhaftigkeit weitestgehend geklärt. Man kann Verantwortung übernehmen und die Routine des täglichen Daseins, der beruflichen Einspannung, ergibt Sinn. Außerdem bringen Kinder eine Abwechslung ins Leben, die zwar meine Freunde auch oft verzweifeln lässt, in Summe aber zu häufigen Perspektivwechseln und Lebenslust zu führen scheint.

Ist man hingegen alleine, noch dazu so brachial aus einer Partnerschaft gerissen worden, dass einem der nachhaltige Glaube an alles Gute in einer solchen Beziehung abhanden gekommen ist, dann gilt es wohl, eine gewisse Zeit der Monotonie überwinden zu müssen. Einfach zu funktionieren, terminologisch weiterzulaufen, um vielleicht irgendwann wieder einen interessanteren Abschnitt zu erreichen.

Doch vielleicht muss man auch mal ausbrechen. Nach links und rechts schauen, eine Abkürzung wählen oder eine Nebenstrecke probieren. Mal querfeldein laufen, ohne zu wissen, wo der Weg hinführt. Da kommt das Risiko ins Spiel, die innere Stimme, stets zur Vorsicht mahnend und den sicheren Pfad vorschlagend. Doch wann sollte man sie überstimmen wenn nicht jetzt, wo sowieso alles zerbrochen ist, man bis zu den Knien in Scherben steht und die momentane Position nur noch schmerzt? Wann sonst ein Risiko eingehen? 

Vielleicht reicht es nicht mehr, das Drumherum einfach zu ertragen, weil man es gewohnt ist, den Job gut beherrscht und einige Freunde in der Nähe sind. Vielleicht muss man in die Welt, die ja groß genug ist, um jeden Tag etwas Neues zu sehen. Vielleicht muss man auch einfach nach Hause, weil einen die Stadt die man lieb gewonnen hat doch nur abstoßen möchte? Der Marathonläufer der Antike ist am Ziel zusammengebrochen, gestorben am Ende seiner Sehnsüchte. Er hatte seinen Auftrag erfüllt, ob er glücklich starb? Vermutlich einfach nur erschöpft. Aber vollkommen. Das ist doch was.

Keep on rockin‘

Ree