Yosemite, Death Valley und Grand Canyon: Drei Top-Nationalparks der USA auf einem Trip!

USA. Man mag über dieses Land denken, was man will, aber was seine Nationalpark-Affinität angeht, ist es beispiellos positiv. Nicht nur, dass es so viele als Nationalpark gekennzeichnete Bereiche gibt (über 50), nein, es gibt auch eine Vielzahl an Motivationsansätzen um die Menschen auch tatsächlich in die Parks zu locken. So existieren umfangreiche Parkplaner, die einen Besuch mit Informationen anreichern und über die Wanderwege, Tiere, Pflanzen und sonstigen Besonderheiten Auskunft geben. Diese Planer erhält man in Kurzfassung beim Entrichten des überall obligatorischen Eintrittsgeldes oder kann sie in ausführlicher Form in den Visitor Information Centern allerorts bekommen. Wem das noch nicht ausreicht, der hat auch noch die Möglichkeiten, aus diversen Sammelpässen zu wählen*, in welche man limitierte Parkbriefmarken einkleben und beim Besuch mit einem tagesaktuellen Stempel des momentanen Parks versehen kann. Echt großartig gemacht.


Die Parks selbst suchen vermutlich ihresgleichen. Im aktuellen 3-Wochen-Trip war mir nur die Kurzbesichtigung von dreien möglich, aber ich möchte auf jeden Fall für Wandertouren und die intensivere Erfahrung nochmal wiederkommen. Hier eine ausführliche Beschreibung der Besuche vorzunehmen, wäre absolut nicht angemessen, da man sie tatsächlich mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Doch ist ein Kurzumriss sicherlich möglich.


Angefangen hatte es mit dem Grand Canyon National Park und zurückgelassen hat dieser mich sprachlos. Ja, auf Postkarten, Facebook-Fotos und in Dokumentationen habe ich schon einen Haufen Eindrücke dieser Natursensation gesehen, aber es ist absolut nicht mit dem Live-Erlebnis zu vergleichen. Es ist auch schwer zu beschreiben. Diese schiere Größe, dieser Gigantismus mit dem im Tal dahin fließenden Colorado-River, mit der Tierwelt, die einem begegnet und den Ausblicken, die sich einem bieten: Das ist der Wahnsinn. Ich kann nur jedem, wirklich jedem, empfehlen, diesen Trip zu unternehmen. Es ist aus der Ferne nicht zu begreifen und zudem hervorragend erschlossen. Man kann wandern, raften oder auch mit dem großartigen Shuttle-Netz die diversen Bereiche des Parks besichtigen. Zudem, wie bei allen Parks, berechtigt der Eintrittspreis zu einem 7-tägigen-Besuch, was durchaus zu empfehlen ist. Ich möchte beim nächsten Mal das Tal vom Süden zum Norden durchwandern, um Anrecht auf die entsprechenden Memorabilien zu erhalten.


Der zweite besuchte Park war der Death Valley National Park und das war mal vollkommen anders. Zunächst mal war es unfassbar warm, logischerweise, aber auch die Ausblicke sind höchst spannend. Salzablagerungen allerorten, Warnschilder vor Klapperschlangen, Skorpionen und sonstigem Gewürm tauchen immer wieder an den Aussichtspunkten auf. Der tiefste Punkt Nordamerikas, das Badwater Basin mit über 80 Metern unter dem Meeresspiegel weist eine nahezu wahnwitzige Trockenheit auf und in schöner Regelmäßigkeit brausen die Erlkönige, getarnte Versionen neuer Fahrzeuge der renommierten Hersteller, vor einem auf. Wir konnten unter anderem den neuen SUV von Rolls Royce bewundern, dazu einen BMW aus der X-Reihe und den neuesten Mini Countryman. Auch mal spannend.


Zu guter Letzt zog es uns dann in den berühmten Yosemite-National Park, wobei es eine herausragend gute Entscheidung war, von Mammoth Lakes aus über den Tioga Pass anzureisen. Glückskinder wie wir sind, wurde dieser aufgrund des zuvor stärksten Schneefalls seit Jahrzehnten erst am Tag unserer Ankunft erstmals im Jahr 2017 freigegeben, was uns wahrhaft spektakuläre Ausblicke eröffnet hat. Flüsse, die vor schneebedeckteBergen rauschend an uns vorbei fließen (es war Ende Juni!), Wild, das sich das frische Quellwasser schmecken ließ und Bergseen, die noch halb gefroren waren, dadurch im Sonnenlicht magisch glitzerten und zudem gefallene Baumstämme eingeschlossen hielten. Das absolute Highlight, einer meiner Herzenswünsche der Reise, erfüllte sich hier tatsächlich auch noch, weshalb mir dieser Abschnitt natürlich ganz besonders in Erinnerung bleibt: Wir haben einen Bären in freier Wildbahn beobachten und ablichten können, wie er ganz friedlich, mit sich und der Welt im Reinen, offenbar äußerst schmackhaftes Gras vertilgte. Er war sich durch das Klicken der Kamera unserer zwischendurch durchaus bewusst, ließ sich davon aber nicht weiter stören. Die Entfernung war groß genug und vielleicht sorgte seine Eitelkeit ja auch dafür, das fotografiert werden zu genießen – nein, das ist natürlich menschgemachter Blödsinn. Mit meiner Sony Alpha 6000 konnte ich ihn auf jeden Fall prima fokussieren und verfolgen* 🙂


Es war auf jeden Fall ein Traum und es fiel mir wahnsinnig schwer, mich davon loszureißen. Allerdings festigte es nur noch meinen Entschluss, zurückzukehren und mehr Zeit in den Parks zu verbringen. Das Leben bietet viel, man muss nur den Arsch vom Sofa kriegen und es zu entdecken versuchen. Ob vor der Haustür oder eben auch mal ein paar tausend Kilometer entfernt. In der Regel wird man es nicht bereuen. Ich zehre sicherlich noch eine ganze Weile davon.

Keep on rockin´
Ree

*Mit Stern gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links, über die ich eine kleine Provision erhalte, wenn ihr den Artikel nach einem Klick erwerbt.
**Dieser Artikel wurde 2017 erstmals veröffentlicht und nun leicht angepasst.

Die Suche nach der Reise! (092/366)

Reisepläne. Zu dieser Zeit im Jahr drängt es sich auf, die Gedanken bezüglich Pfingst-, Sommer- und Herbsturlaub zu intensivieren und die Planungen in eine finale Richtung zu lenken. Wenn schon klar ist, wo es hin gehen soll, dann steht möglicherweise der Kauf eines Reiseführers auf dem Programm, die Suche nach Unterkünften oder die Erkundung von Sehenswürdigkeiten.

Wer, wie ich, gerade einen Urlaub platzen ließ und dessen Folgeplanung sich ebenfalls zu zerschlagen droht, steht allerdings wieder ganz am Anfang der Überlegungen. Welches Reiseziel könnte es werden? Wer ist ein potenzieller Mitreisender? Fahren oder fliegen? Fern oder nah? Und wann überhaupt? Ich will meine bereits genehmigten Tage eigentlich nicht stornieren, daher steht Mitte Mai auf dem Programm. Ein Ziel will mir aber noch nicht einfallen.

Es könnte nach Asien gehen, vielleicht nochmal Laos, aber da möchte ich auf keinen Fall alleine hin und auch eher zu Ende des Jahres. Die Kanaren gehen immer, ich war in diesem Jahr allerdings bereits dort. Italien? Spannend, weil ich (Ausnahme Südtirol) noch nie dort war, aber auch hier fände ich Begleitung toll. Auch ein paar Tage auf dem Rheinsteig, möglicherweise gar in Begleitung mit unter anderem dem Wuffmaster klingt verlockend. Nun, da wird noch einiges an Gehirnschmalz und aushorchen der inneren Stimme nötig sein.

Anregungen von euch? Wo geht’s hin in diesem Jahr? Und in welcher Konstellation? Ich bin gespannt.

Keep on rockin‘

Ree

Vorbei am Lanstroper Ei! (077/366)

Wandern. Für viele der ideale Ausgleich zu einem stressigen oder körperlich wenig forderndem Alltag. Man kann schön abschalten, Gedanken laufen und sich selbst treiben lassen (beziehungsweise dem Wanderführer Folge leisten).
image

Zur Feier des Hundewochenendes habe ich mich auch mal wieder aufgemacht, die Mama und den Rother Wanderführer Ruhrgebiet geschnappt und die Tour rund um das Lanstroper Ei ins Auge gefasst. Der Wuffmaster jauchzte bereits beim Anlegen des Geschirrs als wüsste er, dass nun eine besondere Tour anstand.
image

Der Weg war rasch gefunden, nicht mühselig und die Duftnase erfreute sich an den vielen neuen Gerüchen. Nach einem kurzen Anstieg auf die Halde konnten wir einen tollen Rundumblick genießen, sahen den Florianturm, eine alte Zeche, Berge und auch das Ei in der Ferne.
image

Allerdings entschlossen wir uns, die eigentliche Route zu halbieren, direkt den See anzusteuern und so 90 statt 180 Minuten unterwegs zu sein. Es ging durch Wald, Wiesen und Felder, an einem stimmungsvollen Friedhof vorbei und entlang eines stilvollen Bauernhofes. Von fast überall gab es etwas spannendes zu sehen und der Wuffmaster genoss die Tour sichtlich.
image

Zurück am Auto lümmelte er sich direkt müde in den Sitz und ließ die Runde vermutlich Revue passieren. Mama und mir hat es auch sehr gut gefallen und ich habe ja sowieso zum Ziel, meine diversen Wanderführer wieder ausgiebiger zu nutzen. Der Wuffmaster wäre bestimmt dabei. Wer kommt von euch noch mit?

Keep on rockin‘
Ree

Nutze jeden Tag! (021/366)

Bewusstsein. Sich seiner Selbst und insbesondere seiner Sterblichkeit bewusst sein. Visualisieren, dass das Leben, dieses persönliche Dasein, auf jeden Fall irgendwann sein Ende finden wird. Daran denken, dass (in der Regel) über das wie, wo und wann Ungewissheit herrscht. Sich dies dann und wann mal vor Augen führen, auch wenn es unangenehm und beängstigend sein kann. Das, so glaube ich, ist wichtig. Elementar. Sollte es doch zum Nachdenken anregen und dazu führen, seine Tage ein stückweit freier und vollkommener zu verbringen.

Ich hatte gestern eine Begegnung knapp unter dem Gipfel des Teide (Spaniens höchstem Berg), die mich mal wieder daran erinnert hat. Gerade genoss ich die mir dargebotene spektakuläre Aussicht auf das Gebirge, die Nachbarinseln und das Meer, was einen selbst gar winzig erscheinen lässt, da stieß eine rüstige Lady zu mir und erfreute sich spürbar daran, diesen Anblick wahrzunehmen.

Wir kamen ins Gespräch, zunächst allgemein, dann ging es um das Wandern (sie ist 63, in Rente, von England nach Südfrankreich umgesiedelt und wandert mit ihrem Ehemann mehrmals jährlich auf diversen Inseln) und das Leben an sich. Sie und ihr Mann sehen das Wandern als Selbsterfüllung, es bereitet ihnen Freude, mit der Natur in Einklang zu sein.

Was sie dann aber sagte war so profan wie richtig, insbesondere wenn es aus dem Mund eines „älteren“ Menschen kommt. Sie sagte, das Wichtigste im Leben sei, sich körperlich und geistig fit zu halten, zum Beispiel durch sportliche Aktivitäten und das Lernen von Sprachen. Um sie herum würden immer wieder Freunde sterben und man kenne seine eigenen Gene nicht. „Wer weiß, ob der Krebs nicht nur auf den Ausbruch lauert“. Sie sagte mir, sie möchte lieber auf der Strecke glücklich sterben, als im Haus langsam zu verrotten. Und sie empfahl mir zum Abschied: „Nutze jeden Tag“.

Nichts, was man nicht schon hunderte Mal gelesen („Carpe Diem“), gehört oder selbst gesagt hätte. Aber aus dem Mund dieser rüstigen britischen Frau, getroffen auf gut 3500 Metern Höhe, mit einem Ausblick, der einem den Atem raubt und die eigene Unwichtigkeit für das Universum vor Augen führt, bekommt dieser simple Satz ein schwer zu beschreibendes Gewicht. Keine Ahnung, ob ich das wirklich umgesetzt bekomme, die bewusste Nutzung eines jeden Tages. Aber aus dem Kopf geht es mir zumindest aktuell nicht mehr. Und das ist doch ein Anfang.

Keep on rockin´

Ree

Helter Skelter – Holterdipolter

Wirrwarr. Bezeichnet in der Regel ein Durcheinander, ob es nun Irritationen im Straßenverkehr oder Unordnung im Kaufhaus ist, spielt dabei keine Rolle. Ein Wirrwarr bringt einen in Situationen, in die man sich erst hineinfinden muss, in denen es nötig ist, eigene Ansprüche hinten anzustellen und sich der Lage anzupassen. Dazu sind entspannte Gemüter und flexible Menschen eher geeignet, als hektische, festgelegte oder strikt durchstrukturierte Personen. Der ersten Gruppe fällt es leichter, aus Gewohntem auszubrechen und mit einer unübersichtlichen Situation fertig zu werden, während die zweite Gruppe frustriert aufgibt oder, schlimmer noch, ihre Umwelt dafür verantwortlich macht und den Ärger auf diese projiziert.

Uns kann man zwar nicht hundertprozentig einer der Gruppen zuordnen, da es auch etliche Mischformen gibt, aber heute wurde unsere Geduld gemeinsam mit unserer Belastung auf eine für den Urlaub harte Probe gestellt. Ursprünglich wollten wir nach dem Frühstück nach Myra, den Heimatort des Nikolaus besuchen. Da das Navi den Ort nicht kannte, ging es erstmal nach Kemer und von dort programmierten wir einen Nachbarort Myras ein. Ergebnis: Weitere zwei Stunden Fahrt hätten vor uns gelegen, nachdem wir bis Kemer bereits eine unterwegs waren. Also erste Ratlosigkeit und der Entschluss, da wir sowieso schon vor Ort waren, Kemer zu erkunden und möglicherweise von dort eine Wanderung zu beginnen. Leider hatten wir heute einige Verständigungsprobleme untereinander, deshalb blieb es beim Bummel auf der Shoppingstraße, wo ein erst kürzlich geborenes, süßes Kätzchen unser einziges Highlight blieb. Durch von Turbinen lautstark beschallte Straßen ging es zurück zum Auto, das am Yachthafen geparkt war. Dieser Hafen war absolute restricted area, nur für Yachtbesitzer zugänglich, weshalb zwar einige junge Russen an uns vorbei Zutritt bekamen, uns selbst dieser aber verwehrt blieb.

Folgenschwer entschieden wir uns daraufhin für eine Wanderung nach Phaselis, wofür wir den Nachbarort als Startpunkt anzufahren hatten. Da ich zu faul war, um unser Navi einzuschalten, irrten wir gut 30 Minuten durch die Gegend, bevor ich es kurz vor dem Frustrationssiedepunkt des Girly doch noch aus dem Kofferraum holte und wir schließlich innerhalb von fünf Minuten zielsicher den Ausgangspunkt der Wanderung erreichten. Doof gelaufen. Allerdings war es vielleicht Schicksal und wir hätten darauf hören sollen. Die Wanderung führte so gähnend eintönig durch Wälder am Meer entlang, dass wir uns vor lauter Frust quasi lautlos streiteten, bevor nach 60 schier endlosen Minuten endlich Phaselis in Sicht kam. Hier erwarteten uns zumindest kleinere Freuden. Entgegen den Erwartungen war kein Eintritt fällig und die Anlage ist (für eine Ruine) recht gut erhalten. Allerdings wollte zumindest bei mir kein rechtes Abenteuergefühl aufkommen, vor allem durch die gestrige Erkundung von Termessos, die erheblich schöner und mythenreicher war. Passte entsprechend zum Tag, denn der Rückweg verlief natürlich auch nicht spannender. Hier haben wir uns allerdings gut verstanden und einigen Spaß gehabt.

Der Rückweg nach Antalya geriet ebenfalls zur Tortur, da uns das Navi direkt durch eine Veranstaltung der derzeit hier laufenden Filmfestspiele führte. Herrscht sonst durch die türkische Fahrweise bereits ein Riesenchaos in der Stadt, war es heute massiv potenziert und extrem unangenehm. Wir standen lange im Stau und waren einem ständigen Gedrängel und Hupkonzert ausgesetzt. Somit kamen wir ziemlich groggy ins Hotel, obwohl wir gegenüber den Erlebnissen gestern eigentlich nichts getan. Trotzdem inspizierten wir noch das Sportstudio, um die Seele wieder vom Frust zu befreien und Platz für das Abendessen zu schaffen. Interessanterweise trifft man dort auch stets dieselben Personen und grüßt sich bereits freundlich. Sport als Völkerverständigung ist ja auch nichts neues 😉

Beim Essen erhielten wir von unserem Spitzenkellner ein wenig Türkischnachhilfe und genossen die Speisen, auch wenn es heute unverhältnismäßig laut im Speisesaal war. Anschließend unternahmen wir noch einen kleinen Abendspaziergang, um nun heute etwas früher zur Ruhe zu kommen. Morgen wollen wir eventuell mal die touristischen Orte erkunden. Ich bin schon gespannt. Ich wünsche euch, dass ihr gut in die neue Woche kommt. Keep on rockin‘ !!

Teamwork

Völkerverständigung. Wohl kaum ein anderer Begriff wird in der internationalen Außen- und Innenpolitik häufiger strapaziert, wenn es um das geregelte oder eben nicht gut funktionierende Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kultur oder Herkunft geht. In der Regel handelt es sich dabei um Appelle an die in derselben Stadt, jedoch unterschiedlichen Kulturkreisen lebenden Menschen, aufeinander zuzugehen, die „andere Welt“ kennen- und vielleicht sogar schätzen zu lernen. Dies wird umso wichtiger, da sich in Ballungsgebieten auch die Nationalitäten und Religionen mischen. Leider bleibt es oft bei hohlen Phrasen, hinter denen man sich gut verstecken kann, da in unserem (und vermutlich jedem anderen Land) offene Worte und das Ansprechen etwaiger Missstände schnell zu Verunglimpfung der eigenen Person führen kann. Man mag zum Beispiel von Thilo Sarrazin halten, was man möchte, doch die meisten Aussagen seines aktuellen Buchs sind einfach faktisch belegt und somit nicht zu widerlegen. Die Art der polemischen Aufbereitung durch die Presse, die Politiker und in einem großen Maße auch ihm selbst, spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da man in der Lage sein sollte, sich sein eigenes Bild zu machen. Klar waren die Aussagen provokant, scharf formuliert und teilweise gezielt angreifend – als Taktik nicht schlecht, denn so wird zumindest Aufmerksamkeit erregt. Aber auch wenn ich nicht hinter allen Aussagen und vor allem nicht hinter allen Vorschlägen zur Abhilfe stehe, halte ich die nationale Kasteiung Sarrazins für falsch und gefährlich – wie sollen sich Missstände ändern lassen, wenn man sich kaum trauen darf, sie auszusprechen? Klar gibt es auch viele unnötigen Diskussionen (ich möchte meinen, dass es die meisten sind), aber es besteht durchaus die Gefahr, wichtige Themen außer Acht zu lassen. Wie wichtig es ist, für einen Staat unbequeme, aber menschlich wichtige Wahrheiten auszusprechen, hat der heute mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Liu Xiaobo gezeigt, der über Jahre die chinesische Regierung zurecht mit Worten bekämpft hat und dafür in der Vergangenheit unzählige Strafen hinnehmen musste. Trotzdem steht er dafür ein, was er sagt, womit ihm weltweite Unterstützung und Zuspruch zufliegt. Warum die Chinesen vor seinen Worten Angst haben, ist klar: Sie sind stärker als Waffen, vereinen Menschen und machen anderen Mut, selbst für die Befreiung aufzustehen und einzutreten. Auch das ist eine Form der Völkerverständigung in einem zerrütteten Land mit unmenschlicher Regierung.

Unsere Völkerverständigung begann beim extrem leckeren Frühstück, da mir oblag, mit den Köchen über die gewünschte Zubereitung des Tees und unseres Rühreis debattieren zu dürfen – mangels Sprachkenntnissen eher theatralisch, wozu wir allerdings wohl beide ein gewisses Talent hatten 😉 Nach dem Essen kauften wir im Türkei-Rausch erstmal ne Mustafa Sandal-CD und wagten uns wieder in den halsbrecherischen Verkehr von Antalya. Unser Ziel war Göynük, doch zuvor war Tanken angesagt. Hier: Schock! 3,80 für 1 Liter Benzin … ok, Lira, aber das sind immer noch gut zwei Euro pro Liter. Wahnsinnig teuer, hier muss ich mal recherchieren, warum. Überrascht hat mich das vor allem deshalb, weil hier ja nicht so gut verdient wird, aber trotzdem massenhaft Autofahrer rasant und wenig spritsparend unterwegs sind. Egal, ich schlängelte mich wieder ordnungsgemäß auf der 2 1/2ten Spur ein und ließ mich aus der Stadt hinausquetschen. Auf dem Freeway konnten wir dann ein wenig durchatmen, nach dem städtischen Chaos war die Fahrt dort ein Kindergeburtstag.

In Göynük angekommen inspizierten wir erstmal die Shopping-Avenue, die aus typisch touristischen Läden bestand, bestückt mit Lederwaren, Sonnenbrillen und Klamotten aller Art, natürlich alles Minimum GStar, Hilfiger oder RayBan, und natürlich echt 😉 Wie bereits vor der Reise angenommen, scheinen die Russen inzwischen den Großteil der Touristen auszumachen, da sämtliche Preise nur in Euro oder $ ausgezeichnet waren und sämtliche Schilder bevorzugt russische Schriftzeichen enthielten. Gegenüber des Themenhotels Queen Elizabeth, das mächtig abgetakelt wirkte und dringend mal in die Werft müsste, erwarben wir einige Postkarten und machten, dass wir schleunigst aus diesem seltsamen Mix aus Markt, Kaufhaus und Russendisco wegkamen. Unser eigentliches Ziel war sowieso die Wanderung zum ortsansässigen Canyon und Wasserfall, die wir trotz einsetzenden Regens nun auch antraten. Vorbei an Einheimischen, über ein Flussbett und den Berg hinauf, kamen wir nach gut 30 Minuten an das Eingangstor des Canyons, wo erstmal fünf Lira Eintritt pro Person fällig wurden. Die Lebenshaltungskosten scheinen eher gering zu sein, aber über Eintrittsgelder werden die Besucher wohl überall hier in die fällige Staatssanierung eingebunden. Für uns kein Problem, wir atmen ja auch die entsprechende Luft. Unser Weg führte und entsprechend weiter, erst auf den durch den nächtlichen Regen gut gefüllten Canyon, dann über eine wacklige Brücke sogar darüber hinweg. Weiter ging es, an künstlichen Seen, Höhlen und Rastplätzen vorbei. Nach einer weiteren Flussüberquerung ging es die Fluten entlang bis zum Eingang des eigentlichen Canyon. Hier folgte die Ernüchterung, das Wasser stand durch den Regen so hoch, dass man nicht zum Wasserfall vordringen konnte. Also blieb uns nur, ein paar Fotos zu schießen und unverrichteter Dinge den Rückweg anzutreten.

Dieser bot dann allerdings gleich einige positive Überraschungen. Zunächst wurde mein Girly fast zu Tode erschreckt, da sie eine große Spinne vor sich wähnte (die gibt es hier wirklich), bis wir feststellten, dass es sich um eine coole, mitten auf dem Weg wandernde Krabbe handelte. Ich vermutete richtig, dass es in der Nähe noch mehr geben könnte und so fanden wir ein Weibchen an der Felswand. Sie ließen auch einige Fotos zu, die ich hier auch eingefügt habe. Es ging positiv weiter, wir trafen Tomasz, einen einsamen polnischen Wanderer aus Posen/ Polen, der vor zwei Wochen seine Beziehung verlor und zum Auftanken und Nachdenken in der Türkei weilt. Er sprach perfekt Deutsch, durch einen 9-monatigen Aufenthalt in Bonn und München mittels Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung, und so wurde es ein sehr kurzweiliger und spaßiger Rückweg. Er erwähnte noch einen steilen Aufstiegspfad, dem wir willig folgten und der uns nach 30 sehr mühsamen Minuten atemberaubende Ausblicke bot. Selbst der Abstieg wurde wider Erwarten nicht zum Horrortrip, wir gelangten sicher zum Auto und haben Tomasz dann auch noch zu seinem Hotel gefahren. Gelebte Völkerverständigung mit absolut positivem Erinnerungswert.

Gegen 18 Uhr waren wir zurück im Hotel und inspizierten vor dem Essen nochmal den Fitnessbereich – mussten ja checken, ob alles noch funktioniert 🙂 Die Einheit war kurz und gut, meine Muskeln zittern jetzt noch … anschließend ging’s Duschen und dann zum Abendbuffet – nicht ganz so toll wie gestern, aber das ist ja Geschmackssache. Mir fehlte einfach das Hühnchen von gestern (klar, ist ja auch in meinem Bauch, bzw. inzwischen bestimmt anderweitig verarbeitet ;-)).

Zu guter Letzt habe ich noch über Skype mit einem Kumpel aus Deutschland telefoniert und schaue mir gerade den letzten Teil der heutigen Völkerverständigung an, während Girly schon schläft – Deutschland gegen die Türkei in der EM-Qualifikation. Noch sieht’s gut aus für good old germany … hoffentlich habt auch ihr den Tag genossen und könnt, wie ich, sagen: Das war ein richtig toller Tag. Keep on rockin‘ !!