Von der Elite lernen! (023/222)

Berkeley. Schon der Name hat einen tollen Klang, ist traditionell und verheißungsvoll, auch wenn so mancher dahinter auch das abgehobene Denken vieler Mitglieder der Oberschicht vermutet (manchmal sicherlich auch zurecht). Schon als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte ich stets bedauert, in den USA keine Universität besucht haben zu können, weil ich mir gerade als Leistungssportler in der Kombination aus Sport und Bildung einen gewissen Reiz ausmalte. Nun, gut 20 Jahre später, hat diese Elite-Universität all meine Vorstellungen zumindest äußerlich sogar noch übertroffen. Über 90 Nobelpreisträger und über 200 olympische Medailliengewinner hat diese Universität hervorgebracht, selbst ein eigenes Element im Periodensystem existiert aufgrund der dortigen Entdeckung (Berkelium). Das prägt und scheint in nahezu jedem vor Ort den Willen einzupflanzen, diese Traditionen zu erhalten und auszubauen.

Die altehrwürdigen Gebäude auf dem riesigen Gelände strahlen eine Würde und Gelassenheit aus, die dafür sorgt, dass man sich wirklich gerne länger dort aufhält. Das Stadion des College-Footballteams wirkt wie eine Sportstätte aus dem alten Rom und die Burger-Schmiede unter dem Student-Merchandise-Shop ist nicht nur günstig, sondern auch noch qualitativ sehr hochwertig. Man kann dort beim Schlendern also durchaus die Zeit vergessen – sollte man allerdings nicht, wenn man den Parkscheinautomaten übersehen hat. Das würde den Eliten wohl nicht passieren, so haben wir also etwas gelernt: Immer aufmerksam sein. Die Uni-Polizei dankt unseren Park-Ausfall zumindest mit einem netten Schreiben und der höflichen Aufforderung zur Überweisung von 78$ … damn it! Aber egal, shit happens.
Im Anschluss ging es unverdrossen über das sehr hübsche, aber maßlos überteuerte Kleinstädtchen Sausalito (fantastischer Blick Richtung Skyline von San Francisco) in Richtung der Golden Gate National Recreation Area, von wo aus man rund um die Sonnenuntergangsstunden eine spektakuläre Aussicht auf die Bridge und die Bay genießen kann. Das war wirklich bislang unübertroffen, wenn auch extrem windig; nicht nur die Aussicht auf die fabelhafte Brücke, nein, auch dass in der Bay diverse Wale häufig ihre Flosse in den Himmel recken und auf das Wasser platschen lassen, war ein Erlebnis für sich. Zudem begegneten mir bei einem kleinen Spaziergang zwei Rehe, die sich zwar nach links Richtung Hang verdrückten, dort aber noch eine Weile miteinander zu spielen schienen. Wahrlich eine wirklich schöne Begegnung.
Als uns im Zuge unseres Rückwegs in unserem Wohnviertel dann auch noch ein Waschbär die Ehre erwies und vor uns die Straße überquerte, war die tierische Vielfalt fürs Erste vollkommen. Lustige kleine Tierchen, wenn man sie nicht gerade im Haus hat. Der Reiseführer spekuliert auch noch darauf, dass eine Begegnung mit Bären höchst wahrscheinlich wird, wenn wir im Nationalpark sind. Wird sicher atemberaubend, in jedem Sinne. Ich bin gespannt. So war es auf jeden Fall schon ein erfüllter Tag, der für den anstehenden Road Trip einiges erwarten lässt. 
Keep on rockin´

Ree 

Von der Reise! (021/222)

Magie. Dieses Wort, für so vieles einsetzbar, habe ich schon oft von Freunden und Bekannten gehört, wenn es um das Reisen geht. Eine Reise weitet die Sinne, öffnet die Augen und ermöglicht neue Perspektiven. Auf das eigene Leben, auf andere Kulturen oder einfach nur auf den neuen Tag. Es scheint so etwas wie das letzte große Abenteuer, die letzte Überraschung in einem ansonsten recht eintönigen Leben zu sein. Und die Auswahl ist groß, es gibt auf dieser Welt so viel zu entdecken, unzählige Orte und Sehenswürdigkeiten, dass es unmöglich für ein Leben allein reichen kann.

Ich bin dennoch ein wenig zwiegespalten, denn ich reise zwar relativ viel, aber diese sagenumwobene Magie stellt sich bei mir nicht wirklich ein. Nach einer gewissen Anzahl an Reisen, ob in Europa oder anderswo, hat man alles schon mal irgendwo gesehen, ist jedes Land nur eine Fortsetzung des letzten, jeder Berg nur eine Kopie des vorherigen und einem jedes Meer bereits in ähnlicher Form irgendwo anders begegnet. Das mag traurig klingen, denn es nimmt von einem den inneren Drang des Abenteuers, der Reise, des Strebens nach Neuem. Es erleichtert aber auch ein wenig, denn es befreit auch vom Zwang des Reisen-müssens, der „immer weitere Stecknadeln in eine Weltkarte stecken“-Manie und befreit einen überdies von der Sorge, ständig irgendetwas zu verpassen oder gar insgesamt unvollendet zu sein.

Natürlich habe ich bis jetzt nahezu überall eine schöne Zeit verlebt und mir grundsätzlich immer vorstellen können, an den jeweiligen Ort irgendwann nochmal zurückkehren zu können. Das war in Thailand so, in Indonesien, selbstverständlich auch auf meinen diversen Europa-Trips und erst recht in Laos. Aktuell, auf dem Weg in mein Jugendtraumziel USA, beim Überfliegen von Grönland, habe ich ebenfalls das Gefühl, dass diese Reise Sinn macht. Die Schollen aus 10.000 Metern Höhe zu betrachten, ist schon ein wahnsinniges Gefühl und die Aussicht, endlich mal einen Fuß auf amerikanischen Boden setzen zu dürfen, erfreut mich trotz der etwas obskuren politischen Situation durchaus. Und dennoch ruhe ich in dem Sinne in mir dass ich weiß, dass dieser Urlaub die hohen Erwartungen aus 25 Jahren kaum wird erfüllen können und es vermutlich ein Ausflug wie jeder andere sein wird – nur eben mit 15 Stunden Flugzeit. Er wird sicherlich tolle Eindrücke bieten, interessante Städte und Naturschauspiele bergen, aber dass er magisch wird, bezweifle ich dennoch.

Nur stört mich das eben nicht. Es bringt eine neue Lockerheit mit sich, die die ewige Rastlosigkeit des „ständig alles neu entdecken müssens“ gegen ein „schauen wir mal, was der Tag so bringt“ ersetzt und mir mehr Freude bereitet. Das ist wirklich interessant und so völlig anders als sonst, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, mich wirklich darauf einzulassen. Mir selbst zu glauben, dass ich es ruhiger angehen lassen mag. Wahrscheinlich werde ich einfach nur alt. Vielleicht belehrt mich aber Kalifornien auch eines besseren, lässt mich wieder rastlos umherstreifen und frustriert zurück, wenn ich mal nicht alles gesehen habe. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Ich bin mir sicher, es wird schön. Far away in America. 

Keep on rockin´

Ree