Die Wahl zu haben heißt nicht, dass man die Kontrolle hat!

Jobwechsel. Mal etwas Neues sehen, etwas Anderes wagen, die Routine aufbrechen und den Blickwinkel verändern. Vielleicht auch einfach einen weiteren Karriereschritt unternehmen oder nach mehr Geld streben. Es gibt viele Gründe, um sich nach Alternativen umzuschauen und wenn man sich einen gewissen Status erarbeitet hat, wird auch das ein oder andere Angebot entstehen. Doch ist es immer sinnvoll, aus dem sicheren Hafen heraus zu segeln und die Perspektive zu wechseln? Kann es nicht auch mal schön sein, morgens bereits zu wissen, welche Anforderungen über den Tag hinweg zu bewältigen sind und Gewissheit zu haben, diesen auch gewachsen zu sein? Nicht jede Woche muss mit neuen Herausforderungen aufwarten, nicht immer ist die Extrameile das Mittel der Wahl. Der Druck, den wir uns durch Veränderungen auferlegen, nämlich seinen vormaligen Status zu bestätigen, neue Kolleg(inn)en von sich überzeugen und mit Leistung glänzen, kann uns auch einknicken lassen. Und dann haben wir gar nichts gekonnt, sondern hängen womöglich in einer Spirale fest, in welcher wir den altbekannten Arbeitgeber mit all seinen positiven Faktoren vermissen – die negativen werden dabei natürlich vom Gehirn ausgeblendet. Also, selbst wenn ein Jobwechsel attraktiv erscheint: Nach bereits zwei Fehlentscheidungen diesbezüglich empfehle ich euch, nicht nur eine Nacht, sondern eher einen ganzen Monat darüber zu schlafen.

Therapievarianten. Es gibt so viele Ansätze und Meinungen, wenn es um physische oder psychische Verletzungen geht, dass man rasch den Durchblick verliert. So können muskuläre Beschwerden, eingeklemmte Nerven oder ähnliches mit Wärme, Kälte, Elektronik, Massagen etc. behandelt oder die Psyche über Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und vieles mehr geheilt werden. Und steckt man in einer der oben skizzierten Drucksituationen, kann sogar beides, muskuläre und psychische Beschwerden, dadurch ausgelöst werden. Dummerweise lassen Ärzte uns häufig selbst entscheiden, was wir für die bessere Behandlungsmethode halten. Als hätte ich diesen Studienzweig beschritten, nicht die vor mir sitzende Heilkraft. Da Massagen nichts gebracht haben, genauso Elektronik und Wärme, bat ich um eine Spritze. Pustekuchen, es gab Muskelrelaxan. Warum fragt sie dann? Möglicherweise hilft es, vor jedwedem Praxisbesuch mal einen Ratgeber zu den Beschwerden zu lesen. Nur nicht über google, in 90% der Fälle führt gemäß der Top-Suchergebnisse des Onlinegiganten jedes Zipperlein unmittelbar ins Verderben. Das gute, alte Medizinlexikon reicht da wohl völlig…

Wohnort. Das Heimatthema hatten wir ja gerade erst, aber auch ein Wohnortwechsel ohne emotionale Zerrissenheit kann anstrengend sein. Auch wenn ein neues Umfeld belebend und erfrischend sein kann, so sorgt es doch für vielerlei beängstigende Momente. Die Herausforderung, auf sich allein gestellt zu sein, sich zurechtfinden und neue Lieblingsplätze finden zu müssen, falsche Gegenden zu meiden und mit den Einheimischen Kontakte zu knüpfen, ist gerade für introvertierte Zeitgenossen nicht einfach. Gehört man dann noch zu einer Altersklasse jenseits der 35, fallen auch viele Freizeitaktivitäten aus, bei denen vormals quasi spielend neue Bekanntschaften entstanden sind: Sport, Discobesuche, Partygänge. Und selbst, wenn man die Stadt nicht allein gewechselt hat, entstehen kriselnde Situationen, denen man sich zuvor nicht ausgesetzt sah. Es kann belastend sein, nur eine wirkliche Vertrauensperson in der näheren Umgebung zu haben, denn kleinere Reibungspunkte sind völlig normal; doch ist es fatal, wenn dann kein bester Freund oder keine beste Freundin zu einem spontanen Treffen vor Ort ist. Das Telefon kann das nur bedingt ersetzen und so beginnt manchmal eine schleichende Entfremdung, die tragisch enden kann. Wenn der neue Wohnort gewisse Attraktivitätsfaktoren wie eine hübsche Innenstadt oder einen hohen Freizeitwert besitzt, hilft das aber häufig bereits. Dennoch bleibt, ein Wohnortwechsel ist ein elementarer Eingriff in die persönliche Komfortzone.

Beziehungen. Oft schon habe ich von Singles gehört, dass sie sich nach der Zweisamkeit sehnen, ebenso aber auch mit Paaren gesprochen, die ihren Freiraum vermissen und immer mal wieder darüber nachdenken, einfach auszubrechen – nur um sich, so sie es tatsächlich vollzogen haben, später dann doch wieder nach Geborgenheit zu sehnen. Ist das Gras in Nachbars Garten wirklich immer grüner oder kommt es einem, gefangen im persönlichen Alltag, nur grüner vor? Warum will man so oft genau das haben, was gerade unerreichbar scheint und sehnt sich nach Vergangenem zurück, wenn man es erreicht hat? Macht es nicht viel mehr Sinn, einfach mal glücklich im Hier und Jetzt zu verweilen, die Gegenwart zu genießen und auf das Universum zu vertrauen. Veränderungen geschehen trotzdem, erfahrungsgemäß schleichend, und sie können genauso zu großen Umwälzungen führen, wie der Big Bang – nur eben nicht so plötzlich, nicht so dramatisch. Ich bin ja auch nicht von heute auf morgen 20kg schwerer geworden und genauso wenig werde ich die wieder los, wenn ich heute wie ein Irrer trainiere. Das muss in kleinen, nachhaltigen und wohl geplanten Schritten verlaufen. Also keine Hektik, Nachbars Gras ist nicht grüner. Es ist nur Dein Verlangen, diesen Rasen zu besitzen. Doch wenn Du ihn dann hast, lässt seine Attraktivität rasant nach.

Urlaub. Reist Du auch mal allein? Oder macht Dir das eher Angst? Willst Du Erlebnisse unmittelbar teilen, oder kannst Du sie kompensieren und bist bereit, sie den Daheimgebliebenen nach Deiner Rückkehr zu erzählen? Ein wenig hängt es vermutlich sogar von Deinem Geschlecht ab, müssen Frauen doch vermeintlich größeren Gefahren ausweichen, als Männer. Doch auch für mich (Mann) verursachte alleine zu verreisen zunächst ein unangenehmes Gefühl. Ich war dreimal ohne Begleitung weg und die ersten beiden Tage waren immer zittrig, verwirrend und unschön. Kurzum, ich wollte direkt wieder zurück fliegen. Glücklicherweise bin ich geblieben, denn die Erfahrungen ab Tag drei sind sehr wertvoll gewesen. Nicht nur habe ich auf einer Reise ein Kinderbuch geschrieben und auf einer anderen viel Sport getrieben. Nein, ich habe mir intensiver Gedanken über mein Leben gemacht, als jemals zuvor und konnte Antworten auf lange gehegte Fragen finden. Das hat mich nicht nachhaltig glücklicher gemacht, diese Illusion will ich Dir nehmen, aber in den jeweiligen Momenten habe ich mich anders, stärker gefühlt. Ich habe auf jeden Fall vor, in diesem Jahr nochmal eine Woche mit mir selbst zu verbringen und kann es Dir nur wärmstens empfehlen. Aber natürlich sind gemeinsame Reisen ein ganz besonderes Vergnügen. Egal, ob mit dem Partner, besten Freunden oder den Eltern: Jede Konstellation hat eigene Reize und manchmal sieht man sogar den immer gleichen Urlaubsort mit völlig anderen Augen.

So gibt es also viele Situationen, in denen man die Wahl hat. Aber kann man alles kontrollieren? Niemals. Du hast die Wahl, links oder rechts abzubiegen, aber welche Route die Schönere ist, weißt Du vorher oft nicht. Du kannst es nur ausprobieren und wirst vielleicht nie erfahren, was Dich auf dem anderen Weg erwartet hätte. Also mach das Beste aus der Route, die Du tagtäglich für Dich selbst wählst. Für heute ist es nämlich die einzige, erst morgen kannst Du einen alternativen Pfad versuchen.

Keep on rockin‘
Ree

Vom ewigen Kind!

Kindheitsträume. Was, wenn es Dir nicht gelingt, von ihnen abzulassen. Wenn Du zwar älter wirst, aber Dir das, was Du unter Erwachsen sein vorgestellt hast, weiterhin fremd vorkommt. Wenn Dir Dinge wie sesshaft werden, für das Alter vorsorgen und Routine reinbringen nicht geheuer sind? Versteh mich nicht falsch, ich meine damit kein völliges Verbarrikadieren vor den Anforderungen, die das Leben mit fortlaufender Dauer an einen stellt. Natürlich kannst Du gut in Deinem Job sein, obwohl er nicht Deinen Lebensträumen entspricht. Klar ist ein gewisses Engagement möglich, obwohl Du Dich häufig genug in eine andere Realität träumst. Doch ändert das eben nichts daran, dass sich Dir einfach viele Pfade nicht so recht erschließen, die Deine Altersgenossen längst beschritten haben. Vielleicht hast Du sogar versucht, ihnen zu folgen, es ihnen gleich zu tun und all das zu versuchen, was „die Erwachsenen“, „die Anderen“ von Dir erwarten. Und bist möglicherweise krachend gescheitert, denn es war nicht Dein Weg. Deinen suchst Du, verzweifelt, jeden Tag aufs Neue. Mal wirklich intensiv, dann wieder nur unterbewusst, in Sekundenbruchteilen, in denen ein Gedanke kurz aufblitzt, eine sehr alte Erinnerung den Alltag in Frage stellt. In der Regel vergehen diese Momente rasch, doch dann und wann lähmen sie Dich über einen längeren Zeitraum und Du schweifst immer wieder in sie ab. Du fragst Dich, woher Du kommst und wohin das führen soll. Und selten, dann aber höchst intensiv, fragst Du Dich, wie es wohl ist, wenn Du alt bist. So richtig, so unbeweglich alt. So Du diese Lebensphase denn erreichst. Und Dir gefällt die Antwort nicht.

Aber kann man etwas erzwingen, was nicht in einem steckt? Kann man etwas versuchen, das zu wagen man sich nicht bereit fühlt? Kann es im Leben Dinge geben, deren Erfüllung man nicht für möglich hält? Wie viel muss man als Kind geträumt haben, um nicht Erwachsen werden zu wollen? Und ist man es mit jedem kleinen Schritt vielleicht doch geworden, ohne es selbst wahrzunehmen? Dem Vergleich mit der „Jugend von heute“ hält zumindest kaum jemand über 35 Stand. Zu groß ist die Distanz, zu tief der innere Drang junger Menschen, sich von der älteren Generation abzugrenzen. Da kann man dann vielleicht noch der „coole Onkel Charlie“ sein, aber ist längst nicht mehr auf Augenhöhe. Ist man also einfach nur eine neue Generation erwachsener Menschen, indem man sich selbst von den Prinzipien, Ansichten und Werten der vorherigen Generation entfernt hat? Vielen bedeutet Freiheit mehr als Sicherheit, Freizeit mehr als Karriere und Erlebnisse mehr als Geld. Auch wenn das Eine durchaus manchmal das Andere bedingt.

So bleiben wir alle ein wenig Kind, mal mehr und mal weniger. Für die, denen das Loslassen erheblich schwerer fällt, die den Übergang von der jugendlichen in die erwachsene Phase nicht stolperfrei auf die Reihe bekommen, folgt möglicherweise ein böses Erwachen. Vielleicht fehlt dann irgendwann etwas, vielleicht kommt Reue auf. Eventuell schlittert man aber auch einfach nur durch die zweite Arbeitsphase und kommt unbeschadet in der Rente an, im Kopf noch immer gefangen zwischen Kindheitsträumen und jugendlichen Versäumnissen. Ob das gut oder schlecht wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber es beschäftigt mich. Sehr sogar. Und euch?

Keep on rockin´
Ree

Stille Zeiten! (203/366)

Viel. Vielleicht zu viel, weshalb es hier etwas still ist. Ich stagniere, weil zu viel zu tun ist, reagiere primär, anstatt zu agieren. Vielleicht warte ich auf ein Wunder, ein Zeichen oder eine andere Art der Besinnung, auf jeden Fall geht es momentan weniger schwungvoll voran, als ich es mir zu Beginn der freien Tage ausgemalt hatte. Meine Freunde hatten natürlich recht, zu viel auf einmal kann dagür sorgen, keinen rechten Anfang zu finden.

Nun ist zwar im Studium das ein oder andere erledigt und ich werde die Tage auch eine Zukunftsvariante diskutieren, doch läuft dies alles schleppend, langsam und ohne den erdachten Schwung. Ok, ich mag hart zu mir selbst sein, aber ich akzeptiere eben auch nicht, dass mir die Energie zu fehlen scheint, alle gewünschten Themen zu koordinieren und in Form zu bringen. Es sind eben die Emotionen, die den Geist leiten und dem Körper Schwung verleihen und diese in den Griff zu bekommen erfordert offensichtlich mehr Kraft, als mir zu Beginn auch nur ansatzweise bewusst gewesen ist.

Mit Schritt für Schritt komme ich allerdings auch nur bedingt zurecht, weil ich danndes Nachts an die Decke starre und mich frage, warum ich nicht mehr auf die Reihe bekommen habe. Aber gut, damit muss ich umgehen lernen, denn weiterhin ist es jammern auf hohem Niveau – glaube ich zumindest. Heute ist bei meiner Nachbarin eingebrochen worden, womit die arme Frau erheblich andere Sorgen haben wird; was mir natürlich ebenfalls ein weiteres Thema mitgibt, denn auch ich muss jetzt über andere Sicherheitskonzepte nachdenken.

Nun gut, mal sehen, welche Erkenntnisse diese Woche noch bringt. Es könnten einige Weichen für die Zukunft gestellt werden und das ist eine gute Aussicht. Vielleicht läutet das dann auch die Ende der Stille ein, aber daskann ich nicht versprechen. Ich bin gespannt, aber nur mäßig zuversichtlich. Dafür war ein Großteil der letzten zwölf Monate zu schmerzhaft und enttäuschend; denn es ist grob ein Jahr her, dass ich die schlimmste persönliche Erfahrung machen musste und der Verlust von Hund, Haus und Träumen eingeleitet wurde. Eigentlich so langsam Zeit, es abzuhaken und neu zu starten. Wären da nicht die Schmerzen, nachts, in der Stille.

Keep on rockin‘

Ree

Das Leben eines Anderen!

Fremdbestimmt. Manchmal denke ich, in Wirklichkeit das Leben eines anderen Menschen zu führen. Mir seine Träume, Wünsche und Vorhaben zu eigen zu machen und dadurch Planungen zu initiieren, die nicht zwangsläufig meinem eigenen inneren Drang entsprechen. Nicht völlig unangenehm, aber eben auch nicht zum aus dem Stuhl aufspringen und jauchzend vor Freude durch die Wohnung tanzen.

Alleine verreisen ist eine solche Idee, mit der sich eine Menge Leute in meinem Umfeld offensichtlich wohl zu fühlen scheinen, wohingegen es für mich nicht mal annähernd so attraktiv erscheint, wie ich es mir selbst manchmal glauben zu machen versuche. Immer wenn eine solche Reise ansteht, bin ich von Zweifeln geplagt und reagiere wenig rational. Ich war zweimal allein unterwegs, beide Trips waren ok, und habe im Gegenzug bereits dreimal spontan Trips in letzter Sekunde gestoppt (und dabei im März diesen Jahres gar für Aufregung unter der Security gesorgt).

Ich bin gut, wirklich gut, wenn es darum geht, spontan aus Situationen bereichernde Erfahrungen zu machen. Ich kann spektakulär und erfrischend auf plötzlich auftretende Fragestellungen reagieren und mich ganz hervorragend auf meine Mitmenschen einstellen. Ja, ich glaube, das größte meiner Talente ist in der Tat die Vielseitigkeit, gepaart mit deren Anwendbarkeit in jedweder spontanen Konfrontation. Je weniger mein vermaledeites Hirn Zeit zum Nachdenken hat, desto positiver geht der Rest des Ich an eine Sache heran.

Aber ich bin mies, richtig mies, wenn es darum geht, Teile meines Lebens längerfristig zu planen. Nein, nicht die Planung an sich stellt mich vor Probleme, sondern die Umsetzung, wenn es sich um ein etwas in der Zukunft liegendes, individuelles Vorhaben handelt. So mag ich heute durchaus davon begeistert sein, einen mehr oder minder langen Individualtrip zu begehen, doch sind erstmal Flug und Unterkunft gebucht, existiert eine nicht geringe Chance, dass mein Inneres Kämpfe ausficht und am Ende der Flug nicht angetreten wird.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was rational richtig zu sein scheint. Es sind eher die Umstände, die mich grübeln lassen. So herrscht in meinem Freundeskreis durchaus die Meinung vor, dass ich zwecks Studium, Sprachkurs und allgemeiner Selbstfindung durchaus mal ein wenig Zeit für mich in einer nicht alltäglichen Umgebung nötig habe (und diese Meinung habe ich mir längst zu eigen gemacht). Berücksichtigung findet dabei jedoch nicht, dass ich einfach nicht gerne für längere Zeit alleine  bin, mich der Gedanke ängstigt und ich wenig Spaß an ihm finde.

Ja, ich verbringe gerne mal Nachmittage vor dem Fernseher, auf der Couch, ohne einen anderen Menschen um mich herum, aber im Großen und Ganzen stützt sich die Freude meines Daseins auf die wenigen Stunden mit den paar mir wirklich ans Herz gewachsenen Personen. Das mögen nicht viele sein, aber die Treffen und Gespräche entpuppen sich möglicherweise gerade deshalb als wahre Schätze und Bereicherung des Lebens. Klar, ein Trip innerhalb der EU birgt in der digitalisierten Welt den Vorteil, dass mittels Telefon und Internet das Kontakthalten ein Kinderspiel ist, aber dennoch bleibt die Möglichkeit spontaner Treffen für gegenseitige Aktivitäten leider außen vor.

So möchte mir nun also mein hochwertiges Gedankengut weismachen, dass ich meine anstehende, (vielleicht) bewusstseinsverändernde Reise, nicht aus eigenem Antrieb heraus angehe, sondern stellvertretend für all jene Freunde, denen diese Chance(?) eben nicht gegeben ist, weil die Umstände nicht passen oder sie selbst keinen Mut dafür aufbringen können. Und genau daraus resultieren nun alle möglichen Zweifel, Fragen, Frustrationen. Soll ich dennoch fliegen? Oder gerade deshalb? Es erstmal ausprobieren oder direkt langfristig planen? Mich daheim verstecken und die Reise erfinden? Ein nahes Ziel wählen oder die Rückkehr erschweren? Abfliegen oder da bleiben?

Ich weiß vermutlich nicht wie es ist, wahnsinnig zu werden, aber so einen gewissen Hauch davon meine ich durchaus zu spüren. Wahrhaftig ist mir völlig unklar, was bis morgen Abend noch passiert; es wird ein Flugzeug auf meinen Einstieg warten und ich gehe aktuell davon aus, dass ich ebenjenes auch betreten werde. Doch wie es sich dann weiterentwickelt, das ist mir noch völlig unklar – auch wenn ich ein erstes Zimmer natürlich schon reserviert habe.

Doch vielleicht ist es genau das, was ich benötige: Die Nicht-Planung, das Unkonkrete, die Variante des flexiblen Reagierens; denn vermutlich sind es eben nicht die Mitmenschen, die mich wirr werden lassen, sondern mein eigenes Selbst, das hunderte Szenarien durchspielt, ohne die Wirklichkeit auch nur annähernd einschätzen zu können. Das wiederum hätte etwas Beruhigendes, würde es doch bedeuten, dass ich zwar von anderen beeinflusst werde (wie könnte es auch anders sein), aber doch noch Herr der Verantwortung für mein eigenes Tun bin.  Ich weiß es nicht. Aber werde es erleben. Ob traurig oder nicht.

Keep on rockin´
Ree

 

Des Nachts, wenn alles schläft!

Realitätsschmerz. Die Welt fühlt sich anders an, wenn man nach einer Reise zurück in die Routine des eigenen Lebens kommt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man momentan beruflich eingebunden ist oder sich seinen eigentlich freien Plänen hingeben könnte. In einer anderen Umgebung wirkt alles etwas leichter, unbeschwerter und die unerledigten Themen der Heimat erscheinen weit weg. Zuhause prasselt alles wieder auf einen ein und was auf der Reise sinnvoll erschien, wird plötzlich erneut in Zweifel gezogen. Persönliche Konfrontation mit den eigenen Problemen ist eben doch deutlich schwerwiegender, als die Beobachtung selbiger aus der Ferne.

Am schlimmsten ist es in der Nacht, wenn der Körper eigentlich zur Ruhe kommen sollte, Träume einen aber schier durchdrehen lassen, weil sie wirklich alles ans Tageslicht bringen, das man zu verdrängen suchte. Der Kopf lässt sich offensichtlich nicht so leicht austricksen, wie man es gern hätte und sorgt somit für allmorgendlichen Schwermut, gewürzt mit einer Prise Verzweiflung.

Permanentes Statement der schläfrigen Gehirnwindungen ist momentan, einfach alles hinter sich zu lassen und über einige freie Wochen hinweg die Gedanken zu sortieren. Sei es auf einer Pilgertour, Entdeckungsreise oder anderen Variante, die den Alltag nicht eindringen lässt. Dumm ist nur, dass sich Probleme und Herausforderungen ja nicht in Luft auflösen; gerne nenne ich exemplarisch mal wieder das Haus, auch wenn das längst nicht die einzige mich beschäftigende Thematik ist. Logik ist also eine Variante, aber nicht zwangsläufig die Lösung allen Übels, auch wenn der Geist das manchmal suggerieren möchte.

Hinzu kommt noch die Frage, wie es in 2017 weitergeht, da München noch immer nicht final durchgeplant ist und ich unsicher bin, ob ich die Wohnung nicht doch so langsam kündigen sollte – die doppelten und demnächst dreifachen Mietkosten sind beileibe nicht zu unterschätzen. Und selbst für das Studium kann ich mich in dieser Woche noch nicht aufraffen, da Presserecht wirklich nicht mein bevorzugtes Modul ist. Hier gilt es wohl, sich aufzuraffen und einfach da durchzuwühlen (Mind Maps sind eine schöne Erfindung), doch ist auch das nicht per se einfach.

So werden mich also in den kommenden sieben Tagen noch so manche Fragestellungen wach halten, die wilde Maus im Kopf aktivieren und für ein permanentes untertägiges Gedankenwirrwarr sorgen. Erstaunlich, dass der Kopf stets die Hindernisse und Gefahren in den Vordergrund stellt, nicht die möglichen Wege und Chancen. Ich bin gespannt (und etwas verängstigt), wie es wohl weitergehen wird und versuche, mich mental etwas zu entspannen – was vermutlich spätestens am Freitag wieder im Eimer ist, wenn ich den Garten im Haus zu bearbeiten habe. Aber das ist wohl derzeit nicht zu ändern, also gilt es, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn mir völlig unklar ist, wie. Der Nacht sei Dank.

Keep on rockin´
Ree

Es gibt Träume, die muss man in die Tonne kicken! (165/366)

Schäume. Das sind Träume im Volksmund, also Hirngespinste, Luftschlösser, idealisierte Zukunftsaussichten, denen man zwar nachrennen kann, aber nur in den seltensten Fällen durch Erfüllung belohnt wird. Lohnt es sich dann überhaupt zu träumen oder ist das eher der Pfad zum Unglück, weil sich doch so wenig verwirklichen lässt und damit Raum für jede Menge Frustration geschaffen ist.

Wollen wir mal sehen. Natürlich kommt es auf besonders viele Faktoren an, um einen Traum zu klassifizieren. Beispielsweise bestimmt der Detailgrad eines Traums dessen Schwere in der Seele, zudem ist es relevant ob ein Traum zumindest halbwegs realistisch ist oder sich in völlig abwegigen Sphären bewegt.

Ich habe ein paar Beispiele. Als Fußballfan einer Mannschaft, die nicht der FC Bayern oder Borussia Dortmund ist, träume ich dennoch durchaus mal vom großen Wurf, einer Meisterschaft. Doch obwohl es nicht per se unmöglich ist, beeinflusst mich diese Wunschvorstellung auch bei inzwischen dreißigjähriger Nichterfüllung überhaupt nicht negativ. Die Freude beim Erreichen wäre zwar wahrhaft groß, aber erstens ist es eben wenig realistisch und zweitens auch nur höchst marginal durch mich zu beeinflussen.

Die Traumhochzeit des vergangenen Jahres, die sich erschreckenderweise am Montag jährt, war hingegen ein eigentlich wenig realistisch erscheinendes Szenario, wenn man sich die Jahre 2006 bis 2012 so anschaut; die tatsächliche Erfüllung hat mich dann aber völlig in Ekstase versetzt, es war der schönste Tag des bisherigen Lebens, der zu weiteren Folgeträumen führte. Diese fühlten sich dadurch erheblich realer an, weil der erste, wichtigste Schritt vollzogen wurde – und die in der Folge bekanntermaßen jäh zerplatzten. Ersteres war so positiv emotional, weil ich nicht erwartet hatte, dass diese wunderbare Frau mich wirklich heiraten wollte und wir dies auch in die Tat umsetzten – pure Brainflash. Zweites wurde ein so negativ emotionaler Moment, der bis heute extrem schmerzhaft nachwirkt, weil ich im Anschluss an Trauung und Reise fest von der Erfüllung des Folgetraums rund um Haus, Hund und Familie ausgegangen war, ihn also quasi real vor mir sah, und niemals mit einer derart lebensverändernden Entscheidung der Frau meines Herzens gerechnet hätte. Killswitch. Beides waren Träume, aber unterschiedlichster Ausprägung und Ergebnisses.

Mein Versuch ist seither, keinen Träumen mehr nachzuhängen und Tag für Tag erwartungsfroh und offenherzig durchs Leben zu ziehen. Natürlich gelingt das nicht, kleine und große Visionen folgen mir seit Monaten nach (vielleicht muss ich mal zum Arzt?), von der Rückkehr zum sportlichen Body, über das Ehe-Reunion oder berufliche Nebelbilder. Doch ist die neue Taktik eben, ihnen nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern aktiv zu steuern. Für den Body gehts wieder zum Sport, die Ehe muss man realistisch bewerten und beruflich wird sich immer etwas ergeben – immerhin gibt es in meinem Beritt kaum bessere Leute 😉

Als ich daher gestern das titelgebende Zitat im TV hörte (leider weiß ich nicht mehr wo), musste ich dies in Worte fassen. Ich will Träume nach Realitäts- und Schmerzgehalt abwägen und werde versuchen, diejenigen in die Tonne zu treten, die wenig Hoffnung auf Erfüllung und darüberhinaus großes Schmerzpotenzial besitzen. Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, aber verschlechtern kann es die Lebensqualität nun auch nicht mehr. Wird interessant zu versuchen. Vielleicht befreit es ja sogar.

Keep on rockin‘

Ree

Sonne allein macht nicht glücklich! (125/366)

Umstände. Sie sind es, die den Wert des Lebens bestimmen. Auch wenn Therapeuten auf die Programmierung von Geist und somit Steuerung der Seele schwören, so glaube ich doch, dass dies im Gesamtkontext zwar ein hilfreicher Baustein sein kann, ohne die passenden Rahmenbedingungen aber ins Leere laufen würde.

Ich habe zwar in den letzten drei Tagen verschiedenste tolle Dinge unternommen und dabei gleichwohl diverse lebensbejahende Texte genossen, doch lässt sich das Innere offenbar nicht so leicht überlisten. Alles, was ich die letzten Tage verarbeiten, wegschieben oder verstehen wollte, hat mich in der Nacht wieder heimgesucht und sorgt dafür, dass am heutigen Tag keine angenehme Stimmung Einzug hält.
image

Wegen der Träume früh zum Aufstehen bewogen, obwohl erst spät im Bett gewesen, versuchte ich, zur Ablenkung an die Magie der letzten Aktivitäten anzuknüpfen. Trotz einiger hübscher Blasen an den Füßen machte ich mich also nach einer kurzen Rührei-Stärkung zu einer erneuten, diesmal kurzen, Wanderung ins Siebengebirge auf. Es sollte von Ittenbach auf den Ölberg gehen und da ich nur eine Viertelstunde vom Ausgangspunkt entfernt wohne, war der Auftakt schnell gemacht.
image

Möglicherweise war das das Problem, der Anstieg war zwar knackig und der Ausblick wirklich riesig, doch dauerte die ganze Tour nur insgesamt 1,5 Stunden, so dass ich schon gegen 9:30 Uhr wieder im Auto saß. Schon dort war zu erkennen, dass die Wanderung nicht den gewünschten Effekt hatte, ich war weder ausgeglichen, noch in irgendeiner Weise entspannt. Dennoch wusste ich nichts mit mir anzufangen, so hing ich ein wenig zuhause rum, tat nichts und konnte mich auch vom Spaghetti-Eis eben nicht aufmuntern lassen.

Ich versuche es nun noch mit einem sommerlichen Spaziergang auf der Insel Grafenwerth, doch hege ich wenig Hoffnung. Mir fehlen heute die Menschen meines Herzens, dies ist mir nun klar, und damit kann es nur ok, aber nicht schön werden. Trotz der wunderbaren Sonne. Doch vielleicht ist auch das mal nötig, um so erfüllende Tage wie die vergangenen drei richtig wertschätzen zu können. Ist nur dennoch nicht angenehm, wenn man mittendrin steckt.

Keep on rockin‘
Ree